Feiern?

von Catherine

 

auf dem Speicher liegt ein Holztäfelchen. Darauf geschrieben steht „Der lieben Mutter zum Muttertag“. Geschickt hat es des Mannes Opa seiner Frau. Von der Ostfront. 1942.

Meine Mutter hat immer gearbeitet und mein Vater, ein sogenannter 68er, hat uns als Kinder gelehrt, die Muttertagsgeschenke, die wir in Schule oder Kindergarten für sie gebastelt haben, nicht zu verschenken. Weil Die Mutter übernimmt ihre mütterlichen Pflichten ja nicht.  (Ich weiß. Supertyp!)

Das ist für mich Muttertag. Naziideologie, auf deren Rücken Leute zu süße herzförmige Pralinen und liebliche rosa Rosen verkaufen wollen. Ich mag das nicht feiern.  Und ihr?

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15 Kommentare

  1. soenne

    Muttertag ist ein bisschen wie Valentinstag für mich: Die Idee dahinter ist schön, die Beschränkung auf einen Tag seltsam, die Kommerzialisierung unerträglich. Mit den Nazis hat das alles aber übrigens eher weniger zu tun. Sie haben den Tag nur für sich instrumentalisiert. Wie so vieles…

    • ich weiß. Also die Nazis. Aber für mich ist es dadurch dennoch ausreichend kontaminiert, man kann die ideologische Aufladung ja nicht einfach wegdenken, also ich nicht.

  2. Berit

    Nischt is. Ich glaube meiner Mama würde es das Herz brechen, wenn ich sie an dem Tag nicht anrufe. Ich habe schon als Kind immer den Frühstückstisch dann gedeckt.

    • ich feiere meine mutter gerne. als jugendliche sind eine freundin und ich immer frühmorgens aus unseren daheims geschlichen und haben blumensträuße für unsere mütter gepflückt – von den wiesen und benachbarten gärten. das war aufregend und wir fühlten uns rebellisch. ich bin aber nicht nur tochter, sondern eben auch mutter und also solche passe ich nicht auf die andere seite eines muttertag-traras. absurd auch die vorstellung, vom vater des kindes blumen und einen dank „zum muttertag“ zu bekommen. eher gänsehaut. … solange diese schieflage zwischen mutter-und-vatertag herrscht, solange an diesen beiden tagen geschlechterstereotype gefeiert werden, solange dieses gönnerhafte „lass‘ dich heute verwöhnen“ zelebriert wird und solange es für mütter das frühstück nur am muttertag serviert gibt, solange fühlt sich der tag viel zu falsch an, als dass ich mich damit als mutter angesprochen fühle(n will).

      • Berit

        Wer seine Mama auch nur an Muttertag verwöhnt, bei dem läuft sowieso einiges falsch. Den Muttertag als solches deswegen zu verteufeln, finde ich genauso dämlich wie jedes Jahr darüber zu lamentieren wie kommerzialisiert Weihnachten doch geworden ist. Jeden Tierchen sein Plaisirchen…

    • hm, naja, aber weihnachten ist halt auch kein mensch – und muttertag referiert eben schon auf solche und verteilt auch ganz schön viel ideologie

  3. Ursprünglich war ein Muttertag als Aufruf zum globalen Frieden gedacht:

    http://ofradix.net/2014/05/11/muttertag-und-was-dahinter-steckt/

    Doch leider hat sich diese Idee nicht gegen die kommerziellen Heucheleien und Geschäftigkeiten durchgesetzt.

  4. Sowohl meine Mutter als auch mein Vater lehnen/lehnten diese kommerzialisierten Tage & die Ideologie & die Stereotypen dahinter ab. Meine Mutter und ich reißen seit langem nur böse Witze darüber und heute drohte sie mich zu beißen, wenn ich „Muttertag“ nochmal erwähne 😉

  5. Eva

    Also ich nehm’s sportlich: Wann kriegt ich sonst schonmal, ohne was dafuer getan zu haben, schoene Karten vom Kind und Geschenke vom Mann? Ich revanchiere mich dann auch am Vatertag…

  6. pitz

    für mich als ungebildetes ostkind, was heißt denn denn: „Die Mutter übernimmt ihre mütterlichen Pflichten ja nicht“?
    ich bekomme von den kindern was geschenkt, ja, aber es bedeutet mir nichts. ich kenne diesen feiertag erst seit ein paar jahren. genauso könnte jemand von mir verlangen, dass ich purzelschnurzel oder den heiligen bimbaschi verehre, indem ich bei der floristin um die ecke kartäusernelken kaufe – wäre mir ähnlich fremd. ich genieße diese fremdheit.

    • meine mama hat erst studiert und dann gearbeitet, auch weiter weg, und war meist von 7 bis 19 uhr oder später weg. Für meinen Bruder und mich war das kein Ding. Meine Mutter hatte ein schlechtes Gewissen deswegen und mein Vater fand es scheisse, obwohl er das so natürlich nicht gesagt hat, dass u.a. viel familienarbeit an ihm hängengeblieben ist (oder er das so wahrgenommen hat). Deswegen hat er uns den Muttertag madig geredet, klassische Geschlechterrollen propagiert, wo er ja offiziell links war. und weil meine Mama selbst so unsicher war, hat bei uns zu Hause keine Aneignung des Muttertags stattgefunden. Ich kann deswegen nichts mit ihm anfangen, diesem Tag. Wie war das in der DDR? Gab es da ein Äquivalent zu Mutter-/Vatertag oder nüscht?
      Und Nelken sind immer gut zu haben, an Muttertag oder einfach so.

      • pitz

        Achso, verstehe. Ich hatte erst gedacht, das sei ein offizielles Schlagwort oder so gewesen.

        Soweit ich weiß, wurde der Muttertag in der DDR nicht groß begangen. Privat vielleicht schon, aber eben nicht offiziell. Es gab den 8. März und sonst nur Feiertage, die sich um Staat oder Klasse drehten (Staatsgründung, Tag der Arbeit, Tag der NVA). Kindertag am 1.6. wurde recht groß gefeiert, was ich immer ganz nett fand. Aber ich erinnere mich freilich auch nicht so wie eine Erwachsene.
        In der Familie feierten wir unsere Geburtstage und ein säkulares Weihnachtsfest, manchmal den Kindertag. Bis heute bin ich eine regelrechte Feiertagsidiotin und kann die kirchlichen Feiertage so gut wie nicht auseinanderhalten. Dafür kann ich keinen Strauß Nelken kaufen ohne inneren ideologischen Grabenkampf.

  7. Ich hab lang hin und her überlegt, wie ich den Muttertag denn finden soll, wenn ich dann selber Muttertag „habe“. Nun ist es soweit und nix is passiert. Bis auf eines, ich dachte an eine feministische Aneignung des Tages, in dem wir uns selber feiern und zwar dafür, dass wir genau die Mütter sind, die wir sein wollen und nicht, was irgendwer von uns gern hätte. Insofern fallen dann Muttertagsgeschenke durch den Rost, aber wär ein guter Anlass für ein Sektfrühstück oder Ähnliches mit gleichgesinnten Frauen – für Solidarität und Nazi-Komerz-Haushaltsdings einfach einstampfen. Stolz sein, auf das was wir geschafft haben und zuversichtlich sein auf das was noch kommt – in dieser Rolle des einen Elternteils, dem von außen mehr Verantwortung für „das Gelingen“ eines Menschen zugeschrieben wird, als dem andren.

  8. Wir haben es generell nicht so mit ritualisierten Geschenken. Blumen und Pralinen gehen immer.
    Und wenns schon ein fester Tag sein muss: der 8. März passt besser zu uns. Auch unsere Töchter müssen noch um Brot und Rose streiten, das ist noch lange nicht Schnee von gestern.

  9. Carla

    Für mich ist der Muttertag verlogen.

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