Editorial: weiter.machen

weitermachen

Kinder werden krank, Deadlines drücken uns gegen die Wand, Geldknappheit erstickt Freuden, Gewalt passiert, die Emotionen torkeln durch die Tage, Körper verweigern, zu funktionieren, Streitgespräche treffen Herzen, To-do-Lists wickeln uns ein, die Welt macht Angst, das viele Müssen lähmt.

Für die aktuelle Ausgabe haben wir Texte gesammelt, die sich ums Thema weiter.machen drehen. Wie weitermachen, wenn alles schwierig ist? Wenn Carearbeit, Familie, Freund*innen, Lohnarbeit viel sind? Zu viel werden. Oder auch kleiner gedacht: Wie weitermachen, wenn dieser eine Tag überstanden werden muss? Und ganz groß: Wie weitermachen, wenn ich mit Strukturen klarkommen muss, die nicht gut für mich sind, aber die ich aber nicht änder kann?

Wir wollen mit dieser Ausgabe empowernde Tipps fürs Weitermachen geben. Wir wollen schauen, wie es andere machen. Wir wollen die vielen kleinen und großen Kämpfe sichtbar machen, trotz denen wir weitermachen. Aber auch zeigen, dass auch ein Nicht-Kämpfen ein gutes Weitermachen sein kann.

Die Ausgabe startet mit Annes Text, in dem sie zehn konkrete Strategien gesammelt hat, die ihr dabei helfen, an diesen „grauen Tagen, durchzogen von schwarzen Schlieren und manchmal auch grellroten Blitzen“ weiterzumachen, weil es mit Kind(ern) oft nicht möglich ist, sich einfach die Decke über den Kopf zu ziehen und Trübsal zu blasen.

Oma. Mutter. Nicht-Mutter. Madame Flamusse beschäftigt sich in ihrem Text mit dem (Nicht-)Weitermachen über Generationen hinweg.

Über ein Leben zwischen Kind, Uni, Lohnarbeit, Gender-Issues (Trans*Elternschaft) und Neurodiversität (bipolar, Essstörung, Trauma) erzählt Noam Kex und darüber, „was ich für mich lernen musste und wieso ich froh bin, auch in meinen dunkelsten Stunden weitergemacht zu haben“.

Eine anonyme Autorin schreibt für uns einen Text über Selfcare mit Sex und „von der eigenen emotionalen Abhängigkeit, der Liebe zum Nägel-Lackieren und darüber, sich den Körper nach Gewalterfahrungen im Tinder-Reigen wieder anzueignen“.

Pitz stellt in der Düsternis galoppierende Überlegungen an, wie man weiterleben kann mit schwierigen Bruchstücken der Erziehung, die man selbst genossen hat. Und findet sogar Antworten.

„Manchmal wache ich schon wütend auf und denke mir: ‚Verdammt! Meine Ideen versickern im Äther des Nirgendwos.'“ – Mutter-Sein und künstlerisch arbeiten, geht das? Wie geht das? Mit dieser Frage setzt sich Susi in ihrem Text „Familienarbeit essen Kunstarbeit“ auseinander.

Minusch hat körperliche Gewalt durch ihren Ehemann erfahren. Sie sammelt in ihrem Beitrag Erinnerungen und Gedanken vom Weitermachen, nachdem dieser zum ersten Mal zugeschlagen hat: „Du packst die Frühstücksdosen Deiner Kinder wie ein Automat. Du gibst beiden Kindern Küsse und fährst zur Arbeit. Die ersten 90 Minuten vergehen in Routine, dann musst Du kurz aufs Klo. Und dort fängst Du unwillkürlich an zu weinen.“

Ich war ‚mal cool. Jetzt weiß ich nicht genau, was ich bin. In erster Linie bin ich müde. Mein Kopf ist oft leer und manchmal ist sogar mein Herz leer, weil ich alle meine Energie und Liebe nach außen gepumpt habe“, schreibt Li-Ming in ihrem Text „Kleinfamilienfalle“. Sie erzählt darin von sich, davon, dass sie bi ist, genderfluid und poly, aber heute in einer traditionellen romantischen Zweierbeziehung lebt – davon, was das mit ihr macht.

In einem zweiten anonymen Beitrag geht es ums Weitermachen bei Trennung, Trauma und Alleinerzieherinnen-Dasein – und darum, wie mensch zwischen Triggern, eigenen Bindungsthemen, wilden Tieren im Kopf und Mondpapas den Ausgleich und Zeit für sich selbst finden kann.

Maren schreibt vom Weitermachen nach dem Tod eines Kindes: „Es geht mir immer anders, aber auch immer besser und gut. Und zwischendurch bin ich sogar ehrlich glücklich.“ Sie will mit ihrem Text auch anderen Betroffenen Mut machen, dass sich weitermachen, weiterkämpfen und durchhalten lohnt.

Catherine rezensiert für umstandslos den Roman „lilium rubellum“ von Kathrin Schadt. Das Buch setzt sich intensiv mit der Frage auseinander: Können, wollen wir nach einer pränatalen Diagnose für unser Kind, mit diesem Kind weitermachen oder nicht? Und welche Konsequenzen ergeben sich für die Schwangere – je nachdem, wie sie sich entscheidet?

Auch in dem letzten Beitrag der Ausgabe geht es um Literatur. Cornelia hat Kinderbücher gesammelt, die sich mit dem Weitermachen angesichts spezifischer Konflikte wie Mobbing, Angst, Schüchternheit und Fremd-Fühlen beschäftigen.

Außerdem freuen wir uns, dass diese Ausgabe auch einen eigenen Soundtrack bekommen hat. Eva Gutensohn ist Musikredakteurin von Radio Dreyeckland und stellt für umstandslos 15 Songs zum Weitermachen vor:

(1) Savages – I need Something New

(2) Fiva – Das Beste ist noch nicht vorbei

(3) Kate Tempest – Let Them Eat Chaos – Don’t Fall In

(4) Angel Olsen – Give It Up

(5) Austra – Future Politics

(6) Barbara Morgenstern – Schieß den Bock

(7) Die Heiterkeit – Pop & Tod

(8) PJ Harvey – The Community of Hope

(9) Sookee – Q1

(10) Torres – Sprinter

(11) Wallis Bird – Seasons

(12) Gurr – Breathless

(13) HYENAZ – We Are Water Flowing To What End

(14) Cherry Glazerr – Apocalipstick

(15) Blood Orange – By Ourselves [not available in some countries]<

Mit diesen Klängen überlassen wir das Wort unseren Autor*innen. Wir freuen uns auf die vielen unterschiedlichen, nachdenklichen, Mut machenden, tollen Texte und wie immer auch besonders auf eure Meinungen und Ergänzungen dazu in den Kommentaren.

Habt es schön,
Anna Lisa, Antonia, Catherine und Cornelia

PS: Welche Songs helfen euch beim Weitermachen? Hinterlasst sie uns in den Kommentaren oder mailt sie uns (redaktion @ umstandslos.com), dann stellen wir sie gerne auf Facebook vor!

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3 Kommentare

  1. madameflamusse

    klingt toll und das mit den Liedern find ich Klasse!

  2. Mein bestes Tröstelied ever: On The Mend von den Foo Fighters ❤ Kräftig geheult und weiter geht’s 💪 Liebe Grüße!

  3. Auf die Texte zu diesem Thema freue ich mich sehr, es ist auch meins – schon jetzt also ein „Danke“ für diese Ausgabe!

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