Elternzeit aus – Job weg?

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Die Rückkehr aus Karenz oder Elternzeit sorgt vielfach für Konflikte. Arbeitnehmer_innen werden (vermeintlich) einvernehmlich in schlechtere Positionen bugsiert oder in manchen Fällen auch dorthin gemobbt. Die rechtliche Situation ist eigentlich klar und wird, was viele nicht wissen, in Österreich durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs gestützt. Anbei ein kurzer Überblick über die formellen Rahmenbedingungen. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Berichtet uns davon in den Kommentaren!

Rechtliche Rahmenbedingungen regeln sowohl in Deutschland als auch in Österreich die Rückkehr nach Karenz/Elternzeit in den Job. In beiden Ländern gilt das Recht auf einen gleichwertigen und nicht minderwertigen Arbeitsplatz.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass sie an ihre alte Stelle zurückkehren. Stattdessen kann der Arbeitgeber gemäß seinem Direktions- und Weisungsrecht eine gleichwertige Position anbieten. Die neue Tätigkeit muss aber im Wesentlichen dem entsprechen, was im Arbeitsvertrag festgeschrieben ist und was der Arbeitnehmer zuvor geleistet hat. Auch Qualifikation, Bezahlung, Arbeitszeit und -ort müssen die vorherigen Bedingungen erfüllen.

(Quelle: süddeutsche.de | „Das ist Ihr gutes Recht!“)

In Österreich gibt es dazu ein Urteil des Obersten Gerichtshofes (OGH 25. 6. 2014, 9ObA50/14i), das die Rechte von Wiedereinsteiger_innen nach der Karenz stärkt und hinsichtlich des Anspruchs auf den früheren Arbeitsplatz noch etwas weiter geht. Der OGH hat in besagtem Fall entschieden, dass einer Arbeitnehmer_in die Rückkehr an den früheren Arbeitsplatz nicht verwerrt werden kann, nur weil die Karenzvertretung unbefristet eingestellt wurde und sie sich ebenfalls bewährt hat, oder sich der Arbeitsplatz durch Umstrukturierungen verändert hat. Im konkreten Beispiel war die Karenzvertretung bei Rückkehr der Karenzierten für eine größere Anzahl an Mitarbeiter_innen verantwortlich als bei Übernahme des Aufgabenbereichs.

Der OGH dazu: „Dass eine höhere Position während der Karenz einer Arbeitnehmerin unbefristet mit einer Ersatzkraft besetzt wird, beseitigt nicht das Recht der Arbeitnehmerin, nach der Karenz auf ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. Eine zwischenzeitig erfolgte Änderung des Arbeitsplatzes heißt nicht zwangsläufig, dass der frühere Arbeitsplatz weggefallen ist.“

(Quelle: www.ogh.gv.at)

Auch wenn Karenzierte nach ihrem Wiedereinstieg Elternkarenz in Anspruch nehmen, bedeutet das nicht, dass sie aufgrund dessen versetzt werden können und z.B. nicht mehr für Leitungspositionen herangezogen werden können.

Der OGH wörtlich: „Die Problematik, dass sich die Ersatzkraft über einen Zeitraum von mehreren Jahren in der neuen Position hervorragend bewährt hat, jene Arbeitnehmerin, die karenzbedingt abwesend war, aber ihr Recht auf Teilzeitbeschäftigung in Anspruch nehmen will, hat der Gesetzgeber bewusst in Kauf genommen.“ Und ohne Einschränkung für gehobene Positionen generell zugunsten von Teilzeitbeschäftigten entschieden.

(Quelle: Karenz-Rückkehrrecht auch bei guter Vertretung)

Die Arbeiterkammer, die regelmäßig auf die manchmal miserable Situation für Wiedereinsteiger_innen hinweist, ist für Betroffene in Österreich eine informative und unterstützende Stelle – besonders wenn sie gegen den_die Arbeitgeber_in vor Gericht ziehen wollen.

Mobbing über Arbeitszeit-Gestaltung 

Die rechtliche Situation ist das eine, die informelle Diskriminierung von Wiedereinsteiger_innen eine andere. Gerne wird Druck über Arbeitszeiten gerade auf Eltern-Teilzeit-Beschäftigte ausgeübt:

Die Betroffenen berichten von Druck der Arbeitgeber und Mobbing – so werden beispielsweise Besprechungen zu Terminen angesetzt, an denen sie nicht im Büro sind. Auch eine Versetzung an einen anderen Arbeitsort kann (…) eine Diskriminierung darstellen.

(Quelle: Schwierige Rückkehr aus der Karenz)

Welche Erfahrungen habt ihr beim Wiedereinstieg gemacht?

 


 

Erschienen in: übergänge.

Beitragsbild: WOCinTech Chat from New York City, United States (Quelle: Wikimedia Commons)

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3 Kommentare

  1. Ana Nym

    Hallo,
    In meinem bisherigen Unternehmen wird offenbar gerade allen Müttern, die aus der Karenz zurück wollen, ein Golden Handshake angeboten. Mein feministisches Ich findet das so arg.
    Hab ihn trotzdem angenommen, a) weil ich gar nicht mehr für ein Unternehmen arbeiten will, wo man mit Müttern so umgeht und b) weil ich glücklicherweise schnell einen neuen Job gefunden habe.

  2. C.

    ich habe bei meiner rückkehr festgestellt, dass meine meinung bei vielen eine andere gewichtung bekommen hat. mit dieser absurdität, dass mir mit der elternschaft plötzlich kompetenz oder wissen (mehr oder weniger) indirekt abgesprochen wurde, konnte ich schwer umgehen. auch ich wollte das unternehmen aber ohnehin verlassen und das hat mir die entscheidung dazu schlussendlich erleichtert.

  3. myosotis

    Bei meinem ersten Kind hatte ich einen befristeten Vertrag an einem staatsnahen Forschungsinstitut. Ich bin gleich nach dem Mutterschutz wiedereingestiegen – Teilzeit und mittels Telearbeitsplatz ging das. Mein Vertrag wurde dann trotzdem nicht verlängert, obwohl mir das vorher immer zugesagt wurde. Ich hab mich dann um ein Forschungsstipendium beworben und habe es auch tatsächlich zugesprochen bekommen. Ich habe damit an einem anderen Institut im universitären Bereich weitergemacht, wo ich mir mehr Toleranz erwartete. Aber auch da wurde es danach nix mit einer Anstellung. Als Doktorandin müsse man Knochenarbeit leisten. Um Vier nach Hause gehen sei da nicht drinnen. Das könne man nicht einreißen lassen, was sollten denn die anderen denken?!
    Naja, jetzt beim zweiten Kind steht der Wiedereinstieg kurz bevor. Mein Arbeitgeber wurde sogar als familienfreundliches Unternehmen prämiert und trotzdem scheint die Vereinbarkeit von Familie umd Beruf für Frau eine Illusion. Ich musste mir Dinge anhören, das habe ich nicht für möglich gehalten. Ob ich mit einem zweiten Kind überhaupt noch arbeiten möchte? Unter einem Jahr wieder einsteigen? Ein Kind braucht seine Mutter da ja noch. Dementsprechend schwierig gestaltete es sich dann auch meine Vorstellungen bezüglich der Karenz einvernehmlich umzusetzen. Wie sich das auf meinen Wiedereinstieg auswirkt, bin ich schon sehr gespannt.

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