Was, wenn Halbe-Halbe keine Option ist?

von Eva

Vor zwei Monaten hat Antonia einen interessanten Artikel über die Aufteilung von Haus- und Kinderarbeit in Hetero-Beziehungen mit kleinen Kindern geschrieben. Ich stimme einigen ihrer Gedankengänge zu. Die Aufgabenaufteilung in der Familie ist ein wichtiges feministisches Thema: Hier könnte frau im Alltag gleiche Rechte und Pflichten zwischen Männern und Frauen durchsetzen, veraltete Rollenzuschreibungen in der Praxis außer Kraft setzen. Im selben Zuge könnte sie ihren Kindern eine Frauenrolle vorleben, die sie selbst gutheißt. Das ist leichter gesagt als getan, denn Männer und Frauen sind in dieser Frage keine gleichberechtigten Verhandlungspartner_innen. Es geht vermutlich nicht nur mir so, dass gute Vorsätze zur Gleichverteilung der Haus- und Kinderarbeit oft versacken, in Aushandlungen mit dem Partner schwer durchzusetzen sind. Angesichts dessen sind konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Gleichverteilung eine gute Sache.

Trotzdem lässt mich der Artikel unbefriedigt zurück, vor allem, da Antonias zentraler Vorschlag – Halbe-Halbe zu machen – auf meine Situation nicht so recht passt. Ich arbeite voll, mein Mann nur halb. Ich kann nur schwer auf Teilzeit reduzieren, sowohl aus finanziellen Gründen als auch aus Gründen meiner beruflichen Perspektiven. Eine einfache Halbe-Halbe-Rechnung kann es daher für uns auch bei der Haus- und Kinderarbeit nicht sein. Bleibt die schwere Frage, wie wir dann gerecht diese Arbeit aufteilen können.

Wie sollen wir unseren ungleichen Zeitaufwand für Lohnarbeit beim Aushandeln unserer Hausarbeitsteilung gewichten? Eine simple, zum Halbe-Halbe analoge Antwort passt mir nicht, nämlich dass mein Partner doppelt soviel Zeit auf Haus-/Kinderarbeit verwenden soll wie ich, zweimal soviel Zeit mit den Kindern verbringen wie ich, doppelt soviel Wäsche waschen und Zimmer aufräumen. Gerade bei der Kinderzeit will ich das gar nicht! Ich sehe meine beiden Kinder unter der Woche nur in den Abendstunden und freue mich, dass ich am Wochenende viel Zeit mit ihnen verbringen und schöne Dinge unternehmen kann, egal, ob sich das mit der Gleichverteilung der Kinderarbeit beißt. Auf der anderen Seite die Hausarbeit. Während ich arbeite, arbeitet mein Mann ebenfalls, oder er kümmert sich um die Kinder. Wäre es wirklich fair, von ihm zu verlangen, dass er während seiner Zeit allein mit den Kindern gleichzeitig mit vollem Einsatz den Haushalt schmeißt? Ich bin mir nicht sicher.

Was wir vielleicht besser aufrechnen könnten, ist die Freizeit, die uns beiden bleibt. Sollte nicht jede_r von uns genau gleich viel Zeit zur freien Verfügung haben, nachdem alle Kinder- und Hausarbeit erledigt ist? Wenn wir danach rechnen, enttäusche ich meine feministischen Idealvorstellungen. Denn während meine routinemäßige Freizeit sich auf die Abende beschränkt, ist mein Mann darüber hinaus meistens mit einem Vormittag und einem Nachmittag (kinder)freier Zeit pro Woche dabei (minus der Hausarbeit, die er während dessen leistet). Andererseits steckt er für meine Karrierepläne zurück und kann sich auf eine viel geringere Rente einstellen als ich; sollte unsere Beziehung scheitern, steht er finanziell schlecht da, ich nicht. Vielleicht ist da ein Mehr an Freizeit zum Ausgleich gerechtfertigt?

Ich bin also eher ratlos, wie exakt eine gerechte Arbeitsverteilung zwischen meinem Partner und mir auszusehen hätte. Unsere gelebte Arbeitsteilung ist zumindest nicht völlig unausgewogen. Wo sie funktioniert, verdankt sie das – hier bin ich, glaube ich, wieder auf einer Linie mit Antonia – klaren Zuweisungen von Aufgabenbereichen (im Sinne von: er ist für’s Wohnzimmer zuständig, ich für die Küche). Insgesamt ist mein Eindruck trotzdem, dass ich mehr als meinen fairen Anteil an Hausarbeit leiste. Dabei  bin ich mir nicht einmal sicher, wie sehr ich meinem Eindruck vertrauen kann, da ich ja keine präzise Vorstellung von einer fairen Aufteilung habe.

Vielleicht kindisch, aber regelmäßig ärgert mich dieser Gedanke: Wenn ich der Mann wäre und er die Frau, mit den dazugehörigen traditionellen Rollenzuschreibungen, würde ich mich bestimmt öfter und einfacher auf die faule Haut legen können. Ich ziehe aus diesem Gedanken selten die Konsequenz, verstärkt für eine gerechtere Aufteilung zwischen uns zu kämpfen. Häufiger empfinde ich eine lähmende doppelte Frustration: Zwischen (1) einem schwer abzustreifenden traditionellen Frauenbild, das mich (vermutlich) mehr Hausarbeit leisten lässt als ich fairerweise leisten sollte, und (2) meinen feministischen Idealen, die mehr Einsatz für eine gerechte Aufgabenteilung von mir verlangen als ich Lust und Kraft habe zu leisten.

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13 Kommentare

  1. Berit

    Hallo Eva, eine interessante Konstellation, ist bei mir ähnlich. Mein Mann geht 30 und ich 40h. Dadurch, dass wir den Hausputz immer zusammen machen, ist das denke ich ganz gut aufgeteilt, aber mal gucken wie das wird, wenn das Baby da ist.

    Wie sieht das ganze denn eigentlich dein Mann?

  2. Eva

    Hi Berit, mein Mann ist ideologisch einer Meinung mit mir, faire Aufteilung ist richtig etc., er hat auch, soweit erkennbar, keinerlei Probleme damit, dass er mehr zu Hause ist als ich. Er meint halt (wie ich oben geschrieben habe), dass sein Geldausfall und Verzicht auf Karriere durch mehr Freizeit kompensiert werden sollte. Ich glaube, er schätzt es nicht so ein, dass ich bedeutend mehr als mehr als meinen fairen Anteil Hausarbeit mache, oder er bedeutend weniger. Und wie gesagt finde ich das auch schwer zu sagen, wie genau die Aufteilung sein sollte. Ganz klassisch ist er viel besser darin als ich, dreckiges Geschirr, unordentliche Kinderzimmer oder schmutzige Wäscheberge auszublenden – wenn das mal nicht auch auf traditionelle Männer-/Frauenrollen zurückgeht.

  3. ich glaube, das problem mit halbe-halbe ist, dass das ganze, das es zu teilen gilt, nicht nur von familie zu familie/paar zu paar unterschiedlich ist, sondern dass es auch schwer zu fassen ist. was macht dieses ganze aus!? geschirrspüler-ausräumen ist zB sichtbare arbeit, was ist aber mit kinder-schuhkauf und arzt/ärztin-termin im kopf haben und und und? und was, wenn der „karriereverzicht“ keiner ist und eigentlich beide lieber weniger arbeiten würden (aber das nur mit dem einen gehalt geht). das mit dem mehr an freizeit finde ich nicht ganz nachvollziehbar. weil: die arbeit ist ja gleich viel? also, der_die eine füllt sie mit lohnarbeit und der_die andere mit kinderbetreuung (und lohnarbeit). wegen der ungleichen pensionsansprüche finde ich, dass der_die mehrarbeitende unbedingt geld für die private vorsorge des_der anderen aufkommen sollte … zumindest in der theorie … in der praxis wird hier verdrängt. beispielmodelle wären super, gibts aber meines wissens keine ..?

    • Berit

      Das mit der privaten Vorsorge ist eine klasse Idee, werde ich für mich auch im Hinterkopf behalten.

      @Eva: Ich würde dir jetzt so gern etwas raten oder irgendwas Schlaues sagen, aber bei mir bleibt immer nur der Eindruck, dass je bewusster frau Feministin ist, desto „strenger“ geht sie mit ihrer Beziehung ins Gericht (à la Auge um Auge, Zahn um Zahn) und desto mehr erwartet sie, das automatisch vom Partner kommt.

      Ich für mich gucke jetzt gar nicht so genau, wer was macht, sondern schaue eher nur das nicht zuviel an mir kleben bleibt, da meine Erziehung ganz klassisch „Frau macht den Haushalt, Mann das Grundstück“ geprägt war und ich oftmals denke, dass ich vieles machen MUSS. Das ist natürlich Quatsch, aber ich habe auch festgestellt, das mein Mann einige Sachen einfach nicht sieht, also wenn es irgendwo unordentlich oder dreckig ist. Wenn ich ihn aber darum bitte den Geschirrspüler auszuräumen/die Wäsche abzunehmen/überall mal durchzusaugen bevor ich von der Arbeit heim komme, dann macht er das auch ohne Murren, weil er es ebenso als selbstverständlich ansieht, das er seinen Teil zu unserem kleinen Haushalt beitragen muss.

      So. Und nun komme ich mir wieder vor als ob ich einen Text à la „Ich mache es richtig und so musst du es auch machen“ geschrieben habe. Sollte dies so rüberkommen, dann entschuldige ich mich bereits jetzt.

  4. Eva

    Danke noch fuer Eure Kommentare. Eine Sache, die ziemlich schwer zu verbuchen ist und die bei uns zu allergroessten Teilen mein Job ist, ist das den-Ueberblick-behalten. Welche Kinder-Arzttermine stehen als naechstes an, mit welchen Freunden sollten die Kinder sich mal wieder treffen, wann war nochmal die Steuererklaerung, wie viele saubere Socken hat die Tochter noch, … Das Kuemmern darum laesst sich teilweise an meinen Mann delegieren, aber dass er mal von selber die Initiative ergreift, ist nicht zu haben.

    • Berit

      Und wenn ihr zumindest für die terminlichen Sachen einen großen Wandkalendar o.ä. anlegt und den einmal pro Woche/Monat/je nach bedarf durchgeht?

  5. Birte

    Als ich letztens mal wieder vor meinem Mann eine „Wer-macht-was-Rechnung“ aufstellen wollte, sagte er: „Wir sind so ein kompliziertes und fragiles Gebäude, da bringt einem so eine Rechnung nicht weiter 8im Gegenteil) – ist es nicht das Wichtigste, dass unser Alltag einfach funktioniert und wir Hand-in-Hand arbeiten?“ Und er hat so recht damit. Ich habe aufgehört diese Rechnungen aufzustellen, denn es kommt nicht darauf an, ob er die Geschirrspülmaschine ausgeräumt hat oder ich Abendbrot gemacht habe. Es kommt darauf an, dass es getan wurde. Und wenn der eine nicht mehr kann oder Freizeit braucht, dann bekommt er die. In keiner guten Beziehung würde man sich doch auf die faule Haut legen, wenn der andere noch Berge von Arbeit vor sich hätte. Aber auch niemand würde einem die Pause verwehren, wenn man sie wirklich braucht, oder?

    • ich finde schon, dass es einen unterschied macht, wer den geschirrspüler ausräumt oder das abendbrot macht. zumindest wenn sich herauskristallisiert, dass es immer dieselbe person ist. insofern lege ich mich durchaus „auf die faule haut“, auch wenn mein freund noch „berge von arbeit“ (seines anteils an der hausarbeit hat) – und er macht es umgekehrt natürlich ebenso. es gibt natürlich immer ausnahmezeiten, zu denen es wichtig ist, sich gegenseitig den rücken freizuhalten – es ist aber immer auch definitionssache, wessen arbeit wie stressig und schwerwiegend und erholungsgerechtfertig gilt. und allzu oft herrscht da eben eine schieflage (zuungunsten der frau, besonders wenn sie zB den hauptteil der kinderbetreuungsarbeit trägt).

  6. st

    Da bei uns auf Hausarbeit keiner Lust hat und Freizeit ohnehin knapp bemessen ist, haben wir eine Putzfrau engagiert. Beste Lösung.

    • dabei sollte nicht vergessen werden, dass das eine sehr privilegierte lösung ist, und unter welchen bedingungen sie für die person, die dann putzt stattfindet bzw. auch was das für die umverteilung der hausarbeit zwischen den geschlechtern bedeutet, oft nämlich wird die putzarbeit von den männern zugekauft (stichwort: er will nicht putzen und bezahlt dafür die reinigungskraft) und somit wieder an frauen abgetreten.

    • susann

      Läuft bei uns auch so. Wir zahlen sie abwechselnd, und für uns passt das gut (für sie auch, glaube ich, nachdem wir mehr zahlen, als in der Gegend üblich). Hausarbeit ist ja nichts Sakrosanktes – wenn man die outsourcen will und kann, nur zu! Es macht einen nicht zu einem besseren Menschen, wenn man wöchentlich mit dem Partner streitet, wer mit dem Geschirrspülerausräumen dran ist….

  7. liebe eva, danke für deinen text, er hat mich wiederum zum nachdenken gebracht! ich habe mir schon beim schreiben meines „halbe-halbe“ textes gedacht, dass es unfassbar schwierig ist, etwas darüber zu sagen, ohne in diese „mach das so, dann ist es besonders feministisch/emanzipiert/richtig was auch immer“ falle zu tappen.
    das mit dem halbe-halbe ist nicht so einfach, wie ich es vielleicht (wenn auch nicht absichtlich) hingestellt habe, fast nicht zu vergleichen und möglicherweise auch nicht für alle so ideal, wie dein beispiel auch zeigt. die strukturen dieser arbeitswelt geben uns nicht so viel spielraum, es müssen viele kompromisse gefunden werden. dennoch beobachte ich in meinem umfeld immer wieder, dass es z.B. einfach nicht zur debatte steht, dass männer auch ihre arbeitszeit zugunsten der familienarbeit reduzieren. dass es nicht einmal angedacht wird, von den männern im job gar nicht eingebracht wird. („in seiner position geht das nicht“). und das sind häufig ziemlich gut situierte menschen, die aus meiner sicht in guten/sicheren jobs sind und nicht viel zu befürchten haben, wenn sie das wenigstens mal fordern und natürlich auch umsetzen würden. wer soll für arbeitszeitverkürzung kämpfen, wenn nicht die? für menschen in prekären unsicheren arbeitsverhältnissen ist es ja noch schwieriger.
    mich beschäftigt in dieser hinsicht auch immer noch die frage, wie mensch mit der unterschiedlichen entlohnung von arbeit umgehen soll. denn auch wenn z.b. mann und frau gleich viel erwerbsarbeiten, aber der männliche teil dieser beziehung wesentlich mehr geld für diese arbeit bekommt – wie wirkt sich das auf das zusammenleben aus?

  8. Pingback: Feministisches ABC. Zweiter Streich | umstandslos.

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