Leise Art Festival: Saskya Rudigier im Interview

(c) Leise Art Festival

von Antonia

Sommerzeit ist Festivalzeit. Doch wohin mit den Kleinen, während die Eltern an einem mehrtägigen Festival teilnehmen? Mitnehmen, ist die Antwort des Leise Art Festivals, das heuer von 26. bis 28. August zum ersten Mal im niederösterreichischen Kamptal stattfindet und ein Programm bietet, das für Kinder ebenso wie für Erwachsene tauglich ist. Wir finden das ist eine sehr schöne Idee und haben Saskya Rudigier, eine der Organisatorinnen gebeten uns im Vorfeld etwas mehr darüber zu erzählen.

umstandslos: Wie seid ihr auf die Idee gekommen bzw. was sind eure Beweggründe das Leise Art Festival auf die Beine zu stellen?

leise art | Saskya: Vor zwei Jahren hatte ich große Lust mit meinen beiden kleinen Kindern zu einem Festival zu fahren. Das Festival sollte nicht zu groß, nicht zu weit weg, mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, nicht zu laut, nicht-esoterisch und kinderfreundlich sein. Eines, wo nicht nur junge Partyhungrige sind, sondern auch Familien, die eventuell auch ‚mal früher schlafen gehen wollen. Ich bin bei meiner Suche in Österreich nicht wirklich fündig geworden …

umstandslos: Sind die Musik- und Kunstbedürfnisse von Kindern und Erwachsenen üblicherweise nicht ziemlich verschieden und wie gelingt es euch hier eine Brücke zu schlagen?

leise art | Saskya: Kinder sind vielem gegenüber aufgeschlossen oder schauen sich zumindest kurz an, was da jetzt passiert. Wenn’s langweilig wird, gehen sie halt spielen oder suchen sich was anderes. Viele Künstler_innen sehen sich auch nicht nur in der Rolle als Kinder- oder Erwachsenenunterhalter_innen, die meisten wollen auch viele im Publikum erreichen, wie z.B. das Wild Theatre, Martha Labil, Frau Tomani oder Matthäus Bär. Wenn die „Mama“ genauso beim Stück mitspielen kann, wie die Kleinen oder die Großen ständig die Hits von Matthäus Bär summen, obwohl ihre Kinder gar nicht dabei sind, scheint diese Brücke doch ganz gut zu funktionieren.

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Bild: Leise Art Festival

umstandslos: Für Kinder in welchem Alter würdest du sagen, ist das Festival geeignet?

leise art | Saskya: Kinder zahlen erst ab 15 Jahren, aber das Festival ist auch schon für ganz kleine Kinder gut geeignet, weil wir es selber auch nicht immer gern laut haben und es neben dem Programm auch viel wunderbare Natur zu entdecken gilt und man sich also auch immer wieder ausklinken kann. Der Festivalort liegt sehr geschützt auf einer Anhöhe, nur ein Feldweg führt zum Biobauern nebenan. Mit ungefähr 200 Besucher_innen ist das Festival auch angenehm überschaubar.

umstandslos: Tragen Kinder auch als Gestaltende zum Kunst- und Kulturprogramm des Festivals bei?

leise art | Saskya: Zwei Kinder haben uns ‚was fürs Programm angeboten. Da wird es einen Workshop zum Knüpfen cooler Armbänder geben und Kasperltheater von einem jungen Theatermacher. Generell bringt mich aber auch meine ältere Tochter auf Ideen oder ich frage sie wegen ihrer Meinung. Sie ist an vielem interessiert und liebt z.B. Nachtspaziergänge. Was liegt da näher als des nachts die Umgebung zu entdecken.

umstandslos: Ihr beschreibt auf eurer Website ausführlich euren Zugang zu Nachhaltigkeit. Wie seht ihr euer Festival in die Region eingebunden und inwiefern erscheint es euch wichtig, dass das Leise Art Festival am Land und nicht in der Stadt stattfindet?

leise art | Saskya: Wir verwenden gezielt Produkte aus der Region, wie z.B. das Dangl-Bier von einem Waldviertler Bierbrauer oder der das Gemüse von Biosain. Ich finde speziell in den Sommermonaten ist es zumindest am Wochenende sehr erholsam, der Großstadt zu entfliehen. Kinder können sich am Land meist auch ganz anders bewegen. Und campen macht Spaß!

umstandslos: Auf welche Programmpunkte freust du dich schon besonders?

leise art | Saskya: Ich freue mich auf alle Künstler_innen und deren große Bereitschaft mitzumachen und bin neugierig, ob unsere programmatischen Überlegungen auch beim Publikum gut ankommen. Gerne lasse ich mich u. a. von der musikalischen Kooperation zwischen Mira Kovacs (Schmieds Puls) und dem Schmusechor auf dem Festival überraschen. Gespannt bin ich auch, wie das Wachtbergklavier, gespielt vom Pianisten Michael Hornek, und Willi Landl harmonieren, weil das Klavier vor Ort eine bis eine halbe Oktave tiefer gestimmt ist als normal. Martha Laschkolnig aka Martha Labil erobert sich speziell für ihren Auftritt einen Baum auf dem Wachtberg und das Kunstprojekt von unos lässt die Festivalbesucher_innen bei „Ein Strich in der Landschaft“ mitmischen.

umstandslos: Was ist die größte Herausforderung bei der Organisation so eines neuen Festivals und was die größte Freude?

leise art | Saskya: Die größte Herausforderung für ein noch nicht etabliertes Festival ist die Finanzierung. Auch die Suche nach dem Festivalort hat einige Monate in Anspruch genommen. Die größte Freude sind für mich die vielen positiven Rückmeldungen auf die Festivalidee, damit habe ich nicht gerechnet.

umstandslos: Was sollten wir noch unbedingt über das Leise Art Festival erfahren?

leise art | Saskya: Ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern im Programm war uns sehr wichtig. Vielerorts glauben die Leute, dass ist doch eh schon längst Realität, doch bei vielen Festivals und Kulturveranstaltungen sind viele Frauen auf der Bühne immer noch die Ausnahme. Auch konnten wir eine sehr versierte Technikerin gewinnen. Da wir wissen, dass die öffentliche Anreise mit Campinggepäck mühsam ist, bieten wir eine Transporthilfe an und verlosen Waldviertler-Schuhgutscheine unter allen, die sich das antun.

Das Leise Art Festival findet von 26.-28. August am Wachtberg im Kamptal statt. Das detaillierte Programm des Festivals findet ihr hier. Ebenso alle Informationen zu Anreise, Übernachtungsmöglichkeiten, Verpflegung etc.


Erschienen in: Sommeredition

Beitragsbild: Leise Art Festival

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