Bitte melde dich!

von Eva

 

Meine älteste Kindheitsfreundin verzweifelt an mir. Sie wohnt am anderen Ende der Republik. Sie ist viel beschäftigt, hat allerdings, anders als ich, keine Kinder. Anders als ich, ist sie ziemlich gut darin, Kontakt zu halten. Alle paar Monate ruft sie an und hält mich auf dem Laufenden über ihr Leben. Ich freue mich über ihre Anrufe. Ich finde es wichtig, mit alten Freunden in Verbindung zu bleiben. Aber ich kriege es einfach nicht hin, mich ebenso regelmäßig zu melden – ich rufe vielleicht zwei Mal im Jahr bei ihr an. Sie fragt mich, ob mir nichts an unserer Freundschaft liegt. Sie ist genervt, weil immer sie ran muss, obwohl eine Freundschaft doch auf Gegenseitigkeit beruhen sollte. Ich finde, sie hat Recht.

 

Nach einem vollen Arbeitstag und kurzen Stunden mit meinen Kindern bin ich abends oft völlig antriebslos. Am Wochenende ist es nicht viel besser: Den ganzen Tag Kinderprogramm, abends k.o. Manchmal raffe ich mich auf, noch Ordnung zu machen oder Organisatorisches zu erledigen. Ab und zu treffe ich mich mit Freunden. Meistens versacke ich mit meinem Partner vor dem Fernseher oder lese einen Roman. Ich habe das starke Bedürfnis nach unverplanter Zeit, über die ich völlig frei bestimmen kann. Dazu kommt, dass Telefonieren als Selbstzweck nicht mehr meine Sache ist, anders als früher, wo ich Stunden am Telefon verbringen konnte. Meine Freundin ist enttäuscht, dass hinter Kindern und Arbeit bei mir alte Freundschaften so zurückstecken müssen.

 

Was tun? Ich habe schon vergeblich versucht, mich durch Telefontermine im Kalender zu motivieren. Der moralische Druck ist sowieso extrem hoch, da lässt sich nichts mehr drehen. Im E-Mailen bin ich auch nicht eifriger als am Telefon. Ich erwäge nun, meine Freundin besuchen zu fahren, aber mit sechs bis sieben Stunden Zugfahrt ist das nicht regelmäßig drin. Ich bin ratlos. Falls also von Euch eine/r einen guten Tipp hat, bitte her damit!

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11 Kommentare

  1. Liebe Eva,

    zu deiner Frage, was tun, um Lebenszeichen an alte Freunde zu senden, und damit ein kurzes „ich denk an dich“ und „wie geht es dir“ ist es ziemlich praktisch, wenn man etwas regelmäßig ein paar ausgewählte Fotos an eben diese Freunde / bekannte/ Verwandte schickt.

    Ich schicke einfach ab und zu (wie ich selbst grade lust habe) ein paar Fotos per e Mail an ein paar liebe Freunde, von denen ich weiß dass sie die Bilder niemals missbrauchen würden und ins netz stellen. Meine (Lieblings-)Tante die noch nicht online ist versorge ich ab und zu (dennoch auch viel zu selten) mit ausgedruckten Fotos. Ja meine Briefe sind knapp, aber kommen von herzen. Und ich denke das wissen die Lieben Empfänger auch. Zumal ich zur Zeit faktisch wegen langer Erkrankung meines Mannes alleinerziehend bin, was auch noch mal eine große Doppelbelastung bedeutet. Dennoch merke und weiß ich wie wichtig mir die Kontakte sind.

    Fotos bedeuten auch einen richtigen Einblick in dein Leben. und deine Freundin wird sehen, wie präsent dein Kind(er) in deinem Leben und Alltag sind. So wird sie wahrscheinlich etwas mehr auf deine Situation eingehen können.

    Lg Kerstin

    _____

  2. Oh, das kenne ich nur zu gut. Meine sozielen Kontakte sind auch der „Vereinbarkeit“ zum Opfer gefallen. Man denkt „och, wenigstens telefonieren ist ja noch drin“ aber man will ja auch vernünftige Gespräche führen und nicht, müde nach einem langen vollen Tag, nur rumjammern.

    Mit einer Freundin haben wir nun den Deal, dass wir jeden Montag telefonieren, ich nenne sie auch die Montagsfreundin. Erst war es „mühsam“, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt und nun ist es ein fester Bestandteil. Es sind meist Gespräche von einer halben Stunde, manchmal aber auch kürzer oder länger. Aber wir haben auch das Gefühl, dass wir uns wieder näher stehen und das Verständnis auf/für beide(n) Seiten ist wieder gewachsen. Das hilft.

    Ansonsten: Erklären. Genau wie du es hier auch erklärt hast.

  3. oh, da hab ich auch mal was zu gebloggt… wenn ich am rechner sitze such ich das mal raus. hab aber glücklicherweise seeeehr verständnisvolle freund_innen

  4. Tina

    Das Problem kenne ich auch. Der moralische Druck wird bei mir auch noch verstärkt von den Gedanken: „Wenn du dich so lange nicht gemeldet hast, dann muss das nächste Mal aber um so länger/ besser werden.“
    Wenn die eigenen Ansprüche so hoch gesteckt werden, geht dann natürlich gar nichts mehr.
    Gelöst habe ich das Problem für mich noch nicht, aber feste Termine helfen mir.
    Nicht unbedingt ein Termin im Kalender der drohend immer näher rückt, aber im Sinne von sich Zeiten freiräumen und einplanen für genau solche Sachen. Also zum Beispiel eine Stunde in der Woche an der verschiedene Freunde/ Verwandte/ Leute mit denen man Kontakt halten will angerufen werden/ Emails geschrieben und so weiter.
    So kann man den Termin auch mal ausfallen lassen, wenn eine andere Verabredung ansteht (solange das nicht regelmäßig passiert 😉 ). Und wenn man mal keine Lust auf Telefonate hat, dann schreibt man halt ne Menge Mails.
    Dadurch, dass der Termin aber lange feststeht, stehe ich dann nicht vor dem Problem, dass ich darauf „warte“ das irgendwann mal Zeit und Lust zusammenkommen.

    Wichtig für mich ist es bei solchen Änderungen zu berücksichtigen, dass es sehr lange dauert bis eine solche Routine in Fleisch und Blut übergeht und gefühlt einfach von selbst läuft.
    Ich stelle mich dann darauf ein und kann kleine Motivationslöcher besser überbrücken und gebe dann auch nicht gleich auf, wenn es mal nicht gut läuft und ich einige Termine ausfallen lasse.

  5. Pingback: Was ich mache, wenn das Kind im Bett ist | cloudette

  6. Das Problem ist mir auch bekannt. Ich habe es „gelöst“, dass ich jedes Mal, wenn ich an eine solche Freundin denke, gleich direkt ein SMS („ich habe an Dich gedacht, wie geht es Dir?“) losschicke. So ein „drankenkerlein“ ist zwar nicht ideal, aber etwas mehr als gar nichts.

  7. Miss S.

    Für mich liegt die Lösung in Messenger-Tools wie Whatsapp oder Threema oder Facebook Messenger. (Je nach eigenem Bedürfnis wählbar)
    Gerade in Zeiten, in denen ich es nicht schaffe, viel zu telefonieren oder lange Mails zu schreiben, schicke ich öfter eine kleine Nachricht: ein Foto, das zeigt: so sah mein Tag grade aus, ich hab an dich gedacht.
    Und das macht einen Unterschied.
    Das überbrückt die Zeit zwischen den Telefonaten (alle sechs bis acht Wochen oder so) und die andere merkt, was im eigenen Leben los ist und fühlt sich auch nicht so vergessen.

  8. Liebe Eva, ich versuch mich da momentan auch mit SMS. Hab mir vorgenommen, jeden Tag nach dem Mittagessen einer anderen Freundin eine SMS zu schreiben, zumindest mal zum Nachfragen wie es geht. Meist verschiebt sich dann das SMS und es wird ein anderes Telefonat mit einer andren Freundin draus 🙂 Aber zumindest passiert was.

  9. frausiebensachen

    tja… das keine-kraft-zum-kontakthalten-haben kenn ich auch zu gut. ich bin dann sehr froh, daß es menschen gibt, die einen langen atem haben und diese durststrecken aushalten, im besten fall, weil es ihnen genauso geht.
    so richtige tips hab ich allerdings keine. ich hab mir vorgenommen, einmal die woche ein längeres telefonat am abend zu führen, um sozialkontakte aufrechtzuerhalten und mir gut zu tun (denn gut tut es dann ja doch).

  10. Eva

    Ihr Lieben, vielen Dank schonmal für die vielen Tipps! Gerade die Idee Bilder zu verschicken, leuchtet mir ein. Beim Lesen fällt mir auf, dass ein Teil meines Problem mit besagter Freundin ist, dass ich mittlerweile so ein schlechtes Gewissen ihr gegenüber habe, dass mir das die Lust vermiest, mich bei ihr zu melden.

  11. Pingback: Expertinnenrat zu “Bitte melde dich!” | umstandslos.

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