Früher

von Eva

Für diesen Artikel habe ich in meinen Fotokisten gekramt. Ich will etwas über die Zeit vor den Kindern schreiben, als ich noch häufig auf Reisen war: wandern, Freund_innen besuchen im In- und Ausland, zelten. Denn diese Zeit – nicht mein gegenwärtiges Leben – fällt mir ein, wenn ich “Hinaus. Welt und Umgebung erobern” lese.

Meine Fotokisten spiegeln das ganz akkurat wider: Die Fotos vor der ersten Geburt zeigen mich mit Freund_innen, beim Fußball, beim Wandern, beim Langlaufski, Hütten und Waldeinsamkeit, Parties und fremde Städte. Die Fotos ab der Geburt zeigen meine Kinder in verschiedenen Altersstufen, manchmal auf Besuch bei Freund_innen, meist zu Hause.
Ich kann gut im Alltagsbetrieb aufgehen. Arbeit, Kinder, Kinder, Arbeit. Zwischendurch was mit meinem Mann machen, Freund_innen treffen. Ich mache mir kaum Gedanken darüber, wie selten ich rauskomme. Ich habe nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Und ich fahre ja auch ab und zu auf Konferenzen oder mit den Kindern übers Wochenende weg. Aber das ist nicht die Art Rauskommen, die ich meine.

Was ich meine, ist die Freiheit, spontan ein Wochenende wandern gehen zu können. Oder beschließen zu können, diese Nacht mal im Wald zu schlafen. Mit meinen Freund_innen für eine Woche zelten zu gehen, ohne vorher genau zu wissen, wo wir landen werden. Eine Nacht durchzufeiern und -zusingen, ohne Gedanken daran, wie ich den nächsten Tag überstehen werde. Dieses Gefühl, völlig ungebunden zu sein, keiner_m Rechenschaft zu schulden, einfach aufbrechen zu können.

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Einmal waren wir in der Sächsischen Schweiz wandern und haben jede Nacht unter freiem Himmel oder unter einem Felsüberhang geschlafen. In der letzten Nacht schauten wir aus unserer Felsspalte hinaus über die Elbe in ein wahnsinniges Gewitter. Das Regenrauschen, die Blitze am Himmel. Einmal habe ich zur Sommersonnenwende mit einer Freundin im Wald übernachtet. Wir haben Schafskäse mit Knoblauch im Feuer gebacken. Einmal war ich mit Freund_innen im Harz wandern. An einem kleinen Bach, an dem wir entlangliefen, haben wir sogar Feuersalamander entdeckt. Dann sind da einige Nächte, die auf Pfadfinderlagern – nach ausuferndem Trinken und Singen am Lagerfeuer – damit endeten, dass ich zu Gitarrenmusik auf den Tischen getanzt habe. Und der verschneite Februarmorgen in den Vogesen, als wir unter einem Wasserfall duschen gingen.

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Das war jetzt leider sehr nostalgisch. Aber eine meiner größten Einbußen als arbeitende Mutter, noch dazu ohne Auto, ist es eben, dass ich nicht mehr so frei wie früher losziehen kann, um meine Umgebung und den Rest der Welt zu erkunden.

 

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2 Kommentare

  1. Ach ja, wie wahr. Teilweise geht das ja theoretisch sogar, wenn man die Aktivitäten etwas anpasst – wandern mit dem Kind in der Trage, ein Campingwochenende am Meer mit Babyphone, fremde Städte mit Reisebett in der Ferienwohnung (dafür ohne Erkundung des Nachtlebens). Aber du hast so recht: diese spontane Freiheit, die du beschreibst, die ist gerade futsch. Aller durchgeplant, und die freien Ecken sind kleiner geworden.

    Meine große Hoffnung: einen Camping-Bus ergattern. Oder darauf warten, dass die Kinder so groß sind, dass sie mal ein Wochenende alleine zu Hause überstehen.

  2. Kaho

    Ohja… diese Gefühl kenne ich gut. Wie frei erscheinen mir die wenigen Tage im Jahr, da die Kinder bei den Großeltern sind und wir als Eltern einfach spontan die Woche/das Wochenende leben können. Da erscheint selbst ein Arbeitstag so viel ungeplanter und freier, als wenn schon morgens klar ist, wann ich zurückkommen muss, alle Termina danach richte, abends die Alltagsroutinen mit den Kindern warten. Ein herrliches Gefühl, abends aufwendig zu kochen und erst spät zu essen, vielleicht danach spontan noch ins Kino. Das Leben mit Kindern ist schön, auch mit ihnen kann man eine Menge erleben, aber dieser kleine Wermutstropfen bleibt….

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