Titten raus. Stimmung?

Von Jeanna

Ich stille fast nie öffentlich. Mein Partner ist dagegen. Er fühlt sich unwohl, wenn ich meine Brust öffentlich entblöße. Ich versuche ihn zu überzeugen, dass daran nichts Schlimmes ist und dass ich und unser Kind darauf Recht haben. Er kann es aber noch nicht akzeptieren. Hoffentlich irgendwann passiert es doch.

Die Brust einer Frau ist in unserer Gesellschaft (und damit auch meine Brust) zu stark sexualisiert und tabuisiert. Facebook – der Spiegel der gegenwärtigen Kultur, hat z.B. bis vor Kurzem Fotos gelöscht, auf denen es Brustnippel von den Frauen, auch stillenden Frauen, zu sehen gab.

Als Teil des Elternpaares ist mein Partner nicht bereit dieses Tabu zu brechen, auch wenn ich selbst längst allen neugierigen bzW. missbilligenden Blicken gedanklich einen Stinkefinger zeige.

Nun ja. So ist die kleine Bilder-Kollektion entstanden, mit deren Hilfe ich “unseren Papa” versuche von seinen Komplexen bezüglich “unseres Stillens” zu befreien. Stillende Frauen waren schon immer ein Blickfang für die Künstler. Von Isis bis zu Madonna, die dem kleinen Jesus Brust gibt, war Laktation eines der archetypischen Bilder der gesamten Kunst- und Kulturgeschichte.

Was mich aber besonders freut, es gibt auch haufenweise Bilder, die nicht einfach Prozess des Stillens zeigen, sondern das sogenannte “öffentliche Stillen” darstellen

„Besuch bei den Armen und Kranken“ Jan Brueghel der Ältere (1597)

Abendmahlsversammlung in der Mormon-Kirche” (Illustration bei „Harper’s Weekly“, 1871)

Die Bezahlung der Schnitter“ von Léon-Augustin Lhermitte (1882)

Arbeiterinnen einer Zigarrenfabrik“ von Gonzalo Bilbao (1915)

Brot für den Front“ von Evgeni Schirokov (1967)

Wie man sieht, haben die MalerInnen die stillende Frauen dargestellt, die sich nicht verstecken müssten. Offensichtlich, war es etwas normales in der Zeit und in der Umgebung. Hoffentlich sind wir auch bald soweit. Facebook entfernt die Fotos mit den Frauen, die Ihre Brüste beim Stillen “zeigen”, nicht mehr. Und die berühmten Mütter wie Model Natalia Vodianova oder Schauspielerin Maggie Gyllenhaal posten gerne ihre Fotos, die sie beim Stillen abbilden. Ein gutes Zeichen.

 

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7 Kommentare

  1. Roixu

    „Er kann es nicht akzeptieren“?

    Aber es ist dein Körper!
    Und ich nehme an auch sein Kind welches hier mit Nahrung versorgt wird!
    Das ist jetzt verkürzt, aber AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHH!!

  2. Obst

    Um es mal christlich auszudrücken (denn in meinem Kopf könnten nur die Bigotten unter den Christen mein öffentliches Stillen kommentieren): Gott gab mir diese Brüste um damit mein Kind zu ernähren. Die Sexualisierung kommt erst mit der Sozialisation. Das eine (Stillen) muss doch auch ohne das andere (Sexy Brüste zeigen) möglich sein. Ich versteh auch diese Forderung nicht ‚diskret zu stillen‘- ich mümmel mein Essen doch auch nicht heimlich und hastig, sondern darf es genießen, dabei Pausen machen, Gespräche führen etc.

  3. Hast du es mal mit Stillshirts probiert? Oder mit einer Mullwindel zum Abdecken?
    Und mal so nebenbei, im Text kommt leider nicht heraus, was das für dich bedeutet, oder wie du wirklich dazu stehst. Ich zieh mich nämlich auch nicht gern aus, aber man kann ja wohl kaum nur zu Hause stillen. Da kommt man ja noch nicht mal zu einem Spaziergang.
    Und es gibt ja einige Lösungen:
    Stillkleidung
    Zu Hause Stillen, unterwegs die Flasche
    Stillen im Tragetuch
    und und und
    Abgesehen davon thematisierst du nicht, dass du und das Kind und nicht dein Partner entscheidet, wer wann wo und wie stillt. Was würde denn passieren, wenn du einfach machst, was du für richtig hältst?

  4. Entscheide, natürlich, am Endeffekt, ich. Aber meine Entscheidung war meistens „nicht öffentlich zu stillen“, weil mein Partner sich nicht wohl dabei fühlen würde. Nicht das er es mir verboten hat. Das könnte er auch nicht. Aber mir ist es auch wichtig, dass es ihm auch gut geht. Er kümmert sich um mein wohlbefinden auch, wenn ich ihn bitte etwas nicht zu tun, worauf er Recht hat, aber es mir unangenehm wäre.

    Mittlerweile stille ich nur noch in der Nacht, also, die Frage, ob es öffentlich gemacht wird, hat sich erledigt. Und das Kind war sowieso von Anfang an teilweise auch aus der Flasche ernährt, weil es ein Frühchen ist und es deswegen nicht einfach mit dem Stillen war. Eine Flasche für „Draußen“ war also auch kein großes Problem. Wenn der Kleine voll gestillt wäre, würde es vielleicht ein viel größeres Problem für uns Drei. (Tuch über die Brust und den Babykopf und Stillshirts gehen, leider, nicht. Aber meine Gründe dafür sind untypisch, deswegen schreibe ich darüber lieber nicht, weil der Text dann zu lang wird).

    Auf jeden Fall, mir ging es eher darum, Beispiele aus der Kunst zu sammeln, als eigenes Problem zu lösen, weil es nicht mehr aktuell für mich ist (Vielleicht aber wieder mal in der Zukunft).

    Danke für deine Antwort! 🙂

  5. nicht selten denke ich in diesen „öffentlich-stillen-diskussionen“ an die viel zu häufig ungewollt anzusehenden männer, die gerade an eine wand, in eine ecke, an einen baum, in den straßengraben (man führe diese liste beliebig weiter) PINKELN. und das öffentlich! und wer wird da angemotzt?

    ich weiß schon, dass das kein 1:1 vergleich ist, dennoch mag ich lieber mit meinen kindern durch die welt spazieren und ihnen erklären, dass diese frau da drüben ihren nackten busen deshalb zeigt, weil ihr baby die milch zum leben braucht.

    „und der mann da drüben?“ – ja , der mann da drüben, liebe kinder, der hat einen penis, ja, da habt ihr ganz recht. und nein, er sollte /darf hier nicht einfach so hinpinkeln…

  6. Stillen ist erwiesenermaßen gesund für ein Baby und seine Entwicklung. Ich habe meine Kinder lange gestillt. So, im Alltag würde ich nicht unbedingt meine Brust entblößen. Ich geh ja nicht einmal ohne Oberteil baden. Beim Stillen war mir das aber egal. Ich kann mich gut an einen Mann erinnern, der beim Entblößen erst gegrinst hat und dann sein Gesicht fast wie bei einem Ekelgefühl verzog, als ich das Baby trinken ließ. Das hat mich fast amüsiert. Brüste können ernähren, sexuell attraktiv sein, erogene Zone oder ein Kleid an entsprechender Stelle gut ausfüllen. Ich wüsste nicht, was dein Partner dagegen haben sollte. Eifersucht ist kein nachvollziehbares Motiv. Selbst wenn der Anblick einem Passanten gefallen sollte, könnte er anderweitig ebenso auf einen Po, in dein Gesicht, einen Ausschnitt oder so gucken. Kinder werden ohnehin zu oft als Störfaktor gesehen, wenn sie zu laut spielen oder etwa an einem öffentlichen Ort quängeln und weinen. In der Gesellschaft soll jeder Platz haben. Kinder, alte Leute… wer auch immer. Völlig verkehrt, wenn alles versteckt wird, was irgendwem gerade nicht passen könnte. Was dir und dem Baby passt, das passt.

  7. Deve

    Bis meine Kleine ca. 1,5 Jahre alt war hab ich überall gestillt: S-Bahn, Café, Meeting … Zwei oder dreimal gabs komische Blicke, aber meistens haben mich eher wildfremde Menschen (oft Frauen) angelächelt. Aber seither finde ich es schwieriger, weil die schrägen Blicke bei einem gestillten Kleinkind einfach zunehmen (oder bilde ich mir das nur ein?). Auch in der Kunst scheint es eher gestillte Säuglinge zu geben … Aber vielleicht ist das auch ok so, wenn die Kinder größer werden kann man ja auch Still-Regeln einführen (nur zu Hause etc.).

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