Editorial: selbst.bestimmen

Im November und Dezember 2015 geht es auf umstandslos um das vielleicht wichtigste Thema, wenn es um die Frage nach der Gestaltung eines freien Lebens geht: die Selbstbestimmung.

Unter welchen Bedingungen kann ich über mein Leben selbst bestimmen und es nach meinen Vorstellungen gestalten? Welche Geschlechterdifferenzen gibt es, wenn es um die Möglichkeiten eines selbstbestimmten Lebens geht? Und welche neuen Dimensionen bringen Schwangersein, Gebären, Stillen und Kinderhaben in diese Herausforderung ein?

Frei von Gewalt

Ein selbstbestimmtes Leben ist unabdingbar verbunden mit dem Recht auf ein Leben frei von Gewalt. Am 25. November ist internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen. An diesem Tag startet auch die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen„, die es bereits seit 1991 gibt. Der Verein Autonomer Österreichischer Frauenhäuser stellt jedes Jahr einen österreichweiten Veranstaltungkalender dazu zusammen.
Nachdem am 4. November 2013 auf der 3. Human Rights in Childbirth Konferenz im belgischen Blankenberge die Idee dazu entstand, wird seitdem jährlich am 25. November auch der Roses Revolution Day begangen, der Tag, an dem der Gewalt in der Geburtshilfe gedacht wird. Wichtiges Element dieser Initiative ist das (Mit)Teilen erlebter Gewaltsituationen an die jeweiligen Geburtenstationen in Krankenhäusern und wenn frau möchte, das Teilen des Erlebten auf Facebook. Auf der facebook-Seite von Roses Revolution Österreich heißt es dazu: Um die eigene Betroffenheit oder Anteilnahme zu zeigen, kann man vor der Klinik, in der man selbst Gewalt erlebt hat, eine Rose (und wenn man möchte auch einen Geburtsbericht) niederlegen.
Das Erleben von Gewalt während der Geburt kann viele verschiedene Formen haben, vaginale Geburten genauso betreffen wie Sectios und verschiedene Hintergründe haben.
Vielleicht ausgelöst durch den Schock eines Notkaiserschnittes, vielleicht durch das Erleben von Fremdbestimmung, der Verletzung der Würde, der Wegnahme des Gefühls der eigenen Kompetenz,…Vielleicht wurde es durch Personen ausgelöst, durch mangelnde Information oder durch Handlungen, die unvorbereitet gemacht wurden,..
Ganz egal, wie es dazu kam – reden wir darüber, statt es klein zu machen.“
Lisa Mittischek engangiert sich bei Roses Revolution Österreich für eine globale Bewegung gegen Gewalt in der Geburtshilfe. In einem umstandslos-Beitrag zum Roses Revolution Day wird sie uns erzählen, warum die Arbeit dieser Initiative so wichtig ist und was sie für sie ausmacht.

Selbstbestimmte Geburten

Erzählungen von aufgezwängten Geburtspositionen kennen viele von uns. Wie viel Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit eine Gebärende diesbezüglich hat, oder auch nicht, damit setzt sich Cornelia in ihrem Artikel auseinander.

Selbstbestimmtes Fehlgebären

Daniela Jauk hatte eine „missed abortion“ und das Gefühl sehr zu einer raschen „instrumentellen Ausräumung“ (diese Worte!) gedrängt worden zu sein. Im Nachhinein ist sie froh, dass sie sich Zeit genommen, eine Zweitmeinung eingeholt und gewartet hat. In ihrem Artikel wird sie anhand ihrer Erfahrungen beschreiben, warum gerade auch „selbstbestimmtes Fehlgebären“ eine wichtige Forderung ist.

Selbstbestimmte Sexualität und Verhütung

Wie wird selbstbestimmte Sexualität in feministischen Pornos verhandelt? Marlene schreibt unter anderem von der diesjährigen Verleihung des PorYesAwards.  Außerdem setzt sie sich in dieser Ausgabe mit Selbstbestimmung im Kontext von Verhütung auseinander und geht der Frage nach, was frau tun kann, wenn die Pille keine Option mehr ist.

Alleine schwanger sein

Olivia Lefford war „alleine schwanger“. Sie schreibt über ihre Entscheidung, bei einer ungeplanten Schwangerschaft alleine ein Kind zu bekommen, ohne den Rückhalt, den frau in einer gesellschaftlich üblicheren  Konstellation – Vater/Mutter/Kind – diesbezüglich tendenziell hat.

Selbstbestimmter Elternköper

Zu Selbstbestimmung in Bezug auf grenzüberschreitendes Verhalten von Kindern kommt ein Beitrag von Rix.  Wie umgehen mit dem Konflikt zwischen „Kinder brauchen körperliche Nähe“ und ich will selbstbestimmt entscheiden, wen ich wann und wie lange an mich  heranlasse?

„Die Frage nach der Selbstbestimmung bringt uns nicht weiter.“

Diese These wird Pamela Huck in ihrem Artikel aufstellen. Sie ist der Meinung „Um als Mutter glücklich zu sein, braucht es Möglichkeiten, die eigene Freiheit zu erleben und zu gestalten. Diese Möglichkeiten sind nur auf Basis bestimmter (ökonomischer, gesellschaftlicher, individueller) Voraussetzungen realisierbar. Dann kann die Beziehung zum Kind eine Erfahrung sein, die kapitalistische Tauschlogik und das Festhalten am Selbst überwindet.

 Aufklappen – Zuklappen

In dieser Rubrik stellt uns Jasmin, sie schreibt normalerweise auf www.feministbookshelf.com über feministische & inklusive Kinder- und Jugendliteratur, im Dezember Kinderbücher mit Kindern of Color in der Hauptrolle vor.

 

Wir freuen uns auf diese vielfältigen und spannenden Beiträge der kommenden zwei Monate!

Euer umstandsloses Redaktionsteam

P.S. umstandslos gibt es seit kurzem auch auf facebook !

 

 

 

 

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Ein Kommentar

  1. Pingback: Pole Position bei der Geburt. Über selbstbestimmtes Gebären | umstandslos.

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