Feministisch schwanger = widerständig schwanger?!

von Emma Goldbitch @emanze

collage_umstandslos

Es ist viel zu heiß, die Wohnung unter mir wird generalsaniert, es staubt ohne Ende, alle Fenster sind zu, ich krieg kaum Luft und so versuche ich im Rhythmus des Presslufthammers noch schnell meinen Text zusammenzuschustern. Denn in fünf Tagen ist Geburtstermin und auch, wenn es jederzeit vorher losgehen kann (wie mir immer wieder von allen Seiten versichert wird), weiß ich doch, dass es vor nächster Woche nicht passieren wird.

So wie ich auch weiß, dass das Kind weder getauft noch sonst wie spirituell-zeremoniell in der Welt willkommen geheißen wird, nicht geheiratet, aktuell nicht aus der WG ausgezogen, kein Haus gebaut, nicht brav, bürgerlich und endlich der Ernst des Lebens begonnen wird, den mir die Herkunftsfamilie und Teile meines an sich liebenswürdigen Umfelds seit Monaten herbeidichtet.

Der Ernst des Lebens soll also jetzt beginnen – mit der Geburt meines Wunschkinds. Was denken Menschen, die mir so einen dermaßen dummen Spruch mit auf den Weg geben, eigentlich, dass ich in den letzten 15 Jahren gemacht bzw. erlebt habe? Als ArbeiterInnen-Kind im Gymnasium, als erste in der Familie maturiert, ein Studium abgeschlossen, nebenbei 30 Stunden arbeiten, Trennungen, Liebeskummer, depressive Freund_innen, plötzliche Todesfälle, schwere Erkrankungen, Chemo, Selbstmord und all die Dinge, die ich schon wieder verdrängt oder vergessen habe. Bald ein Baby zur Welt zu bringen, hat für mich also mal gar nix mit dem Ernst des Lebens zu tun, sondern mit Glück, Liebe, Wunder, Freude und ganz viel Dankbarkeit.

Gedämpfte Freude. Ratschläge, Schein-Informationen und krude Meinungen.

Dennoch scheinen das viele – spannenderweise sowohl Menschen mit als auch ohne Kinder – so nicht zu sehen. Vom ersten Augenblick an, als ich – noch etwas wackelig in meiner Vorfreude wegen einer vorangegangenen Fehlgeburt – verkündete, schwanger zu sein, wurden ich und einige Zeit später auch mein Freund mit den absurdesten Tipps, Schein-Informationen und Ratschlägen zugetextet, die allesamt darauf abzielten uns zu verunsichern oder unsere Freude zu dämpfen. Sicher: Niemand wollte uns absichtlich etwas Böses, doch das Gegenteil von gut ist eben meist nur gut gemeint. Denn anstatt mich als Person, die bald ein Kind zur Welt bringt, zu stärken oder unsere Freude zu teilen, hörten wir lange Listen von Einschränkungen, Verboten oder kruden Meinungen über die Zeit der Schwangerschaft und das Leben mit Kindern.

Und das ging zum Beispiel so:

Du darfst nicht mehr auf Konzerte gehen.
Du darfst nicht mehr Haare färben.
Du darfst kein Koffein mehr zu dir nehmen.
Finger weg vom Tiramisu!!
Isst du noch immer kein Fleisch?
Greif die Katze nicht an!
Überanstrengst du dich eh nicht?
Sport solltest schon machen, sonst nimmst du zu viel zu.
Hast du schon Sodbrennen? Rückenschmerzen? Geschwollene Füsse? (Antwort = nein. Na, das kommt SICHER noch …)
Du sollst doch nicht mehr so weit Auto fahren.
Was? Du fährst noch mit dem Rad?
Du darfst schwanger nicht mehr fliegen.
Im alkoholfreien Bier ist auch Alkohol drinnen!!! (sehr vorwurfsvoll)
Also dein Bauchzwerg hat jetzt absoluten Vorrang.
[Tanzen/4 Uhr Früh/vorwurfsvoll] Du bist schwanger?? Was machst du hier??
Warum macht ihr keine pränataldiagnostischen Untersuchungen?
Wollen Sie ein behindertes Kind haben?
Nein, also Camping wird dann nicht mehr gehen.
Bitte gebt dem Kind keinen zu exotischen Namen, das ist dann arm in der Schule.
Du willst wirklich keinen Kinderwagen?
Bist du schon froh, wenn du alles hinter dir hast?
Ich MUSS wissen, welches Geschlecht das Baby hat.
Wenn ich nicht weiß, was das Baby wird, kann ich dir nix schenken.
Glaub mir, die Geburt wird die Hölle.
Das wird schön, wenn im Gebärpool deine Kacke und das viele Blut rumschwimmt …
Eine Hausgeburt wär nichts für mich.
BITTE WAS macht ihr mit der Plazenta?
Also in meinem Fall … ich wär bei einer Hausgeburt gestorben.
DAS geht dann nicht mehr (wahlweise gemeint ist Sport, Urlaub, Konzertbesuche, politische Betätigung …).
Ihr werdet ohnehin die nächsten 10 Jahre nur mehr Disney-Filme sehen und Kinderlieder hören.
Das Baby wird verweichlicht, wenn es bei euch im Bett schläft.
Windelfrei???
Ihr werdet nie wieder eine Nacht durchschlafen.
Ihr werdet verstehen, warum Schlafentzug als Folter eingesetzt wird.
Euren Politkram könnt ihr dann vergessen.
Als Mutter opfert man sich automatisch für das Kind auf.
Ihr werdet keine Zeit mehr für irgendwas haben.
Sooo bald willst du wieder arbeiten gehen?
Also Kinder sollten so lang wie möglich zuhause betreut werden.
Na, wenn du stillst, kannst eh nicht schwanger werden. (verhaltenes Grinsen)

Abgesehen von den ersten 15 Wochen meiner Schwangerschaft, in denen mir permanent kotzübel war, was sich auf meinen physischen und psychischen Zustand ziemlich negativ auswirkte und diverse romantische Vorstellungen vom Kinderkriegen in meinem Kopf abtötete, ging es mir rundherum gut. Schwangerschaft ist keine Krankheit, auch wenn ÄrztInnenschaft und Co durch eine zunehmende Pathologisierung so tun als ob. Durch ständige Kontrolle und Überwachung des Fötus mittels Ultraschall, Bluttests oder anderen diagnostischen Verfahren suggerieren sie eine permanent drohende Gefahr für das ungeborene Dings.

Die Schwangere wird zur Hülle. Abgrenzung als permanenter Kraftakt.

Spannend dabei ist, dass weder Bedürfnisse, Befinden noch Gefühle der Frau dabei eine Rolle spielen, über deren Bauchinhalt verhandelt wird, als wäre sie plötzlich nichts weiter als eine Hülle. Auch meine betreuende Gynäkologin war keine Leuchte im zwischenmenschlichem Umgang, durch komische Formulierungen oder unbedachte Äußerungen dachte ich manchmal noch Tage nach der Untersuchung über deren Bedeutung nach.

Aufgrund unserer Entscheidung für eine Hausgeburt und der damit verbundenen Betreuung durch eine Hebamme begann ich mich rasch zu entspannen. Diese wundervolle Person brachte vom ersten Augenblick an so viel Zuversicht, Vertrauen, Kompetenz, Hausverstand und auch Spaß in die Sache, dass sie mir jede Angst vor Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt grundsätzlich nahm. Im Gegenteil: Alles kam uns plötzlich wie ein großes Abenteuer vor – allerdings ohne romantische Verklärung. Mit ihrer Hilfe erschien uns alles leicht und sollte es doch zum Beispiel bei der Geburt Probleme geben, würden wir dank ihrer Unterstützung und der vielen vorbereitenden Information damit gut umgehen können.

Zusammengefasst heißt das: Unaufgeregt und entspannt bin ich schwanger und voller Vorfreude blicke ich der Geburt entgegen. Das würde ich persönlich noch nicht als sonderlich feministisch oder widerständig definieren, wären da nicht sämtliche Diskurse und absurden Projektionen meiner Umwelt und der Gesellschaft als solche auf den schwangeren Frauenkörper.

Sich davon entschieden abzugrenzen oder sogar bewusst dagegen anzukämpfen, ist nicht nur ein permanenter Kraftakt im Sinn von mühsam, anstrengend und nervenaufreibend, sondern auch in meinem Verständnis eine politische Handlung, mit deren Fortschreiten notwendige Positionierungen verbunden sind.

Für viele Entscheidungen, die man im Laufe einer Schwangerschaft treffen muss, und die nicht einhergehen mit dem “normalen”, weil gesellschaftlich üblichen Verhalten, musste ich mich plötzlich rechtfertigen oder zumindest argumentieren, warum ich bzw. wir diesen und nicht den “gewohnten” Weg gehen möchten.

Von Pränataldiagnostik bis Hausgeburt. Alle reden mit.

Am Beispiel der Pränataldiagnostik wird das sehr deutlich. Obwohl man die angebotenen Untersuchungen aus eigener Tasche zahlen muss, wurde ich von meiner Gynäkologin nicht etwa in die Richtung beraten, ob ich diese überhaupt durchführen lassen will. Die Frage lautete vielmehr: Wann ist das Organ-Screening? Auch Familie und befreundetes Umfeld erkundigten sich nach Babyvideos, 3D-Bildern und Ergebnissen und waren erstaunt, dass wir nichts davon vorweisen konnten. Mit dem Hinweis darauf, dass wir Nackenfaltenmessung und Co für politisch und ethisch fragwürdig und für ein fettes Geschäft zwischen Ausleseverfahren, Diskriminierung von behinderten Menschen und dem Zwang zum perfekten Baby hielten, landeten wir rasch im exotischen Eck. Es gibt rund um diesen Themenkomplex übrigens ein absolut lesenswertes Buch von Kirsten Achtelik, das ich allen ans Herz legen möchte.

Auch die geplante Hausgeburt, meine These, dass nicht zwangsläufig Gebären mit den schlimmsten Schmerzen der Welt verbunden sein muss oder die Beschäftigung mit dem Konzept der Windelfreiheit riefen zum Großteil Unverständnis und oder gar Ablehnung hervor. Kaum jemand verstand mein Vertrauen in meinen Körper, die Unbekümmertheit, mit der ich Rad fuhr, wandern ging, mich für Fernreisen ins Auto setzte, tanzen oder campen ging. Ständig musste ich mir anhören: “Ja, geht es dir eh gut?”, “Warum machst du das noch?, “Ist dir das nicht zu stark?”, “Übernimm dich bloß nicht.” usw. Anstatt sich für mich zu freuen und meine Entspannung zu teilen, waren Leute im Dialog mit mir paternalistisch, überfordert oder ignorant. Meinem Wunsch nach einer zweiwöchigen Ruhe in der Zeit nach der Geburt wurde zum Beispiel begegnet mit “Na, also wir kommen fix früher, wir wollen ja das Baby sehen.” Nahezu jede Äußerung meinerseits zu Selbstbestimmung, positiver Geburtseinstellung oder Vereinbarkeit von einem Leben mit Kindern ohne Aufgabe der eigenen Interessen wurde mit Unverständnis, Kopfschütteln oder einem belehrenden Argument, dass es ganz sicher ganz anders sein wird, begegnet.

Mit Kind und wegen des Kindes. Meine Kämpfe gehen weiter.

Irgendwann hatte ich keine Lust mehr aufs Reden über meine Zukunft als Mutter, von der scheinbar die ganze Welt besser Bescheid wußte als ich selbst. Akzeptierten von da an viele zähneknirschend die Tatsache und schluckten ihre Kommentare, die nicht immer, aber in der Regel vor allem meinen Körper betrafen, runter, bekam ab diesem Zeitpunkt mein Freund sämtliche Projektionen zum großen Rest ab. Wir würden dann wohl nicht mehr auf Demos gehen, weniger radikal sein in unseren Kämpfen, vieles einfach bleiben lassen, weil Eltern sein ja doch schlussendlich auch für uns das schönste und erfüllendste auf der Welt sein wird. Dass genau dieser Punkt einer der größten Widersprüche für uns darstellt, wurde selten verstanden. Denn selbst ohne Kind(er) will ich nicht, dass die Welt so bleibt wie sie ist, in der Kapitalismus, Gewalt und Herrschaft Menschen zu Arschlochverhalten und Ellbogenmentalität drängen. In der FaschistInnen auf den Straßen oder sonst wo wieder stolz Präsenz zeigen, Tausende im Mittelmeer ersaufen, weil sie mit dem falschen Pass zur Welt gekommen sind oder Menschen in Knäste gesteckt werden, weil sie gegen die herrschenden Zustände rebellieren.

Und ich sehe es als meine Pflicht – speziell auch für unser Kind, diesen Kampf nicht aufzugehen. Sicher werden wir anfangs kürzer treten müssen, doch ein Kind beim Aufwachsen zu begleiten, ist keine statische Angelegenheit, die 18 Jahre lang gleich bleibt. Es wird fixe und lose andere Bezugspersonen im Leben unseres Kindes geben, mit denen wir uns die Betreuung teilen möchten, unseren Zugang zu Erziehung und Co reflektieren können und wir wollen den Blick unseres Kindes auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt lenken. Dabei geht es nicht um Indoktrinierung, sondern um das Erlernen von kritischem Denken, Empathiefähigkeit, Solidarität und dem Drang nach einem freien, selbstbestimmten Leben. Dazu ist es nötig, dass dem Kind Flügel wachsen – und genau das begreife ich als meine Aufgabe und genau das ist vielleicht einfach auch das Widerständige am Kinderkriegen.

Emma Goldbitch wird sicher nicht beim Gebären twittern und ist froh als einen der letzten Punkte auf der TO-DO-List diesen Text vollendet zu haben und freut sich nun nur mehr auf die Geburt.

Foto (c) Emma Goldbitch

erschienen in widerständig

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15 Kommentare

  1. sehr wunderbar! diese haltung bitte auch ab geburt des kindes unbedingt!! beibehalten, sie wird von nöten sein. darüberhinaus: eine schöne geburt wünsche ich.

  2. Bitte in einem Jahr weiterschreiben, wie das alles so geklappt hat.

    Bei mir war es so: Ich hatte zu wenig Kontakt zu Babys und Kleinkindern, um im vorhinein einschätzen zu können, wie sich das Leben mit ihnen ändert.

    Einige Dinge und Überzeugungen blieben („wann geh ich wieder arbeiten“ z.B., wo mir viele im Vorhinein vorhergesagt hatten: „Wart mal ab, das siehst Du bestimmt ganz anders, wenn das Kind erst da ist“. Nö, kein Stück!), andere änderten sich – oder ich hatte mir vorher gar nicht überlegt, welche ich da hatte und ob sie zum Leben mit Kind passen werden

  3. Ob du es glaubst oder nicht, dass ist ein natürlicher Prozess, den alle „Erstgebährenden“ durchleben. Ich kenne keine Schwangere, die sich nicht bevormundet fühlt. Aber all die Ratschläge und Kommentare geben dir die Chance, deine eigene Meinung zu fokussieren und deine eigenen Weg zu finden. Und: Rs hört nicht auf, aber vieles kannst du bald gelassen ignorieren und wertvolle Hilfsangebote herausfiltern. Alles Gute!

  4. J

    Wenn du deine Haltung in der Schwangerschaft als politisch empfindest – warte ab bis du stillst! Oder nicht stillst!

  5. Ihr seid auf einem tollen weg, das alles konnte ich so erst bei meiner 2. schwangerschaft leben, und die geburt ist wunderschön!
    Windelfrei ist super und auf demos, suche ich immer die kinderwagenecke, da fühl ich mich wohl, umringt mit menschen, die zur zivilcourage neigen, kein problem!!!

  6. Madeleine

    Als Mama kann ich nur sagen: Alle Daumen hoch. Danke für diesen schönen Text, wie toll für Dein Kind, eine so kluge & selbstbestimmte Mutter zu haben. Alles Gute für euren Weg, wie auch immer er sich gestalten wird!

  7. Britta Boente

    Bleib offen für alles, was kommt. Lass dich weiterhin nicht unter Druck setzen, aber setz dich selber auch nicht unter Druck. Nicht alles kommt so, wie man es sich vorgestellt hat, aber das weisst du selber. Vielleicht ist anders sogar manchmal besser! Habe vieles von dem, was du schreibst, schon oft erlebt – als Mutter von zwei Kindern und als Hebamme! Wünsche dir Kraft und Freude bei dem größten Abenteuer in der zivilisierten Welt.

  8. Zara

    Wunderbarer Text, alles Gute für dich und das Kind.

  9. Steffi

    Alles gute für dich! Meine Erfahrung mit dem erstem Kind ist, dass es sich irgendwie hinruckelt und dass ich natürlich bei meinen Prinzipien grundlegend geblieben bin, auch wenn mir ebenfall diverse Leute sagten, ich würde ein anderer Mensch werden. Bin ich aber nicht geworden. Habe bei meiner zweiten Schwangerschaft Pränataldiagnostik weitestgehend verzichtet und habe das Gefühl, dass meine Ärztin dadurch verunsichert ist, nicht ich …

  10. lu

    yo, schöner text, ging mir auch so während der schwangerschaft.trotzdem hab ich vieles was bei/ab geburt kam vorher nich glauben wollen,mir nich vorstellen können bzw. bin auf die fresse geflogen.von daher find ichs spannend, wies weitergeht+davon zu lesen, alles liebe unbekannterweise!

  11. nomnom

    Meine Erfahrung: Ich wollte nach der Geburt Fix mein Studium fertig machen / weiterarbeiten. Schwangerschaft und Geburt waren easy.
    Der Vater und andere Bezugspersonen standen bereit, das Baby hälftig mit mir zu betreuen. Das Baby wollte die ersten 3!!! Jahre seines Lebens ausschließlich mit mir sein. Sonst Panik.
    Die ca 40 Kindergärten, die ich besichtigt und in denen ich hospitiert habe, waren Orte mit besonders viel Gewalt und Herrschaft. Und fast alle findens ok.
    Also, die ersten Jahre waren mein Kopf und meine Energie und Zeit zu 80% mit Kind besetzt und mein rechter Arm war immer vom Kind in Anspruch genommen. Vor der Geburt habe ich auch so geredet wie du, schnell wieder arbeiten, bla bla, werde immer politisch aktiv bleiben, bla bla, ich hasse alle Hausfrauenarbeiten und werde das niemals tun, blabla.

    Auf Demo war ich einmal, es war eine kleine Demo für mer Unterstützung für Hebammen. Aber wir mussten bald flüchten, das war viel zu laut für ein Baby oder kleines Kind.

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  13. Also wenn mit Kind etwas super geht, dann campen. Kinder und campen passt eins a. Wir gehen quasi nur noch campen, und es ist toll.

    Beim Rest, jo, das sind echt so die üblichen Fremdbestimmungsversuche. Bei mir ist eine Freundschaft dran zerbrochen, weil mir eine Person unbedingt ihr schwangeres (und enorm einengendes) Weltbild aufzwängen wollte. Pränataldiagnostik haben wir auch keine gemacht und sind von der Ärztin auch sehr offen dazu beraten worden (hinsichtlich „Aussortierung“ etc). Doch halt, ein Feinscreening haben wir gemacht, weil unsere Geburtsklinik keine Kinderstation hatte und aus Gründen das Baby zu einem Herzfehler hätte neigen können – in dem Fall hätte ich woanders geboren. Vor dem Screening war aber felsenfest klar, wir kriegen das Kind eh, no matter what.

    Eine Sache habe ich wie einige andere hier auch erlebt: Ich wollte schnell wieder arbeiten und unabhängiges Zeug machen – und dann hatte ich große Probleme, das Baby abzugeben. Und mich total mies gefühlt, weil als unabhängige, feministische Frau MUSS ich das doch können. Oder? Nicht. Ich hab dann ein volles Jahr Elternzeit gemacht. Und als gut im Job verankerte, freiberufliche Hauptverdienerin fand ich das im Rückblick auch widerständig: Mir die Zeit zu nehmen, weil ich sie haben wollte. Ohne Rücksicht auf die nach mir verlangende Lohnarbeit. Einfach trotzdem.

  14. Hannah

    Ähnlich wie du es beschreibst, war auch für mich die Entscheidung für die Betreuung durch eine Hebamme ein wichtiger Punkt in Sachen „feministische Schwangerschaft“. Um eben diese positiv zu deuten, statt sich Angst verkaufen zu lassen. (Die Betreuung durch eine Hebamme ist aber nicht an eine Hausgeburt gebunden! Ganz unabhängig vom Geburtsort kann jede die Vor- und Nachsorge – auch ausschließlich – von einer Hebamme ‚besorgen‘ lassen.)

    Was bringt mich an deinem Beitrag ins Grübeln?
    Einerseits erinnere ich mich an meine vorgeburtlichen Vorstellungen von Mutterschaft und auch an den Wunsch, dass meine Schwangerschaften einfach nur mit Freude aufgenommen werden. Aber was ist daraus geworden? Nachher war vieles anders. Ich weiß zwar, dass man das werdenden Eltern nicht auf die Nase binden muss. Um sie nicht zu beirren? Vielleicht schaffen sie es ja besser, wenn ich ihnen nicht den Wind aus den Segeln nehme? Oder weil sie unbelehrbar sind? Weil man es eben doch nur wirklich versteht, wenn man es selbst erlebt hat?

    Wenn also Bekannte (mit Kindern) sich nicht einfach mitfreuen können, sondern besorgt werden, versuchen Ratschläge zu geben,… Was für Erfahrungen haben sie gemacht? Sind sie unglücklich, weil sie ihren eigenen Vorher-Ansprüchen nicht gerecht wurden und müssen das gerade biegen, in dem sie es als Normalität anerkennen? Und was wäre daran verkehrt? Eltern sein ist anstrengend, für manche mehr und andere weniger (und vielleicht auch wirklich einige gar nicht). Wo fängt die elterliche Selbstoptimierung an, wenn man nicht Aktivitäten aufgeben darf usw.?

    Nur die Freude zu teilen… ist vielleicht Betrug? Weil Eltern die Erfahrung machen, dass da selten NUR Freude ist, sondern immer auch irgendeine Sorge. Da liegt die Ambivalenz. Elternschaft ist das Schönste auf der Welt. Wahr oder nicht? Wenn ich als Schwangere von der Ambivalenz, über die meine Bekannten versuchen mit mir zu Reden, nichts hören will, trage ich den Mythos mit. Einerseits hat er seine Berechtigung. Andererseits: Was war daran jetzt noch mal feministisch?

    Ich hoffe, meine Grübelei ist in dieser Form irgendwie nachvollziehbar. Und lässt sich vielleicht aufgreifen?

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