Das Leben der Familien

(c) privat

von Hanna

„Und was macht ihr hier?“, wurden mein Freund und ich neulich gefragt, auf der Geburtstagsfeier vom Kind einer Freundin. Wir waren die einzigen Nichteltern, die in der Küche herumstanden und Sekt tranken, während die Kinder durch die Wohnung tobten. „Wir sind halt Freunde der Familie“, sagte ich. Die Eltern der eingeladenen Kinder schauten uns verständnislos an. Seid ihr verrückt?, schienen sie zu denken. „Das ist ja jetzt schön zur Abschreckung“, witzelte ein Vater. Ich hob die Schultern.

Ich kenne sie gut, diese selbstironische Haltung mancher Eltern: Wie irre das Leben mit Kindern ist, eigentlich kaum auszuhalten, freiwillig würden wir uns das nicht antun, haha. Es steckt eine Menge Koketterie dahinter. Aber auch das Wissen darum, dass Familienleben für Nichteltern ab einem bestimmten Punkt nicht mehr ganz nachvollziehbar ist.

Eltern gesellen sich zu Eltern, auf den Spielplätzen, Kita-Festen, in den Krabbelgruppen und rund um die Hüpfburgen dieser Welt. Eltern reden mit Eltern über Themen, von denen Nichteltern oft wenig bis gar keine Ahnung haben. Eltern bekommen von Eltern ein Verständnis, das sie von Nichteltern meistens gar nicht erst erwarten. Aber muss ich wirklich erst Mutter werden, um mit voller Berechtigung Sekt trinken zu dürfen auf Kindergeburtstagen?

„Wenn du keine eigenen Kinder bekommst, dann leihst du dir eben bei Freunden welche aus“, hat eine Bekannte mal zu mir gesagt. Das ist über zehn Jahren her, aber ich habe den Satz immer im Kopf behalten. Denn mir gefällt die Idee, dass zum eigenen Leben auf jeden Fall Kinder gehören können – auch wenn man selber keine bekommt. Aber obwohl es inzwischen einige Kinder in meinem Freundeskreis gibt, verbindet sich das Leben der Familien nur ab und zu mit meinem. Wenn wir zusammen ein Eis essen gehen oder auf den Spielplatz, wenn ich mal eins der Kinder von der Kita abhole oder ein anderes im Wagen spazieren fahre.

„Die Kleinfamilien in meinem Umfeld kommen mir manchmal vor wie eigene kleine Universen, die man nur umkreisen kann, ohne jemals wirklich mit eingebunden zu werden, was ich schade finde, aber dann denke ich wieder, vielleicht liegt es auch an meiner immerzu alles nur umkreisenden Art“, schrieb ich neulich in einer Mail an aufZehenspitzen.

Mir ist klar, dass jede Familie ihre eigenen Abläufe hat, nach eigenen Regeln funktioniert. Der Laden muss am Laufen gehalten werden, und wenn ich in diesem Laden (um das Bild mal in kapitalistischer Weise zu Ende zu denken) mehr sein möchte als eine gerne gesehene Aushilfe, dann müsste ich das vielleicht deutlicher machen. „Guten Tag, hiermit möchte ich mich um eine feste Position in eurer Familie bewerben.“ – „Bist du verrückt?“


Hanna bloggt auf nichtvertretbar.

Beitrag erschienen in: Sommeredition

Beitragsbild: © Hanna

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4 Kommentare

  1. madameflamusse

    is mir auch noch nicht gelungen…hab nicht den Eindruck gehört zu werden… wenn dann eher verstört belächelt. Und werd wohl trotzdem im August wieder zu einem Kindergeburtstag gehen.

  2. J

    Ja, warum denn nicht?!

    Wir hatten so Lust auf ein Alibikind bevor wir Eltern wurden – um mit ihm Kürbisse zu schnitzen und Burgen zu bauen und so. Kannten aber keines aus dem Freundeskreis. Und bei den Nachbarn einfach mal so anzufragen, ob man sich mit dem Kind anfreunden könnte…

    Und jetzt, da unsere Tochter anderthalb ist, hat sich unser kinderloser Freundeskreis sehr ausgedünnt. Vorher waren die doch alle so interessiert?! Es wäre so schön, eine weitere Bezugsperson fürs Kind zu haben!
    Aber meiner Erfahrung nach sind die einzigen Menschen, die sich überhaupt für Kinder interessieren, eben (fast) immer selbst Eltern.

    Also, Bewerbungen gerne an mich!

  3. vermutlich müssten beide seiten (kinderlose und eltern) gegenseitig deutlicher werden. zumindest ich für mich freue mich immer über verschmelzung von kind- und freund*innen-zeit. finde es schön, wenn man sich so auch irgendwie in neuen rollen kennen lernt. das deutlich-machen ist im alltag manchmal vielleicht mühsam, weil es dafür wenige oder nur recht individuelle modelle gibt. aber je mehr das großfamilien-dasein insgesamt wegfällt, desto schöner ist es doch auch, großfamilie neu und mit einbezug von freundschaft zu definieren.

  4. Oh, ich fände das auch sehr schön, wenn ein nicht-kinderhabender Mensch gern Zeit mit uns verbringen würde. Es hat sich aber noch niemand gefunden. Zugegeben: Ich selbst habe ganz schnell ein schlechtes Gewissen und denke immer, es sei ja im Grunde eine Zumutung, mich mit Kind zu treffen. Die Lautstärke, die kinderfreundlichen uncoolen Umgebungen, die dauernden Unterbrechungen.

    Wahrscheinlich gibt es auf beiden Seiten allerhand Missverständnisse, die kein Mensch anspricht, obwohl es wirklich befreiend wäre, das zu tun.

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