Die Erde wird nass

von Pitz

Wahrscheinlich kennen alle Eltern diese Situation: Draußen regnet es, und während Du dem Tag am liebsten den Rücken kehren möchtest, den Blick auf Bett und Bücher und bequem gerichtet, stehen die Kinder wie kleine Hirsche vor Dir und scharren mit den Hufen, weil sie sich langweilen.

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Bild via skitterphoto.com

Hier unsere umstandslos-low-Budget-Regenhilfe!

+ Pfützenspringen. Das ist sicherlich nicht für jedes Kind geeignet; denen, deren Körper mitmachen, kann es riesigen Spaß machen. Die Pfützen aufwühlen, immer nasser werden, immer mehr einsauen, sich irgendwann in der größten und tiefsten Pfütze lang machen – das ist Schwimmbad galore!
+ Mit Trinkbechern die Regenmenge messen. Bei wem regnet es mehr rein? Dürfte für konzentrierte Stille sorgen.
+ Plastetüten mit Wasser füllen, rumtragen, das Kind die Pfützen leerschöpfen lassen. Auch cool: die Plastetüten anstechen, zum Beispiel mit Rouladennadeln, und dann schauen, wie das Wasser rausrinnt. Vorsicht, eher kleinere Tüten wählen, wegen der Erstickungsgefahr. Sobald die Kinder Gefäße zum Spielen draußen haben, wächst auch die Wahrscheinlichkeit für eine baldige Haarwäsche.
+ Mit Gliedermaßstab, Ästen, Stricken oder Körpermaßen die Größe der Pfützen messen.
+ Eine Brücke mit Steinen oder Latten durch die Pfütze bauen.
+ Tiere retten! Regenwürmer und Schnecken freuen sich über einen sicheren, schattigen Zufluchtsort am Wegesrand.
+ Wo es möglich ist: kleine Rinnsale zwischen den Pfützen bilden, vielleicht ein ganzes altbabylonisches Bewässerungssystem.
+ Mit Laufrad oder Fahrrad durchbrettern.
+ Auch cool, besonders für feinmotorisch interessierte Kinder – geht aber nur bei sehr feinem Regen oder wenn es schon wieder aufgehört hat: mit Naturmaterialien wie Lindenblüten, Kienäppeln und Stöckchen eine Unterwasserstadt in die Pfütze bauen. Oder neben der Pfütze eine Stadt am See errichten, die von einem Hochwasser bedroht wird.
+ Es wäre freilich möglich, oben Papierboote zu basteln, während es noch sehr pladdert, und dann später unten schwimmen zu lassen. Hier eine Faltanleitung. Mir persönlich wäre das zu fummelig, ich würde Plasteschüsselchen bevorzugen, die dann feierlich getauft und zu Pfütze gelassen werden.
+ Trichter kommen immer super an. Überhaupt, einfach mal in der Küche umschauen.
+ Bei unebenen Böden ein nettes Spiel: Pfützenformen deuten.
+ Hören, wie der Regen wo klingt, und Regen riechen. Ist vielleicht eher was für ältere Kinder.
+ Stichwort Geräusche: bei Regen ist es laut, und es sind wenige Leute auf der Straße. Das ist an sich eine gute Gelegenheit, nach Herzenslust selbst etwas lauter zu sein und die eigene Stimme ein bisschen auszuprobieren. Aber auch das geht sicherlich nicht an allen Orten.
+ Mit Kindern, die echt keine Lust auf Nässe haben oder nicht fit für die Pfütze sind, kann man es sich auf dem Fensterbrett gemütlich machen und die Leute draußen beobachten. Wer hat es nicht so eilig, ins Trockene zu kommen? Was mögen sie in ihren Taschen haben? Wie sie wohl leben, welche Sorgen sie haben? Es kann verdammt aufschlussreich sein, das Kind mal erzählen zu lassen. Nicht geeignet für Bewohner_innen von Einsiedeleien.
+ Und wenn gar nichts mehr hilft und alle genervt sind: Zusammen unter eine Decke kuscheln und Filme schauen. So ein gemeinsamer Glotznachmittag ist viel besser als sein Ruf!

Hier noch ein paar Bücher mit schönen Regenszenen – neben den verregneten Quidditchsspielen in den Harry-Potter-Bänden und dem dramatisch düsteren Regeneinstieg in die „Käuzchenkuhle“:

Jansson, Die Mumins. Eine drollige Gesellschaft.
Feierlich grollend zog das Gewitter von Süden heran. Es spannte seine schwarzen Segel über dem Meer aus und wuchs über den halben Himmel. Die Blitze flackerten unheilvoll. Es kommt direkt auf die Insel zu, dachte der Schnupferich und erschauerte vor Glück und Spannung.
Fühmann, Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm zu Babel. Ein Spielbuch in Sachen Sprache. Ein Sprachbuch voll Spielsachen. Ein Sachbuch der Sprachspiele.
Es regnete und regnete. Die Kinder hockten ums Bett von Jens, dem Ortsansässigen, dessen Mutter tagsüber nie anwesend war. Sie hockten und dösten. […] Da verklärte sich Emmanuels Gesicht. „Regenwetter – regelrecht ekelerregend“, sagte er, und damit fing’s an.

Milne, Pu der Bär.
Es regnete und regnete. Ferkel sagte sich, dass es in seinem ganzen Leben noch nie – und es, Ferkel, war nun wirklich weiß Gott wie alt – drei, oder? Oder vier? – so viel Regen gesehen hatte. Tage-, tage-, tagelang. […] „Es ist ein bisschen beängstigend“, sagte es sich, „ein sehr kleines Tier zu sein, das völlig von Wasser umgeben ist“.

Ponti, Das schönste Tal der Welt.
Mein Lieblingsspiel, wenn es regnet, ist „Zauberpfütze suchen“. Das ist bei jedem Regen eine Einzige im ganzen Tal. Nur in sie kann man eintauchen und dann aus jeder anderen wieder
hochkommen. Die anderen sind lauter Ausgänge.

Die allerbeste Regenszene in einem Film ist die in „Mein Nachbar Totoro“, ich schwörs. Leider gibt’s die nur ziemlich verpixelt im Internet zu sehen:

 

Und hier gibt’s noch was zu hören: „Like the drip drip drip of the raindrops/When the summer shower is through“ – Ella Fitzgerald |Night and Day:

„Es regnet, es regnet/mir ist ein Fisch begegnet/es windet, es windet/der nicht nach Hause findet“, Jürg Schubingers Wind und Wetter.

„Ein Regenwurm/auf einem Turm/in Schnee und Sturm/ist klar am falschen Ort“, dichtet Irmela Brender.

Langersehnt, heißerfleht – Dalida, Der Tag als der Regen kam:

Im Traumzauberbaum gibt es ein schönes Regenlied: „Eine dicke Regenwolke kommt über’s Meer. Eine dicke Regenwolke leise und schwer. Hat den Bauch voll Wassereimer, soviel Wasser trägt sonst keiner.“

Гром, grom – so heißt Donner auf russisch, und дождь, dožd‘, das ist der Regen: DDT

Todtraurig und trotzdem tröstlich: „Und wieder wird es Nacht, ich bin betrunken, aber ich höre den Regen, Regen für uns. Die Wohnung ist leer, aber wir sind hier, es gibt wenig, aber es gibt uns, Regen für uns“, der Regensong von Kino.

… und wenn dann wieder gutes Wetter ist und das Regenrauschen beim Einschlafen fehlt, hier ein spannender Mitschnitt:

Beitragsbild: skitterphoto.com


Beitrag erschienen in: spielen

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