Nur noch eins? Oder in welchem Ausmaß Kleinkinder digitale Medien nutzen sollten

von Antonia

Mein Kind ist dreieinhalb Jahre alt und alles was einen Bildschirm hat übt eine große Anziehungskraft auf es aus. Ich bin grundsätzlich positiv eingestellt, den sogenannten neuen Medien gegenüber und sehe die digitale Kindheit eher als Bereicherung als als Gefahr. Schwierig finde ich aber (und eigentlich ist es mir auch unliebsam) den Medienkonsum des Kindes zu steuern und es dabei verantwortungsbewusst zu begleiten. Was sollte ich dabei bedenken? Was ist gut für die Kleinen und was nicht?

Wie es sich bisher bei uns entwickelt hat

In unserem Haushalt gibt es zwei Smartphones und ein Tablet. Die ersten Videos haben wir dem Kind auf dem Handy gezeigt als es ca. 1,5 Jahre alt war. Das entstand eher aus der Not heraus und dem Wissen, dass es das Kind beschäftigten und ablenken würde (zum Beispiel auf langen Zugfahrten). Geschaut wurde dann Pingu, Shaun the Sheep, Peppa Pig oder Laura Stern. Häufig auch mehr als das angekündigte „nur eine“ Video.

Später als das Kind ca. 2 Jahre alt war kamen die ersten Apps am Tablet dazu: Puzzles, Einkaufsspiele, Katzenfriseursalon, Buchstaben nachzeichnen etc. Das Spielen am Tablet wurde zur täglichen Routine und damit auch die Frage, wann es (jetzt aber WIRKLICH) genug ist und wie wir ein Ende ohne Streit und Tränen finden können.

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Foto (c): -JosephB- via flickr; CC BY 2.0 Lizenz

Kindersicherung

Vor einer Weile haben wir (mein Freund und ich) uns endlich wieder mit dem Thema auseinandergesetzt und eine App installiert, mit der wir passwortgeschützt die Nutzungszeit des Kindes für das Tablet bestimmen können und auch einschränken können, welche Apps es verwenden kann. Das hat ganz gut Entspannung in die Situation gebracht. Wenn die Zeit um ist, ist es einfach aus und für das Kind passt das in den allermeisten Fällen auch. Zur Zeit darf es 30-40 Minuten pro Tag am Tablet spielen oder Videos schauen, in Ausnahmefällen auch länger.

Positives

Mir gefällt, dass das Kind damit Fähigkeiten entwickelt (mit einem Touchscreen umgehen, eigenständig Sachen öffnen und schließen, bewusst Spiele auswählen etc.) die ich gut und wichtig finde.

Auch das Eintauchen in Geschichten durch Kinderfilme finde ich schön. Das Kind liebt es zum Beispiel Peppa Pig in den verschiedensten Sprachen anzusehen – auf youtube kein Problem. Das ist eine schöne Möglichkeit ein erstes Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass es noch sehr viele andere Sprachen als die eigene Muttersprache gibt.

Ich biete das Tablet dem Kind auch immer wieder aktiv an – es soll eine Aktivität unter vielen sein. Es kommt aber auch in Situationen zum Einsatz, in denen es mir als Mutter etwas Freiraum verschafft. Wenn wir grad von draußen kommen und eine Entspannungsphase uns allen gut tut, wenn wir Eltern einfach mal in Ruhe die Zeitung lesen wollen etc.

Zu früh, ganz schlecht ausgewählt und überhaupt!

Hadern tu ich irgendwie damit, dass der Medienkonsum, den wir dem Kind bisher „zugetraut“ haben, womöglich zu früh war oder ist. Mir spukt manchmal im Kopf dieses Ideal von „kein Computer vor der Volksschule“ herum (woher habe ich das eigentlich?). Ich bin mir auch nicht sicher ob wir die richtigen Dinge ausgewählt haben und ich gestehe (obwohl ich schon mehrmals gegenteilige Empfehlungen gelesen habe), dass wir häufig nicht neben dem Kind sitzen während es mit dem Tablet beschäftigt ist und auch nicht immer genau mitbekommen was es gerade macht. Es schaut also durchaus auch mal ein Video alleine zum ersten Mal, bevor wir es gesehen haben.

Kurz gesagt: mich würde interessieren, welcher Medienkonsum in welchem Umfang für 3-4 Jährige empfehlenswert ist und welche Erfahrungen andere Eltern damit machen.

Wer eine Erfahrung zum Teilen oder einen Ratschlag hat, ein Buch oder einen Trick kennt, um mit dem beschriebenen Problem umzugehen, die_der melde sich bitte in den Kommentaren. In 2 Wochen findet sich hier der Ratschlag einer so genannten Expertin. 

Beitrag erschienen in: spielen.

Beitragsbild: Richarf Lemming via flickr CC BY 2.0 Lizenz

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5 Kommentare

  1. das mit der App finde ich einen guten tipp. welche verwendet ihr da?

  2. Ich mache seit vergangenem September einen Bufdi in einer medienpädagogischen Einrichtung und habe seitdem ziemlich viel über Mediennutzung von Kindern gelesen. Die jüngsten Kinder, mit denen wir arbeiten, sind allerdings in der 3. und 4. Klasse, insofern hab ich nicht so viel Ahnung davon, wie es bei jüngeren Kindern so ist. Allerdings denke ich, dass Euer Modell gar nicht so schlecht klingt. Wichtig ist, glaube ich, vor allem, dass Ihr als Ansprechpartner_innen für das Kind da seid, falls es etwas nicht versteht oder falls es einen Inhalt sieht, der es erschreckt. Solange das Tablet eine Beschäftigung ist, die einen gleichen Stellenwert hat, wie andere Beschäftigungen, würde ich mir als Eltern da auch keine Sorgen machen.
    Generell denke ich, dass es ganz gut ist digitale Medien möglichst früh als etwas Normales einzuführen und möglichst auch auf verschiedene Systeme (Tablet, Laptop, Tower PC, Spielekonsole, aber auch sowas wie Digitalkamera – was halt verfügbar ist) einzugehen. Manche der 3. und 4. Klässler_innen bei uns haben zum Beispiel große Schwierigkeiten damit, eine Maus zu bedienen, während andere schon alle möglichen Kindersuchmaschinen bedienen können.
    Als ich so zwei Jahre alt war, hat mein großer Bruder mich schon die ersten Computerspiele spielen lassen (damals sowas wie Doom, was vermutlich absolut nicht kindergerecht ist :D) und mein Vater hat mit mir Webcam-Bilder von verschiedenen Orten der Welt angesehen. Für mich war Mediennutzung und Internet eigentlich immer normal und ich habe das Gefühl, dass mir das gar nicht geschadet, sondern mich eher in meiner Medienkompetenz gefördert hat.

  3. m_oly

    Meine Sicht:
    Es ist keinesfalls zu früh. Es gleicht dem Lernen einer Sprache. Wer seinem Kind das vorenthält, nimmt ihm die Möglichkeit diese Sprache gut zu lernen.
    Wie bei allem zählt die Vorbildwirkung, auch in der eigenen Einstellung.
    Uns war wichtig, dass ein Zusammenhang hergestellt wird zwischen Mediennutzung und körperlicher Betätigung im Freien (Augen müssen auch ins Weite sehen, Arme müssen auch in andere Richtungen gestreckt werden, …). So gab es auch keine Einschränkung (oder wie leide noch immer oft zu hören Bestrafung), sondern der Ausgleich musste gewährleistet sein.
    Angeboten haben wir nie, weil wir Anbieten von bereits Bekanntem für grundsätzlich falsch halten. Es dient unserer Ansicht nicht der Förderung der Selbstorganisation.

  4. Pingback: Expertinnenrat zu “Nur noch eins! Oder in welchem Ausmaß Kleinkinder digitale Medien nutzen sollten” | umstandslos.

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