Kambodscha oder Cuxhaven – Schwanger in der Urlaubszeit

 

bild_daheim

 

von M.

Irgendetwas Großes hinter dem Haus macht sehr laute, sehr grässliche Geräusche. Als würde man eine Trompete in einer Gießkanne foltern.

Die Eselherde chillt im Schatten. Mit gelegentlichem schreien.

Ein Teil von mir wäre gern eine dieser heftig coolen Schwangeren, die noch im 9. Monat durchs ländliche Indien fährt oder mit weißen Haien taucht. Diese „Heldinnen-Geschichten“ von hochschwanger mit dem Rucksack nach Asien fernreisenden Frauen spukten mir im Kopf herum, während der Liebste Cuxhaven als Urlaubsort ins Spiel brachte.

Es war Juni im Norden und Wollsocken immer noch Teil meines Outfits. Ich brauchte Sonne und Wärme! Das Fernweh sagte Südostasien. Nochmal nach Kambodscha, Laos, dies das mit Tempeln und Kokosnüssen.

Allerdings reise ich mit All-Inclusive-Gast im Uterus. Der Mensch in mir ist erst ein paar Zentimeter groß, aber bei der Reiseplanung zu bedenken. Schwanger reisen, hm. Muss ich dafür in eine Bettenburg mit Vollpension und Wutbürgern?

Das große Abwägen begann. Die erste Schwangerschaft war in Teilen ziemlich krass, zwei Krankenhaus-Wochen nach Blutungen, längere absolute Ruhe zuhause, dann der überraschende Kindstod. Die zweite Schwangerschaft ist bis jetzt total entspannt. Doch mein Bedürfnis, irgendwelche Risiken einzugehen, ist Null. Allerdings ist auch die Aussicht auf jetzt 10 Monate rumhängen im Scheißwetter ziemlich furchtbar.

Der Liebste war für lokale Ziele, Nordseeküste mit Nähe zum Wohnort und Krankenhaus oder so. Ich eher für einen Flug in den europäischen Süden unter Vermeidung der Bettenburgen. Wir waren uns uneinig. Der Babymensch derweil mit Fruchtwassertrinken beschäftigt.

Also gingen wir es strategisch an: Wohin kommen wir mit der Bahn, wo es aber schon warm und sonnig ist, bei ausreichender medizinischer Infrastruktur?

Nach 10 Stunden entspannter Bahnfahrt (in München gibt es am HBF großartige vegane Döner!) waren wir in Italien. Beim ersten AirBnB direkt neben einem Umspannwerk kurze Paranoia- Party beim werdenden Vater, bei mir eher dicke Füße weil es doch wirklich warm ist im Sommer im Süden. Ich weiß jetzt, aus dem Norden kommend ist mein schwangerer Körper nicht so easy peasy mit plötzlicher Sommerhitze. Schwanger reisen da noch so mittelentspannt. Aber wofür gibt es Eiswürfel und Mittagschlaf im Schatten.

Das zweite AirBnB dann das absolute Paradies: Ein winziges Bergdorf in der Toskana, sonnig aber nicht krass heiß. Einsam in wunderschöner Natur, aber nur 15min bis ins nächste Krankenhaus. Und frei herumlaufende Esel!

Die Tage vergehen mit schwimmen im Wasserfall, Esel beobachten, italienischem Essen und Sonne auf den Bauch scheinen lassen.

Es ist nicht Extremreisen in der Schwangerschaft und auch nicht die Vollpension mit Krieg um Pool-Plätze auf Mallorca. Es ist eher Ich hör auf meinen Bauch und mach nur das, was sich für mich gut anfühlt.

Wie ich da so sitze in meiner Umstands-Hotpants und den Esel mit Obst vom Frühstückstisch füttere, finde ich uns und mich und die Welt ziemlich in Ordnung.

 

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Erschienen in: daheim/nicht-daheim.

Bild: M. Rahmen: umstandslos.

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Ein Kommentar

  1. Schöner Text ❤️ Ich hoffe ihr hattet einen entspannten Urlaub und dein(e) Bauchbewohner(in) fand bestimmt auch Gefallen an den schreienden Eseln 😀 dann kann es sich so schon mal auf den Bauerhofurlaub in ein paar Jahren einstellen. Die Toskana steht auch ganz oben auf meiner Liste in Europa… allerdings schon mit laufendem Kleinkind dann 😉

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