Expertinnenrat zu „Vertrauensfrage(n)“

Maria hat sich vor 2 Wochen Vertrauensfrage(n) im Spannungsfeld von Schulsystem, Eltern, Kind(ern) und LehrerInnen gestellt. Hier folgt der Rat von Veronika Lippert, Obfrau des Vereins Elternwerkstatt. Sie bietet Konfliktmanagement in Schulklassen an und ist zertifizerte Elterntrainerin und Ausbildnerin. Außerdem leitet sie Seminare im schulisch-pädagogischen Bereich.

Liebe besorgte Mutter,
Wie gut kann ich Ihre Bedenken nachvollziehen und wie gut kann ich mich an meine Schulzeit erinnern. Bei der Einschreibung in die Volksschule unserer Kinder sollten wir die Frage beantworten: „Wie ist es ihnen gegangen in der Schule?“ Uff – da saß ich lange.
Da ich als Konfliktlöserin mit unserem Hund in vielen unterschiedlichen Schulen in Wien unterwegs bin, habe ich einen kleinen Überblick über den Schulalltag unserer Kinder.

Vorweg muss ich sagen, dass sich in den letzten zwei Jahren wirklich viel getan hat, besonders im Volksschulbereich und viele junge, engagierte LehrerInnen, neue gute Ideen einbringen. Solange der emotionale Aspekt, sprich Klassengemeinschaft, Wertschätzung und Beziehung nicht nur unter den SchülerInnen sondern auch zwischen LehrerInnen und SchülerInnen passen, steht auch der dann gern erbrachten Leistung nichts im Weg.
Heute trauen sich viel zu viele Erwachsene nicht ihre Gefühle und die des anderen zu zeigen oder anzusprechen. Stehen diese Gefühle im Weg – ist die Bahn nicht frei für die kognitive Arbeit – dies haben sie bereits in den skandinavischen Ländern erkannt und in ihrem Schulsystem integriert.
Wir hatten das Glück und haben für unsere Kinder eine Schule gewählt, die sehr viel von diesem  skandinavischen System übernommen haben – dadurch habe ich auch meine eigene Schulangst schlussendlich doch noch besiegt!
Ich denke, wir als Eltern können nur das was wir sehen – das Gefühl, das wir bei unseren Kindern erkennen – ansprechen und ihnen signalisieren – wir verstehen euch – Emotion abholen.  Auch die Kommunikation zu den LehrerInnen ist enorm wichtig – den Lehrkörper ins Boot holen – in unserer Schule wird das sogenannte KEL -Gespräch geführt. Kind – Eltern – LehrerIn – davor gibt es einen Feedbackbogen für  die Kindern, da können sie sich selbst einschätzen – dann dürfen sie in respektvoller Art und Weise – auch der Lehrkraft Feedback geben. Natürlich gehört hier Vertrauen, Mut und eine angemessene, wertfreie Kommunikation dazu – und dies lernen unserer Kinder auch zu hause.

Ebenfalls wird gelernt Kritik zu nehmen, aber auch zu geben, so, dass das Gegenüber es annehmen kann.
Sie merken, das Schulsystem  ist auch für mich ein spannendes Thema und ich könnte noch einige Seiten hier füllen.
Welche Möglichkeiten bleiben Ihnen? Begleiten Sie ihr Kind, zeigen Sie ihm – ich bin da – auch wenn Du im Moment es nicht in Anspruch nehmen willst.  Sprechen Sie die Emotion an, die Wut, das Verletztsein und die Enttäuschung – das sind sogenannte Türöffner und dann hören sie zu –  einfach zuhören – so wie Momo aus Michael Endes Buch Momo!
Oft ergeben sich neue Aspekte, die man zuvor gar nicht gesehen hat!
Ich stehe Ihnen gerne zur Verfügung.
Jedes mal, wenn mein Sohn von der Schule, er ist der Jüngste, heimkommt und ich frage ihn: „Wie war´s?“ und er sagt mir “Cool, Mama“ dann fällt mir jedes mal aufs  Neue ein Stein vom Herzen.
Schule kann auch Spaß machen – nur leider braucht unser System noch – bis es das erkennt! – damit der Preis nicht zu hoch ist – denke ich, ist es wichtig Kindern zu zeigen, wie toll es ist etwas zu wissen – die Neugierde zu wecken – und da sind wir als Eltern gefragt – und hoffentlich bald flächendeckend in Zusammenarbeit mit der Schule.

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Ein Kommentar

  1. pitz

    Hm, ich finde, dieser Standpunkt ist zu sehr auf Konsens, Konstruktivität und Gespräch aller miteinander ausgerichtet. Bei einem bereits frustrierten Kind und einer frustrierten Mutter kann der Imperativ zum Konsens doch erstmal nur heißen: kommt der anderen Partei ein Stück entgegen, versöhnt alle Streitpunkte. In Marias Lage würde mich das nur noch wütender machen, zumal der Konsens auch gut dazu benutzt werden kann, Kritikpunkte unter den Teppich zu kehren. Ich denke, es können nicht alle Konflikte gelöst werden und es ist auch ok, dass ein Kind das erfährt. Dafür muss es einen Raum und Abstand zur Schule geben.

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