Feministische Vaterschaft?!

Von Jochen König

Feministinnen kritisieren seit Jahrzehnten die ungleiche Verteilung der Care-Arbeit im Rahmen patriarchaler Strukturen. Die Statistiken dazu sind so bekannt wie eindeutig. Ich teile die Analyse, dass es sich bei Care-Arbeiten um essentiell wichtige Arbeiten handelt, diese nicht die Anerkennung erhalten, die ihrer gesellschaftlichen Bedeutung angemessen sind und sie oft nicht einmal überhaupt als Arbeit bezeichnet werden, und dass diese Arbeiten zum überwiegenden Teil von Frauen ausgeübt werden bzw. andersherum ausgedrückt, dass sich die überwiegende Mehrzahl der Männer genau um diese Arbeiten herumdrückt. Das gilt natürlich und im Besonderen auch für Väter innerhalb ihrer ganz individuellen und privaten Familienbeziehungen.

Die Öffentlichkeit präsentiert uns jedoch ein etwas anderes Väterbild: Väter machen grundsätzlich alles richtig. Medial sind sie die neuen Helden. Sie werden gelobt und gefeiert, wenn sie mal die Windel eines Kindes gewechselt haben oder wenn sie es an einem Tag in der Woche aus der Kita abholen. Und jedes Jahr ist es eine neue Erfolgsmeldung wert, wenn wieder einmal eine Handvoll Väter mehr für zwei Monate in Elternzeit gegangen sind.

Bei so viel Lob bleibt die Diskussion, welche Rolle ein Vater innerhalb der eigenen Familie ausfüllen sollte, viel zu oft auf der Strecke. Unter Vätern hat sich in den letzten Jahren ein gewisses anything goes etabliert. Egal, wie du dich als Vater verhältst, wie sehr du dich im Haushalt einbringst, ob du nach dem Feierabend noch ne Stunde mit den Kindern spielst oder sie nur jedes zweite Wochenende siehst, alles ist super. Eigentlich gibt es für Väter nur zwei Regeln: Sei kein allzu autoritärer Tyrann und sei auf keinen Fall so wie eine Mutter.

Unter Vätern gibt es so gut wie keine Diskussion über die eigene Rolle und darüber, wer innerhalb der Familie welche Arbeit übernimmt. Selbst für die meisten schreibenden Väter ist das Privatsache und wird auf ihren Blogs oder in ihren Tweets neben den Tests für Kinderwägen kaum thematisiert. Wer ständig gesellschaftlich/medial gesagt bekommt, dass Väter qua Existenz irgendwie schon super sind, muss die eigene Rolle nicht kritisch hinterfragen. Auf meine Kritik an Texten von Vätern erhalte ich selten inhaltliche Antworten, sondern vor allem Abwehr und Verständnislosigkeit. Viele Väter können überhaupt nicht mit Kritik umgehen, weil es für sie völlig absurd erscheint, dass ihre privaten Entscheidungen überhaupt zur Diskussion stehen. Dass das Private politisch ist, ist bei den meisten Vätern noch nicht angekommen.

Die Frage der aktuellen umstandslos-Ausgabe ist unter anderem, ob es so etwas wie feministische Vaterschaft geben kann. Wer als Vater feministische Analysen auch nur für halbwegs plausibel hält und dazu in einer gerechten Welt leben möchte, kommt nicht umhin, es zumindest zu versuchen. Um aber nicht nur bei der Theorie zu bleiben, müssen daraus – auch wenn das mühsam erscheint – dann auch konkretere Schlussfolgerungen gezogen werden, als beispielsweise eher nur abstrakt zu versuchen, innerhalb der eigenen Familie die Aufgaben nicht anhand des Geschlechts aufzuteilen. Ich möchte an dieser Stelle zwei Aspekte anreißen, die für meine Auseinandersetzung und mein Bestreben, ein feministischer Vater zu sein, wichtig waren und sind und über die mehr geschrieben und diskutiert werden müsste.

Während Väter gefeiert werden, wenn sie nur den kleinen Finger rühren, wird von Müttern wie selbstverständlich erwartet, dass sie nach der Geburt eines Kindes ihre persönlichen Bedürfnisse zurückstellen und im Zweifelsfall auch komplett alleine für das Kind sorgen. Um auch nur halbwegs gleichberechtigt über die Aufteilung von anfallenden Arbeiten verhandeln zu können, müssen alle an der Aufteilung beteiligten Personen zumindest grundsätzlich die gleichen Optionen haben. Damit Mütter – genau wie die meisten Väter – auch die Möglichkeit haben, keine/kaum Sorgearbeit zu leisten, muss ein Vater, der es mit dem Anspruch an die eigene feministische Vaterschaft ernst meint, von Geburt an deutlich machen, dass er bereit ist, das eigene Kind auch mehr als nur zur Hälfte zu übernehmen. Damit eine Mutter überhaupt die Möglichkeit hat, sich zwischen mehreren Optionen beispielsweise für eine 50/50-Aufteilung zu entscheiden, muss der Vater bereit sein, das Kind temporär oder langfristig auch ganz alleine zu betreuen und zu versorgen, dafür seine beruflichen Ambitionen erheblich zurückzufahren und deutlich machen, dass er das auch gut hinbekommen und es den Kindern damit gut gehen kann.

Wenn über die Beteiligung von Vätern geschrieben wird, geht es meist um offensichtlichere Aufgaben wie das Wechseln von Windeln oder das Abholen aus der Kita. Über andere Arbeiten wird weniger gesprochen. Einige Familien versuchen, die nach außen sichtbaren Aufgaben, mehr oder weniger gerecht aufzuteilen. Bei genauerem Hinsehen und Nachfragen wird deutlich, dass die unsichtbaren Arbeiten dennoch fast immer ausschließlich an der Mutter hängen bleiben. In einer Auseinandersetzung um feministische Vaterschaft muss deshalb auch über „unsichtbare Arbeit“ gesprochen werden: Wer bleibt zuhause, wenn das Kind krank ist? Wer wird vom Kindergarten angerufen, wenn es dem Kind nicht gut geht? Wer hat im Blick, wann die nächste Impfung oder Vorsorgeuntersuchung bei der Kinderärztin ansteht und ob sich noch genügend passende Klamotten im Kinderkleiderschrank befinden? Wer geht mit dem Kind neue Schuhe (auch Hausschuhe für die Kita) kaufen? Wer besorgt das Geburtstagsgeschenk für den Kindergeburtstag? Und wer fordert immer wieder Gespräche darüber ein, wie das Ganze aufzuteilen ist?

„Ich will auch ein Junge sein“, sagt Fritzi beim Schlafengehen. „Das kann ich gut verstehen. Ich will ja auch manchmal eine Mama sein“, antworte ich ihr und sie freut sich: „Dann bin ich auch ein bisschen ein Junge, weil nicht alle Jungen müssen einen Penis haben und du bist auch ein bisschen meine Mama, wenn ich dich so nenne!“ Doing Gender bzw. Geschlecht als Ergebnis performativer Sprechakte verstanden von einer Sechsjährigen. Gerne möchte ich einfach ein Elternteil in einer großen queeren Familie sein. Solange wir noch nicht soweit sind und es für die gesellschaftliche Wertschätzung einen solch großen Unterschied macht, ein Kind als Mutter oder als Vater in die Welt zu setzen, bleibt mir nur die zweitbeste Lösung: Ich versuche mich als feministischer Vater und wünsche mir mehr Texte von Vätern, die nicht nur über Kindersitze fürs Auto, das neue Elterngeld oder den Star Wars Bausatz schreiben, sondern endlich anfangen, ihre Rolle innerhalb der eigenen Familie kritisch zu hinterfragen und zur Diskussion zu stellen.

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Jochen König ist Autor und lebt mit seinen beiden Töchtern in Berlin. Sein Buch „Mama, Papa, Kind? Von Singles, Co-Eltern und anderen Familien“ ist 2015 im Herder-Verlag erschienen

Beitragsbild: Charlotte Cooper (Ränder beschnitten und Rahmen hinzugefügt)

Beitrag erschienen in: Väter

 

 

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28 Kommentare

  1. breitzammer

    Ich hatte mich bis vor einiger Zeit noch als Vater bezeichnet, der sich stark einbringt, viel Betreuungsarbeit übernimmt. Als ich allerdings über die „unsichtbare“ Arbeit gestolpert bin, vor einiger Zeit, wurde mir klar, dass ich noch sehr viel zu überdenken habe und besser machen kann. Dein Text hat das nochmal für mich unterstrichen.

    In diesem Sinne: Danke, Jochen! Danke fürs thematisieren!

  2. Ich kann mit dieser Denkweise gar nichts anfangen. Erst mal stimmt es nicht daß Care-Arbeit nicht wertgeschätzt würde: immerhin bekommt in Deutschland normalerweise der Partner 50% des Einkommens seines Partners. Wieviel mehr sollte denn für die Care-Arbeit gezahlt werden (nehmen wir mal Haushalt und Kindeserziehung, zu Alten/Krankenpflege später), und wer sollte dafür aufkommen? Der Ehevertrag ist zwar nicht offensichtlich ein Arbeitsvertrag, aber ich denke viele Ehen würden aufgelöst wenn einer der beiden Partner nichts mehr zur Gemeinschaft beiträgt. Insofern sind die 50% durchaus eine Anerkennung für die Hausarbeit. Jede Frau kann sich ja auch Fragen wieviel Wert sie selber der Care-Arbeit zumisst: sie könnte ja auch einen Job annehmen und von dem Einkommen eine Haushaltshilfe zahlen. Weiter der Begriff Care-Arbeit für Kinderbetreuung scheint mir sehr unpassend, da man Kinder ja freiwillig bekommt, als Privatvergnügen. Wir leben zum Glück nicht mehr in Zeiten wo der Kaiser Soldaten braucht, und daß die Leute Kinder kriegen weil sie Angst haben das Sozialsystem bräche sonst zusammen kann mir keiner erzählen (das hiesse man bekommt Kinder weil man Angst hat daß sonst niemand dem Nachbarn im Alter den Po abwischt). Also ist es zwart Arbeit Kinder grosszuziehen, aber genausogut könnte man sich beschweren daß man seinen Ferrari ständig putzen muss – ist zwar auch Arbeit, aber ich glaube das Mitleid der Leute hielte sich in Grenzen. Dabei kosten Kinder sogar mehr als ein Ferrari.

    Dann wird in der Aufrechnung die Arbeit des Geldverdieners anscheinend mit 0 bewertet. Unsere Gesellschaft ist schon so krank daß Arbeit als Wert an sich eingeschätzt wird, d.h. man geht anscheinend Arbeiten um sich zu amüsieren während die Frau zuhause gezwungen wird die Schwerstarbeit der Kinder und Haushaltsbetreuung zu leisten. In der feministischen Vorstellung läuft Arbeit wahrscheinlich so ab: man geht mit seinem von der Frau gebügelten Anzug ins Büro, kneift der Sekräterin zwinkernd in den Po und verabredet sich mit ein paar Geschäftsfreunden und Nutten zum Champagnertrinken im Whirlpool. Wie denken wohl Leute die im Kohlebergwerk arbeiten, Müll abtransportieren, Lastwagen fahren, verstopfte Klos freiräumen über diese Klagen der Frauen über die Hausarbeit? Die meisten Frauen haben Jobs als Verkäuferinnen oder Krankenschwestern – sie wollen also wirklich lieber den Patienten den Po abwischen als den eigenen Kindern? Ich habe schon tausende Windeln bei meinen Kindern gewechselt, so schlimm ist das gar nicht. Kinder grossziehen kann schon anstrengend sein, aber es gibt auch viele Möglichkeiten es sich angenehmer zu gestalten. Hätte ich die Wahl und müsste kein Geld für die Familie verdienen dann würde ich lieber 100% für meine Kinder da sein anstatt für Geld irgendwas zu arbeiten. Am anstrengsten ist immer der Schlafmangel – aber gerade Abends wenn die Kinder mal nicht einschlafen wollen sind ja auch die arbeitenden Papas meistens wieder Zuhause.

    Ich habe nichts dagegen wenn Frauen arbeiten gehen und/oder Väter zuhause bleiben. Allerdings entscheiden sich viele Frauen schon dagegen bevor sie überhaupt Kinder bekommen, indem sie Berufe wählen mit denen sie die Familie gar nicht ernähren könnten. Ansonsten leuchtet nicht ein warum diese Entscheidung (wer Zuhause bleibt) nicht Privatsache sein sollte? Und warum ist es feministisch als Vater 50& zu übernehmen, was wenn die Mutter gar kein Interesse daran hat 50% arbeiten zu gehen – so ein Paar kann dann nicht feministisch sein, d.h. der Feminismus bestimmt das einzig korrekte Lebensmodell?

    Eine gewisse Arbeitsteilung macht davon abgesehen einfach aus Effizienzgründen Sinn. Warum sollen sich beide um den Impftermin kümmern? Hier hilft übrigens auch ein gesharter Kalender, moderne Technik machts möglich (einfach einen Kalender für das Kinder anlegen und beiden Eltern sharen).

    Die Berufswahl könnte auch ein Grund sein warum Frauen häufiger Kranken- und Altenpflege machen: weil es öknomisch dann mehr Sinn macht, der Verlust ist geringer wenn sie halbzeit oder gar nicht arbeiten weil ihr Beruf sowieso nicht so viel einbringt. Man hörte z.B. in der Flüchtlingshilfe engagieren sich vor allem Frauen – haben Frauen einfach das grössere Herz (Achtung, Gender-Stererotypisierung), oder haben sie einfach mehr Zeit weil es eben sehr viele Hausfrauen gibt (mehr als 30% aller Frauen)?

  3. Hmm, schon interessant, obwohl ich öfter über den Rollentausch schreibe, habe ich jetzt das Gefühl, mehr schreiben zu müssen, als feministischer Vater habe ich mich aber noch nie betrachtet.

    • Ortrud

      Ich finde gut und wichtig, was er zur Wahrnehmung von Väter bzw. Mütter schreibt
      und über sichtbare und unsichtbare Aufgaben / Arbeit im Kontext Eltern sein.

      Doch warum es feminstische Vaterschaft ist, wenn ein Vater alle (Formen von) Aufgaben, die zum Eltern-Sein gehören (mit)trägt, habe ich nicht verstanden…
      Sind alle alleinziehenden Väter feminisistische Väter? Wenn ich an die diversen denke, die ich kenne, sage ich: Wohl kaum.
      Genauso wenig sind alle alleinerziehenden Mütter feministische Mütter.

      Ein Vater, der die Erziehungs-, Beziehungs-, Reproduktionsarbeit etc. im Kontext seines Kindes als seine Aufgabe ansieht und nicht deligiert (an die Mutter oder andere Frauen), der lebt sein Vater-sein jenseits der gesellschaftlichen Normen.
      Der wird für seinen Verstoß gegen patriarchale Normen i.d.R. auch negative Konsequenzen erleben.
      Er schafft evl individuell sich von seiner Sozialisation und gesellschaftlichen Druck zu lösen und ist hoffentlich mit seinem Leben trotz patriarchaler Repressionen zufrieden.
      Das ist seine persönliche Ebene als Mann, der Vater eines jungen Menschen ist.

      Unter Umständen trägt sein Verhalten dazu bei, dass die Mutter des Kindes sich auch individuell von ihrer Sozialisation lösen kann und trotz gesellschaftlichen sexistischen Druck etwas freier Entscheidungen in ihrenm Leben treffen und Umsetzen kann.
      So können sie beide evl gegenseitig unterstützen eine Form von Elternschaft zu leben, die emanzipierter von patrachalen Normen ist. Falls sie ein Paar sind, können sie evl auch schaffen, ihre Beziehung weniger Sexismus- / Patriachats-geprägt zu führen.
      Das ist die Ebene der Beziehung von Menschen, die gemeinsam Eltern eines jungen Menschen sind (falls beide im Leben des Kindes präsent sind bzw. falls beide leben) und ggf. die Ebene des Paares.

      Mir fehlt ein genaueres Ausführen, was unter feministischen Vorzeichen Vater-Sein oder Mutter-sein bedeutet.
      Ich sehe mein Mutter-Sein auch im Kontext meiner Beziehung mit meinem Kind bzw. meinem Handel im Kontext meines Kindes. Nicht nur im Kontext die anfallenden Aufgaben erledigen.
      Was bedeutet da feministisches Mutter-Sein?
      Mit dem Kind über patriarchale Rollenbilder reflektieren?
      Das Kind stärken, zu hinterfragen und einen eigenen Weg zu gehen (und zwar auch einen, der nicht den Vorstellungen der sexismus-kritischen Eltern entspricht?
      Sich mit der eigenen sexistischen / patriarchalen Sozialisation aus einandersetzen und das eigene Handeln mit den eigenen theoretischen Ansprüchen möglichst in einklang bringen? Doch halt – das tue ich für mich – nicht für mein Kind. Da kann ich etwas vorleben, was mir entspricht. Aber nicht, weil ich feministische Mutter bin, sondern weil ich Feministin bin.

      Für mich ist der Titel „Feministische Vaterschaft“ irreführend, weil er nur eine Aspekt von Eltern-Sein und patriachale Rollenzuschreibungen / Praxen thematisiert.
      Deshalb ist er für mich zu kurz gesprungen und enttäuschend.
      Eigentlich bleibt der Text bei Selbstständlichkeiten stecken, die Feministinnen seit Jahrzehnten thematisieren.
      Doch vielleicht finde diese bei manche eher Gehör, wenn ein Mann sie aufschreibt.

      • Hana Mond

        „Doch warum es feminstische Vaterschaft ist, wenn ein Vater alle (Formen von) Aufgaben, die zum Eltern-Sein gehören (mit)trägt, habe ich nicht verstanden…
        Sind alle alleinziehenden Väter feminisistische Väter? Wenn ich an die diversen denke, die ich kenne, sage ich: Wohl kaum.
        Genauso wenig sind alle alleinerziehenden Mütter feministische Mütter.“

        Wenn die Frau benachteiligt ist (in unserer Gesellschaft überwiegend der Fall), bedeutet Streben nach Gleichberechtigung das Stärken der Frau, also Feminismus.
        Wenn das Alleinerziehen „erzwungen“ ist, ist es nicht feministisch, da keine freie Entscheidung. Wenn der Vater freiwillig das Sorgerecht übernimmt, kann es aber eine feministische Vaterschaft sein.

        Wenn der Vater alle Aufgaben, die zum Eltern-Sein mitträgt, zu gleichen Teilen mitträgt, ist das feministisch, weil er eine Benachteiligung der Frau (oft arbeiten Frauen ja genauso viel wie der Mann und übernehmen trotzdem den Großteil der Aufgaben zu Hause) aufhebt.

  4. Die kleinen Dinge, wie du schreibst, für die Mütter automatisch zuständig sind, wie „Geschenke besorgen“. Und das sind noch nicht einmal nur die Geschenke, für den Kindergeburtstag, sondern bei mir beispielsweise auch die, für die Schwiegereltern. Arzt-Termine für die Kinder im Auge behalten. Welches Kind wächst gerade aus welchen Klamotten heraus. Mütter haben ständig eine geistige To-Do-Liste, die sie abarbeiten. Gerne würde ich diese Liste in zwei Hälften reißen und die eine Hälfte meinem Mann geben.

    • frausiebensachen

      …rechtzeitig brot aus dem eisfach holen. streit schlichten. wäsche vor dem aufhängen kräftig ausschütteln, um unnötige falten zu vermeiden. täglich salat machen. klopapiervorrat im blick haben. wäsche in die richtigen schränke sortieren. gutenachtlieder singen. auch nach 8 noch bei den kindern am bett bleiben. nicht nur sättigend und lecker, auch ausgewogen kochen… t b c. ach.
      manchmal lasse ich sowas einfach sein, um zu verdeutlichen, daß sowas auch SEINE aufgabe ist. bisher ist das nicht angekommen.

      • drehumdiebolzeningenieur

        Ich bin etwas irritiert. Warum redet man nicht darüber, was wessen Aufgabe ist? Warum gibt man die Hälfte der Liste nicht tatsächlich dem Mann?
        Ich hab die Erfahrung gemacht, dass das funktioniert, wenn man frustriert ist, diese (gefühlte) Ungleichverteilung zu thematisieren. Ja, Männer werden häufig für Sachen abgefeiert, die bei Frauen vorausgesetzt werden. Aber müssen wir da mitmachen? Warum thematisieren wir, wenigstens unserem Partner gegenüber, nicht die Sachen, die wir so tun, machen diese vielen Kleinigkeiten sichtbar? Ich finde diese Haltung „Er muss doch *merken*, was ich alles tue“ nicht sehr förderlich für eine gleichberechtigte Beziehung.

        • Ortrud

          Da stimme ich Dir zu.
          Innerhalb einer Beziehung kann Kommunikation zu einer Veränderung beitragen.
          Wenn beide wollen, beide kommunizieren und beide zu Veränderung bereit sind.

        • Britta

          Ich thematisiere. Immer wieder. Erst sanft und mit ich-Botschaften. Irgendwann als klare Ansage. Oder auch mal so richtig laut. Und glaub mal, ich kann so richtig eindeutig sein. Und ich bin nicht allein. Viele thematisieren. Und nix ändert sich. Die Stereotypen gendern sich da fröhlich durch die Beziehungen und die böse und gelungene Sozialisation tut ihr Übriges.
          Ich meine ja, wo ein Wille ist und so… Aber wenn der Wille fehlt?
          Da kann man sich zu Tode thematisieren, wenn dann am Ende die Häflte der Liste liegen bleibt (oder die Hälfte von der Hälfte) und das Ärger und Stress macht? Was dann? Alles was den Mann betrifft, könnte er ja selber ausbaden. Leider steht auf der Liste auch so unendlich viel, was mit ihm direkt nichts zu tun hat.
          Das läuft auf Erziehungsarbeit am Partner hinaus und darauf habe ich schlicht keine Lust.
          Selbstreflektion und der Wille zur Veränderung sind hier wesentliche Stichworte. Und zwar von beiden ist das zu Wünschen. Man muss sich einigen und das geht nur zu zweit. Sonst kann man sich nur alleinigen und das ist hier nicht die Lösung. Und Zack – schon hab ich die Liste wieder allein im Kopf und am Ende bleibt zu hoffen, dass die Ehe trotzdem hält, sonst ist man nicht nur traurig und frustriert, sondern im Alter auch noch arm. Aber da steht dann bestimmt wieder jemand da und sagt: Hey, hättest Du das mal rechtzeitig thematisiert…

          • Ortrud

            Eben.
            Thematisieren bringt nur was, wenn zugehört wird bzw. aus dem Thematisieren etwas folgt bzw. ein WILLE beim Vater da ist etwas zu ändern (und zwar nicht nur das, was ihm unter die Nase gerieben wird).

  5. Bruno

    Ich bin kein Feminist weil ich Gleichberechtigung der Geschlechter bin.

    Bruno

    • Hana Mond

      Feminismus _zielt_ auf die Gleichberechtigung der Geschlechter.
      Leider werden Maßnahmen, die zu dieser Gleichberechtigung führen, oft als männerfeindlich wahrgenommen. Weil viele eine Szenerie, in der Frauen benachteiligt sind, schon als gleichberechtig empfinden, allein aus Gewohnheit, man empfindet das als „normal“.

  6. Dunkelzahn

    Ja, thematisiert das!
    Total nötig. Der Mann riecht das nicht einfach so, was ihr denkt, was da ungerecht verteilt ist.
    Kommunikation ist alles.

    Das soziale Berufe schlecht bezahlt werden, obwohl sie für das Funktionieren der Gesellschaft einen enorm hohen Stellenwert haben, ist der Hohn schlecht hin.

    • sv

      Es geht überhaupt nicht darum, dass Mäner riechen was Frauen denken. Auch Männer sind in der Lage eine Ungleichverteilung wahrzunehmen, selbst wenn es nicht explizit gesagt wird. Das ist meiner Meinung nach mehr eine Frage des Wollens. Für Männer ist es bequemer das nicht selbst zu merken und zu thematisieren. Interessant ist ja auch, dass die Diskussion, inwiefern Frauen erst unbedingt thematisieren müssen, damit Männer etwas merken, unter dem Artikel von Jochen, also eines Mannes, geführt wird, welcher offensichtlich in der Lage war sich seine Gedanken eigenständig zu machen.

      Diejenigen Männer, die ernsthaft darum bemüht sind Aufgaben gleichberechtigt zu verteilen, thematisieren selbst. Da hilft dann auch Kommunikation, wenn sich eine Schieflage einschleicht. Bei den anderen hilft diese erfahrungsgemäß nicht. Da soll frau dann jedes einzelne Mal sagen, dass er doch bitte gerade auch mal dies tut oder jenes und dann muss die Frau halt immer noch weiterhin diese Liste im Kopf haben und alles mental durchorganisiseren. Eine echte Gleichberechtigung innerhalb einer Beziehung was die Verteilung dieser Aufgaben angeht, gibt es nur, wenn Männer anfangen selbst zu merken und selbst auch initiativ werden und nicht die Verantwortung dafür an die Frauen abgeben.
      Dazu hat mama-notes auch mal einen guten Artikel geschrieben: http://mama-notes.de/frauen-muessen-lernen-aufgaben-klar-zu-verteilen-nein-finde-ich-nicht/

      Trotzdem kann und sollte sich jede Frau überlegen, was sie mitmacht und was nicht. Sobald Kinder da sind, bleibt in vielen heterosexuellen Beziehungen nahezu automatisch viel der Arbeit rund ums Kind an ihr hängen, wenn der Mann eben schlichtweg nichts macht. Jeder kennt auch diese Familien, in denen die Mutter dauernd meckert, sie mache zu viel, der Vater reagiert nicht und sie ist dann die ewige Lamentiererin, und das läuft dann immer weiter so.

      Bei Aufgaben, die nur ihm zugute kommen, Stichwort Geschenke für seine Eltern, kann ich allerdings nur empfehlen, das einfach nicht mehr zu tun. Ich glaube, da sind manchmal Frauen dann auch zu konfliktscheu für.

  7. Erstaunlicherweise empfinde ich das Gegenteil: ich finde, dass Väter viel zu viel misstraurisch betrachtet oder gar verleumdet werden. Sie müssen erst mal beweisen, dass sie gut sind; währen Mütter eher den Vorteil des Zweifelns (benefit of the doubt) genießen. Wir wissen, dass Kindermissbrauch öfter von den Müttern ausgehen, aber ich würde behaupten, dass im Großen und Ganzen dies als männliches Problem gesehen wird in unserer Gesellschaft.

    Doch zum Teil hat der Autor recht. Vielleicht als Gegengewicht dazu hat sich auf der anderen Seite eine Art Idealisierung des Vaters gebildet. In meinem Land, Schweden, erzählen Väter mit Kinderwagen, dass sie stets auf Bewunderung stoßen – aber auch gut gemeinte Bevormundung.

    Engagierte Väter sind ein Novum, das gefeiert werden sollte. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass Väter gleichberechtigt sind. Mit dem Gedanken eines Hausmanns kommen immer noch relativ wenige Frauen (und Männer) klar, und von verbreitetem, geteiltem Sorgerecht kann kaum gesprochen werden – selbst in Schweden, wo es gesetzlich vorgeschrieben ist. Zu guter Letzt, obwohl das Problem manchmal übertrieben wird, habe ich als Mann immer das Gefühl, dass ich mich rechtfertigen muss, wenn ich mit Kindern umgehe – vor ein paar MOnaten in den Usa, zum Beispiel, hat eine Frau mich angeschrien, weil ich mich um ihre verschollene Tochter gekümmert habe. Sie hat sich natürlich entschuldigt, aber die Kombination Mann und Kind bleibt suspekt.

    Gerne würde ich den Glanz der Idealisierung aufgeben, um diesen Druck zu erleichtern.

  8. Beides, und so weit ich mich erinnere mehr so wenn man sich nur leibliche Eltern anschaut.

    Aber das bedeutet natürlich nicht, dass Frauen etwa gefährlicher sind: sie verbringen sehr viel mehr Zeit mit den Kindern. Nur dass wir geschlechtrollentypisch Frauen und Männer kategorisieren, Ich denke auch nicht, dass man weibliche, praktizierte Pädophilie mit männlicher gleichstellen kann (vor allem im Bezug auf mens rea), aber sie komplett zu übersehen ist auch nicht berechtigt.

    • Ortrud

      So weit ich weiß, sind bei sexualisierter Gewalt 10 bis 20 % Frauen die Täter*innen. Wie viele davon Mütter der Opfer weiß ich nicht.

      Bei körperlicher Misshandlung ist es so, dass jüngere Kinder öfter von den Mütter misshandelt werden und ältere häufiger von den Vätern. Insgesamt sind hier die Täter*innen in sehr hohem Maß Eltern.
      Zu seelischer Misshandlung kenne ich keine Zahlen.

      • Ich gebe zu, da nicht besonders informiert zu sein – aber eine kurze Internetrecherche ergaben mehrere Studien, die auf Geschlechtergleichheit in der Ausübung der familiären Gewalt deuten:

        http://time.com/2921491/hope-solo-women-violence/

        Bezüglich sexuellen Missbrauches fand ich in der Tat Zahlen um die 20%, doch irgendwo anders habe ich gesehen, dass mehr Jungen angeben, vor 18 Jahren mit älteren Frauen geschlafen zu haben als Mädchen mit Männern. Ob das mit männlichem Missbrauch vergleichbar ist, weiß ich natürlich nicht; das Thema ist extrem tabuisiert. Aber ich kann mir vorstellen, dass es einfacher ist für Frauen, für sich selber so ein Verhalten zu entschuldigen, als für Männer, die seit Kindesbeinen erfahren, dass ihre Sexualität schädlich ist. Deswegen kann ich mir vorstellen, dass der Missbrauch von minderjährigen Jungen durch Frauen durchaus verbreitet ist, aber dass wir bei männlichen Verübern eher mit soziopathisch gestörten Individuen zu tun haben, als bei weiblichen.

        Aber eigentlich geht es mir nicht darum, zu behaupten, dass das eine oder andere Geschlecht am Meisten Schuld hat, sondern darum, dass wir immer noch geschlechterrollentypisch denken und überhaupt nicht die unerwarteten Seiten der Medaillen berücksichtigen. Das steckt tief drin: ich bin schwul, und selbst mein schwuler Chef, der mich und meinen Partner zu sich eingeladen hatte, hat misstraurisch reingeguckt, als sein Junge ungestört in seinem Zimmer mit mir spielen wollte. Irgendwie verständlich, aber trotzdem traurig – wenn selbst ein schwuler Mann, der einen langen Kampf geführt hat, nur um Vater werden zu dürfen, von solchen Vorstellungen nicht frei ist, bleibt noch eine lange Strecke, bevor Väter als gleichberechtigt gesehen werden in unserer Gesellschaft.

        Somit sehe ich die Idealisierung der Väter, die den Autor kritisiert, eher als Beweis des Gegenteils. Es kommt mir so vor wie Amerika in den 80er Jahren, wo es unsäglich hip war, einen schwarzen Freund zu haben. Schaut mal wie liberal ich bin. Dass alle anderen meiner Freunde weiß sind, hat mir der Sache nichts zu tun.

        So ungefähr…

        • Der Artikel ist von Cathy Young, einer Antifeministin, die auch bekannt dafür ist, Vergewaltigungsopfer zu diskreditieren. Es steht ja außer Frage, dass auch Frauen* Gewalt gegen Männer in Beziehungen anwenden. Ein Kennzeichen der männlichen Täter ist neben ihrer Überzahl allerdings auch, dass sie öfter und schwerwiegendere Gewalt anwenden. Ein Geschlechtervergleich ist also auch immer eine Frage der Gewichtung und das lässt unwissenschaftliche Interpretationen wie die auf die sich Young bezieht zu.

          Eine gute Zusammenfassung einer Studie, die Fälle von häuslicher Gewalt sechs Jahre lang analysierte gibt es hier: http://gegeko.de/de/wp-content/uploads/sites/3/2014/11/Geschlecht-und-häusliche-Gewalttäter-Prof.-Marianne-Hester.pdf – so ist der Hauptaggressor häufig der Mann, Frauen werden jedoch unverhältnismässig oft verhaftet. Das Fazit der Studienautorin:
          • Männer sind häufiger Hauptaggressoren, üben häufiger und schwerwiegendere Gewalt und Missbrauch aus.
          • Frauen übten ein breites Spektrum an gewalttätigen und aggressiven Verhaltensweisen aus, riefen aber selten Furcht hervor.
          • Frauen übten Gewalt häufig zur Selbstverteidigung, zur Flucht oder zum Selbstschutz aus.
          • Pence & Dasgupta’s (2006) analytische Kategorie der ‘pathologischen Gewalt’ ist nützlich, um Frauen als Hauptaggressoren zu beschreiben.
          • Das Strafjustizsystem behandelt einzelne Fälle, ohne Geschlechterdynamiken in Frage zu stellen (wie z.B. dass Frauen drei mal so häufig verhaftet werden und Gewalt oftmals als Schutz vor weiteren Schäden durch den männlichen Partner eingesetzt wird)
          • Angebote für Opfer/Überlebende sollten v.a. auf Frauen abzielen, die Arbeit mit Tätern v.a. auf Männer

  9. Ortrud

    Vielleicht ist in Schweden die Stimmung und der Umgang mit Vätern anders als in Deutschland.
    Ich denke, es gibt nationale Unterschiede wie Mütter und Väter gesehen werden.

    In Deutschland im Falle einer Scheidung ein geteiltes Sorgerecht die Regel.
    Doch Gegenstand des Textes von Jochen König war nicht die Erziehungsarbeit oder das Vater-Sein bei Eltern, die nicht zusammen leben. deshalb ist das Thema nicht Sorgerecht.

    • Ich gebe zu, da nicht besonders informiert zu sein – aber eine kurze Internetrecherche ergaben mehrere Studien, die auf Geschlechtergleichheit in der Ausübung der familiären Gewalt deuten:

      http://time.com/2921491/hope-solo-women-violence/

      Bezüglich sexuellen Missbrauches fand ich in der Tat Zahlen um die 20%, doch irgendwo anders habe ich gesehen, dass mehr Jungen angeben, vor 18 Jahren mit älteren Frauen geschlafen zu haben als Mädchen mit Männern. Ob das mit männlichem Missbrauch vergleichbar ist, weiß ich natürlich nicht; das Thema ist extrem tabuisiert. Aber ich kann mir vorstellen, dass es einfacher ist für Frauen, für sich selber so ein Verhalten zu entschuldigen, als für Männer, die seit Kindesbeinen erfahren, dass ihre Sexualität schädlich ist. Deswegen kann ich mir vorstellen, dass der Missbrauch von minderjährigen Jungen durch Frauen durchaus verbreitet ist, aber dass wir bei männlichen Verübern eher mit soziopathisch gestörten Individuen zu tun haben, als bei weiblichen.

      Aber eigentlich geht es mir nicht darum, zu behaupten, dass das eine oder andere Geschlecht am Meisten Schuld hat, sondern darum, dass wir immer noch geschlechterrollentypisch denken und überhaupt nicht die unerwarteten Seiten der Medaillen berücksichtigen. Das steckt tief drin: ich bin schwul, und selbst mein schwuler Chef, der mich und meinen Partner zu sich eingeladen hatte, hat misstraurisch reingeguckt, als sein Junge ungestört in seinem Zimmer mit mir spielen wollte. Irgendwie verständlich, aber trotzdem traurig – wenn selbst ein schwuler Mann, der einen langen Kampf geführt hat, nur um Vater werden zu dürfen, von solchen Vorstellungen nicht frei ist, bleibt noch eine lange Strecke, bevor Väter als gleichberechtigt gesehen werden in unserer Gesellschaft.

      Somit sehe ich die Idealisierung der Väter, die den Autor kritisiert, eher als Beweis des Gegenteils. Es kommt mir so vor wie Amerika in den 80er Jahren, wo es unsäglich hip war, einen schwarzen Freund zu haben. Schaut mal wie liberal ich bin. Dass alle anderen meiner Freunde weiß sind, hat mir der Sache nichts zu tun.

      So ungefähr…

  10. In Schweden gilt auch geteiltes Sorgerecht als Grundsatz, und tatsächlich sind wir da etwas weiter mit Väterrechten – vor Allem, weil bei uns die Teilung der Erziehungsurlaub vorgeschrieben ist. Doch in der Realität bleiben Scheidungskinder meistens bei der Mutter, und unüberprüfbare Anschuldigungen reichen oft, um sich das volle Sorgerecht zusprechen zu lassen. Ich kenne kaum Väter, die darüber unglücklich sind, dass der Staat ihnen Zeit mit ihren Kindern vorschreibt; und obwohl ich politisch eher leicht rechtsliberal eingestellt bin, muss ich zugeben, dass dieses Stück sozialer Ingenieurschaft, die ihre Wurzeln bei Alma Myrdal haben, tatsächlich eine Umstellung unserer Gesellschaft herbeigeführt hat. Hausfrauen gehören bei uns mehr oder weniger zur Geschichte, obwohl der rohe Lohnunterschied bei über 20% verbleibt, da Frauen immer noch nur begrenzt sich von technischen und gut bezahlten Berufen fernhalten.

  11. Ich kann das nachvollziehen, was du über die unsichtbaren Aufgaben schreibst und nehme das auch oft so in meinem Umfeld bei Paaren wahr, wo er die offensichtlichen Sachen (Windeln etc..) zwar auch macht, aber alles andere dann doch wieder an ihr hängen bleibt (neben ihrer Teilzeittätigkeit). Wenn ich mit meinem kranken Kind beim Kinderarzt sitze, treffe ich zu 90% immer noch nur andere Mütter. Genauso beim Abholen am Nachmittag vom Kindergarten oder Sport. Ich kann nur alle Väter ermutigen weiter als 2 Monate Elternzeit und Kinderbetreuung am Wochenende oder nach einem Vollzeitarbeitstag zu gehen. Echte Gleichberechtigung zahlt sich für beide Partner aus.
    http://www.nido.de/artikel/seid-keine-idiotenvaeter/

  12. Pingback: Ich liebe meine Kinder vom Büro aus – wo sind meine Kekse? – JOCHEN KÖNIG

  13. Magdadielena

    Obwohl ich mich auch schon lange, bevor ich Mutter geworden bin mit dem Thema „Gleichberechtigung“ (insbesondere ich Paarbeziehungen und Familien) beschäftigt habe, ist mir erst seit der Geburt meines Kindes klar gewordne, wie fest verankert einige Meinungen in den Köpfen selbst vermeintlich „modern“ denkender Menschen sind.
    Mein Mann und ich sprechen sehr offen über die Aufgaben, die anfallen und wie wir sie aufteilen. Er sieht es als selbstverständlich an, dass wir die Aufgaben gerecht aufteilen. Dennoch war es ein Prozess für uns beide in eine Routine zu kommen, in der wir beide vorausschauend planen und er nicht einfach Aufgaben ausführt, die ich ihm aufgetragen habe (Nach dem Motto, wir brauchen übrigens noch xyz, würdest du das besorgen?). Was allerdings für mich häufig erschreckend ist, ist etwas, was du, Jochen, immer wieder problematisierst: Er wird für ALLES abgefeiert, bei mir wird es noch nicht mal angemerkt. Es geht mir nicht darum, dass ich Lob von außen brauche, um zu wissen, dass ich eine gute Mutter bin. Aber ich finde es erschreckend, wie stark im Bereich Care-Arbeit mit zweierlei Maß gemessen wird. Das fing übrigens schon bei der Geburt an, bei der unsere Familien vor allem kommentierten, wie toll es doch sei, dass er dabei war (für ihn und mich selbstverständlich!), setzte sich in der Stillzeit fort (in der meine Mutter den armen hungrigen Papa ganz schnell mit essen versorgen musste) und hält bis heute an, wenn alle möglichen Menschen den „tollen Papa“ dafür abfeiern, dass er jetzt sechs Monate Elternzeit macht (nachdem ich die ersten anderthalb Jahre übernommen habe… dies scheint jeder für selbstverständlich zu halten – oder schlimmer noch, es wird als „Babypause“ bezeichnet.).
    Nochmal: es geht mir nicht darum, dass ich Lob bräuchte. Ich bin auch nicht neidisch auf meinen Mann. Er IST ein großartiger Vater und der beste Partner, den ich mir wünschen könnte aus hundert Gründen. Zwischen uns ist alles gut, es gibt keine Konkurrenz. ABER so dankbar ich dafür bin, dass ich einen Mann habe für den es selbstverständlich ist, dass wir die Care-Arbeit tatsächlich gerecht aufteilen. So sehr würde ich mir wünschen, dass die Menschen um uns herum, die Gesellschaft dies auch so sehen würde. Ihr lobt den Papa dafür, dass er mit seinem Kind auf den Spielplatz geht? Super! Hört nicht auf damit! Das ist auch toll! Aber lobt doch beim nächsten Mal die Mutter, die mit ihrem schreienden Kind im Supermarkt nicht die Nerven verliert, sondern weiterhin den Einkauf meistert. Das Leben wäre für alle Eltern – ob Mann, Frau, straight, queer, asexuell – so viel einfacher ohne Belehrungen und ständige Kritik und stattdessen mit mehr Lob und Bestärkung.

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