Sind Superheldinnen „nur“ Barbies mit Superkräften?

von Eva

Bevor Du diesen Beitrag liest, eine Frage: Wie viele Superheldinnen kennst Du? Und dann gleich im Vergleich: Wie viele (männliche) Superhelden fallen Dir ein?

Genau! Dasselbe Problem stellt sich, wenn eine_r ein Kind hat, das Superheld_innen liebt – aber bitte nur die Frauen. Meine Tochter hat mittlerweile so ziemlich alle Superheldinnen und Superschurkinnen-Actionfiguren, die auf dem Markt zu haben sind: Batgirl, Superwoman, Spiderwoman, Cat Woman, Raven, Prinzessin Leia, Leopard Girl, Wonder Woman, Black Widow. Ihr kleiner Bruder hat dagegen die üblichen Superhelden: Superman, Batman, Spiderman, und noch einige mehr.

Eigentlich spielen beide Kinder gerne mit diesen Figuren. Zur Zeit hat meine Tochter einige Superhelden von ihrem Bruder geliehen, damit sie nicht nur mit ihren weiblichen Figuren spielen braucht. Denn schließlich sollen die Superheldinnen nicht bloß Tiere retten, Schätze finden und die Menschheit gegen Bösewichte verteidigen. Sie müssen auch Freund_innen haben, Schwestern, Männer, die sie – klar – heiraten, und dann kriegen sie eben Kinder, die selbst wieder Superheld_innen sind. Überhaupt ist es völlig öde, nur immer Böse gegen Gute zu spielen, so beschwert sich meine Tochter – wie das (angeblich) der kleine Bruder immer nur will. Viel interessanter sind die Beziehungsdramen, die sich in den komplizierten Superheld_innen-Freundschafts- und Familienbeziehungen ausleben lassen. Insofern, finde ich, sind die Superheld_innen meiner Tochter nur etwas ungewöhnliche Barbiepuppen, nämlich solche mit Superkräften.

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Wie viel Barbie steckt in den Superheldinnen ihrer Tochter, fragt sich Eva. Und was wäre eigentlich schlimm daran?

Superheldinnen mit feministischen Idealen?

Wie steht es aber um feministische Ideale in der Welt der Superheld_innen? Klar, es gibt viel weniger Frauen als Männer, die in diesem Beruf erfolgreich sind. Meine Tochter kann sich ziemlich darüber aufregen, wie unfair es ist, dass die bekanntesten und meisten Superheld_innen männlich sind, genauso wie es Superheldenunterwäsche für Jungs gibt, aber nicht Superheldinnenunterwäsche für Mädchen. (Dass ihr geliebter Supergirl-Schlafanzug eigentlich ein Superman-Schlafanzug ist, habe ich ihr nicht verraten.)

Aber einige weitere Dinge über die, sagen wir mal, Machtverhältnisse in der Welt der Superheld_innen sind ihr bisher zum Glück noch nicht offensichtlich. Zum einen ist es doch auffällig, wie viele Superheldinnen bloß Abklatsche vom männlichen Original sind – denkt zum Beispiel an Superwoman, Batgirl, Spidergirl. Und dann die Darstellung und Kleidung dieser Superheldinnen. Während ihre männlichen Kollegen zwar ebenfalls im eng anliegenden, aber immerhin Ganzkörperkostüm zu haben sind, ziehen Superheldinnen gerne nur halb bekleidet los, um ebenfalls gerne mal „aufgesexte“ Superschurkinnen zu bekämpfen. Das alles natürlich am besten mit High Heels. So eine typische Superheldin ist schlank und muskulös (aber nicht zu muskulös!), hat lange wallende Haare, eine ordentliche Oberweite und ist weiß. (Storm haben wir noch nicht, zugegebenermaßen.) Alles ziemlich Barbie also.

Das Superheldinnen-Barbie-Dilemma

Ist es dann überhaupt wünschenswert, dass ein Kind mit diesen Superheldinnen-Figuren spielt? Ich finde es tatsächlich schlimm, dass meine Tochter mit ihren acht Jahren sich mit diesen „aufgesexten“ Puppen umgibt. Und klar wird das Klischee gespielt, Ehe mit Kindern, alle weiß, jung und sportlich. Andererseits ist es in meinen Augen besser als dieselbe Geschichte in der reinen Barbieversion mit Prinzessinnen und schönen rosa Glitzerkleidern. Barbieprinzessinnen haben wir natürlich auch, die spielen oft einfach mit, ebenso wie Ponys, Dinosaurier und Kuscheltierhasen. Und dann darf jede_r mal ran und Tiere retten, Schätze finden oder die Menschheit gegen Bösewichte verteidigen.

Hier ist übrigens noch ein Link zu einem Post zum selben Thema: Supporting A Daughter’s Love for Superheroines (While Wishing There Were More of Them)

Dass Barbie selbst durchaus feministisches Potenzial hat, erklärt Georgia Heath in folgendem kurzen Beitrag ein bisschen überspitzt, aber recht anschaulich (engl): Why Barbie is a feminist (tedxtalks). Kurz gefasst: Als Kind wollte sie selber niemals aussehen wie Barbie – ein Hauptkritikpunkt an der Spielfigur –, jedoch immer so sein wie diese. Barbie sei eine starke und selbstbewusste Frau, die viele Karrieren und teils hochqualifizierte Berufe, viel Geld und Autos hat – sie selber habe keine weiblichen Vorbilder in ihrem Umfeld gekannt, die so gelebt hätten. Hinzu wäre gekommen: Barbie sei kinderlos und unverheiratet und Männer spielen keine erwähnenswerte Rolle (Ken habe sie als Accessoire wahrgenommen).


Beitragsbild: Eva

Beitrag erschienen in: spielen.

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6 Kommentare

  1. Christian - Alles Evolution

    Wenn seine Tochter eher für Beziehungen ausspielt als das die Welt retten, dann macht das dadurch deutlich, warum es weniger weibliche Superhelden gibt: ihre Grundlage sind eben eher Geschichten über supertaten und nicht Beziehungen, sie sind insofern eher klassisch männliche Geschichten über – wie man der biologie sagen würde – intrasexuelle Konkurrenz und Hierarchieaufbau sowie status und Anerkennung für taten.
    [Anm. d. Red.: Verlinkung wurde gelöscht]

  2. Eva

    Hi Christian, danke für deinen Kommentar! Einige Anmerkungen dazu:

    Meine Tochter spielt mit ihren Superheldinnen gerne alles mögliche (weiß nicht, ob das im Beitrag so klar rüberkam), die Welt retten ebenso wie Beziehungsdramen zwischen den Figuren. Klar mag sie auch gerne Supertaten – der Streit zwischen beiden Kids ist beim gemeinsamen Spielen andauernd, wer diesmal dran ist mit retten, oder Schatz finden, oder die Bösen zuerst entdecken, …. (Ich bin immer die arme Sau, die die Bösen spieln muss, die leider nie eine Chance haben.)
    Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht genau, ob es wirklich so wenige Superheldinnen gibt. Klar ist nur, dass sie viel weniger bekannt sind. Und das scheint mir z.B. daran zu liegen, dass die Produzenten von Superheld_innen-Blockbustern sich nicht so recht an die Heldinnen rantrauen. Dabei scheint das Publikum gute Geschichten wertzuschätzen, egal ob ein Superheld oder eine Superheldin die Hauptrolle spielt (denk z.B. an Wonder Woman oder Buffy the Vampire Slayer). Ich setze auf Josh Whedon und Marvel, dass sich das bald mal ändert!
    Als begeisterte Comicbuch-Leserin finde ich es außerdem nicht so klar, dass es dabei sich um Geschichten über „intrasexuelle Konkurrenz und Hierarchiaufbau sowie Status und Anerkennung“ und nicht über Beziehungen handelt. Zum einen sind Konkurrenz, Hierarchie, Status natürlich Phänomene, die sich in menschlichen Beziehungen abspielen. Von daher schließt sich beides nicht aus – und die Suche nach Anerkennung spielen im Leben von Kindern sicher eine große Rolle, egal ob Junge oder Mädchen. Zum anderen ist das schöne an einem gelungenen Comic ja gerade diese Mischung aus Action/Spannung (kann Batman diesmal gegen Joker gewinnen? was ist Vs Plan gegen die Regierung?) und komplizierten Beziehungskonflikten (wann wird Green Goblin herausfinden, dass Spiderman sein bester Freund ist? wird Bruce Wayne es schaffen, aus seiner Einsamkeit herauszufinden?) Schließlich weiß ich nicht, wie sehr das mit dem Status stimmt – wiederum das coole an Comic-Geschichten ist doch, dass die Superheld_innen sich abrackern, die Welt retten, und sich am Ende doch verstecken müssen, weil keiner ihnen traut. Eigentlich ein gutes Ideal: Held_innen tun etwas um der Sache selbst willen, nicht, um Anerkennung dafür zu erhalten.

  3. Hallo,

    vor zwei Jahren hätte ich dem Beitrag noch bedinungslos zugestimmt. Aber mittlerweile hat sich das stark geändert. Es gibt zur Zeit so viele Heldinnen Comics wie nie zuvor – klassisch in Kostüm und mit Kräfte und neu in Alltagsklamotten und Alltagssituationen. Wahrscheinlich dauert das aber noch weitere ein, zwei Jahre bis das in Deutschland ankommt.

    Bestes Beispiel ist wohl Ms. Marvel: Kamala Khan ist ein Teenagerin mit pakistanischen Eltern. Auch Spider-Gwen und Silk oder bei DC der neue Batgirl Run (New52). Es gibt Squirrel Girl, A-Force, Shadowcat/Kittie Pryde bei den Xmen bzw. Guardians of the Galaxy. Ende des Jahres startet die neue Heftserie Moon Girl.

    Abseits der großen zwei Verlage machen Boom! und Image ganz viel (Lumberjanes!).

    Ich sehe das Problem tatsächlich eher in der Vermarktung (wie es der Text ja auch anspricht). Es gibt noch viel zu wenig Merchandise Produkte zu den ganzen weiblichen Charakteren. Und dass es immer noch keinen Heldinnen Solo Film gibt ist eine Schande! Immerhin, DC hat ja einen Wonder Woman Film angekündigt.

  4. Eva

    Liebe Lara, vielen Dank für die Hinweise! Ich mache mich gleich mal nach neuem Lesestoff auf die Suche!

  5. Vielen Dank für den spannenden Artikel. Mit Superheldinnen habe ich mich bisher nur wenig beschäftigt. Schön wären ja auch mal ganz „normale“ Heldinnen, z. B. dicke Heldinnen oder Heldinnen mit Behinderungen.
    Noch gar nicht so lange her sind ja SailorMoon, TeenageRobot, die Powerpuff Girls und Kim Possible. Klar, Sailor Moon war auch etwas „aufgesext“ wie Du es nennst, aber sehr „normal“ im Alltag: tollpatschig, unsicher. Und immerhin die letztgenannten waren, wenn ich mich recht erinnere, überhaupt nicht „aufgesext“. 🙂

    • Bunny hat mich schwer verhaltenstraumatisiert, „ich bin fett!!!“, sie wird von mamoru, den sie mit 14 kennenlernt, er 20 oder 22…nur lächerlich gemacht, bis sie erkennt, er ist taxidomax(sorry), er erkennt sie ist salermoon … dann gibts die tochter aus der zukunft schon vorm sex…
      Nun ja…
      Andererseits führen zwei sailerkriegerinnen eine homosexuelle liebesbeziehung und am ende gibt es sogar transexuelle sailer galaxy oder so.
      Aber die kritik an den sexualisierten körpern, der kleidung, dem verhalten der protagonistin und der allgemeinen darstellung von liebe und dem verhalten von männern und frauen bleibt, trotz der vielseitigen charaktäre.

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