Ein Netzwerktreffen für feministische Sorgetragende organisieren

Von Ina

Auf meinem Blog und auf Twitter sprach ich schon des öfteren davon, dass ich mir mehr Kontakt zu feministischen Eltern* und anderen Care-Arbeit-Leistenden in der Region wünsche. Ich habe das Gefühl online ganz gut eingebettet zu sein, aber manchmal wünsche ich mir durchaus auch Spielplatzgespräche mit gleich oder ähnlich gesinnten Menschen.

Als das diesjährige Ladyfest in Heidelberg in meine timeline schwappte, dachte ich, dass sei doch ein guter Ort, um endlich mal zu einem öffentlichen Treffen einzuladen. Ich schrieb den Veranstaltenden. Die fanden meine Idee gut und so bekamen wir einen Termin und einen Ort für ein Netzwerktreffen feministischer Sorgetragender.

Am vergangenen Freitag war es dann soweit und wir hatten eine kleine Gesprächsrunde, haben uns über die Aspekte von Feminismus und Elternschaft ausgetauscht und sind mit ein paar Emailadressen mehr nach Hause gegangen.

Die Atmosphäre auf dem Ladyfest war sehr angenehm, wir hatten Platz im Hof es gab Spielzeug und ein Planschbecken für die Kinder, Schatten und Getränke sowie eine anschließende Vokü. Das sind natürlich erst mal ideale Bedingungen die meistens eher nicht so zu finden sind.

Da ich weiß, dass ich nicht die einzige bin, die sich mehr feministischen Kontakt in Ihrer Region wünscht und dass die Kontakte, die mensch so über Institutionen und Spielplätze macht, nicht immer der politischen Wunschvorstellung entsprechen folgt hier eine Anleitung für Netzwerktreffen. Da ich ein Ladyfest als Ressource hatte, die ja aber nicht immer und überall stattfinden folgt eine Anleitung wie eine Veranstaltung von Grund auf geplant werden könnte:

1. Der Zweck
Ich war sehr vage in meinem Zweck eher so wie „andere Eltern* aus der Region kennen lernen“ das war prinzipiell okay aber vielleicht hast du ja genauere Vorstellungen. Die solltest du kurz festhalten, weil sich deine weitere Planung daran orientiert.

2. Die Zielgruppe
Wen möchtest du einladen und wen nicht? Möchtest du nur Mütter* treffen? Oder alle Eltern*? Oder überhaupt Sorgetragende*? Liegt der Schwerpunkt auf Feminismus*? Sollen erst mal nur Menschen kommen die dir (über Ecken) schon bekannt sind? Mit oder ohne Kinder? Mit vorheriger Anmeldung? Sich darüber im Klaren zu sein, wer auf deiner Veranstaltung willkommen ist (und wer nicht) ist sowohl wichtig für die Auswahl des Ortes (haben alle Zugang?), als auch für die Werbung. Und natürlich für eine angenehme Veranstaltung.

3. Ort und Termin
Einen Ort zu finden, der sich für öffentlich beworbene Treffen eignet, kann ziemlich schwierig sein. Tatsächlich sind meine bisherigen Anläufe, ein Treffen zu organisieren daran gescheitert, dass ich in der Stadt in der ich lebe, keinen geeigneten Ort kannte. Aus vorherigen Veranstaltungsplanungen weiß ich aber, dass es meist mehr Möglichkeiten gibt als einer auf Anhieb einfallen:
– öffentliche Orte wie Cafes, Kneipen, Biergärten. Gibt es einen Ort, wo Du dich eh gerne triffst? Ist er gut zugänglich? Frag doch die Betreiber_innen, ob du einen großen Tisch reservieren kannst und es für sie okay ist, wenn du öffentlich dahin einlädst. Vorsicht: Konsumzwang kann für Menschen eine Barriere sein, an Treffen teilzunehmen.
– Spielplätze oder Parks mit Bänken oder Sitzecken, vielleicht gibt es in deiner Nähe ja gute Spielplätze/Parks mit einer Ecke, in der mensch sich auch unterhalten kann. Hat den Nachteil, dass es wetterabhängig ist.
– Gibt es feministische Räume in deiner Stadt? Ein Feministisches Referat an der Uni? Ein FLTI_*-Zentrum? Oder auch nur Gruppen die sich als Feministisch verstehen? Wo treffen die sich? Kannst du sie nach Orten fragen?
– Gibt es ein Nachbarschafts- , ein Soziales- oder ein Kulturzentrum in deiner Nähe? Häufig sind solche Orte gerne bereit, dir einen Raum für einen Nachmittag zur Verfügung zu stellen oder haben ein Cafe, das mensch nutzen kann. Frag einfach mal nach, manche wollen Miete für Ihre Räume, andere nicht.
– Sonstige Institutionen, die häufig Räume besitzen und die Mensch fragen könnte: Parteien, Gewerkschaften, Kirchengemeinden, Sozial- und Umweltverbände. Ich habe in der Vergangenheit gute Erfahrungen damit gemacht, Frauen*gruppen in solchen Institutionen anzusprechen. Wenn es um ein feministisches Treffen geht, sollten sie vielleicht politisch nicht zu weit davon weg sein.
Wichtig bei der Wahl des Ortes ist es, vorher zu überprüfen ob alle Menschen, die du einladen willst auch Zugang haben oder ob es Zugangsbegrenzungen gibt. Das können offensichtliche sein ( in manchen FLTI_* Räumen sind Cis-Männer nicht willkommen du solltest dahin also auch keine CisVäter einladen), welche die sich aus der Struktur des Ortes ergeben (Geld bezahlen um irgendwo sein zu dürfen, ist nicht für alle möglich, verrauchte Räume, enge Räume können ein Problem sein, sind die Orte Barriere-arm, also auch mit Rolli und Kinderwagen zu erreichen?) Außerdem solltest du überprüfen, ob Wickelmöglichkeiten, und die Möglichkeit warmes Wasser zuzubereiten usw. vorhanden sind, wenn du mit kleinen Kindern rechnest.
Beim Termin kannst du erst mal danach wählen, was dir passt, und wann der Ort verfügbar ist. Es macht Sinn, Termine so zu legen dass sie nicht in den gängigen Arbeitszeiten liegen, Termine, die einen Babysitting erfordern würden, können eine Hürde darstellen.

4. Werbung
Ein Ort ist gefunden, jetzt sollen ja auch Menschen kommen, dafür brauchst du a) einen Text in dem steht was das für eine Veranstaltung ist und b) Kanäle um diese Botschaft auch an die Menschen zu bringen, die du treffen möchtest.
a) wichtige Informationen für deine Zielgruppe sind: Was findest statt? Wann und wo? In welchem Rahmen? Muss mensch sich anmelden? Und wer ist eingeladen? Beispiele für Einladungen zu feministischen Eltern*/Mütter*treffen kannst du hier  finden oder hier  du solltest außerdem einen Rückkanal angeben (z.B. Email) falls jemand fragen hat oder du um eine Anmeldung gebeten hast.
b) mögliche Kanäle um andere von deiner Veranstaltung wissen zu lassen: online: hast du einen facebook, google+, twitter, einen blog? Super, das sind gute Orte um dein Thema zu streuen. Bitte Menschen, mit denen du vernetzt bist, den Termin mit zu verbreiten. Wenn du dich nicht so in sozialen Netzwerken auskennst, kannst du vielleicht jemanden fragen der das tut? Wenn du Menschen aus der Region kennst die eine große Reichweite haben, sprich sie an. Frag insbesondere Menschen/Gruppen mit ähnlichem Schwerpunkt ob sie deinen Termin über ihre (Email)Verteiler schicken können oder auf ihrem Blog/ihrer Website veröffentlichen wollen. Außerdem gibt es für fast jede Gegend umfangreiche öffentliche Onlineterminkalender mit oder ohne politischen Schwerpunkt, die deinen Termin eintragen, wenn du ihnen eine Mail schickst. Offline: Flyer oder Plakate an wichtigen Orten für Eltern z.B. Kinderspielplätze, Cafes, Familienbildungszentren, Sportvereine, Betreuungseinrichtungen und an deinem Veranstaltungsort usw. können Sinn machen. Ein Flyer mit allen wichtigen Informationen lässt sich auch mit einem Textverarbeitungsprogramm (z.B: Openoffice oder Word) erstellen. Wichtig ist, dass das Thema auf den ersten Blick erkennbar ist und die Informationen aus a) draufstehen. Viele Lokalzeitungen haben einen Terminteil oder auch kurze Veranstaltungshinweise. Meist genügt eine kurze Mail an die Redaktion, um aufgenommen zu werden.

5. Die Vorbereitung
Der Termin und Ort stehen, du hast fleißig Werbung gemacht und die Veranstaltung rückt näher, Zeit mit der konkreten Vorbereitung zu beginnen. Wie die aussieht, hängt mal wieder stark von deinen Vorstellungen ab.
Solltest du um Anmeldungen gebeten haben, macht es Sinn diese zu bestätigen. Wenn du einen Raum gebucht hast, solltest du auch hier noch mal nachfragen ob alles klar geht. Wie sieht die Ausstattung vor Ort aus? Brauchst du etwas wie eine Tafel, weil du Ideen sammeln möchtest? Willst du eine Liste vorbereiten, auf der sich die Teilnehmenden eintragen können für einen Emailverteiler? Hast du irgendwelches Material, das du verteilen möchtest (z.B. webadressen, onlineressourcen)? Du solltest eine Möglichkeit für Namensschilder bedenken, wenn du viele Menschen erwartest, die sich nicht kennen (Kreppband und Filzstifte haben sich hierfür bewährt).
Auch ist es nun an der Zeit, dir Regeln für die Veranstaltung zu überlegen. Gibt es Verhalten, das du auf keinen Fall möchtest? (z.B. Diskriminierendes Verhalten, dominantes Redeverhalten usw.) Wie schreitest du ein? Kann dich jemand dabei unterstützen? Wie machst du die Regeln auf der Veranstaltung allen klar? Willst du eine Vorstellungsrunde machen? Welche Informationen wünschst du dir dann von den Menschen? Brauchst du eine Redeliste?
Kannst du jemanden bitten, auf jeden Fall mit dir dort zu sein? Fühlst du dich gut mit den Planungen oder brauchst du noch etwas dafür?

6. Die Veranstaltung
Der Tag ist da und ich hoffe, du hast die Menschen erreicht, die du dir gewünscht hast. Vielleicht möchtest du noch kurz etwas sagen: zu den Regeln, dem Raum, dem Zweck, dem zeitlichen Rahmen oder dem Ablauf? Vielleicht willst du auch eine Vorstellungsrunde eröffnen. Wenn das Treffen eher zum lockeren Kennen lernen und quatschen ist und weniger zum strukturiert diskutieren, macht es Sinn, Dinge wie einen möglichen Emailverteiler oder ein erneutes Treffen am Anfang anzukündigen bzw. darauf hinzuweisen, dass dies später noch mal aufgegriffen wird. So können sich Menschen, die früher gehen schon mal an dich wenden.

Ich hoffe du hast viel Spaß beim Netzwerken und lernst tolle neue Menschen kennen.

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2 Kommentare

  1. Pingback: Feministisches ABC. Dritter Streich. | umstandslos.

  2. Oh, klasse, ich habe ans ladyfest geschrieben, nachdem es stattgefunden hat, weil ich nach schon exestierenden gruppen suche, bzw, nach einer art anleitung um einen realen ort zum austausch und für gemeinsame aktivitäten suchte, sie emfahlen mir ein paar blogs und selbst einen zu schreiben.
    Danke für diesen artikel, schade, dass sie nicht auf Euch verwiesen haben.
    Wie war denn nun das treffen?
    Loovis

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