Editorial: kinder.los

Für ein Kind verantwortlich zu sein, es zu versorgen, zu lieben und ihm ein Zuhause zu geben, prägt Menschen auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Viele unserer Beiträge aus der Rubrik So ist das. Und so auch setzen sich damit auseinander. In der nächsten umstandslos-Ausgabe wollen wir diese Perspektive umkehren: Was macht die (vorübergehende, völlige, gewollte, ungewollte, zeitweise, andauernde) Abwesenheit von Kindern mit Frauen*leben? Was kann es heißen, sich für die Beendigung einer Schwangerschaft zu entscheiden. Und wie weiterleben, wenn das Kind stirbt?

Sonja schreibt aus Expertinnensicht über das Abschiednehmen vom Kinderwunsch. Sie ist Autorin des eBooks “Vom Älterwerden und generativen Verhalten kinderloser Frauen” und hat bei der Forschung dazu erfahren, wie wichtig es für ungewollt kinderlose Frauen ist, im Laufe des Älterwerdens eine bewusste Entscheidung für die Kinderlosigkeit zu treffen.

Sandra wünscht sich schon länger Kinder, wird jedoch nicht schwanger. Sie erzählt in ihrem Beitrag, wie es ihr mit dem unerfüllten Kinderwunsch geht, und stellt sich die Frage, ob sie mit knapp vierzig nicht ohnehin langsam zu alt fürs Kinderkriegen ist: „Konkret wäre ich zum Beispiel achtundfünfzig, wenn mein Kind volljährig würde“, rechnet Sandra vor. „Ganz schön alt. Schon seit Jahren versuche ich, schwanger zu werden. Ohne Erfolg. Und das Wort ‚Erfolg‘ ist ein Schlüsselbegriff in diesem Elend.“

Die (biologische) Uhr tickt? Aber freilich nicht bei jeder*. Antonia rezensiert für umstandslos Sarah Diehls Buch „Die Uhr, die nicht tickt“, das sich mit gewollter Kinderlosigkeit in unserer Gesellschaft auseinandersetzt.

Tini ist 46 Jahre und bewusst kinderlos. Sie hat es bislang ohne Kurzschluss-Panik geschafft und schreibt über ihre „Entscheidungsprozesse“ – in Interaktion mit ihrer Familie, ihrem Partner und der Gesellschaft um sie herum.

Marlene erzählt von dem Druck, den junge Frauen verspüren, die – mehr oder weniger explizit – keine Kinderwünsche hegen.

Anna Lisa schreibt in ihrem Text über eine besondere Aufgabe: Sie fotografiert Sternenkinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben sind. Die Bilder sind Andenken und Erinnerung an die kurze Zeit dieser kleinen Menschen auf der Welt, sollen den Eltern aber auch bei der Trauerbewältigung helfen.

Christinas Baby ist wenige Wochen nach der Geburt gestorben. Für umstandslos hat sie Worte für das Unaussprechliche gefunden.

Sprachlosigkeit begleitet auch das Thema Abtreibung. Cornelia berichtet von ihrem Besuch im Wiener Verhütungs- und Abtreibungsmuseum und eine anonym bleibende Autorin erzählt von ihrer eigenen Abtreibungserfahrung, die schon ein halbes Leben zurückliegt, und davon, wie es ihr seither ergangen ist.

In dieser Ausgabe wollen wir aber auch nur vermeintliche Kinderlosigkeit ins Licht rücken: Martina setzt sich in ihrem Beitrag mit dem Erwachsen- und Flüggewerden von Kindern auseinander. „Früher war alles klarer“, meint die umstandslos-Autorin, die selbst bereits zwei erwachsene Kinder hat. „Mütter hatten Depressionen, wenn das letzte Kind auszog. Heute gibt es den Imperativ, stolz zu sein, dass das Kind so weit weg lebt, und übergangslos – es gibt ja Skype – die Beziehung mit dem Kind auch in der Ferne hinzukriegen.“

Eine wichtige, tabuisierte Perspektive bringt Anne Bonnie vom deutschen Verein Raben-Mütter für alleinstehende Mütter ein: Sie schreibt emotional und ehrlich darüber, was Mütter, die ohne ihre Kinder leben, vereint.

Wir freuen uns über die vielen unterschiedlichen und wertvollen Beiträge für diese Ausgabe und natürlich wie immer auch über eure Kommentare und Gedanken dazu!

Außerdem möchten wir dieses Editorial nutzen, um unsere Redaktionskollegin Catherine vorübergehend zu verabschieden. Sie pausiert ein paar Monate, da sie ganz umstandslos „in anderen Umständen“ ist 🙂 Für diese Zeit der Veränderung und für die Ankunft sowie das Kennenlernen des neuen Menschen in ihrem Leben wünschen wir ihr alles Liebe, die nötige Gelassenheit und viel Kraft!

Anna Lisa, Antonia und Cornelia


Hier findet ihr alle in dieser Ausgabe erschienenen Texte: kinder.los (April/Mai 2015)

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3 Kommentare

  1. bee@gmx.de

    Vielen Dank, ich bin sehr gespannt auf die Beiträge! Ich werde dieses Jahr 38 und bin weiterhin unschlüssig, ob ich mit oder ohne Kind leben möchte.

  2. Wir sind sehr gespannt und freuen uns ganz grundsätzlich, dass Ihr das Thema aufgreift 🙂 Isa

  3. stern

    Ich freue mich sehr über das Thema, aus verschiedenen Gründen plane ich in meinem Leben keine Kinder und es fehlt mir aktuell sehr, Gedanken dazu zu lesen, zumal um mich herum (bin in meinen 30ern) jetzt viele doch mit dem Eier brüten anfangen und ich mir manchmal sehr alleine mit dem Lebensentwurf vorkomme.

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