Traumurlaub – Und beide Kinder kommen mit

von Marika 

Was brauchen Eltern, um im Urlaub auch wirklich Kraft tanken zu können? Und wie könnte ein Urlaub so gestaltet werden, um das zu erreichen? Diesen Fragen geht Marika bei der Planung des eigenen Familienurlaubs auf den Grund und teilt ihre Schlüsse in ihrem Beitrag mit uns.  

 

„Ich hab´ den Urlaub mit ihnen jetzt abgesagt.“ sagt er eines Abends vor ein paar Wochen. „M. ist einfach noch nicht wieder richtig gesund und sie werden wohl selbst nicht dorthin fahren in diesem Jahr.“  „Mmpf, so schade! Jetzt fangen wir also wieder von vorn an zu überlegen“, denke ich laut.

Sehnsucht nach Urlaub

Noch vor einigen Wochen waren J. und ich sehr glücklich und voller Vorfreude, als wir uns endlich entschieden hatten, unsere Freunde und deren knapp 3-jähriges Kind mit Bulli und Zelt nach Südwestfrankreich zu begleiten. Dieser Entscheidung gingen nochmal einige Wochen Überlegen voraus, welche Umstände in einem Familienurlaub mit Kleinkind und Baby nötig sind, damit der Urlaub tatsächlich für uns alle erholsam werden kann. Unser aktueller Alltag ist von Care-Arbeit rund um die Uhr geprägt. Also nehmen wir diese Arbeit mit und für die Kinder auch in den Familienurlaub mit. Glücklicherweise teilen wir uns diese Aufgaben ziemlich gut und sind nur sehr selten länger allein mit beiden Kindern gleichzeitig. Dies führt allerdings auch dazu, dass beide Erwachsene ein Bedürfnis nach Abstand vom Familienbetrieb haben und wir uns fragen, wie die Anstrengungen des Familienalltags im Urlaub minimiert werden könnten.

Immer wieder kommen wir bei unseren Überlegungen zu dem Schluss, dass es ein Urlaub mit Freunden sein soll, die ein Kind in ähnlichem Alter haben wie unser Kindergartenkind. Dann könnten die Dreijährigen miteinander spielen, was sie unserer Erfahrung nach mittlerweile lieber tun als nur mit den „Großen“ zusammen zu sein. Während ein Elternteil nach ihnen schaute und eine*r von uns sich unseres 9 Monate alten Babys annähme, hätten immer ein bis zwei Eltern „frei“. Sie könnten tun, wonach ihnen der Sinn steht oder mit Ruhe und Muße und ohne Ablenkung durch Kinderbedürfnisse tun, was je nach Urlaubsform (im all-inclusive-Urlaub eher nicht 😉 vielleicht eh zu tun wäre: Tisch decken und etwas Kochen zum Beispiel.

So wäre es wohl gewesen mit unseren Freunden auf einem Campingplatz im südwestfranzösischen Pinienwald…

Klappt nicht, also wieder zurück auf Los und neu überlegen, welche Aspekte für uns eine Rolle spielen.

Was ist für uns ein Urlaub und wie kommen wir dahin?

Früher, als wir noch allein oder zu zweit unterwegs waren, beinhalteten unsere Urlaube am liebsten folgendes: Berge zum Wandern, Rucksack mit Zelt, ein paar Wechselklamotten und hier und da eine Flasche Rotwein. Den Daumen zum Trampen hatten wir eh dabei, manchmal kauften wir uns aber auch ein Bus- oder Zugticket und stiegen einfach ein. Heute ist solch ein Urlaub allein oder zu zweit noch nicht wieder aktuell. Bevor das Baby da war, waren zumindest derartige Wochenenden schon wieder möglich.

Ich frage mich, was macht den derzeitigen Alltag für mich anstrengend und was fehlt mir zur Erholung und zum Ausgleich. Mein Partner fragt sich das gleiche und einiges deckt sich mit meinen Wünschen.

Anstrengend für uns: parallel arbeiten, also gleichzeitig Bedürfnisse zweier Kinder und der eigenen befriedigen müssen, immer reihum ohne Pause. Sofortiges Umschalten von Care-Arbeit zu Büro-Arbeit und zurück.Die stets nach außen gerichtete Aufmerksamkeit auf die Personen und die Dinge um uns herum. Keine Ruhe und Zeit zum Hinsetzen und in die Luft zu gucken haben, zum genüßlich Kaffee trinken und dabei im Buch oder in der Zeitschrift lesen. Zu wenig Schlaf, also dauerhaft weit unter dem persönlichen zeitlichen Schlafbedürfnis bleiben. Zu wenig gutes (nahrhaft, vielfältig, lecker, bunt, gesund) Essen…

Traumurlaub – und beide Kinder kommen mit

Solch ein Traumurlaub verspricht die größtmögliche Erholung und Entspannung für uns Eltern und schöne Erlebnisse und Erfahrungen für die Kinder. Am ehesten herbeigeführt werden könnte dies mit folgenden Komponenten:

  • selbstbestimmte Zeit zum (Aus-) Schlafen, immer schön abwechselnd
  • Möglichkeiten, mitten am Tag zwei Stunden lesen zu können
  • mal eine Weile allein sein dürfen
  • mal nicht sprechen und interagieren müssen
  • kinderfreundliche, sichere, anregende Umgebung, die wenig Aufsicht und Unterstützung erfordert und positive Reize bietet
  • notwendige Tätigkeiten wie zum Beispiel Kochen ganz konzentriert und in Ruhe erledigen können, oder: wenn keine Lust auf Kochen da ist, an kinderfreundlichen Orten essen gehen
  • schwimmen
  • wandern den ganzen Tag und nicht „nur“ eine Runde spazieren gehen
  • laue Abende unter freiem Himmel mit guten Gesprächen mit Partner*in und Freund*innen
  • was Neues sehen und erleben und an neue Orte kommen
  • ungeteilte Spielzeiten für jeweils ein Kind exklusiv genießen
  • nach dem eigenen Biorhythmus leben und nicht nach der Arbeits-, Schul- und Kindergartenuhr
  • Kaffee oder Tee trinken, so lange eins möchte

Das Dorf

Es braucht ein Dorf, um Kinder groß werden zu lassen, lese ich in veränderlichen Formulierungen immer wieder. Ich glaube, dass da schwer was dran ist. Denn wann immer mehr als 1-2 Erwachsene mit uns zusammen sind, wir gemeinsam essen oder unterwegs sind, wird unser Alltag erleichtert. Und sei es nur, weil eins auch mit Erwachsenen und nicht nur Kindern kommuniziert.

Das „Dorf“ (mehrere Erwachsene in der Nähe der Kinder die sich entweder für die Aufsicht und/ oder die Versorgung einbeziehen lassen), ist im Kleinfamilienalltag oft nicht vorhanden. Deshalb sollte es meiner Meinung nach bestmöglich zumindest im Urlaub umgesetzt werden, will man Abstand von den täglichen Aufgaben daheim.

Zwar nicht in unserem Fall, sicherlich jedoch in einer großen Mehrzahl der klassischen Heterofamilien sind es die Mütter* aka Frauen*, die den Bärenanteil der Care-Arbeit mit Kindern leisten. Dementsprechend ginge der Urlaubseffekt in punkto Erholung für sie gegen Null, wenn sie nicht spürbar entlastet werden durch sonst weniger involvierte Partner*in und/ oder weitere Erwachsene.

Kommt dann auch noch ein Ortswechsel ans Urlaubsziel hinzu, steigt unter Umständen im Urlaub die Belastung für die Sorgenden sogar noch, weil die gewohnte Umgebung und damit möglicherweise Strukturen und Routinen fehlen.

Warum also nicht mit den Großeltern oder eigenen Geschwistern und deren Kindern in den Urlaub fahren (mit getrennten Ferienwohnungen oder Zimmer im gleichen Hotel für genügend Rückzugsraum und Intimsphäre)? Oder eben mit Freund*innen mit und ohne Kinder?

Wir haben uns nach vielen Gedanken, Gesprächen und Telefonaten mit potentiellen Urlaubsbegleiter*innen entschieden, auf ein wunderbares, auch familienfreundliches Musikfestival zu fahren. Dort treffen wir Freund*innen mit und ohne Kinder, haben vielerlei Input wenn wir wollen und Ruhe am Lagerplatz, wenn wir es brauchen. Wir dehnen das Wochenende zu einer Woche vor Ort aus und zumindest ich werde die großartige Patti einmal live erleben dürfen.


Beitrag erschienen in: sommer. Oder: daheim/nicht-daheim.

Beitragsbild © Marika

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