Milk Fiction und andere Strömungen

von Katja

Der weibliche Körper ist schon schräg. Wenn ich’s mir recht überlege – und ich überlege ja schon lange, was mich eigentlich als Frau definiert – sind es diese Flüssigkeiten, ja genau diese Flüssigkeiten, die vielleicht nicht andauernd, aber doch immer wieder mal unbeabsichtigt aus mir herausfließen, spritzen oder tropfen. Milch zum Beispiel. Ich meine: Kennt ihr das? Vor einem Jahr hab ich abgestillt und noch immer tropft es manchmal einfach so. Und damals zur Stillzeit. Diese riesigen prallen Brüste, die plötzlich unter dem heißen Wasser der Badewannendusche einfach den Boiler mit Milch bespritzen. WTF? Ich kam mir vor wie in Austin Powers. Da gab es doch die eine mit den Maschinengewehren aus den Brüsten. Und nachts…Milchmeere. Ich wache auf in einer Lache. Das Shirt klebt nass an mir. Wieder hab ich mich geweigert, einen BH und Einlagen zum Schlafen anzuziehen. Und ein Grummeln im Schlaf vom Kleinen reicht schon und es fließt. Eben auch in der Dusche. Ein Mucks aus dem Nebenzimmer und ich feuere Milch ab; aber wie.
Und dann das Rot. Seit ich selber Menstruationstassen verwende habe ich ein anderes Verhältnis zu meiner Menses. Ich erinnere mich noch an die erste Periode. Gefühlt ewig hatte ich auf sie gewartet. Auf keinen Fall wolle ich die letzte sein in der Klasse. Und obwohl ich keine Ahnung hatte, was mich da erwartet, wusste ich genau, dass die fast schwarze Kruste in meinem Slip wohl getrocknetes Blut sein musste und machte Luftsprünge. Das war’s dann schon aber auch mit der Freude. Bei diesen braunen vollgesogenen Tampons und Binden vergeht einer ja die ganze ästhetische Erregung, die eine haben kann, wenn die Menstruationstasse vollgefüllt mit dieser warmen dunkelroten Flüssigkeit ist, die beim Ausgießen so richtig schön leuchtet. Ein Fest für die Augen. Nein, gekostet hab ich noch nie. Auch wenn irgendwer das immer empfiehlt für Feministinnen. Wer war das?
Und ich erinnere mich an einmal, als mich mein Zyklus in Costa Rica in einem Hostel komplett überraschte und ich nackt schlafend ein Leintuch aufgrund unruhigen Schlafes in ein Schlachtfeld verwandelte. Ich weiß nicht mehr, was wir mit dem Leintuch angestellt haben, auf jeden Fall abgezogen. Es sah aus, als hätte ich jemanden in diesem Bett ermordet. Ein bisschen beschämt war ich, aber irgendwie auch nicht. I bleed because I can.
Und Geburt. Hey ya Fluchtblasensprung bereits 3 Wochen vorher – oder nur ein Riss und wieder einmal wache ich auf im Nass. Aber kein Rinnsal mehr, nur dieser Fleck. Ewig schnuppern wir an dem um festzustellen, ob ich nicht doch ins Bett gepinkelt habe. Bei diesen Schwangeren weiß mensch ja nie. Wieder verklebt, sagt die Hebamme. Also keine Flüssigkeiten bis in drei Wochen.
Dann bekommt der Porno Ausdruck three-way eine ganz neue Bedeutung. Heidewitzka. Keine Ahnung ob ich zuerst gekotzt habe oder es mir hinten rausgeronnen ist. Das sind definitiv die Momente, in denen du keinen Menschen mehr als den Partner und die Hebamme in deiner Umgebung dulden willst. Ich konnte mich kaum rühren, weil ich mit Kotzen so beschäftigt war. Diese kleinen nierenförmigen Tellerchen sind wohl der größte Witz dafür. Der Partner hält abwechselnd mehrere dieser Kotzteller, die Hebamme wischt hinten an mir rum. Ich habe keine Ahnung wie groß das Ausmaß der Entleerung ist, aber als die Fruchtblase dann aufgestochen wird, fühle ich mich ohnehin großflächig bepinkelt. Jetzt ist auch schon alles wurscht. Gott, und da soll jetzt auch noch ein Baby raus…
Und das Kind. Es ist ein Junge. Hurra. Er pinkelt in hohem Bogen beim kleinsten Lüftchen oder auch einfach so in der Gegend rum. Ich weiß nicht, wie oft ich kontaminiert wurde. Aber nichts gegen den Babyschissangriff. Wieso haben diese kleinen Pupser so ’nen Drall drauf? Polka dots in Gelb. Jetzt passend. Das Shirt zur Hose.

Teaserbild: (c) 欠我兩千塊 menstrual cramps via flickr CC BY 2.0

Beitrag erschienen in: Im Fluss

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