Expertinnenrat zu „Nur noch eins! Oder in welchem Ausmaß Kleinkinder digitale Medien nutzen sollten“

Vor zwei Wochen hat Antonia sich hier gefragt, wie viel Zeit Kleinkinder eigentlich mit der Benutzung digitaler Medien verbringen sollten. Barbara Buchegger von saferinternet.at hat für uns folgenden Ratschlag:

Eines vorweg: allgemeine Ratschläge oder pauschale Aussagen sind zu diesem Thema kaum möglich. Ab welchem Alter bzw. in welchem Ausmaß kleine Kinder digitale Medien nutzen sollte, hängt nicht nur vom Kind ab, sondern ist auch von Familie zu Familie unterschiedlich. In Familien, in der Eltern oder ältere Geschwister häufig digitale Medien nutzen, womöglich mehrere Geräte besitzen und oft online sind, werden auch die Kleinen früh mit der Nutzung beginnen. Für sie ist das schließlich alltägliche Normalität – im Gegensatz zu Familien, in der die erwachsenen Mitglieder weniger digital-affin sind.

Ratschläge müssen also auf eine konkrete Situation, auf eine bestimmte Familie abgestimmt sein. Im vorliegenden Fall scheinen digitale Medien fixer Bestandteil des Alltags zu sein – es ist dann nur allzu verständlich, dass diese dann auch von Kindern als normales Puzzleteil des Familienlebens angesehen werden.

In so einem Fall sind Smartphone, Tablet & Co. für Kinder nichts Besonders – sondern werden neben Puppe, Ball und Brettspiel als weiteres „Spielgerät“ wahrgenommen. Genau diese Vielfalt an Beschäftigungsangeboten ist aber auch entscheidend.


Allein auf YouTube? Niemals ohne Eltern!

Eltern sollten digitalen Medien prinzipiell entspannt und offen gegenüber stehen, sich gleichzeitig aber bewusst machen, dass die Nutzung von Apps oder sozialen Netzwerken auch unangenehme Erfahrungen mit sich bringen kann. Ein Beispiel hierfür ist YouTube: selbst wenn das Video-Portal grundsätzlich auch für kleine Kinder ein tolles Angebot bereithält, stößt man immer wieder unverhofft auf Inhalte, die für die Jüngsten denkbar ungeeignet sind. So machen sich beispielsweise Jugendliche gerne einen Spaß daraus, Zeichentrickserien oder Cartoons aus ihrer eigenen Kindheit zu verunglimpfen bzw. mit „jugendrelevanten“ Inhalten zu spicken. Aus diesem Grund kann man nie sicher sein, ob die nächste Folge von „Peppa Pig“ nicht plötzlich mit obszönen Ausdrücken oder gewalttätigen Inhalten durchsetzt ist. Meine Empfehlung:  Kleine Kinder sollten niemals Videos auf YouTube ohne Begleitung durch Erwachsene ansehen. Eltern, Großeltern oder andere Bezugspersonen sollten sich zumindest in der Nähe befinden und immer wieder einen Blick auf den aktuellen YouTube-Clip werfen.

Natürlich gibt es auch Alternativen, wenn das Kind doch einmal alleine ein Video schauen möchte. So sind zum Beispiel viele bei Kindern beliebte Formate auch auf Netflix verfügbar – sofern dieser Dienst im Haushalt genutzt wird. Eine weitere Option sind Online-Videos, bei denen man sich sicher sein kann, dass darin nicht plötzlich potentiell schädigende Inhalte auftauchen, z.B. „Die Sendung mit dem Elefanten“.


Welche Dosis ist genug? Kinder müssen ihre Grenzen kennenlernen

Spezielle Apps, die die Nutzungszeit von Tablets automatisch beschränken, können die Eltern bei der Medienerziehung sicherlich unterstützen. Schaltet sich das Gerät nach einer bestimmten Zeit von selbst aus, erspart dies den Eltern schließlich die Diskussion mit dem Kind, wann es nun wirklich genug ist. Filterprogramme und –apps können und sollen aber immer ein kleiner Teil der Medienerziehung sein – diese kann schließlich nicht zur Gänze an Technologien delegiert werden! Kinder müssen vor der Pubertät lernen, wo die eigenen Grenzen liegen, um auf diese auch entsprechend reagieren zu können. Einmal in der Pubertät angelangt, ist es hierfür zu spät – in dieser Phase tendieren Kinder bzw. Jugendliche ja generell zu einem Verhalten, das Grenzen überschreitet. Generell gilt: Je früher ein Kind die eigenen Grenzen einzuschätzen weiß, desto besser. Aber auch wenn das Kind weiß, wann es genug bzw. zu viel ist, muss es zusätzlich in der Lage sein, Konsequenzen aus dem eigenen Verhalten zu ziehen und dann z.B. etwas anders zu machen, sich zu bewegen, hinauszugehen. Hier ist eine entspannte Haltung der Eltern sehr hilfreich: Erreicht das Kind seine Grenzen und ändert von sich aus sein Verhalten, ohne ein „Ich hab’s dir doch gesagt“ von Mama und Papa zu hören, ist es eher in der Lage, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Bestärken Sie also Ihr Kind, mal etwas anderes tun kann, wenn beispielsweise schon die Augen oder der Kopf wehtun oder das Kind merkt, dass seine Laune in den Keller rutscht. Für Eltern bedeutet das aber auch, sich in solchen Situationen selbst an der Nase zu nehmen und auch wirklich mit dem Kind auf den Spielplatz oder hinaus in den Garten zu gehen – auch wenn man selbst gerade lieber etwas anderes tun würde.


Begleitung durch die Eltern ist wichtig

Egal was Kinder gerade beschäftigt – die Eltern sind bei allen Dingen die ersten Ansprechpersonen. Das trifft natürlich auch auf digitale Medien zu. Kinder müssen das Gefühl haben, sich auch in problematischen Situationen an die Eltern wenden können, ohne dass diese gleich die Nerven verlieren. Merken Kinder, dass ihre Eltern überfordert sind und in manchen Situationen fast panisch reagieren, dann werden sie mit ihren Fragen und Problemen nur ungern zu Papa und Mama kommen. Bleiben Sie als Elternteil also am Ball! Beschäftigen Sie sich mit den Tools und Inhalten, die Ihr Kind nutzt und faszinierend findet – auch wenn diese vielleicht nicht ganz Ihrem Geschmack entsprechen. Mit diesen Erfahrungen im Gepäck können Sie problematische Situationen besser einschätzen  – und Ihr Kind wird bei unangenehmen Erlebnissen in der digitalen Welt gerne das Gespräch mit Ihnen suchen.

Beitrag erschienen in spielen.

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Ein Kommentar

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