Rituale erfinden.

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit stellt sich mir wieder die Frage: Wie möchte ich diese Wochen und vor allem die Feiertage für meine Kinder und mich gestalten? Die ein oder andere Idee könnte sich in den beiden Büchern, die Catherine für uns rezensiert hat, finden. Wer nicht dezidiert christliche Rituale mit seinen Kindern begehen möchte, aber trotzdem bestimmte wiederkehrende Ereignisse im Kinderleben zelebrieren mag, landet schnell bei der Orientierung an Jahreszeiten. Beide  Bücher möchten Anregung bieten zur Annäherung an die Natur, den Jahreskreislauf und bieten Ideen für verschiedene Aktivitäten. (Anna Lisa)

Von Catherine

Lieber Nicht: Feiern mit den Naturkindern

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Caroline Hosmann verspricht, dass ihr Buch ein „Begleiter sein [und] Inspiration bieten“ für Rituale, gemeinsame Feste und das Naturerleben für Eltern und Kinder. Und so marschiert ihr „Feste feiern mit den Naturkindern“ durchs Jahr und bietet für Frühling, Sommer, Herbst und Winter Anregungen und Tätigkeiten für Groß und Klein. Einleitend erzählt die Autorin oft aus ihrem Familienalltag mit vier Kindern und beschreibt, wie das zu etablierende Ritual dort oder in der von ihr geleiteten Naturkindergruppe begangen wird. Darauf folgen Anleitungen für die verschiedenen Elemente des Festes – Stempel stempeln, Einladungen bemalen, Dekoration herstellen, Essen machen.

Viele viele Fotos zeigen Blumen, Steine, Holzdinge.
Mein erster Eindruck war nicht gut. Das Buch hat ganz offensichtliche Schwachstellen. Die Schilderung des eigenen Familienlebens erscheint mir nicht authentisch, sie stellt keine Verbindung zur Autorin her, sondern führt eher zur Abgrenzun. Die Anleitungen sind teilweise arg kurz und überschaubar gehalten. Für kleine Kinder sind viele Sachen zu schwierig (oder: Wer schafft es, Papiertüten mit recycelter Folie aus Briefumschlagsfenstern zu bekleben. Die Großen oder das Kindergartenkind?). Weiter werden Indianerfeste gefeiert. Mit Friedensbemalung, Traumfängerbasteln und Indianerketten. Uff. Es gibt eine Kinderhochzeit zwischen einem Kind mit Jungsnamen und einem Kind mit Mädchennamen. Hobo Kocher werden gebaut und es scheint, als sei die Welt von Bayern aus sehr einfach und übersichtlich.

Ich hab das Buch noch ein paar Mal zur Hand genommen. Es finden sich auch gute Ideen darin. Sitzkissen filzen, Feuer anzünden, Phantasiereisen am Wasser, Vogelfutter machen. Hosmann legt Wert darauf, ziemlich ausschliesslich Naturmaterialien zu verwenden, was ich gut finde, weil weniger Müll für alle.

Eins muss dem Buch eine Chance geben, alle Augen zukneifen, dann kann sich was finden lassen, was mit oder ohne Kinder Spaß machen kann. Dafür muss eins aber wahrscheinlich nicht ausgerechnet dieses Buch kaufen.
Caroline Hosmann: Feiern mit den Naturkindern. Haupt 2014.

Lieber: 365 Tage Natur

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Ganz reizend und ganz und gar empfehlenswert ist aber Anna Carliles 365 Tage in der Natur – fühlen, schmecken, entdecken. Es richtet sich an niemanden besonders, ist also kein dezidiertes Buch für Kinderbeschäftigung. Aber. Es bietet auf knapp 250 Seiten fast 100 Ideen, um mit der Natur in Kontakt zu kommen. Die Tipps sind vielseitig und es findet sich für alle was. Behaupte ich. Ob eins nun Barfuss laufen oder ein Gemüsebeet anlegen will. Bienen züchten, Körbeflechten oder Pflanzenfarbe gewinnen mag.

Ebenfalls nach Jahreszeiten gegliedert gibt Anne Carlile ganz vielseitige Vorschläge, geeignet für Stadt- wie Landbewohner*innen und ganz viele davon auch mit Kindern umzusetzen. Ihre Fotos sind ziemlich schön und es findet sich einiges, das als wiederkehrendes Ritual mit Kindern vorstellbar ist – das erste Lagerfeuer des Jahres mit besonderem Stockbrot, ein Mobile aus Alltagsfundstücken bauen, Blütenessenzen bereiten, die Mondphasen verfolgen oder ein Terrarium anlegen, das den Sommer über wächst und gedeiht. Wenig Rezepte für Nahrung sind im Buch, was mir gut gefällt, und viele viele Dinge, die eins auch allein ohne Kinder machen kann und die Spaß versprechen. Die Anleitungen sind kurz und übersichtlich gehalten, aber trotzdem verständlich und nachvollziehbar, auch wenn es bei Themen wie Hühnerhaltung sicher nicht reicht, im vorliegenden Werk zu stöbern. Ein super Buch. Einzig: Teuer ist es. Fast 30 Euro lässt eins dafür im Geschäft. Aber es ist dick, schön und voller freundlicher Ideen.

Anne Carlile: 365 Tage Natur. Edel 2016.

Beide Bücher wurden uns als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.

Erschienen in: Rituale und golden.
Fotos: Feiern mit den Naturkindern: Rechte bei C. Hosmann und dem Haupt Verlag.
365 Tage Natur: Rechte bei Anna Carlile
Beitragsbild: Rechte bei Anna Carlile. Rahmen umstandslos.

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