Umstandsloser Lesestoff

Wir wurden von kleinerdrei getaggt (danke!) und greifen dieses Blogstöckchen gerne auf. Rezensionen der anderen Art sind gefragt. Nun erzählen wir hier ausnahmweise nicht, warum ihr Bücher auf- oder zuklappen sollt, sondern warum wir vorhaben, diese Bücher 2014 erstmals aufzuschlagen.

von Sus

 franziska_linkerhand

Reimann Brigitte, Franziska Linkerhand. Aufbau Verlag 1974

Um Franziska Linkerhand schleiche ich schon seit mehreren Jahren herum. Es gehört zu den Büchern, die hier geradezu in der Luft liegen, die dazugehören zu etwas wildem, ernstem Namenlosen, das ich auch haben will. Also liegt das Franziskabuch wieder oben auf dem Nachttisch, wo es schon zwei Mal lag: einmal in meinem Leben war ich dafür noch zu grün hinter den Ohren, oder zu aufgeregt (wegen Männern), einmal zu müde (wegen Kindern). Mittlerweile sollte mich beides nicht mehr hindern, ein gutes Buch zu lesen. Ich bin gespannt auf Brigitte Reimanns Sprache und darauf, wie sie die DDR zeigt, auf trübes Laternenlicht, Produktion, Kritik. Wie Reimann ihre Coolness umsetzt – und welche Grenzen sie nicht überschreitet. Ich habe mir 2nd hand (was in unserer Rechtshänderinnenkultur ja quasi auch linkerhand ist) eine gebundene Ausgabe gekauft. Und ich denke, ich werde mit meiner Freundin K. über den Text reden können. Andere fallen mir leider nicht für einen Austausch ein. Deswegen: Leute, lest Linkerhand!

von Martina

 SOLOMON

Andrew Solomon, Weit vom Stamm. Wenn Kinder ganz anders als ihre Eltern sind. 1999 by Cooper Square Publishers (Aus dem Amerikanischen von Henning Dedekind und Antoinette Gittinger und Enrico Heinemann und Ursula Held) S. Fischer, 2013

Solomon hat Eltern von Kindern interviewt, die sich „anders“ entwickeln. Er gehe dabei der Frage nach, wie die Eltern mit dieser Spannung zwischen Fremdheit, die in der anderen, also untypischen und von den Eltern unerwarteten / belasteten  Entwicklung liegt, und der Liebe zum Kind umgehen. Im Untertitel steht: Parents, Children, and the search for identity. Es geht um ganz unterschiedlich „andere“ Kinder, z.B. das, das kriminell geworden ist oder das Kind, das schizophren wurde.
Ich finde es spannend, da ich die Herausforderung, sich als Familie zu verstehen,  hier ins Extreme gesteigert sehe: und da es Einzelfälle sind, die er beschreibt  (so glaube ich jedenfalls….),  erwarte ich Anregungen, keine Prinzipien.

von Maria

rock_she_wrote

Evelyn McDonnell, Ann Powers. Rock she Wrote. Women Write About Rock, Pop, and Rap. 1999 by Cooper Square Publishers.

Hurrah Musik! Wer mich schon ein bisschen kennt weiß, dass meine erste große Liebe die Musik war, ungefähr so: http://tape.tv/vid/7548
Mit zunehmender Awareness, gerade was Feminismus anging wurde diese Liebe komplizierter und kam das letzte Jahr, retrospektive, viel zu kurz. Wie sehr ich sie wirklich vermisste fiel mir aber erst auf als ich im Januar anfing wieder für sie zu arbeiten. Gleichzeitig fehlte mir nun allerdings Zeit, die für mich relativ neu gewonnene Sprache über die weiße, patriarchale, sexistische Gesellschaft auf die Musikbranche anzuwenden und meine Gedanken dazu weiter auszuführen, bzw. tiefer in das Thema einzusteigen. Um das zu ändern liegen auf meinem Bücherstapel (& stehen auf meiner Einkaufsliste) für diesen Sommer eine ganze Menge Bücher über Musik(er_innen). Und auch wenn nicht alle etwas mit Frauen* undoder Feminismus zu tun haben, steht „Rock She Wrote“ doch exemplarisch für das Thema meines Sommer-/Herbst- & Winterstapels…

von Eva

intention

G.E.M. Anscombe, Intention. (Erschienen 2000 bei Harvard University Press, Wiederabdruck der 2. Auflage von 1963)

Elizabeth Anscombe, Autorin von Intention (zu Deutsch: Absicht), ist eine von wenigen extrem einflussreichen Philosophinnen des 20. Jahrhunderts im angelsächsischen Raum. Sie gilt mehr oder weniger als Erfinderin der gegenwärtigen philosophischen Handlungstheorie. Intention ist ihr Hauptwerk. Grund genug, es zu lesen, finde ich.

Das Buch ist schön dünn und, wie die Werke von Anscombes Lehrer Ludwig Wittgenstein, in kurze Paragraphen gegliedert. Hört sich an, als wäre das bestimmt gut lesbar? Naja, die philosophische Community ist sich uneins, wer von beiden schwerer zu verstehen ist, Wittgenstein oder Anscombe.

Inhaltlich versucht Anscombe klarzukriegen, was genau denn Absichten sind, die hinter unseren Handlungen stehen. Sie meint anscheinend, dass wir, ohne Absichten zu verstehen, Handlungen nicht verstehen können, und ohne Handlungen zu verstehen, gar nicht sinnvoll Ethik und Moralphilosophie betreiben können (wo’s ja um unsere Praxis geht, Handlungen als richtig oder falsch zu beurteilen). Weitere Details könnte ich hier nur aus zweiter Hand präsentieren, ich habe das Buch selbst erst angelesen, daher werde ich nun zum Inhalt schweigen.

Anscombe ist 2001 gestorben. Sie war ihren Nachrufen zufolge eine ziemlich meinungsstarke und generell abgefahrene Person, überzeugte Katholikin und Gegnerin der Verhütung zum Beispiel. Sie war eine von wenigen, die sich in Oxford öffentlich gegen die Verleihung eines Ehrengrades an Harry S Truman stellten, da er für die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki verantwortlich war. Nachrufe mit weiteren Anekdoten gibt es z.B. hier und hier.

von Antonia

verführungen

Marlene Streeruwitz, Verführungen. S. Fischer, 1996

Verführungen ist der Depütroman von Marlene Streeruwitz und ich habe ihn nicht gelesen. Das ist ausreichend Begründung für ein Lesevorhaben, das schon lange auf meiner Liste steht. Ich mag Streeruwitz‘ Sprache, diese kurzen abgehackten Sätze, der Rhytmus der daraus entsteht und ihre Inhalte in Kombination mit diesem Nicht-Erzählen. Und dennoch habe ich bisher nicht hineingefunden in den Text, habe das Buch schon einmal auf einem längeren Urlaub durch die Gegend getragen, ohne einen Anfang zu finden.

Vielleicht bin ich ja diesen Sommer bereit für die Welt von Marlene 30, die mit 2 Kindern und einer Schwiegermutter in Wien lebt und deren Frühjahr bis Herbst 1989 Grundlage des Textes sind. Und wenn nicht, dann wird das Buch noch ein paar weitere Jahre auf mich warten. Es ist auch gut Bücher vor sich zu haben.

Wir werfen das Blogstöckchen einfach mal in die Runde unserer Leser_innen und freuen uns über Geschichten zu euren Lesevorhaben dieses Jahr in den Kommentaren (bzw. in euren Blogs+Link)!

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2 Kommentare

  1. KaHo

    Ich will unbedingt Wolkenfern von Joanna Bator lesen. Das Buch ist quasi die Fortsetzung ihres Romans Sandberg. Beide Bücher der Autorin spielen im polnischen Walbrzych, in Schlesien und sind, auch oder vor allem, Bücher über 3 starke Frauengenerationen in Polen. Die Frauen in diesen beiden Büchern sind es, die das Leben organisieren, während die Männer arbeiten, fernsehen, trinken, sterben… Ich habe Sandberg verschlungen und will nun gleich im Anschluss auch Wolkenfern lesen. Bators Stil gefällt mir unglaublich gut, wunderbar ins Deutsche übersetzt von Esther Kinsky.

  2. Bei mir stapeln sich die Bücher leider. Oder zum Glück? (so hab ich auch etwas von der langen Vorfreude) Aus einem Spleen heraus lese ich die Bücher (meistens) in der Reihenfolge, in der ich sie abgelegt habe. Auf eines im Stapel (das übernächste) freue ich mich schon besonders: „Warum das Kind in der Polenta kocht“ von Aglaja Veteranyi. Ich habe es von einer lieben Freundin geschenkt bekommen. Es ist ein autobiographischer Roman aus Sicht eines Kindes einer rumänischen Artistenfamilie.

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