Gespenstische Tabus des Elternseins

In der aktuellen umstandslos-Ausgabe beschäftigen wir uns mit den Gespenstern des Mutter*- und Elternseins. Gespenster, die unter anderem zu solchen werden, weil sie als tabuisierte Themen nicht Platz haben in unserer Gesellschaft. Wir haben einige deutsch- und englischsprachige Texte gesammelt, in denen wir Gespenster-Erzählungen gefunden haben. Texte, die diesen wichtigen Themen Raum geben und sie an die Oberfläche holen.

  • Krankehäuser als transphobe Gebärumgebungen: In toleranz beschreibt CandyCandyCandy die Angst vor einer transphoben Behandlung während einer Krankenhausgeburt.
    PUBERT anstatt dass wir erfahren ob es HUBERT gut geht und ob dem kind ist müssen wir uns geschlechtszuweisungen anhören.“
  • Wie das Umfeld auf trans*parents reagiert damit beschäftigt sich auch Gastautor_in in einem bei der Mädchenmannschaft erschienenen Text:
    aber gerade das eltern-sein bringt für mich, in meinem trans*-sein und körperempfinden, widersprüche und schwere auseinandersetzungen mit sich. so habe ich z.b. stillen, aufgrund der gesellschaftlichen perspektive auf geschlecht, einem (wortwörtlichen) blick auf geschlechts_körper, als besonders bedrängende momente erlebt. stillen bedeutet für mich brüste zu entblößen (ich habe keine worte dafür, was das für mich bedeutet!) und es bedeutet ein erzwungenes abhängigkeitsverhältnis für mich und alle in unserer familie. stillen stellt für mich einen immer wiederkehrenden trigger effekt aufgrund der gesellschaftlich-gemachten und unhinterfragten (und dadurch leider nahezu untrennbaren) assoziation von brüsten mit weiblichkeit dar. ich habe also abgestillt, wofür ich mich aber in dieser gesellschaft ständig (!) rechtfertigen musste und muss.“
  • Armut und Elternsein: „Ich bin arm und habe Angst das Ausmaß meiner Armut vor euch auszubreiten“, schreibt alsmenschverkleidet in ihrem Text Nudeln mit Ketchup und weiter:
    Ehrlich zu sagen, dass ich manchmal vor Erschöpfung weine. Angst habe unter dem immensen ökonomischen Druck irgendwann einmal zusammenzubrechen. Das wunderbare Kind anschaue und mir die Brust wehtut, weil ich nicht weiß, ob ich mir nicht ganz gewaltig etwas vormache, wenn ich mir sage, dass es die gleichen Chancen wie alle anderen haben wird. Weil ich doch alles dafür in meiner Macht Stehende tue. Denn hier ist der Punkt, wo ich mir eingestehen muss, dass meine Macht eine kleine ist…und je mehr ich zeige, dass es trotzdem geht, nur die bestätige, die weiter oben benannte ” Du bist deines Glückes Schmied “ Marktpolitik für einzig wahr halten.“
  • Mit der Armutsgefährung und -betroffenheit Alleinerziehender setzt sich Brigitte Theissl in einem Artikel auf www.derstandard.at auseinander.
    Der selbstbestimmten Existenzsicherung Alleinerziehender stehen aber auch andere Hürden im Weg. Die niedrigen Löhne in frauendominierten Berufen, fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen und Ganztagsschulen treffen Alleinerzieherinnen noch härter als andere Frauen. „Alleinerziehende haben einfach keine Zeit für ein Halbtagsschulsystem. Sie müssen das Familieneinkommen sichern“, sagt Doris Pettighofer. Alleinerzieherinnen sind häufiger vollzeiterwerbstätig als Frauen in Partnerschaften, ihr Wiedereinstieg nach Karenzzeiten gestaltet sich laut einem Monitoring der Arbeiterkammer jedoch aufgrund der Vereinbarkeitsproblematik schwieriger. Die bei Wiedereinsteigerinnen beliebte Teilzeitarbeit ist für sie meist keine Option.“
  • Mütter*bilder hinterfragen wollen Veronika Franz und Severin Fiala in ihrem Spielfilmdebüt „Ich seh ich seh“. In einem Interview mit https://editionf.com sagen sie dazu:
    Die Mutter ist groteskerweise so etwas wie ein Tabu. In vielerlei Hinsicht. Einerseits muss man Muttersein einfach können. Man ist als Mutter angehalten zu jedem Zeitpunkt zu wissen, wo es lang gehen soll mit der Erziehung und den Kindern. Aber in Wahrheit weiß man das nicht immer. In Wahrheit hat man oft nicht die Zügel in der Hand. Oft fühlt man sich von der Last der Familie geradezu erdrückt, erschlagen und ans Bett gefesselt. Andererseits kann es auch sein, dass man Mutter wird und mit seinen Kindern nichts anfangen kann, sie nicht versteht, so wie man das vielleicht ursprünglich erwartet hat. Oder aber die Kinder mögen ihre Eltern nicht. Auch das ist ja möglich. Es gibt da noch vieles, worüber man sprechen muss und in unserer Gesellschaft nicht sprechen darf. Von der Erziehung, dem Bild von Familie und seinem Klischee.“
  • gesund sein – krank sein und/oder gibt es diese Grenze eigentlich?
    Susan Rinkunas fragt sich im nymag.com: I Had a Kid. Will My Bladder Ever Be Normal?
    Fariha Roisin beschreibt ihre Kindheit, die unter dem Einfluss der psychischen Erkrankung ihrer Mutter stand: Living With my Mothers Mental Illness (vice.com)
    Pitz und Tilda in einem umstandslos-Beitrag: Ich und du und unser großes düsteres Haustier. Ein Versuch über Mütter mit Depressionen und ihre Kinder.
    Stephanie Land hat ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes nach wie vor kein Bedürfnis nach Sexualität: Not tonight, honey — and maybe not ever again.

Verlinkungen zu weiteren Gespenster-Texten gerne in den Kommentaren!

Beitrag erschienen in Gespenster

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