Kein Witz: Die beste Schote der Welt

von Pitz van Zuck

Es gibt wenige Dinge auf der Welt, die uneingeschränkt gut sind. Liebe? Erdrückt die eine und geht bei der anderen ins Leere. Sonnenschein? Den haben viele Verdurstende als letztes verflucht, bevor sie ohnmächtig wurden. Eierkuchen? Sind meistens viel zu dick. Aber eine Sache fällt mir ein, die durch und durch gut ist, bodenständig und trotzdem shakespearhaft neckisch, eine Sache, die noch
jeden an sie gerichteten Wunsch erfüllt hat: Vanillezucker.

Früher gab es Vanillezucker von Rotplombe – ein zweideutiges Hoch! auf die Erfinderin dieses Markennamens. Später kam der Vanillezucker, jetzt ausdifferenziert nach Geldbeutel, aus Quakenbrück oder Bielefeld. Das Prinzip Papiertütchen-um-Chemiearoma-herum blieb gleich, in der Westpackung war mehr Zucker drin. (Das Ganze scheint paradigmatisch für die West-Transition
der DDR zu sein). So oder so, ich liebte es, das Papier aufzureißen, das scharfe Aroma, das die Zunge biss, darüber die Süße des Zuckers am Firmament meines Gaumens, der Staub an der Innenwand des Papiers. Mit Vanillezucker im Mund hörte ich auf, vollständige Sätze zu bilden.

Aber all das ist nichts im Vergleich zu selbstgemachtem V.Z. Die Farbe ist dunkler, schwermütiger als das falsche Weiß des Synthetikzuckers, die kleinen, schwarzen Punkte geben dem Anblick Würze. Sie zeichnen ein Bild vom Sternenhimmel mit vertauschten Farben: auf dem hellen Hintergrund finden sich dunkle Vanillesternbilder, neu und nie gesehen, und mit jedem Schütteln
des Glases wälze ich das Universum um.

Der Geruch ist groß und füllt den Rachenraum aus. Wo der Laborzucker den Geschmack von süß und scharf mischt, verbindet dieser Zucker hier Herbheit mit Süße. Er schmeckt nicht quietschepartysuperfröhlichyeah, sondern erdig, ernst und ruhig.

Und so wird er hergestellt:

Frau nehme eine Vanilleschote auf ein mittelgroßes Glas Zucker. Hier ist es sinnvoll, Zucker mit wenig Eigengeschmack auszuwählen. Die Schote der Länge nach aufsäbeln und alles Mark von Anfang bis Ende herauskratzen. Mit einem Löffel das Mark in den Zucker drücken, reiben, einmassieren, bis die kleinen Kügelchen sich vereinzelt haben und sich an die systematische Behandlung nicht mehr erinnern können. Ein letzter Atemzug über dem geöffneten Glas. Das ganze
gut verschlossen eine Weile durchziehen lassen, dann doch schon eher rausholen, genießen!

 

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Fotos: (c) privat

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Ein Kommentar

  1. frausiebensachen

    (das chemiezeug heißt vanillinzucker, denn nur wo echte vanille drin ist, darf auch vanille draufstehn.) *klugscheißmodus aus*

    und ja, vanillezucker ist ein gedicht!

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