Kinderwunschlos. Schon immer.

von Tini

Ich bin die Frau, die den Untergang des Abendlands, zumindest aber den Deutschlands zu verantworten hat. Solche wie ich ruinieren die Rentenkasse. Ich bin der Albtraum aller konservativen Familienpolitiker_innen. Ich verrate meine natürliche, wesensmäßige Bestimmung. Ich verpasse das Größte im Leben einer Frau. Ich bin eine feministische Kampflesbe. Ich bin gar keine richtige Frau. Ich bin ein egoistisches, karrieregeiles Monster. Ich verrate die Frauensolidarität. Denn:
 Ich wollte nie ein Kind, will kein Kind und werde auch sicher keines mehr bekommen.

Glückliche Umstände
Dass ich ein Kind bekommen kann, hat für mein Leben nie eine große Rolle gespielt – außer bei der Entscheidung, mich trotz meiner Kinderwunschlosigkeit nicht sterilisieren zu lassen, sondern auf mechanische Verhütung zu vertrauen. Da war ich so Mitte 20 und hatte beschlossen, die Pille abzusetzen. Deren Nebenwirkungen waren für mich einfach inakzeptabel geworden. Ich lebte damals nicht in einer festen Partnerschaft, das hat die Entscheidung gegen die Pille sicherlich vereinfacht.

Nicht die Pille zu nehmen bedeutet ganz praktisch, sich mit jedem zeugungsfähigen Sexpartner über die Verhütung verständigen zu müssen. Zumindest implizit wird dann vor allem in längeren Beziehungen auch Zukunftsplanung und Kinderwunsch ein Thema. Keiner der Männer, mit denen ich darüber gesprochen habe, hatte sich bis dahin konkrete Gedanken darüber gemacht, ob und wann er Vater werden wollte. Mehr als ein schemenhaftes Bild vom bürgerlichen Familienidyll, das irgendwie in der Zukunft auf ihn wartete  – anscheinend ohne sein aktives Zutun – gab es nicht. Ich musste also nie wegen eines geliebten und begehrten Menschen meine Kinderwunschlosigkeit und meine Planung, ohne Kinder zu leben, in Frage stellen oder überdenken. Vielleicht hatte ich einfach Glück, vielleicht einen guten Riecher für verwandte Seelen, ganz sicher hatte ich die Statistik auf meiner Seite: Mehr als die Hälfte aller Männer bis 45 hegen keinen eigenen Kinderwunsch.

Danke Mama! Danke Papa!
Dazu hatte ich Glück mit meiner Familie: Während sich meine gleichaltrigen Kolleginnen und Freundinnen gefühlt seit ihrem Schulabschluss mit den Enkelwünschen ihrer Eltern herumschlagen müssen, machen sich meiner Eltern schon genauso lang über dieses Verhalten lustig. Vor allem meine Mutter findet diesen Enkelterror, wie sie es nennt, unmöglich – eine Form emotionaler Erpressung. Zu Mutterschaft und Familie hat sie ein denkbar unsentimentales Verhältnis: Sie ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und hat selbst sieben jüngere Geschwister. Um die hatte sie sich spätestens seit ihrem 10. Lebensjahr mitzukümmern, während meine Großmutter entweder auf dem Feld war oder im Kindbett lag. Ein Bildungsabschluss jenseits der Volksschule war für sie nicht vorgesehen. Kinder zu bekommen und sie großzuziehen, hat für meine Mutter keinen besonderen Glamour – ganz im Gegenteil. Ich kann mich noch sehr gut dran erinnern, dass sie für die Mütter von Mitschülerinnen, für die sich alles um deren „goldenes Kind drehte und die sonst nicht viel auf die Reihe bekamen“ (richtig: O-Ton meine Mutter), Spott, aber auch Bedauern und manchmal auch Verachtung übrig hatte. Und daran hat sich auch als Großmutter nichts geändert.

Mein Vater, ein Flüchtlings- und Scheidungskind, dessen Begabung unter den prekären Bedingungen seiner Kindheit und Jugend fast begraben wurde, war als Vater enorm engagiert: Er hat uns nicht nur schwimmen, Rad fahren und Schlittschuh laufen beigebracht, sondern ist mit mir in aller Herrgottsfrühe den Vogelstimmen durch Wald und Wiesen nachgewandert und hat unsere Familie durch ganz Deutschland, Polen und Frankreich kutschiert: von Museum zu Dom zu Burg zu Schloss. Viele unsere Familienerinnerungen haben ihren Ursprung in diesen Ausflügen, um die mich viele Mitschülerinnen beneideten. Seine Arbeits- und Sportkollegen, die Väter dieser Kinder, dagegen reagierten mit Spott und Sticheleien darauf.

Meinen Lese- und Wissenshunger und mein komplettes Desinteresse an all den Sachen, die man damals als Mädchen so machte, haben meine Eltern bedingungslos unterstützt. Und zwar so großartig, dass ich mein Außenseitertum und Querstehen zu vielen sozialen und Gender-Erwartungen nicht als Belastung, sondern als das eigentlich richtige Verhalten empfand. Dass ich als erste in meiner Familie überhaupt studiere, stand niemals zur Diskussion, während nicht wenige meiner Klassenkameradinnen darum kämpfen mussten, Abitur zu machen, um studieren zu können, nicht um dann eine Banklehre zu machen. Wir sprechen von den 80er Jahren.

Ein „Fuck You“ dem Konzept der „natürlichen Bestimmung“
Vor allem meine Mutter hatte schon immer ein recht deutliches Bewusstsein dafür, dass unsere Gesellschaft Mädchen nicht die gleichen Möglichkeiten und Rechte einräumt wie Jungen. Diese Ungerechtigkeit, wie sie das für sich formulierte, war auch immer ‚mal wieder Thema unserer Gespräche, auch schon vor meiner Pubertät. Dass die Familie bei der Fortführung und Durchsetzung dieser ungerechten Geschlechterverhältnisse eine wichtige Rolle spielte, war meinen Eltern bewusst, auch wenn wir selbst, zumindest wenn man die sozio-ökonomischen Fakten betrachtet, eine ganz normale deutsche Kleinbürger-Familie der 80er Jahre waren.

Mein familiärer Proto-Feminismus hat sich dann ab dem Gymnasium in eine reflektierte feministische und politische Position gewandelt. In diesem Prozess spielt meine Klassenlehrerin (Latein und Geschichte) eine wichtige Rolle: Ich verehrte sie und ihre ganz spezielle Kombination aus Grande-Dame-Glamour, Liebe zu sehr schnellen Autos, preußischer Disziplin und strenger Intellektualität sehr. Sie verwies mich auf Simone de Beauvoirs „Das andere Geschlecht“ und Élisabeth Badinters „Mutterliebe“ – und machte auf unseren zahlreichen Exkursionen keinen Hehl daraus, was sie von den sich im Familialen ergehenden Zukunftsplänen ihrer Schülerinnen hielt: Nichts. Eigene intellektuelle Ambitionen, persönliche Autonomie und ökonomische Unabhängigkeit waren für sie quasi logisch unvereinbar mit Familie und Mutterschaft.
Und meine alltäglichen Erfahrungen, aber auch die medial vermittelten, gaben ihr Recht: Mitschülerinnen mit sehr guten Noten planten ihre Karriere als Grundschullehrerin, weil man da so gut Kinderpause machen kann. Jedes Jahr verschwanden Mütter von Freundinnen oder Bekannten in ominösen Kuraufenthalten – Alkohol, Tabletten, Depression, aber natürlich sprach niemand offen darüber. Frauen aus meinem näheren sozialen Umfeld, die mit dem ersten Kind anscheinend jegliches Interesse an Dingen jenseits von Wickeltisch und Stillkissen verloren. Und dann die Paare, in denen sich „wegen der Kinder“ die Frauen so ziemlich alles bieten ließen.

(Praktische) Solidarität mit Müttern

Keine Kinder zu haben erschien mir als einzige rationale Antwort auf diese Erfahrung, als die feministische Ur-Geste. Mir war zwar klar, dass ein Kinderwunsch an sich noch keine intellektuelle Bankrott-Erklärung darstellt, sondern auch sehr viel mit den hegemonialen Diskursen und der sozialen Struktur unserer Gesellschaft zu tun hat. Aus dieser intellektuellen Erkenntnis eine solidarische Haltung zu den Frauen zu entwickeln, die sich in unserem kleinbürgerlichen, konsumkapitalistischen und nationalistischen Reproduktionsregime dazu entscheiden, Mutter zu werden und ihre Mutterrolle selbst zu definieren, hat mich viel Arbeit gekostet. Und ohne tolle feministische Mütter-Blogs sowie der Erkenntnis, dass ich ja selbst mit einigen sehr smarten Frauen mit Kindern befreundet oder gar verwandt bin, wäre es sicher bei meiner sehr kritischen Haltung gegenüber Mutterschaft an sich geblieben. Heute versuche ich, durch praktische Solidarität Menschen mit Kindern ihren Alltag zu erleichtern – auch um das Leben mit Kindern außerhalb der bürgerlichen Kleinfamilie tatsächlich möglich zu machen.

Ratlos und sehr befremdet stehe ich aber den Kolleginnen und Bekannten gegenüber, die sich prä-Mutterschaft aggressiv gegen den Feminismus als einer männerfeindlichen Ideologie für Zu-kurz-Gekommene abgrenzten und mir nach der Babypause das kleine Einmaleins der deutschen Mütterdebatte verkünden: Dass sie keine  Kinderbetreuung finden, dass die Karrierechancen sich de facto in Luft aufgelöst haben, dass sie keine anspruchsvolle Projekte mehr bekommen, dass ihre Männer keine Rücksicht auf sie nehmen und außerdem ständig Überstunden machen. Als hätte man das alles nicht wissen können. Aber vielleicht haben sie es wohl tatsächlich nicht wissen dürfen.


Beitrag erschienen in: kinder.los

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14 Kommentare

  1. Bee

    Danke für den Beitrag, das ist sooo wohltuend, mal so eine differenziere Haltung mitzukommen! Ich würde auch bei manchen tollen Frauen in meiner Umgebung wissen, was sie ihre Entscheidung für oder wider begründen, nur schiene es mir auch übergriffig, nachzufragen.

  2. Kinderwunsch oder Kinderablehnung finde ich beide als feministische Ur-Geste nicht sehr überzeugend. Kinderwunsch und Feminismus lassen sich sicher nicht trennen (auch für Männer nicht), aber das eine lässt sich doch nicht aus dem anderen ableiten.
    Hier steige ich dann ganz aus: „Mir war zwar klar, dass ein Kinderwunsch an sich noch keine intellektuelle Bankrott-Erklärung darstellt, sondern auch sehr viel mit den hegemonialen Diskursen und der sozialen Struktur unserer Gesellschaft zu tun hat.“ Leute sind doch nicht einfach Opfer der Diskurse und Hegemonien, ihren Kinderwunsch oder ihre Kinderablehnung so zu kontextualisieren ist einfach herablassend und macht sie zu verantwortungslosen Elementen von etwas Abstraktem.
    Wer kein Bock auf (eigene) Kinder hat, ist weder besonders subversiv, noch irgendwie verdächtig – es ist einfach so.

  3. Ich empfand die Aussage auch als sehr herablassend. Ich beobachte es oft, dass Müttern, mehr noch als kinderlosen Frauen, die Fähigkeit zu selbstbestimmten Entscheidungen abgesprochen wird. Etwas in dem Tenor hier auf der Seite lesen zu müssen, empfinde ich als sehr enttäuschend.

  4. Eva

    Ich finde es eher spannend, hier mal wieder was richtig Kontroverses zu lesen… Danke dafür, Tini!

    Zwei Punkte: Zum einen hört Deine Mutter sich so an, als hätte sie Dich auch in eine bestimmte Richtung gedrängt – wenn auch nicht in die, die die Mütter Deiner Freundinnen angepeilt haben. Ich find’s zwar nicht schlimm, wenn eine als Mutter zu ihrer (auch kritischen) Einstellung zu Familie und Mutterschaft steht. Aber hier hört es sich so an, als hätte Deine Dir alle anderen Optionen ziemlich verächtlich gemacht.

    Zum anderen scheint mir Deine Verwunderung, wie sich intellektuelle Ambitionen Deiner Freundinnen angesichts ihrer Familienpläne in Luft auflösen, leicht behoben. Kinder haben und großziehen (im Sinne von: sich tatsächlich hauptsächlich um sie kümmern) ist etwas, das Menschen ausfüllen und glücklich machen kann – und für manche Leute überwiegt dieses Ziel halt andere Ziele, die sie haben könnten. Erklärungsbedürftig ist vielleicht eher, dass Männer in unserer Gesellschaft dieses Ziel so selten zu haben scheinen.
    Wenn eine nun sowohl Kinder haben als auch intellektuelle oder andere karrieremäßige Ziele anstreben will, kann es ihr leicht passieren, dass sie nach der Geburt merkt, dass so ein Kind ein extremer Zeitfresser ist. Sie muss sich – wenn sie in einer Beziehung lebt – überlegen, wie sie sich mit Partner_in ihr Zeitbudget aufteilt; sie muss ich überlegen, wie sie es schafft, mit all diesen kinderlosen Menschen zu konkurrieren, die ihre ganze Zeit in Arbeit investieren können. Nicht nur stehen ihren intellektuellen Ambitionen in dieser Situation die klassischen Mütter-Rollenbilder entgegen, sondern auch die Tatsache, dass es erfüllend ist, Zeit mit den eigenen Kindern zu verbringen.

    Meiner Einschätzung nach ist daher auch das Keine-Kinder-Haben kein Ausweg aus den ungleichen Verhältnissen zwischen Männern und Frauen in unserer Gesellschaft (so verstehe ich mal „feministische Ur-Geste“). Denn wenn es um Arbeit/Karriere geht, konkurrieren Männer, die die Kinderarbeit ihren Frauen zuschieben (sorry, die Kinder-Erfüllung entgeht euch!), mit Frauen, die keine Kinder haben (die z.B. meinen, Feminismus oder Karriere geht nur ohne Kinder – sorry, auch ein Verzicht), mit Frauen, die Kinder und Karriere auf einmal versuchen (sorry, ihr schafft’s eh nicht und müsst Pillen schlucken). Im Schatten der seltsamen Männer/Frauen-Rollenzuschreibungen stehen wir dabei letztendlich alle.

  5. Eva

    Kurze Nachbemerkung: Mit meinem oben geschriebenen will ich natuerlich nicht in Frage stellen, dass manche Menschen einfach keine Lust haben Kinder zu kriegen. Wenn das einer/m so geht, muss der/die sich meiner Meinung nach von keinem/r (auch nicht von mir) aufschwatzen lassen, dass er/sie ohne Kinder was verpasst.

  6. dongowski

    Danke für das Feedback! Ich antworte jetzt erst, weil ich das ganze lange Wochenende mit drei Kindern durch die Natur gezogen bin, damit ihre Eltern mal wieder Zeit für sich haben.

    Meine Eltern haben, wie ich schon schrieb, mich nie wegen meiner Kinderwunschlosigkeit in Frage gestellt – was mir mein So-Sein sicher leichter gemacht hat. Dass gilt genauso für meine Schwester, die mit 6 zehn Kinder haben wollte – und heute glücklich verheiratet und als Mutter von 2 Jungs lebt. Dass meine Mutter mich in irgendeine Ecke gedrängt hat, ist falsch. Unsere Eltern haben jede von uns ihr Ding machen lassen, aber keinerlei Illusionen über die Beschränkungen der bürgerlichen Kleinfamilie und ihrer Mütter-Ideologie geweckt (übrigens komplett ohne ABitur und Studium). Ein Erziehungsstil, der auch meiner Schwester ihre Entscheidung, Mutter zu werden und zu sein, erleichtert hat.

    Eine Erfahrung, die wohl jede offen kinderwunschlose Frau macht: die Rede von der verpassten Erfüllung, gehalten von Müttern. Das lese und verstehe ich nicht als Kritik an meinem Lebensstil, sondern eher als Selbstvergewisserungsdiskurs. Spannend ist dabei, dass auch die neuen Väter verstärkt den Druck zu fühlen scheinen, sich des erfüllenden Charakters des Vater-seins und der Richtigkeit ihrer Entscheidung zu versichern. (Zumindest lese ich so die neue Väterliteratur.)

    Offensive Kinderlosigkeit und Ablehnung der Mütterrolle gehört historisch zu den grundlegenden feministischen Gesten, zum Beispiel im Zuge des Kampfes um reproduktive Rechte, der ja jahrzehntelang (und heute auch immer noch) der Kampf um das Recht ist, kein Kind bekommen zu müssen. Das ist quasi die andere Seite des Kampfes um die Verbesserung der sozialen Situation von Müttern. Wie zügig es aus ist mit bereits erkämpften reproduktiven Rechten und Zugängen zur Reproduktionsmedizin, wenn konservative Familienideologien sich erneut durchsetzen, kann man in div. Bundesstaaten der USA bewundern.
    Vor allem in der französischen republikanisch-feministischen Tradition, aber auch im angelsächsischen Radikalfeminismus waren und sind anti-familiale Positionen, die sich zum Teil sehr aggressiv gegen die Mütterlichkeits-Ideologie richten, wirkmächtig. Für mich prägend, neben dem im Text genannten Autorinnen, sind dabei auch Kate Millet, Shulamit Firestone, Virginie Despentes und Valerie Solanas. Das sind Positionen, die in den aktuellen Debatten, die Feminismus v.a. als Forderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie nach mehr staatlicher Unterstützung für Familien modellieren, m. E. viel zu kurz kommen. Auch deswegen habe ich mich dazu entschieden, meine sehr lange sehr mütter-kritische Position in diesem Text so explizit zu formulieren.

  7. Eva

    Danke für die weiteren Erläuterungen und Klarstellungen.

    Nochmal zur feministischen Geste: Meine Sicht dazu wäre eher, es gibt verschiedene Arten, sich feministisch zu engagieren oder feministische Ziele anzustreben, ob das eine versucht mit Kindern zu tun oder eine andere ohne, spielt erstmal keine große Rolle. Hindernisse stellen sich auf beiden Wegen. Dazu kommt, wenn eine sowieso wohlüberlegt kein Interesse an Kindern hat, dann sehe ich den Gestencharakter nicht (dann ist es ja bloß vernünftig, keine Kinder zu haben); wenn eine dagegen gerne Kinder hätte, und aus feministischen Erwägungen heraus drauf verzichtet, scheint es mir mindestens ebensogut, Kinder zu kriegen und dann alles daranzusetzen, das eigene Familienleben im Einklang mit den eigenen feministischen Idealen zu leben.

    Dass Kinder haben eine feine Sache ist, finde ich übrigens keine steile These. Es gibt verschiedene Dinge, die Menschen mit verschiedenen Interessen und Selbstverständnissen ausfüllen können, für die eine sind es vielleicht Kinder, für die andere ein Beruf, für die nächste nochmal was ganz anderes. Ich denke, dass kann mensch zuerkennen, ohne gleich anderen Leuten diese Art von Erfüllung aufs Auge drücken zu wollen. Würde ich auch nicht als Selbstvergewisserungsdiskurs lesen, sondern eher als Tatsache darüber, was manche Menschen glücklich macht.

  8. dongowski

    @Eva: Als Eltern feministisch zu handeln ist noch viel schwerer als kinderlos, vermute ich mal aus meinen eigenen Erfahrungen als mit-betreuende Erwachsene und aus der Beobachtung meiner Umgebung. Schließlich sind ja nicht nur Werbung und Medien voll von grausligen Geschlechterstereotypen, sondern auch ganz viele Strukturen sind immer noch auf die bürgerliche Kleinfamilie ausgerichtet – was feministische Elternschaft zu einer kraftraubenden Sache macht (so stelle ich mir das wenigstens vor.) Dass Frauen und Männer, die sich diesen Kampf nicht zutrauen, dann auf Kinder verzichten, kann ich gut nachvollziehen. Aber auch, dass sie verzichten, weil man mit Kind/ern angreifbarer für die disziplinarischen Zugriffe des Systems ist (allein via Schule, durch das Jugendamt, das auf Familien zugreifen kann, durch die HartzIV-Verwaltung) als ohne.
    Und klar kann man mit Kindern ganz großartige Erfahrungen machen, die man ohne Kinder nie macht – das stimmt einfach.

  9. Eva

    Du hast Recht, dass sich als Eltern ganz eigene Herausforderungen stellen. Am schwersten finde ich für meinen Teil, mir meinen feministischen Ansprüchen gerecht mit meinem Partner Haus- und Kinderarbeit aufzuteilen – daran scheitere ich regelmäßig. Andererseits ist es auch einfach. Meine Tochter zumindest will immer noch Paläontologin werden (obwohl das angeblich nur Jungs machen), ärgert sich darüber, dass es so wenige Superheldinnen gibt (hat mittlerweile die meisten als Figuren), überlegt sich noch, ob sie überhaupt Kinder haben will, …. Mein Sohn spielt gerne, dass er der Vater ist, der ganz viel mit seinem Kind macht, hilft beim Backen und Kochen, … . Was ich meine, ist, während wir sicher nicht alles feministisch ideal machen, sind die Kids erstmal von sich aus völlig offen und machen mir Hoffnung, dass sie vielleicht ganz viel Ballast an Geschlechterstereotypen nicht oder zumindest weniger mit sich rumschleppen müssen.

    Von daher ist es für mich zwar nachvollziehbar, wegen der genannten Herausforderungen auf Kinder zu verzichten. Aber noch mehr finde ich, wenn eine gerne Kinder hätte, sollte sie sich durch sowas nicht entmutigen lassen.

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  11. ‚So ist das. Und so auch‘ Ist wirklich ein (philosophisch schönes, politisch gehaltvolles) Motto und Topos, das wahr ist, und immer wieder wirklich werden sollte, verwirklicht/praktiziert.

  12. Pingback: KINDER-WUNSCHLOS | hot topics

  13. susann

    Ich empfinde den Text als sehr herablassend Müttern gegenüber. Drehen sich nur um ihr goldenes Kind, kriegen nichts auf die Reihe, checken nicht, dass die Situation für Mütter nicht so rosig sein wird, interessieren sich nur für ihre Kinder…

    Kann man so schreiben, ja.

    Aber das ist nicht um ein Deut besser als Herablassung gegenüber Frauen ohne Kinderwunsch.

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