Dabei hast du mir doch von Butler erzählt!

von Alexa

Ich glaube an Veränderungen. Möglicherweise liegt das daran, dass ich mich selbst schon so oft so grundlegend gewandelt habe. „Warum kannst Du dich dann nicht auch verändern?“, frage ich mich oft und vergesse, dass meine Veränderungen stets aus mir heraus geschahen. Weil ich sie wollte, nicht Du. Dich kann ich nicht verändern. Deshalb lasse ich es jetzt auch. Ich lasse Dich – so, wie du bist.

Es ist schon seltsam, dabei warst Du derjenige, der mir diese Gedanken eingepflanzt hatte in mein konservatives Hirn. Du warst es, der mir als junger Erwachsener von Butler erzählte und von de Beauvoir. Du sagtest mir, immer und immer wieder, dass Frauen und Männer nicht gleichberechtigt seien in unserer Gesellschaft. Ich hörte dir zu und lachte. Ich konnte es dir nie richtig glauben.

Und nun das. Zehn Jahre und zwei Kinder später messe ich Dich an dem, was Du damals zu mir sagtest. Dass alle Menschen gleichberechtigt sein sollten. Dass auch Frauen einer Lohnarbeit nachgehen sollten. Dass auch Männer sich gefälligst um die Kinder zu kümmern haben und den Haushalt.

Ich nehme die Jahre, die wir miteinander verbracht haben, in meine Hände und begutachte sie. Da war so viel Liebe und Lachen. Der Alltag hat diese Liebe zwischen seinen Fingern zerrieben, bis irgendetwas übrig blieb, das nicht mehr Liebe ist. Feiner Sand. Krümel von Zuneigung. Aber Liebe?

Der Nachteil daran, mit seinem besten Freund verheiratet zu sein, ist, dass man auch seinen besten Freund verliert, wenn man sich von seinem Ehemann trennt. Das will ich so nicht. Aber sind wir überhaupt noch Freunde? Wie würden wir es den Kindern erklären? Wer würde ausziehen? Bei wem würden die Kinder wohnen? Die Fragen drehen sich in meinem Kopf. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Konnten wir überhaupt jemals gleichberechtigt sein? Wir hatten so unterschiedliche Ausgangsbedingungen. Du mit Deiner typisch männlichen Sozialisation. Ich mit meiner typisch weiblichen. Wir sind unterschiedlich, aber nicht weil wir Mann und Frau sind, sondern weil wir unterschiedlich erzogen wurden. Du zum Mann. Ich zur Frau. Du konntest Dinge, die Männer typischerweise gut können. Ich konnte Dinge, die Frauen typischerweise gut können. So sind wir schon in unsere Beziehung gestartet. Mit jedem Kind, mit jedem Jahr Elternsein hat sich die Ungleichheit noch mehr verfestigt. Nun verdienst in der Hauptsache Du das Geld, während ich den überwiegenden Teil der Care-Arbeit übernehme.

Weißt Du noch, wie wir uns stets gemeinsam veränderten? Wie wir im Studium alle gesellschaftlichen Normen auf Herz und Nieren prüften und sie nach und nach zum Einsturz brachten? Weißt du noch, wie wir unsere neue Welt dann zusammen erschufen? Wie wir all die „Ismen“ für uns entdeckten? Atheismus. Konstruktivismus. Minimalismus. Und dann: Feminismus. Du fingst damit an, Geschlechterrollen zu hinterfragen. Du stelltest Dich in Diskussionen auf die Seite der Sexarbeiterinnen. Du warst für die Pille danach. Und für Abtreibung. Du bist für die Quote und für eine verpflichtende Elternzeit für Väter. Doch eine gleichberechtigte Beziehung zu führen – nur Du und ich – das schaffen wir beide irgendwie nicht.

Wenn ich krank bin, sagst du: Wir müssen nicht jeden Tag warm essen. (Anstatt mal selbst zu kochen.) Oder: Dann bestellen wir uns halt was. Bist du vielleicht nicht einfach nur pragmatisch? Du hältst mir die protestantische Ethik entgegen, wenn ich sage, dass etwas im Haushalt gemacht werden „muss“. Du sagst, ich müsse doch nicht unbedingt jede Woche den Boden wischen. Wenn mir etwas zu viel wird, solle ich es einfach lassen. Doch was ist mit Dir? Wo siehst Du Dich in diesem Konstrukt?

Wie machen es die anderen Frauen eigentlich? Die Freundinnen, die Bekannten, die Nachbarinnen? Nehmen sie es irgendwann einfach in Kauf, dass Beziehungen nicht gleichberechtigt sind, sobald die Kinder kommen? Ist das Resignation? Oder Verdrängung? Ist es eine bewusste Entscheidung oder ist es ihnen einfach nur egal? Merken Sie es vielleicht nicht einmal? Warum redet denn bloß niemand darüber?

Dabei hast Du mich doch auf den Feminismus gebracht! Mein Mann, der Feminist, scherzte ich immer. Nur hast Du es bisher nicht geschafft, das, woran du theoretisch glaubst, auch praktisch umzusetzen. Du liest Bourdieu und Foucault und Butler und Laurie Penny. Du durchschaust die sexistischen Strukturen, in denen wir leben. Aber Dein Feminismus ist bloß Theorie. Doch wenn noch nicht einmal wir es schaffen, die Theorie in die Praxis umzusetzen – wer dann? Ich bin traurig und wütend zugleich. Warum ist das alles so schwierig?

Eine Beziehung, in der Frau und Mann zu gleichen Teilen Lohn- und Care-Arbeit übernehmen und dabei glücklich sind – gibt es das in der Praxis überhaupt? Mir fehlen die Vorbilder. Mir fehlen Familien, die mir zeigen könnten, wie das geht. Wie so eine Aufteilung praktisch aussieht. Wie nicht nur offensichtliche Tätigkeiten wie Kochen, Einkaufen und Kinder-zum-Kindergarten-Bringen gerecht aufgeteilt sind, sondern auch all jene unsichtbare Bereiche, die sich nicht in einen Wochenarbeitsplan pressen lassen. Die Wechselwäsche im Turnbeutel checken. Dienstags an die Schwimmsachen denken. Muffins für den Kindergarten backen. Fingernägel schneiden und Fußnägel. Haare waschen. Haare kämmen. Haare föhnen. Mit den Kindern auch mal zum Friseur gehen. Arzttermine vereinbaren. Zu Vorsorgeterminen gehen. Geschenke für Kindergeburtstage kaufen. Die Gespenstergeburtstagsparty, die sich der Dreijährige schon seit Wochen wünscht, planen, vorbereiten und durchführen. Warum mache das immer nur ich?

Wie teilt man (Mit-)Denken, Planen und Organisieren des Familienlebens gerecht auf? Wie die Verantwortung? Die Aufgaben, die ich Tag für Tag übernehme, die niemand sieht, weil sie selbstverständlich sind für mich als Frau – ich will sie doch gar nicht!

Es ist anstrengend, jeden Tag aufs Neue gegen gesellschaftliche Strukturen und die eigene Sozialisation anzukämpfen. Feministische Elternschaft – das ist der schwierigere Weg. Wir diskutieren. Wir streiten. Und wir vertragen uns. Ich meckere. Du schweigst. Wir loten aus. Und reden. Ich weine und Du schweigst erneut. Wir reflektieren und wägen ab. Wir hinterfragen und kritisieren. Sind wir dabei noch glücklich? Wie lange soll das so weitergehen? Was ist das Ziel?

Manchmal denke ich: Die konventionellen Familien, die haben es einfacher. Da gibt es feste Rollen und weniger Tränen. Da gibt es sonntags Streuselkuchen und Harmonie. „Warum backst du die Pizza denn nicht selbst?“, fragt mich meine Oma, wenn ich ihr erzähle, dass wir freitags immer Pizza bestellen. „Das geht doch ganz schnell“, sagt sie. Ich schweige. Sind solche Frauen nicht glücklicher?

Du bist so, wie du bist.

Ich bin so, wie ich bin.

Ich kann dich nicht verändern.

Du kannst mich nicht verändern.

Ich muss mich entscheiden.

(Ich kann mir ein Leben ohne Dich gar nicht mehr vorstellen.)

Oder auch nicht?

________________________________________________________________

Erschienen in: Väter

Bild von: Mark Nye. Rahmen und Zuschnitt von umstandslos.

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34 Kommentare

  1. Sehr berührend, sehr wahr.
    Musste ich auf FB und twitter teilen. Und wünsche dir/euch alles Gute!

    Viele Grüße,
    Christine

  2. Alexa

    Vielen Dank, liebe Christine.

  3. Ich bemerke dasselbe und kann nichts beantworten. Ich wünsch mir einen Kaffee mit Dir!

    Minusch

    • Alexa

      Liebe Minusch, ich wünsche dir, dass du deine Antworten findest. Und ein Kaffee wäre in der Tat sehr schön.

  4. Karin

    Das spricht mir diese Woche so sehr aus der Seele. Die ganzen kleinen Hintergrund Dinge werden auch immer von mir erledigt. Auch wenn ich laut sage dass mir das alles über den Kopf wächst. Dann wird gefragt wo man helfen kann. Aber wirklich denkend mithelfen macht er nicht. Da ich im Schichtdienst arbeite und sehr unregelmäßig arbeite regel ich immer alle Aktivitäten (Frisör, U Untersuchung, Spielenachmittag, Schwimmen usw nach meinen Dienstplan) wenn ich wie diese Woche 5 Tage Nachtschicht habe fällt das alles aus. Der Haushalt würde komplett zum erliegen kommen, Wenn ich dann nicht Nachmittag wenn ich geschlafen habe, das auch noch mache. Einkaufen würde er Abend dann erledigen dann aber ohne Kind. So muss ich die 3 Jährige hüten und kann mich dann halt nicht nochmal vor der Arbeit hinlegen. Es ist keine bisschen Gleichberechtigt. Auch wenn er glaube ich meint es wäre so.
    Ich kommentiere wirklich sehr selten. Aber hier musste es mal sein.

    Liebe Grüße

    Karin

    • Alexa

      Liebe Karin,
      wow, mit Nachtschichten stelle ich mir das noch eine Spur heftiger vor. Ich wünsche dir ganz viele Kraft.

  5. Jule

    Liebe Alexa,

    auch ich kommentiere selten Beiträge, obwohl ich gerade momentan sehr viel zu diesem Thema lese. Aber deine Worte sprechen mir einfach so aus der Seele. Auf der einen Seite findet man(n) selbstbewusste, selbstständige und selbstbestimmte Frauen toll. Und dann kriegst du ein Kind und plötzlich wird der ganze Feminismus über Board geworfen und die alten Rollenbilder greifen. Als wir entschieden haben, dass Wäsche meine Aufgabe ist, dass ich mich ums Essen kümmere, schaue dass die Kleine die Fingernägel geschnitten und die Haare gewaschen bekommt… wo war ich denn da bitte? Ich habe nie gesagt, dass ich all dies machen will. Im gegenteil, ich habe immer lieber 8h mehr gearbeitet um eine Putzfrau zu bezahlen als 2h selbst zu putzen. Und ich sage es ihm, immer und immer wieder. Ja, er macht ja, bringt jeden morgen die Kleine zum Kiga, geht einkaufen, bringt den Müll runter… Aber ICH schaue jeden morgen vorm Kiga, ob die Haare gekämmt und die Zähne geputzt sind, ich schreibe die Einkaufsliste und gucke vorher was fehlt, ich stelle den Müllsack VOR den Eimer um zu verdeutlichen „ich bin voll, bring mich weg“. Ich habe auch schon das Verteilen jener „unsichtbaren Aufgaben“ angesprochen, aber er sieht es einfach nicht… Ich bin so ratlos und manchmal so verzweifelt. All diese Verantwortung, diese täglichen kleinen und großen Entscheidungen, die bestimmen, zu welchem Menschen dieses kleine Wesen heranwächst, für das wir uns doch BEIDE entschieden haben… Warum lastet all das nur auf MEINEN Schultern??? Und ich habe das Gefühl, ich kann mit niemandem darüber reden. Alle Menschen in meiner Umgebung schein glücklich zu sein mit ihrem Leben, ihrer Rolle als Mutter. Ja klar, jede Mutter hat mal diese 5 minuten, wo einem alles zu viel ist, wo man einfach gern die Tür hinter sich zu machen und 7 Folgen irgendeiner US Serie am stück gucken will. Aber dann lächelt das kind einmal und sagt Mama hab dich lieb, und dann ist alles wieder gut. Bei mir nicht. Bei mir reicht das nicht. Ich frage es mich so oft, was mit mir nicht stimmt. Warum kann ich nicht zufrieden sein wie all die anderen Mütter, und aufgehen in meiner Rolle? Warum erfüllt mich das Muttersein nicht?
    Ach Alexa… vielleicht, wenn du magst, schreib mir doch mal… Es macht so einsam, mit diesen gedanken allein zu sein. Vielleicht hast lust auf einen Plausch…
    Danke für den Mut, all das auszusprechen.
    Jule

    • waterchocolate

      liebe jule, liebe andere,
      auch ich schließe mich deinen und alexas worten an! auch ich fühle mich in meiner mutter-rolle absolut nicht wohl und habe es vom ersten tag an nicht getan (nun also seit über drei jahren…). und zwar genau deshalb, weil die ekelhaft-anerzogenen mann-frau-unterschiede, die mensch während des nur-für-sich-alleine-lebens im studium ganz herrlich weg-diskutieren konnte, als eltern auf einmal völlig unerwartet und umso brutaler auf dich einschlagen. meine enttäuschung darüber, dass der vater unseres kindes und ich gleichberechtigtes elternsein in der praxis so überhaupt nicht hinbekommen haben, war und ist so groß, dass ich nach 15 monaten ausgezogen bin. und auch mit getrennten haushalten fühlt es sich absolut nicht gleichberechtigt an. er hat seine freiberuflichkeit, die aus meiner sicht immer priorität vor allem hat und weil ich unser kind zur obersten priorität machen wollte und will, hieß das anscheinend automatisch, dass ich den großteil der betreuungszeiten, das planen sämtlicher übergabe-termine und die dauernde suche nach einem noch besseren umgang, einer effektiveren kommunikation, das schauen nach den bedürfnissen des kindes, nach betreuungsmöglichkeiten etc. und vor allem das leben unter dem existenzminimum zu übernehmen hatte. als darüber entschieden wurde, war ich wohl auch nicht da…
      ja, ich frage mich auch immerwieder: wenn wir das nicht geschafft haben, wer soll das sonst schaffen? wir haben doch wirklich über all das reflektiert!!! sexismus steckt so tief in dieser gesellschaft und im denken der menschen, dass ein bis zwei generationen, die zum teil versuchen, das anders zu machen, wohl noch wenig erfolg ernten werden. frustrierend! mein bedürfnis nach austausch mit eltern, die das ähnlich empfinden, ist auch groß! stärkung und evtl gegenseitige unterstützung ist, denke ich, sehr wertvoll…
      herzlich, waterchocolate.

      • Alexa

        Waterchocolate, ja, da sagst du was. Genau das frage ich mich auch immer, wie viele Generationen es braucht, bis endlich ein Umdenken passiert. In unserer Generation sicherlich nicht mehr.

        Ich selbst habe zwei Söhne, die gerne kochen, backen und mit mir putzen. Deshalb setze ich all meine Hoffnungen in die nächste Generation 🙂

    • Alexa

      Liebe Jule,

      ich habe die Vermutung, dass das, was du beschreibst, viel mehr Mütter denken und fühlen, als du glaubst. Deshalb denke ich nicht, dass etwas mit uns „nicht stimmt“. (Ganz im Gegenteil.)

      Es ist einfach nicht die Regel, dass Mütter ihr Unbehagen, ihre Wut und Traurigkeit artikulieren (dürfen). Beim Regretting-Motherhood-Diskurs schienen ja auch irgendwie alle überrascht, dass frau ihre Mutterschaft auch bereuen könne. Verrückt.

      Wobei es bei mir überhaupt nicht so ist, dass ich die Mutterschaft grundsätzlich bereue. Es sind nur die gesellschaftlichen Bedingungen, die es mir schwer machen, glücklich mit meiner Mutterrolle zu sein.

      Ich wünsche dir alles Gute!
      Alexa

  6. Oja, das kann ich so gut nachvollziehen. Als der Kleine 4 Wochen alt war, saß ich schon mit einem Beziehungsratgeber für Eltern da und sah mir die Listen der Verantwortlichkeiten durch und bemerkte, dass mit einem mal auf einmal das Gros auf mich übergeschwabbt war. Irgendwie anders ist es noch immer nicht. Nur meine Sauberkeitsgrenzen haben sich ausgeweitet…

    Und auch die Sache mit den traditionellen Rollenbildern: Das denk ich mir oft genug, dass das wahrscheinlich einfacher wäre. Jede/r hat so seine/ihre Aufgaben. Das Blöde ist nur, dass ohne Haus am Land das ganze Außen-Drum-Rum wegfällt, dass „seine Verantwortlichkeit“ darstellt, das ja noch ausgleichend wäre. Und dann sitzt mensch in der Stadtwohnung ohne Garten und übrig bleibt der Müll. Also auch keine Option. Und die Resignation irgendwie auch nicht.

    Wünsch euch alles Gute!

    PS: Ist zwar ein anderer Zusammenhang, aber find ich auch in dieser Hinsicht immer wieder mal tröstlich…http://phoenix-frauen.de/falsche-hoffnungen/

    • Alexa

      Liebe Katja,

      danke für den Link.

      Die Sauberkeitsgrenzen auszuweiten ist natürlich auch eine Möglichkeit, persönlich mit der Situation zurechtzukommen, aber das Problem (die ungerechte, gesellschaftliche Verteilung der Care-Arbeit) wird dadurch leider nicht gelöst. Alles nicht so einfach.

      Viele Grüße
      Alexa

  7. Teeniemutter

    It’s the economy…..!
    Schaut, dass Eure Töchter Berufe wählen, in welchen sie wirklich gut verdienen. Dann ändert sich das Machtgefälle automatisch.

    • Alexa

      Liebe Teeniemutter,

      genau das kann ich aus meinem Umfeld nicht bestätigen. Das sind alles Akademikerinnen, alles Frauen mit abgeschlossenem Studium und trotzdem sind sie es, die den Hauptteil der Care-Arbeit übernehmen. Die können noch so gut verdienen – sobald die Kinder kommen, ist es völlig klar, dass sie mit ihnen daheim bleiben.
      Die gleichberechtigten Beziehungen, die ich aus meinem Umfeld kenne, sind ausnahmslos Zweierbeziehungen ohne Kinder.

      Kinder scheinen also ein mächtigerer Faktor zu sein als Geld, wenn es um die Gleichberechtigung geht.

      • Teeniemutter

        Liebe Alexa,

        es wäre interessant, der Frage vertieft nachzugehen, warum das für Deine Bekannten so klar ist. Wenn wir das verstehen würden, könnten wir das in Zukunft vielleicht ändern.
        Für mich (und meine Arbeitskolleginnen in internationalem Forschungsumfeld) ist das in der Tat so: wir verdienen sehr gut (ich selber deutlich besser als mein Mann (Nichtakademiker)), daher kam es nicht in Frage, die Berufstätigkeit aufzugeben oder zu reduzieren. So lag es auch gar nicht drin, sich alleine um all die ‚unsichtbaren‘ Care-Arbeiten zu kümmern.

        Herzlichst Nora

  8. auch eine Karin

    Hallo,
    was mir/uns hilft: mal ein paar Tage beide aufschreiben, womit jeder Partner die 24 h Stunden verbringt (am besten Wochentage und Wochenende). Dann stellt man fest, wer mehr Freizeit (dh Zeit, in der man nicht für „die Familie“ arbeitet und nicht „für Geld“ arbeitet) hat. Eye opening. Durchaus in beide Richtungen. Und dann natürlich reden: ist es „Freizeit“, sich um die Oma zu kümmern? Ist Nachbarkaffee Freizeit oder Verpflichtung? Wieso kann der Mann jeden Samstag 2 h Sportschau gucken, oder gilt das als „ums fußballverrückte Kind kümmern“?
    Unsere Kinder sind aus dem Gröbsten raus und die Nächte bis aus krankheitsbedingte Ausnahmen ruhig – wenn man die Nächte einbezieht, dann wird es noch schwieriger.
    Aber mal probieren! Man verschätzt sich sehr (alle!), wenn man nicht einfach mal mitschreibt!
    Alles Gute.

    • Alexa

      Liebe Karin,

      da stimme ich dir hundertprozentig zu. Der erste Schritt muss sein, die Aufgaben, die die Care-Arbeit mit sich bringt, transparent zu machen. Nur dann hat frau eine „Verhandlungsbasis“.

      Aber ich denke auch, dass das nicht reicht. Die Care-Arbeit muss nicht nur in der Zweierbeziehung sichtbar gemacht werden, sondern eben auch gesellschaftlich. Was Frauen – quasi nebenbei, ganz selbstverständlich, ganz automatisch, ohne groß darüber nachzudenken – Tag für Tag leisten, ist doch den meisten gar nicht bewusst. Es wird totgeschwiegen. (Wahrscheinlich merken viele Frauen noch nichtmal selbst, was und wie viel sie jeden Tag aufs Neue leisten.)

      Wir sollten endlich anfangen, das auch auf gesellschaftlicher Ebene anzuerkennen.

  9. Sibylle

    Ich bin selbst (ungewollt) kinderlos, aber ich beobachte selbst in meinem Umfeld, wie ungleich gerade im Bereich Kinderbetreuung die Dinge laufen – und zwar in beide Richtungen. Ich erlebe Frauen, die an ihren „angeblich“ (Provokation beabsichtigt) so heiß ersehnten freien Abend erst zwei Stunden lang erzählen, was Hosenmatz und Pippimädchen die ganze Woche über getan haben und sich dann entschuldigen, um „mal kurz zu hören, wie’s zuhause läuft“ – die ihrem Mann nicht zutrauen, auch mal ein paar Stüdchen klarzukommen, weil sie eben die dreiundelfzig Ratgeber gelesen haben und er eher nach „dat löppt schon“ vorgeht.
    Ich erlebe Frauen, die nach einer gemeinsamen Shoppingtour heimkommen, ein Glas in die Spülmaschine stellen, bemerken „das ist ja total falsch eingeräumt“, und dann erstmal alles wieder aus- und neu „richtig“ einräumen. Da steh ich schon mal sprachlos daneben.
    Besonders bezeichnend fand ich den Beitrag oben von waterchocolate: „…weil ich unser kind zur obersten priorität machen wollte…“ – ist es nicht klar, dass ich das meiste tue, wenn ICH die Priorität darauf lege? Ich finde es ganz logisch, dass ich den Großteil der Hausarbeit machen würde, wenn ich denn zuhause wäre. Wenn es für MICH wichtig ist, dass ICH das Kind erziehe, dann muss ICH es doch auch tun, oder? Meine alleinerziehende Mutter wollte Vollzeit arbeiten gehen, hat es auch getan, und dennoch sind wir behütet und geliebt aufgewachsen.
    Warum gehe ich also als potentielle Gutgenugverdienerin, die keine Lust auf diese Mami-Nummer (übrigens auch einTrend, den ich unter Freundinnen beobachte – da wird kaum noch eine ‚Mutter‘, die werden alle ‚Mamis‘) hat, nicht arbeiten und gebe das Kind in die KiTa? Denn – historisch gesehen – ist die Betreuung durch eine fremde Frau immer noch weit weniger exotisch als die Betreuung durch den Kindsvater.
    Also – was ich fragen möchte: Was hält gebildete, intelligente, reflektierte Frauen davon ab, meinen Beruf weiter/wieder auszuüben, statt daheim zu bleiben? Geld, die Erwartungshaltung der Nachbarn/Großeltern, das Gefühl, dann eine Rabenmutter zu sein? Bin sehr neugierig.

    • Alexa

      Liebe Sybille, es ist in meinem Artikel nicht klar genug rausgekommen, aber ich bin nicht daheim mit meinen Kindern. Ich bin selbstständig und schreibe nebenbei meine Doktorarbeit. Hab also selbst genug zu tun. Auch waren die Kinder beide in der Krippe (der Ältere ab zwei und Jüngere sogar ab 16 Monaten) und sind jetzt aktuell in Schule (Ganztagsschule) und Kindergarten.

      Und genau darum geht es ja: Die Kita und die Berufstätigkeit der Frau – das ist meiner Meinung nach nicht die Lösung aller Gleichberechtigungsprobleme, wie es immer so schön angepriesen wird. Dann dann geht die Frau arbeiten und die Kinder sind vielleicht bis 4 betreut, ja, das schon. Aber dann bleibt immer noch die Frage, wie die Care-Arbeit aufgeteilt wird, nachdem die Kinder von der Kita zurückkommen. Wer kocht? Wer kauft ein? Wer wischt Staub und den Boden? Wer saugt? Wer putzt das Klo? Wer guckt, was fehlt, und macht die Einkaufslisten? Wer gießt die Blumen? Wer merkt, dass die Schuhe drücken und kauft neue? Wer bemerkt den Aushang an der Kita-Tür, dass was mitgebracht werden soll? Wer sagt: Jetzt ab in die Wanne! Wer schneidet Fingernägel? … Du verstehst, worauf ich hinaus will?

      Genau um diese Dinge, die meist ganz nebenbei von der Frau erledigt werden (trotz eigener Berufstätigkeit), geht es mir in diesem Artikel.

  10. Liebe Alexa,
    ich habe deinen wunderbar und sehr eindrücklich geschriebenen Artikel mit großem Interesse und auch viel Sorge gelesen, weil ich irgendwie…mich ein bisschen in deinem früheren Ich wiederfinde, und meine Beziehung so sehr dem ähnelt, was du als Beginn deiner Beziehung geschildert hast. Die gemeinsame Auseinandersetzung mit patriarchalischen Strukturen und die Ablehnung derer, der Vorsatz eine feministisch geprägte Beziehung miteinander zu führen.

    Ich muss gestehen, was du schreibst, macht mir Angst. Ich habe (noch) keine Kinder und natürlich gibt mir das derzeit eine beachtliche Freiheit, und nun frage ich mich: Ist es diese Freiheit, deretwegen ich derzeit vieles nicht richtig bemerke oder mich von vielem nicht so gestört fühle? Klar, ich wohne mit wem zusammen und wir streiten manchmal wegen Haushalt, es ist wahr, dass ich mehr Haushalts-Initiative habe, allerdings nicht nur alles selbst tu, sondern auch sage: „Mach mal“, und meistens wird das dann auch gemacht…

    Was ich dich fragen wollte: Dein Satz darüber, dass dein Ehemann nicht selbst den Boden wischt. Hat er früher manchmal den Boden gewischt und hat das aufgehört, als ihr Kinder bekamt und der die Lohnarbeit übernahm und die Care-Arbeit bei dir blieb? Oder hat er das nie gemacht und es wird jetzt zu einem Problem, da du belasteter bist als früher? (Genauso halt alle anderen Arbeiten dieser Art.)

    Ehrlich gesagt steht dahinter bei mir immer die Befürchtung: Was ist, wenn meine Beziehung auch mal so wird? Noch ist alles gut, aber übersehe ich vielleicht einfach Signale, die ich nicht sehen will? Es gibt so viele Paare, die irgendwann nicht mehr zurechtkommen, was wenn…? etc.
    Sorry für den langen Kommentar und viele Grüße!

    • Alexa

      Liebe Piedsnue, wie ich in dem Text geschrieben habe: Wir sind mit sehr, sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Beziehung gestartet. Mein Mann musste in seiner gesamten Kindheit und Jugend nichts im Haushalt machen, ich schon. Als wir dann zusammengezogen sind, waren wir uns theoretisch schon darüber einig, dass wir uns den Haushalt teilen, aber in der Praxis war es wohl so ähnlich wie bei euch. Wir haben oft zusammen aufgeräumt, aber die Initiative und die Organisation des Haushalts lag schon immer bei mir.
      Alles in allem empfand ich das „Haushaltsproblem“ in der Zweierbeziehung aber als nicht so wild. Mach ich es nicht jetzt, mach ich es halt später. Mach ich es nicht heute, mach ich es morgen. Das geht mit Kindern einfach nicht mehr. Da ist das Zeitfenster für den Haushalt sehr, sehr knapp. Und meistens wird, wenn es eh schon drunter und drüber geht, noch jemand krank. Das gab es, als wir zu zweit waren, so nicht.

      Das Verrückte ist: All die Entscheidungen, die ich getroffen habe, habe ich als meine persönlichen, individuelle Entscheidungen empfunden. Die Wahl meines Studiums, was ich nach dem Studium mache, die Kinder – ich wollte das alles so. Und bei jeder Entscheidung, die bei mir oder bei meinem Mann fällig war, haben wir den Punkt „Gleichberechtigung“ berücksichtigt. Und dennoch haben wir es nicht geschafft, eine gleichberechtigte Beziehung zu führen. Ich weiß nicht, warum das so ist.

      • Liebe Alexa.

        Ich antworte direkt hier, weil der Dialog perfekt auf meine Antwort passt.
        Der Artikel hat mich sehr bewegt und ich mache mir genau über diese Sachen auch Gedanken – und bin manchmal genervt.
        Meine Tochter ist erst 1,5 Jahre und ich habe den Eindruck, dass durch den Mangel an Erwartungen vom Kind noch einiges einfacher ist (vielleicht aber auch nicht?); Ich denke an so Sachen wie eine Party aussehen muss.
        Hier ein paar Ansätze wie wir die Sache handhaben. Vielleicht kannst du ein paar Ideen aufgreifen.

        Vielleicht in Kurzform, weil es doch sehr lang geworden ist:
        1) Zusammensetzen als gute WG-Kumpel, die eine faire Verteilung wollen
        -> Ein wunderschöner Gedanke zu dem Thema von jemanden war. In der alten Rollenverteilung musste man nicht reden, es ist klar was jeder tun muss. Deswegen gibt es diese Vorstellung vom Verstehen des anderen ohne Worte – Reden ist unromantisch. Aber reden ist in den neuen Rollen das wichtigste überhaupt! Also ohne schlechtes Gewissen über alles Reden.
        2) Sammeln der Aufgaben
        3) Abstecken der Erwartungen (wie oft muss gewischt werden)
        3a) bei uns sind die Erwartungen größer als die Kraft, deswegen sprechen wir auch immer über das Minimum
        4) Aufteilung finden (wir arbeiten beide gleich lang, deswegen ist es für uns klar 50/50 zu finden. Wenn ihr unterschiedliche Arbeitszeiten habt, könnt ihr entsprechend andere Pakete finden oder Daueraufgaben verteilen oder was ihr wollt.)
        -> Oder Kompensation vereinbaren.
        – Du bleibst ein Jahr zu Hause bei den Kindern? Kompensation für den Lohnausfall und Knick in der Kariere wäre vielleicht Altersvorsorge auf den Namen desjenigen abzuschließen. Oder vereinbaren das Fortbildungen vom anderen möglich gemacht werden.
        – Einer bleibt öfter spontan zu Hause weil die Kinder krank sind? Der andere bleibt geplant zu Hause (in den Ferien?).
        -> Kreativ werden und sich darauf konzentrieren wofür man einen Ausgleich will! Geld mit Geld ausgleichen, Arbeit mit Arbeit ausgleichen. Für mich wird es sonst schwer das wirklich als Ausgleich zu empfinden. Vielleicht seid ihr da aber anders.
        5) Regelmäßig treffen und die Aufgaben erneut ansehen/verteilen/ändern! Am Anfang hatten wir einmal die Woche gesprochen mittlerweile ist es eher einmal im Monat. Aber wir sprechen trotzdem einmal die Woche was als nächstes ansteht.
        6) Den anderen es so machen lassen wie er will. Wenn man unzufrieden ist wie er es macht, muss man nochmal über die Erwartungen reden.

        Hier die Fassung mit mehr Beispielen.

        Zuerst mal die Putzsituation:
        Wir haben beim Zusammenziehen einen Putzplan vereinbart und zwar wie man das in einer WG machen würde (und das stößt immer auf Verwunderung bis Sorge über unsere Beziehung). Damit bin ich schon bei meiner Antwort auf deine Frage wie die Gleichberechtigung langsam aus dem Lot kippt. Ich hab den Eindruck, dass viele die Haltung haben, dass „wenn man sich liebt“ man mehr nachgeben muss und keine Kompensation verlangen darf und so dann schneller in die alten Rollen fällt.
        Zu unserem Plan: Den Aufgaben haben wir in zwei Blöcke aufgeteilt und wechseln einmal im Monat. Für uns hat es den Vorteil, dass jeder alles macht und entsprechend sich daran gewöhnt dem anderen nicht mehr Arbeit zu machen. Ich würde zum Beispiel schnell die Wäsche überall fallen lassen, wenn ich mich nicht alle 2 Monate über die Verstreute Wäsche ärgere.
        Und ich kann abschätzen ob die Aufgabenblöcke gleich groß sind (oder Aufgaben verschoben werden sollten).
        Der Nachteil ist natürlich, dass man seine Lieblingsaufgabe nicht immer machen darf 🙂 .

        Die Aufteilung des Kindes 😉 ist komplizierter und hat für mich absolut nichts mit dem Haushalt zu tun.
        Nur weil einer täglich mit den Kindern zu mittag isst, heißt das nicht das derjenige es kocht, abwäscht, für das einkaufen zuständig ist – das müsste gesondert als Aufgabe verteilt werden:
        Durch die Unterschiedlichen Arbeitszeiten (ich gehe bevor die beiden Aufstehen, er arbeitet länger) gibt es am Tag bestimmte Stunden an denen immer einer zuständig ist.
        Mein Mann zieht also jeden morgen das Kind an, frühstückt und bringt es zur Kita.
        Ich hole das Kind ab, esse was kleineres mit ihr, und betreue sie bis er von der Arbeit kommt.

        Aufgaben die nicht instantan anfallen sind Wochenweise geteilt (am Samstag Abend ist der wechsel).
        Derjenige der das Kind hat muss:
        – es ins Bett bringen
        – die Kita Tasche packen (incl. der Sachen die in die Kita müssen wie Ersatzkleidung, Windeln, Trinkflasche usw.)
        – Windeln wechseln, wenn beide da sind
        – Tasche packen wenn eine Unternehmung ansteht.
        – dafür sorgen, dass das Kind essen und trinken bekommt, wenn beide da sind
        – Nachts aufstehen
        – zu Hause bleiben wenn das Kind krank ist
        – Für euch würde ich da auch Turnbeutel kontrollieren und so was reinpacken

        Je größer das Kind desto größer die Zeitabstände:
        Die ersten Wochen waren es Täglich (vor allem das Nachts aufstehen war das Problem).
        Dann halbe Wochenweise, da wir jeder eine halbe Woche gearbeitet haben.
        Jetzt Wochenweise, da beide wieder voll arbeiten.

        Für die anderen Aufgaben hapert es noch etwas:
        – Bisher wurde der neue Arzt-Termin direkt beim aktuellen Termin vereinbart (aber jetzt sind die Abstände deutlich größer)
        – Kleidung kaufen (da klaffen unsere Erwartungen zu sehr auseinander, ich brauche mehr Vorlaufzeit, weil ich second Hand bevorzuge, er geht bei akutem Mangel in der Mittagspause einkaufen)
        – Fingernägel schneiden (das müssen wir auch einfach mal aufteilen)

        Noch ein paar Ideen zum Aufteilen:
        -> Wir sprechen einmal die Woche was ansteht in der nächsten Woche und da kommen diese Sachen auf den Tisch (aber natürlich nur wenn einer daran denkt), aber zu mindestens ist das Machen vom dran denken getrennt.
        -> Eine Idee für so unregelmäßige Sachen wäre sich abzuwechseln. Jeder organisiert eine Party/ besorgt das Geschenk für einen Geburtstag /backt den Kuchen für das Kitafest im Wechsel.
        -> es gibt einen gemeinsamen Google-Kalender in den alle Termine und Pflichten eingetragen werden.
        -> ein Grundsatz von uns ist. Derjenige der es macht darf entscheiden wie es gemacht wird.
        Als Beispiel: Ich habe gestillt (meine Entscheidung). Mein Mann wollte nicht mit dem Kind zu den Stillzeiten zu mir kommen (seine Entscheidung, ich fände das aber auch nicht sinnvoll), also wurde mit der Flasche Muttermilch gefüttert (seine Entscheidung, dass er nicht Milch anrühren wollte), Ob ich bei der Arbeit abpumpe (meine Entscheidung). Wie er das mit den Flaschen und der Milch (Portionsgröße usw) haben wollte hat er alleine gemacht. Ob er noch mehr Flaschen kaufen wollte oder den Flaschenwärmer, alles sein Ding. Ich hab mich darum gekümmert wie ich das mit der Milchpumpe und dem Lagern bei der Arbeit haben will.

        Und an alle die sagen: „Mein Gott, ihr seid ja nur am reden und planen. Da ist es doch einfacher wenn ich das halt schnell mache.“
        Ja das stimmt, aber ich gehe trotzdem zweimal die Woche zum Aikido (obwohl ich eigentlich meine Tochter aus der Kita abholen müsste). Mein Mann holt sie dann ab. Ich kann ohne Diskussion (theoretisch ohne Vorwarnung, alle zwei Wochen die komplette Woche) abends weg gehen.
        Dadurch das jeder mal alles macht können wir flexibel tauschen und haben nicht das Gefühl das einer übervorteilt wird, wenn er dauernd weg ist. Und vor allem sind auch beide in Übung.
        Ich kenne ein Paar da ist der Vater für den Abend zuständig. Trotzdem darf er natürlich auch mal weg gehen. Kompensation? Nichts! Da knirscht es leider wenn sich das weggehen häuft.

        Ich hoffe ich konnte Anregungen bieten. Bei meinen Bekannten stoße ich nämlich immer wieder auf riesiges Erstaunen wie wir es machen. Im Internet findet sich natürlich immer eine größere Vielfalt.
        Und auch wir sind immer dankbar, wenn wir bei anderen kreative Lösungen abschauen können.

  11. Berit

    Manchmal denke ich, dass das Unglücklichsein eher daher kommt, dass man sich zu viele Gedanken macht. Muss ich denn wirklich jeden kleinen Arbeitsschritt aufzählen um herauszufinden wer mehr im Haushalt macht?gerade son pillepalle wie Nägel schneiden, das keine 5 Minuten dauert. Macht mein Mann übrigens auch nicht, aber ich glaube seine dicken Finger würden auch gar nicht in die babynagelschere passen. Umgedreht hab ich in 2 Jahren zusammen wohnen vielleicht 5 Mal den Müll runter gebracht.

    Es ist wichtig seine eigene Situation zu reflektieren, aber sollte man nicht stets das Maß im Auge behalten?

    Wenn du über etwas unglücklich bist sprich es lieber direkt an und warte nicht zu lange. Und erwarte auch nicht, dass man sich über Nacht ändert 🙂

  12. Sozitussi

    Guten Abend.
    Vielen Dank für das Gefühl gesehen zu werden. Ich habe deinen Artikel gerade total übermüdet gelesen. Mein Sohn ist fast 3 und ein verdammt schlechter Schläfer – schon immer. Wir führen eine auf den ersten Blick sehr gleichberechtigte Ehe. Ich putze zum Beispiel so gut wie nie. Aber der Vollzeitjob und der chronische Schlafmangel bringt mich an meine, inzwischen insbesondere auch mentale, Grenzen. Irgendwas läuft da echt schief.

  13. Eva

    Mir kommt das Gefühl des „ich bin verantwortlich dafür, dass der Haushalt, die Kinderplanung am laufen bleibt“ auch sehr bekannt vor. Das krasse dabei: Ich arbeite voll, bin öfter mal auf Konferenzen. Mein Mann hat unter der Woche nachmittags die Kinder. Aber wenn es darum geht, sich um die kaputte Spülmaschine zu kümmern, zu bemerken, dass dem Kind die Schuhe zu klein werden, oder Freizeitprogramm für den Kleinen zu organisieren, läuft ohne mich nichts. Ich bin schon auch ganz gut drin, manche Dinge einfach zu ignorieren (fällt recht leicht, wenn frau erst um halb sechs nach Hause kommt), aber ohne mich läuft in diesem Haushalt/für diese Kinder sau, sauwenig.

    • Sarah

      Ich finde deinen beitrag wichtig und ich finde es total traurig dass es in vielen beziehungen so läuft. Aber: es muss nicht so sein. Ich habe einen wundervollen, fürsorglichen Mann, der volle Verantwortung für die kinder übernimmt und viele der hintergrundarbeiten (einkaufen, kochen, wegräumen, kindersachen kaufen…) macht und das auch sehr gerne, von sich aus. Er redet auch befreundeten männern ins gewissen, die ihre frauen mit baby voll im stich lassen. Ich habe die babyauszeiten genommen, da ich auch von zuhause weiterarbeiten konnte, aber jetzt arbeite ich voll mit zwei kindergartenkindern inkl. Dienstreisen und liebe unser gleichberechtigtes modell! Ich wünsche mir so sehr, dass österreich gleichberechtigter wird und solche beschreibungen von vätern, die sich aus der verantwortung ziehen und die mütter mit der Arbeit alleine lassen bald der vergangenheit angehören!

      • Sarah

        Muss aber auch ergänzen, dass wir uns 9h/woche jemand richtig angestellt haben für richtige haushaltstätigkeiten, es ist unrealistisch zeit für zwei kinder und zweimal flexiblen vollzeit-job zu haben, und dann auch noch wäsche waschen oder putzen, da müsste sich die arbeitswelt nachhaltig verändern, dass man für diese Tätigkeiten zeit hat, finde es aber ohnehin besser, wenn sich jeder auf das konzentrieren kann was er gut kann und gern macht

    • Alexa

      Liebe Eva,

      ja, dein Kommentar trifft es auf den Punkt: Dass Frauen einer Lohnarbeit nachgehen sollen, löst das Problem mit der Gleichberechtigung gar nicht. Denn dann geht frau einer Lohnarbeit nach UND muss noch den Hauptteil der Care-Arbeit leisten (nachdem sie müde von der Arbeit kommt).

      Viele Grüße
      Alexa

    • Eva

      Ich wollte nur noch fairerweise ergänzen: Mein Mann kommt ursprünglich – passend zum voherigen umstandslos-Artikel – aus den USA. Einiges an Vernetzung, Plan davon, wie die deutschen Behörden laufen, Leichtigkeit der Kommunikation mit anderen Leuten etc. fliegt ihm also nicht zu/fehlt ihm. Das baut sicherlich an einigen Stellen Hürden auf, Aufgaben für Kinder und Haushalt zu übernehmen. Außerdem ist einiges, was mir Standard zu sein scheint, z.B. Kinder zum Turnverein anmelden, mit ihnen Ausflüge zu unternehmen, in seiner Familie glaube ich nie praktiziert worden – damit auch keine Selbstverständlichkeit, dass er das mit den Kindern macht.
      Aber trotzdem – wenn ich in die USA gegangen wäre, wäre ich sicher engagierter für diese Dinge als er umgekehrt…

  14. Marie

    Ihr habt alle so recht!
    Ich stolpere hier zufällig rein *grüßt höflich in die Runde*, habe eine privilegierte und ungewöhnliche Konstellation in Hinsicht, wer was wann arbeitet, weiß und wusste das die letzten 17 Jahre zu würdigen und doch! ist es so, dass ich mich oftmals frage, warum, zum Donner, ich z.B. nach wie vor sämtliche Familientermine im Kopf habe und manage (dann fällt mir meist ein, weil das „part of the deal“ unseres Modells ist und ich das verdammt gut vergütet bekomme), aber verstehen kann ich es dennoch nicht.
    Ich kann den Frust, der sich in Müttern aufbaut, nur zu gut nachvollziehen. Man, bzw. frau muss schon einen verd*mmt guten Plan haben, um diese Umgerechtigkeiten von vornherein im Keim zu ersticken. Im Zweifelsfall würde ich mich gegen Kinder entscheiden, obwohl ich mit dieser regretting motherhood Geschichte sonst nichts am Hut habe.

    LG
    Marie

  15. Hallo Alexa,

    ein guter Artikel! Er trifft die Lebenswirklichkeit von vielen Müttern auf den Punkt! Bei uns ist es ähnlich (nicht genauso!). Allerdings habe ich auch festgestellt, dass man auch als Frau dazu neigt, die Arbeiten des Partner unterzubewerten.
    Ich habe mich noch nie um das Auto gekümmert (TÜV, Reifenwechsel, Reparaturen etc.), noch nie um ein elektrisches / elektronisches Gerät (Spülmaschinen aussuchen, vergleichen, kaufen, Salz nachfüllen), ich sauge nie Staub, ich habe erst einmal ein Loch in die Wand gebohrt, ich mache nie den Wocheneinkauf (mit Kindern!), ich wende fast nie die Matratzen, ich bügele nicht, ich habe nur eine von 10 Gardinen aufgehängt, keine Fenster abgedichtet, bringe fast nie den Müll runter, schraube keine neuen Glühlampen ein, mähe so gut wie nie Gras, fahre eher selten in den Baumarkt etc. etc. Das alles macht in der Regel mein Mann.

    Ich suche dagegen die Kinderkleidung aus (80%), weil ich MEINEN Geschmack sehen will (die Kinder sind noch klein genug *g*), ich organisiere Kindergeburtstage, Einladungen, Feste, Spielverabredungen, weil mein Mann da meine Ansprüche nicht erfüllt, und weil es mir Spaß macht. In der Mehrheit stelle ich fest, wenn Schuhe zu klein werden, schneide Fingernägel, schreibe Namen in Kleidungsstücke, kämme Haare. Vieles davon macht auch mein Mann, wenn ich ihn dazu auffordere. Ist nicht „seins“. Er hat daran nicht so ein Interesse.

    Ich will das Problem gar nicht schmälern, aber es gibt auch Dinge, da hat man einen höheren Anspruch. Und dann ist man der/diejenige, die diesen Anspruch auch umsetzen muss/sollte. Ist es denn gerecht, wenn ich jeden Tag eine schöne Frisur für das Kind will (Bsp) und dann den Mann auch dazu verpflichte, wenn er das Kind versorgt? Wenn er mit Staub leben kann und ich nicht, wieso sollte er dann jede Woche Staub wischen? usw. Ich finde, sowas wird schnell deutlich, wenn man es umdreht: Ist es dem Mann wichtig, dass seine Hemden gebügelt sind? Dann sagt doch jede Frau, die sich als feministisch / emanzipiert sieht: Soll ER das machen. Seine Hemden, seine Bügelarbeit (oder sein Geld für den Wäscheservice). Aber wenn ICH jeden Tag den Boden gewischt haben will und er nicht?

    Ansonsten sollte man Sorgearbeit wirklich viel sichtbarer machen. Gerade in der Beziehung auch mal Rollentausch betreiben. Aber wie man gekämmte Haare gesellschaftlich sichtbar machen will, weiß ich nicht. VG! Und bitte schreib weiter so interessante Sachen 😉

  16. Man kann eben nicht „alleine“ gleichberechtigt sein / leben…. nur wenn der Partner dieses Modell auch unterstützt / lebt
    https://juraexamenmitkind.wordpress.com/2016/01/25/jede-emanzipierte-frau-braucht-einen-emanzipierten-mann/

  17. christian ulmen und collien ulmen-fernandes führen eine gleichberechtigte beziehung mitsamt kindern. sind ein gutes beispiel/vorbild

  18. Helen

    Vielen Dank für diesen Artikel und all eure Beiträge. Es tut sehr gut zu lesen, dass sich noch mehr Frauen solche Gedanken machen. In meinem Freundeskreis übernehmen die meisten Frauen recht selbstverständlich all diese Aufgaben. Mein Freund und ich haben (noch) keine Kinder, aber im Grunde die gleichen Diskussionen. Wie bei euch, Alexa, haben wir einen sehr unterschiedlichen Background. Die Mutter meines Freundes hat ihm bis in die Oberstufe Schulbrote geschmiert, und ich beobachte heute noch bei ihnen, dass wenn sie um etwas bittet, Tischdecken oder whatever, ihre Söhne das solange ignorieren, bis ihre Tochter oder sie selbst es macht. Ich hingegen bin mit einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen und habe als Kind regelrecht beigebracht bekommen, wie man den Haushalt schmeißt, weil es gar nicht anders ging. Vor unserer Beziehung hatte mein Freund zwei andere sehr lange, und in beiden haben offensichtlich die Frauen den Großteil der von euch genannten Tätigkeiten übernommen. Weil ich da anders bin, haben wir nun ständig Gespräche/Diskussionen zu diesen Dingen, schlicht, weil er es nicht gewohnt ist, 50/50 zu teilen. Es ist theoretisch in Ordnung für ihn, aber er sieht so vieles einfach nicht. Was ich daran so hasse, ist, dass ich gar keine Lust habe, meinen Freund zu „erziehen“, ihm zeigen zu müssen, wie was gemacht wird, ihn erinnern zu müssen, Listen zu schreiben, etc. Damit bekomme ich die Rolle der Verantwortlichen und er die des Ausführenden/Helfenden – das ist nervig und unsexy. Mache ich es aber nicht, passiert so gut wie nichts zu Hause. Ein Dilemma, dessentwegen ich echt die Wände hochgehen könnte. Ich habe das Gefühl, wenn wir Frauen nicht die allermeiste Beziehungs-/Care- und Hausarbeit übernehmen würden, würde es überhaupt keine laufenden Beziehungen geben… Sollte ich einmal Töchter haben, wünsche ich ihnen sehr, dass die Jungs von heute als Männer einmal anders sein werden, weil sie anders erzogen wurden.

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