Editorial: des nächtens

In den letzten Wochen haben wir im Redaktionsteam viel getüftelt und uns Gedanken darüber gemacht, wie die umstandslos-Reise weitergehen soll. Dabei ist das Bedürfnis aufgekommen, Themen intensiver zu behandeln, länger bei einer Sache zu bleiben und sie von verschiedenen Richtungen zu beleuchten. Wir möchten deshalb von nun an zweimonatige Themenausgaben gestalten und freuen uns darüber, heute die erste Ausgabe mit dem Titel

Des Nächtens

zu beginnen.

Geht es um Feminismus und Nacht ist der erste Gedanke womöglich der an die Ankündigung „Wir erobern uns die Nacht zurück!“ Kommt dazu noch Mutterschaft ins Spiel ist der Kontext ein völlig anderer (Warum eigentlich, sollten sich Mütter* nicht auch die Nächte zurückerobern?). Oder ist das Bedürfnis, vor allem in den ersten Lebensjahren der Kinder, „Wir erobern uns den Schlaf zurück“ ein dringlicheres?

Schwangere (eines ersten Kindes) werden mit Aussagen wie dieser konfrontiert: „Schlaf noch ausreichend, denn bald ist es damit vorbei!“ Und wie fühlt es sich dann an, dieses dauernde Nicht-schlafen-Können (wenn es denn eintritt)? Was macht es mit uns? Wer von den Sorgetragenden darf wann schlafen und wer nicht? Anna Lisa wird uns von unzähligen schlaflosen Nächten mit schreiendem Baby auf dem Arm und Wut im Bauch berichten. Von gut gemeinten Ratschlägen und gescheiterten Versuchen, doch mal ein paar Stunden zu schlafen, und was dann wirklich half.

Es gibt natürlich auch jede Menge mehr oder weniger brauchbare Ratgeber, die Eltern dabei unterstützen wollen, das Kindlein zum Schlafen zu bringen. Cornelias Ratschlag: Die verbliebene Zeit lieber mit vergnüglicherer Lektüre nutzen. Sie rezensiert für umstandslos „Schlaflos“ von Sarah Moss. In dem Buch kämpft die Historikerin Anna mit ihrem Alltag mit zwei Kindern, einem (Vögel beobachtenden und darum viel abwesenden) Mann und allerlei Geheimnisse, die das Leben auf einer einsamen schottischen Insel mit sich bringt.

Mit einem kleinen Baby im Haushalt ändert sich meist auch das Sexleben ihrer Eltern oder Bezugspersonen. Besonders nachts gibt es oft anderes zu tun: schlafen zum Beispiel, wenn die Gelegenheit günstig ist. Ganz gegensätzlich gestalten sich allerdings die Nächte derer, die unbedingt schwanger werden wollen – davon erzählt „Fucking for Schwangerschaft“, ein Beitrag einer Gastautorin.

Viele Menschen arbeiten nachts. Auch Eltern arbeiten nachts. Die Kinder in der Nacht zu versorgen ist ebenfalls Nachtbarbeit. Wie Nachtarbeit und Kinderhaben zusammengeht, was es mit der Geschichte des (österreichischen) Frauennachtarbeitsverbots auf sich hat und warum es Übernachtungskitas und Kindergärten geben soll, damit wird sich Antonia in einem Beitrag auseinandersetzen.

Auch Sexarbeit findet überwiegend in der Nacht statt. Deren Finsternis legt sprichwörtlich nicht nur den Tabumantel des Schweigens über Sexarbeiter*innen, sondern macht dadurch auch ihre Lebenssituation unsichtbar. Mutterschaft und Sexarbeit wird in unserer Gesellschaft gemeinhin als unvereinbar abgelehnt, soziale Absicherungen für schwangere Sexarbeiter*innen fehlen. Wir sprechen mit einer Sexarbeiterin über ihren Job, Stigmatisierung und Mutter-Sein.

Ein weiterer Beitrag auf den wir uns schon freuen kommt von Mareice vom Blog Kaiserinnenreich. Sie schreibt über die schwierigen Besonderheiten der Nächte in ihrer Familie und wie es ihr damit geht.

Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen dieser und weiterer Texte und freuen uns weiterhin über eure Kommentare zu den Beiträgen!

Anna Lisa, Antonia, Catherine und Cornelia

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2 Kommentare

  1. berit

    Oh ich bin über den Artikel mit Nachtarbeit gespannt, der betrifft uns nämlich auch

  2. Der Artikel hat mich bei Wendungen wie “fucking for Pregnancy” oder Nachtarbeit echt zum Schmunzeln gebracht 🙂 Auch wenn ich nicht zum engeren Zielpublikum gehöre freue ich ich auf humorvolle Beiträge!

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