Editorial: utopien

Neben der kritischen Auseinandersetzung mit bestehenden Herrschaftssystemen erscheint es uns wichtig und bereichernd, eine Vision eines alternativen Gesellschaftssystems zu haben und sich konkret damit zu beschäftigen, wie denn dieses andere, bessere Leben in einem zum Guten veränderten System aussehen würde.

Im März und April 2016 setzen wir uns vor diesem  Hintergrund auf umstandslos mit feministischen Utopien des Mutter*seins auseinander, mit Beiträgen und Erzählungen, die unsere Vorstellungskraft anregen, Dinge zu denken, die uns womöglich heute noch als unmöglich erscheinen und die uns dazu ermutigen unser Handeln auf das Umsetzen solcher Visionen auszurichten.

Care Revolution!

Der erste Beitrag dieser Ausgabe kommt von Gabriele Winker. Sie ist Professorin für Arbeitswissenschaft und Gender Studies an der TU Hamburg-Harburg und im Netzwerk Care Revolution aktiv. Kernidee der Care Revolution ist, dass es unter Bedingungen neoliberaler Krisenregulierung nicht gelingt, Sorge für sich und andere bedürfnisgerecht zu gestalten. Deswegen ist eine grundlegende gesellschaftspolitische Neuausrichtung notwendig, eine solidarische Gesellschaft, in der die jeweils eigenen Vorstellungen eines guten Lebens für alle realisierbar sind. Wie diese Neuausrichtung konkret gelingen kann erfahren wir in ihrem Artikel „Care Revolution als Handlungsstrategie für ein gutes Leben“.

Familienleben im Wandel

Karin schreibt in ihrem Beitrag über ihr momentanes Familienleben, dass sie als „im Wandel“ erlebt. Jetzt ist gerade eine „Dazwischenzeit“. Noch vor zwei Jahren hat ihr Familienleben ganz anders ausgesehen, was das Thema Aufteilung von Carearbeit zwischen ihr und ihrem Mann betrifft. Sie erzählt von ihrer gemeinsamen Entwicklung, dem Status quo, sowie ihren Vorstellungen für die nähere und weitere Zukunft.

Ein utopischer Tag im Jahr 2025

Kaiserinnenreich-Bloggerin Mareice lässt uns teilhaben an einem utopischen Tag im Jahr 2025 – wie könnte das (Zusammen)Leben von behinderten und nicht behinderten Familienmitgliedern unter geänderten sozialpolitischen Voraussetzungen in der Zukunft aussehen? Anhand ihrer detaillierten Beschreibung eines Tagesablaufs wird greifbar, wo Veränderungen umgesetzt werden sollten und wie viel es noch zu tun und zu erreichen gibt.

Eine wundervolle Welt rund um die Menstruation

Kathrin Sieder ist Menstruationsbegleiterin und beschreibt in ihrem Text, wie sie sich die Menstuation und ihren gesellschaftlichen Stellenwert im Jahr 2045 wünscht. Da wachsen Frauen mit einem starken Bezug zum eigenen Körper auf und freies Menstruieren ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

Eine Welt ohne FGM

Bintou Bojang ist 22 Jahre alt und Gründerin des „Crocodile-Project“. Sie lebt in Deutschland, geboren und aufgewachsen ist sie innerhalb einer traditionellen Mandinka-Gemeinschaft im westlichen Teil von Gambia. Sie ist selbst ein Opfer von FGM, kann nach wie vor die furchtbaren Schmerzen nicht vergessen und leidet noch immer unter dem Traume dieses Prozesses. In ihrem Beitrag beschreibt sie, warum sie die Plattform „Crocodile Projekt“ gegründet hat und wie sie sich für ihren Traum – einer Welt ohne FGM – einsetzt.

17 Mädchen

17 Mädchen, ein Film von Delphine et Muriel Coulin erzählt die Geschichte einer Gruppe von Jugendlichen, die sich als Rebellinnen gegen die von der Erwachsenenwelt für sie vorbestimmte Zukunft stellen – und der Reihe nach schwanger werden. Cornelia rezensiert den  Film für uns und kommt zu dem Schluss, dass er auch als feministische (Mutterschafts-)Utopie gelesen werden kann.

Familienhaus

Lisa ist in einem ganz besonderen Haus mit besonderen Menschen aufgewachsen, in dem sie noch heute lebt. Sie erzählt uns die Geschichte dieses  Hauses, darüber wie es ist, in einem großen, bunten  Familienverband zu wohnen, der sich über mehrere Wohnungen erstreckt –  wie es ist, so aufzuwachsen. Wie dieser Familienverband sich in ein  Punk-Haus verwandelt hat und Jahre später wieder in eine ganz neue Art des Familienhauses. Das Kommen und Gehen und das Beisammensein – wie das als Kind war – und wie das jetzt für ihre Kinder ist.

Spielplätze nur für Kinder?

„In meiner Kindheit waren  Spielplätze eine wichtige Sache, weil ich rausgekommen bin aus einem  sehr engen und oft unguten Haushalt. Eins konnte sich dort mit  Freund_innen treffen und gemeinsam Welten schaffen.“ Marlene vermisst so einen Raum jetzt im Erwachsenenalter – einen Raum der per  se keine ökonomische Funktion hat und zum gemeinsamen Tun da ist. Sie beobachtet aber auch, dass sich viele Kinder auf Spielplätzen  unwohl fühlen, denn trotz der Offenheit des Raumes, steht er nicht allen  Kindern gleich zur Verfügung. Deshalb werden soziale Ausschlüsse in ihrem Kommentar nicht unbeachtet bleiben.

Antonia erträumt sich ein Eltern-Baby Zentrum, in dem sich engagierte und interessierte Eltern zusammentun und das Leben mit Kindern leichter und freier gestalten können.

Geschlechteridentitäten, ideale Säuglingszeit und neue familiäre Lebensformen

Wie schön wäre es, wenn es die binäre Geschlechterordnung in Zukunft nicht mehr gäbe? Das wird sich Anna Lisa in ihrem Beitrag über Geschlechteridentitäten ausmalen. Antonia wird uns ihre ideale Welt, oder zumindest einen Ausschnitt davon, wie das Leben ganz am Anfang mit Baby aussehen sollte, beschreiben und Kathrin schreibt über neue familiäre Lebensformen, die entstehen können wenn die typische Kernfamilie zerbricht.

 

Alle 28 Tage

Neben diesen wunderbaren Beiträgen auf die wir schon sehr gespannt sind, möchten wir euch den Film “Alle 28 Tage“ ans Herz legen, der u.a. am 6.3. um 23:50 auf mdr ausgestrahlt wird. Die Regisseurin Ina Borrmann erzählt darin von ihrem Weg zur Kinderwunschbehandlung und davon, welch unglaublicher Druck auf einem Paar lastet, wenn Sex nur noch Mittel zum Zweck ist und die Tage bis zum nächsten Eisprung gezählt werden.

Wir wünschen euch einen guten Start in den Frühling und freuen uns auf den Austausch in den kommenden zwei Monaten!

Anna Lisa, Antonia, Catherina und Cornelia

 

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