Verliebt, verlobt, verheiratet

von Eva

Eine Zeit lang ist meine Tochter viel Seil gesprungen. Ihr Lieblings-Reim dazu: „Verliebt, verlobt, verheiratet. Wie viele Kinder willst du haben, eins, zwei, drei, vier, …!“ So lange, bis sie sich verhüpft hat. Ich finde Seilhüpfen ja eine feine Beschäftigung. Aber bei diesem Reim musste ich sie doch fragen, ob sie wirklich 20, 30, 40 Kinder will, wenn sie ‚mal groß ist (Sie hat beim Springen mit der Übung immer länger durchgehalten). Vom Verloben und Verheiraten ganz zu schweigen.

Kinder kriegen fand ich als Kind und Jugendiche völlig schrecklich. Am abschreckendsten war die Vorstellung, schwanger zu sein. Dazu: Was sollte ich mit kleinen Kindern anfangen? Mit denen kann man sich ja nicht ‚mal richtig unterhalten, das fängt doch frühestens in der Pubertät an. Noch dazu sind Kinder völlig uninteressant. Und erst die grauselige Vorstellung, dass ich einen Kinderwagen durch die Gegend schieben könnte. Völlig gegen mein Selbstbild.

Heiraten war auch nicht besser. In so einem kitschigen weißen Kleid einen Kirchengang langlaufen, nicht mit mir! Erst recht nicht, meinen eigenen Nachnamen hergeben. Verheiratet sein ist völlig spießig. Und erst, „mein Mann“ zu sagen! Eine Hochzeit brauche ich nicht als großen Liebesbeweis – ob ich und mein Partner zusammengehören oder nicht, ist doch unsere Privatsache. (Ich wusste ja nicht einmal, ob ich überhaupt in einer Beziehung leben wollte!)

Das habe ich alles einmal geglaubt.

 

Trotzdem, jetzt bin ich selbst verheiratet. Und habe zwar keine 20, aber immerhin zwei Kinder. Manchmal halte ich inne und frage mich, wie ich dazu nur gekommen bin. Und ich frage mich, wie mein Leben wäre, wenn ich mich an meine Pläne gehalten hätte …

Wie ich zu all dem gekommen bin, das ist völlig banal. Das mit den Kindern verdanke ich meinem Partner. Der wollte unbedingt welche – und ich habe mich überzeugen lassen. Nach einem Kind dachte ich, jetzt können wir auch gleich zwei haben. Noch eins mehr wäre schön, ist aber mit meiner Arbeit nicht zu vereinbaren. Heiraten war einfach praktisch für’s Sorgerecht, haben wir also auch noch gemacht (nur ohne Kirche oder Feier).

Meinen Namen habe ich behalten. Jetzt sitze ich daher hier und fühle mich genauso spießig, wie ich nie werden wollte.

Wenn meine Tochter ihre Hüpfspiele macht, gebe ich also bissige Kommentare ab, anstatt ihr zu gönnen, dass sie Heiraten und Kinder-Kriegen halt viel unverkrampfter sieht als ich früher. Und freue mich über die moderne Version des Reims, auf die sie manchmal hüpft: „Verliebt, verlobt, verheiratet. Ge-schie-den.“

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7 Kommentare

  1. pitz

    Hehe, die moderne Version ist sehr schön 🙂
    WIr sind einfach mit Schwangerschaftstest in der Hand (Witz) zum Jugendamt gegangen und haben sofort die Vaterschaft und das Sorgerecht geregelt. Vor der Ehe habe ich immer mehr Horror, je mehr ich sehe, wie andere Frauen in meinem Umfeld dadurch ausgenutzt werden. Das kann man und frau wirklich nur machen mit Leuten, die entweder sehr genderbewusst oder immer einer Meinung sind.

    • Neresi

      Das stimmt, aber das gilt für mich nicht nur für eine Ehe, sondern grundsätzlich für eine Beziehung…

      • pitz

        Ja, mein Kommentar war zu schnell geschossen. Ich wollte nur darauf hinaus, dass, um eine möglichst ungerechte Beziehung zu installieren, die Ehe und der oft damit assoziierte wirtschaftliche Effizienzgedanke immer noch ein geeignetes Instrument sein können. Und das mag ich daran nicht.

  2. Super! Mir ging es genau so! : )

  3. berit

    Ich finde es ehrlich gesagt genauso intolerant jemanden das traditionelle Familienbild kaputt zu reden, wie gegen jede andere Form des Zusammenlebens zu wettern, nur weil man es selber nicht nachvollziehen kann…

  4. Eva

    Danke fuer Eure Kommentare!
    @ pitz: Da mein Mann aus dem Ausland kommt, war es etwas aufwaendiger, Vaterschaft und Sorgerecht zu beantragen (zertifizierte Uebersetzungen von Urkunden etc.). Zum Heiraten – im Herkunftsland meines Mannes – brauchte ich dagegen nur meinen Reisepass. Trotzdem gute Frage, wie stark das Heiraten zu einer ungerechteren Rollen- und Arbeitsverteilung zwischen Ehepartnern beitraegt. Ich bin mir nicht sicher, ob bei uns ohne Trauschein in der Hinsicht etwas anders waere.

    @ berit: Du hast natuerlich Recht. Ich habe ein paar Freunde, denen es z.B. schwerfaellt anderen, die aus tiefer Ueberzeugung und mit grosser Feier heiraten, das zu goennen – und deren Einstellung geht mir gegen den Strich. Bei meiner Tochter ist die Gemengelage etwas anders: Eigentlich hat sie ziemlich coole berufliche Plaene (soweit man die mit 7 haben kann) und eine sagen wir mal ziemlich klischeefreie Vorstellung von ihrem Leben. Wenn so ein unschuldiger Huepfreim ihr dann rhytmisch das klassische Familienbild einhaemmert (versuch mal den Rhytmus des Reims vor deinem inneren Ohr zu hoeren), habe ich eben das Beduerfnis dagegenzuhalten. Denn das scheint mir ein klassischer Fall zu sein, in dem implizite Vorurteile und Einstellungen zementiert werden. Siehe http://med.stanford.edu/diversity/FAQ_REDE.html

  5. pitz

    @eva danke für deine antwort. klar, in dem fall ist es ja gar keine frage, da ist eine heirat sinnvoller als alles andere. ich denke, heirat verursacht keine ungerechtere behandlung, macht sie aber möglich, wo paare nicht darauf achten oder durch soziale konventionen a priori von einer ungleichbehandlung ausgehen. ich kenne aber auch mehrere sehr glücklich und zufriedene paare, die verheiratet sind und für die das wunderbar passt.

    nur in den letzten tagen … hatte ich hier so einen fall, in der sich eine frau regelrecht die butter vom brot nehmen lässt, sie ist fix und alle deswegen, ich auch, als ich das hörte. und nein, ich habe mich nicht vor diese frau hingestellt und gesagt, wie rückständig und unfair ich die rollenverteilung in diesem fall finde, sondern es einfach akzeptiert.

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