„Bis in alle Ewigkeit?“ – Eine Fotoserie.

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Franziska setzt sich in verschiedenen Fotoarbeiten mit dem Fruchtbarkeitsmythos in der Kunst auseinander. Für umstandslos zeigt sie ihre Arbeiten rund um „den Granatapfel“ und seine Fruchtbarkeitssymbolik.

von Franziska Burkhardt

Ich bin seit vier Jahren Mutter. Seitdem durchlebe ich verschiedene Phasen und stelle mir immer wieder Fragen. Vor allem Fragen zum „großen“ Mythos der Mutter. Dieser Mythos hat so viele Ebenen das ich mich zunächst erst einmal auf Symboliken, die in Kunst und Kultur tief verankert sind und seit Jahrhunderten überliefert wurden, beschränkte. Eine meiner ersten fotografischen Arbeit behandelt „den Granatapfel“. Er gilt seit der Antike mit seinen vielen Samenkernen als Symbol der Fruchtbarkeit, der Liebe und des Glücks.

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(c) Franziska Burkhardt

Im Mittelalter wurden Duft und Vielzahl der Kerne als Symbol der Schönheit und der zahlreichen Tugenden Mariens gedeutet. Da ist sie wieder, die Maria! In meiner Bilderrecherche stieß ich auf zahlreiche mittelalterliche Gemälde sowie Werke aus der Zeit der Renaissance (Sandro Botticelli, Hans Holbein), in denen Maria mit dem Jesuskind zu sehen ist. Im Grunde fiel mir auf, wie häufig der Apfel und ebenso der Granatapfel auf diesen auftauchte. Bei meiner Vertiefung interessierte mich in erster Linie der Granatapfel als Symbol der Fruchtbarkeit.

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(c) Franziska Burkhardt

Die Granatapfelblüte wird aufgrund ihres Wesens in arabischen Ländern seit alters her als Blüte der Weiblichkeit stilisiert. In Asien, im Nahen Osten, aber auch in Griechenland werden bis heute Hochzeitbräuche vollzogen, bei denen der Granatapfel auf die Schwelle der Eingangstür geworfen wird. Ein Aufspringen und Herausfallen der Kerne verheißt reichen Kindersegen für das neuvermählte Paar. Im Nahen Osten besagt der Volksmund, dass der Granatapfel die so genannten „weiblichen Persönlichkeitsanteile“ in jedem Menschen anspreche.

Na gut, so viel erst einmal dazu. Ihr findet jedenfalls zahlreiche Einträge zum Granatapfel und seiner Symbolik. All das ist, wie ich finde, sehr aufgeladen. In meiner fotografischen Arbeit wollte ich mich dem Thema Fruchtbarkeit, verkörpert durch den Granatapfel, ähnlich – jedoch mit einer anderen Aussage – nähern.

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(c) Franziska Burkhardt

Sowohl auf medizinischer als auch auf politischer Ebene wird die Fruchtbarkeit einer cis Frau auf einen Thron gesetzt. Parallel dazu wird die Frau auf diese „Leistung“ reduziert.

Es gibt keine Fruchtbarkeitsstadien. Aber es gibt einen Fruchtbarkeitsmythos, der seit Ewigkeiten gepflegt wurde. Um zu erhalten, was schon immer da ist.

In vielerlei Hinsicht ist es aber zu einem Umdenken unter Frauen gekommen: Vermehrt entscheiden sie sich dazu, keine Kinder zu bekommen, weil sie schlicht und einfach keine wollen – und sie sprechen (offener) darüber. Gleichzeitig wird in aktuellen Diskursen immer sichtbarer, dass mit Vagina und Gebärmutter geboren worden zu sein, nicht zwangsläufig „Frau-Sein“ bzw. Kinder bekommen zu müssen heißt.

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(c) Franziska Burkhardt

Zur Umsetzung

In den Gemäldedarstellungen wird der Granatapfel als Fruchtbarkeitssymbol verehrt und mystifiziert. Durch den schwarzen Hintergrund und dem leicht gelblich fallenden Licht habe ich eine Stimmung wie in den alten Gemäldedarstellungen der Renaissance erzeugt, die Mystik damit erhöht und bekräftigt. Ich wollte die Fotografie malerisch wirken lassen und entschied mich, bestimmte Elemente dieser Epoche zu nutzen und teilweise im Foto umzusetzen. Mein Anliegen ist, den Betrachter_innen zu ermöglichen, sich der Fotografie wie einem Gemälde zu nähern und dabei alten bekannten Symbolen und Sinnbildern zu begegnen, die wir aus dieser Zeit kennen. Zeitgleich erreiche ich aber eine Form der Irritation dessen, weil sich die Anordnung des menschlichen Körpers und des Fruchtbarkeitssymbols, des Granatapfels, dem gewöhnlichen Auge entzieht und die Betrachter_innen erst recht auf eine Suche nach altbekannten Mustern geschickt werden.

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(c) Franziska Burkhardt

Franziska Burkhardt, 32 Jahre alt, lebt und arbeitet in Weimar. Sie hat eine vierjährige Tochter. In Weimar studiert sie an der Bauhaus Universität im Master Medienkunst/Mediengestaltung mit verschiedenen Schwerpunkten, unter anderem Fotografie, sowie Klang, Installation und Performance. Darüber hinaus gibt sie Street Art-Workshops für Jugendliche und vor allem Girlz. Sie liebt alles, was mit urbanem Leben, Kunst und Kultur zu tun hat und ist stets dabei, vor allem Mädchen und Frauen zu motivieren, auch mal auf ein Skateboard zu steigen oder die Sprühdose in die Hand zu nehmen.

Seit ihrer Mutterschaft setzt sie sich künstlerisch mit dem „Mythos der Mutterschaft“ auseinander und ist währenddessen im Feminismus angekommen, womit sie sich „sehr wohl fühle“, wie sie meint. Ihre Website motherhood is mental freeze !? ist als digitales Archiv zu verstehen, wo sie alles, was mit Mutterschaft und Feminismus zu tun hat, vereint.


Beitragsfoto: Franziska Burkhardt (Rahmen und Zuschnitt: umstandslos)

Beitrag erschienen in: abschließen.

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