Entscheidung zwischen den Fronten – Arbeit vs. Familie?

von Katja

Was du arbeitest schon wieder 30 Stunden? Ja, und wer schaut dann auf J.? – Der Papa, der ist ja in Karenz. – Aber das ist schon viel. – Ja, aber was soll ich denn zu Hause tun, der Vater ist ja in Karenz? – Hm, stimmt eigentlich.
Vermisst du dein Kind gar nicht in der Arbeit? Ich bin derweil zu Hause.  Ich mach zu Hause KarriereIch hab mich für die Familie entschieden, Mein Job war eh nicht so super, ich muss mich momentan eh nicht selbstverwirklichen.

Berufliches Telefonat mit Diensthandy zu Hause. J. macht im Hintergrund Brabbelgeräusche. Aus dem Telefon höre ich: Solche Momente sind ja so viel wichtiger.
WTF? Wenn ich mir diese Aussagen so im Hirn zergehen lasse, dann implizieren sie für mich vor allem eines: Kinder sind das Allerwichtigste, Arbeit hat mit Selbstverwirklichung, Kindesvernachlässigung oder Karriere zu tun. Und ich muss mich ja sicher total überwinden, um nicht ständig meinem Kind nachzuweinen, das daheim von seinem Vater ja sicher nicht so toll betreut werden kann wie von mir. Weil klar, ich bin ja die Mutter.

Es ist ok. Alle die zu Hause bleiben, die eine Wahl haben, die sich entscheiden können weil sie diesen finanziellen Balance-Akt hinbekommen: Gerne. Nur bitte nicht dafür rechtfertigen. Niemand sollte sich rechtfertigen müssen. Nicht die berufstätigen Mütter, nicht die nicht-berufstätigen Mütter. Abgesehen davon, befinden sich Arbeit und Familie auf zwei absolut unterschiedlichen Ebenen, meiner Meinung. Natürlich überkreuzen sie sich, beeinflussen sich. Aber wenn wir von einer Entscheidung ZWISCHEN Arbeit und Familie ausgehen, dann läuft was falsch.

 
Familie: Die hab ich immer. Mein ganzes Leben lang werde ich Elternteil sein, lang nach meiner Pensionierung noch werde ich vermutlich hin und wieder „Muttertier“ sein, wenn mein Kind längst selbst um die 70 Jahre alt ist. Bricht sich jemand das Bein, stürzt jemand vom Baum, liegt jemand auf der Intensiv oder hat unglaublich schlechte Nachrichten bekommen, werde ich die Arbeit liegen lassen und zu Partner, Kind, Geschwister, Eltern – wem auch immer eilen. Das ist gar keine Frage.

Arbeit/Berufstätigkeit: Wenn wir nicht alle autarke SelbstversorgerInnen sind und uns mit Tauschkreisen durchwurschteln, sind wir auf die bezahlte Arbeit angewiesen, um uns das Dach über den Kopf, Heizung, Strom, Wasser und Nahrungsmittel leisten zu können. Die Jobs, die wir dafür ausüben sind unterschiedlich, variieren unser Leben lang. Irgendwann lassen wir sie dann hinter uns, wenn uns der Staat für unsere Mühen (hoffentlich) gebührend entlohnt. Es gibt Kriterien, für die mensch entlohnt wird – Zeit, Produkt, was auch immer. Es gibt klare Strukturen, Verträge, Gewerkschaften, MitarbeiterInnengespräche, etc. und kündigen kann mensch auch, oder die ArbeitgeberInnen verklagen.
Ich mag das nicht. Dieses ständige auf- und abwägen zwischen Arbeit und Familie. Es nervt mich so sehr, dass ich diesen Artikel schon ewig vor mir herschiebe, ihn immer wieder umschreibe. Eigentlich sollte es nicht notwendig sein, mich entschuldigen zu müssen, mir ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen, weil ich meine Arbeit mag und gleichermaßen für das Familieneinkommen zuständig bin. Da gibt es keine Entscheidung für oder gegen Familie. Abgesehen davon, finde ich, dass bei dieser künstlichen Dichotomie ein paar für mich wesentliche Punkte ausgelassen werden:

Familie ist nicht nur das eigene Kind. Wir sind alle Teil von Familienbeziehungen, egal ob wir Nachkommen zeugen, hüten und pflegen, oder ob wir „nur“ Geschwister, Kinder, Enkelkinder oder Nichten und Neffen sind. Und PartnerInnen obendrein noch. Ich finde es sehr seltsam, wenn suggeriert wird, dass die einzige Beziehung, die wirklich wichtig ist, die von Eltern zu Kindern ist. Gleichzeitig beobachte ich immer wieder, wie Geschwister negiert werden, Eltern für vertrottelt erklärt und Verwandtschaft kann mensch sich eben nicht aussuchen. Natürlich mag es für all diese ungelungenen Beziehungen Gründe geben, aber wir sind auch Teil von ihnen, wir gestalten sie ebenfalls mit. Diese Beziehungen sind es genauso wert, dass mensch ein bisschen Zeit, Liebe und Respekt darin investiert.
Familie ist nicht der beste Ort fürs Kind. Zumindest nicht automatisch. Wären alle Mütter „naturgegeben“ großartig, bräuchte es keine anderen Personen, die sie in Pflege nehmen. Kinderdorfmütter ziehen in der Regel keine Waisen mehr groß, sondern Kinder von Eltern, für die diese Verantwortung mehr war, als sie tragen konnten. So zu tun, als wäre Mama die Beste – alwaysandforever – ignoriert, dass nicht jede Mutter mütterlich agiert, dass andere Personen im Idealfall genauso gut für ein Kind sorgen können, dass Familie auch ein Ort von Gewalt und Vernachlässigung sein kann.

Ohne Kinder ist das Leben nicht grau und leer. Wenn „solche Momente so viel wichtiger sind“ als Arbeit, dann nennen diejenigen, die keine Kinder großziehen in dieser Rhetorik scheinbar nur Schall und Rauch ihr Eigen. Familie und Arbeit sollte nicht verglichen werden, sie spielen in einer komplett anderen Liga. Menschen ohne Kinder leben genauso in Beziehungen, die ihr Leben bereichern. Und manche wissenschaftlichen Errungenschaften können meiner Meinung nach sogar nur deshalb gelingen, weil Menschen sich komplett dieser einen Sache verschreiben – z.B. Jane Goodall – und ich glaube das tun sie mit voller Leidenschaft und sie haben genauso Gänsehaut dabei und ein Honigkuchenpferd-Grinsen im Gesicht.

Arbeit stiftet Sinn. Natürlich könnte mensch es einer neoliberalen Logik zuschreiben, dass es auch einen zweiten und dritten Arbeitsmarkt geben (muss) darf, mir sind allerdings schon zu viele Menschen begegnet, die stolz darauf waren, am Ende des Tages das Gefühl zu haben, etwas erschaffen, geleistet oder erledigt zu haben. Wenn dieses etwas dann noch von anderen als wertvoll, als Beitrag zur Gemeinschaft erachtet wurde, umso besser. Ungewollte Arbeitslosigkeit, oder Beschäftigung mit chronischer Unterforderung können die Hölle sein. Manche von uns können einfach gut entspannen und genießen beim Füße hochlegen. Ich persönlich brauche Aufgaben. Ich brauche sie nicht, um mich von etwas abzulenken, ich brauche sie, weil sie meinen „Flow“ oder wie immer mensch das nennen mag, aufrechterhalten. Ich entspanne und gehe es ruhig an, wenn ich Lust dazu habe. Ich kann nicht entspannen, wenn ich einfach nichts zu tun habe. Während meiner Karenzzeit war ich auf Babyspeed. Bislang ist es nicht weniger geworden. Auch der karenzierte Vater scharrt schon mit den Füßen, wenn sich J. wiedermal stundelang mit einem Blechdoserl beschäftigt und ihn ignoriert, und sonst alles getan ist. Abgesehen davon fragen wir unsere Kinder dauernd, ob sie schon wissen, was sie mal werden wollen, wenn sie groß sind. Unsere ganze Schullaufbahn ist auf den zu wählenden Beruf hin getrimmt, und irgendwann sind wir dann endlich mal fertig mit der Ausbildung und dürfen diesen Beruf ausüben, auf den wir so lange gewartet haben. Und dann war alles für den Hugo?

Berufstätigkeit ernährt unsere Familien. Wenn Mütter meinen, sie haben sich für die Familie entschieden, dann frage ich mich immer, ob sie damit meinen, dass sich die Väter dagegen entschieden hätten. Egal wie gleichberechtigt oder nicht ein Haushalt organisiert sein mag, im Idealfall kümmern sich alle Elternteile in irgendeiner Form um die Familie. Und Geld ist da nicht bäh oder nichts, finde ich. Ich möchte keine abwesenden ParnterInnen in Schutz nehmen, die sich vor Verantwortung im Sinne von Sorgearbeit drücken, aber ich möchte auch darauf hinweisen, dass der Druck nicht ohne ist, für das Haupteinkommen einer Familie zu sorgen. Ich kenne diesen Druck, diese Existenzangst und die Sorge, was passiert, wenn die Waschmaschine das Zeitliche segnet, die Enttäuschung, wenn das Urlaubsgeld wieder mal für alles andre draufgeht. Berufstätigkeit bei gleichzeitiger Elternschaft ist nicht zwangsweise eine Flucht vor Verantwortung oder gar Selbstsucht. Sie ist (leider) eine Notwendigkeit.

Arbeit darf auch Spaß machen. Egal ob ich mir Reiseblogs durchlese, wo 9-to-5-bashing quasi zum guten Ton gehört, oder mir die Diskussion Arbeit oder Familie gebe, immer ist es dasselbe: Arbeit ist der große Looser. Arbeit ist doch Scheiße. Niemand mag arbeiten. Alle wollen Urlaub. Alle wollen Aussteigen. – Das glaub ich nicht. Ich glaube, irgendwo da draußen muss es noch 2 oder 3 Menschen geben, denen ihre Arbeit auch Spaß macht, die einen Arbeitsplatz haben, der ihre Bedürfnisse erfüllt. Wenigstens ein bisschen. Und dafür will ich mir kein schlechtes Gewissen einreden lassen. Meine Arbeit macht mich ausgeglichener. Ich unterhalte mich da täglich mit erwachsenen Menschen. Manchmal erzähl ich da auch von J. Oft aber lachen wir über andere Dinge, diskutieren stundenlang und beschriften viel zu viele Flipcharts. Ich liebe es. Von einer Karriere bin ich noch weit entfernt. Das Prekariat hebt eben die Hand zum Gruß. Und trotzdem macht es unglaublich Spaß.

Ich bin berufstätig. Ich bin Teil einer Familie. Ich bin 161 cm groß. Meine Lieblingsfarbe ist türkis. Muss ich mich jetzt für irgendwas entscheiden?

Advertisements

16 Kommentare

  1. Danke dafür, sind viele interessante Gedanken drin. Ich erlebe nicht so häufig solche offenen Aussagen (Was, du arbeitest und was ist dann mit dem Kind?). Öfter sind es Dinge im Berufsalltag (Wieso wurde ich nicht wegen dem Vortrag auf der Konferenz gefragt? – Wir dachten, du willst nicht reisen. Oder: Kein Problem, geh einfach nach Hause, wir machen das Meeting weiterhin um 18 Uhr und schicken dir das Protokoll.) Was mich aber fast noch mehr ärgert ist die Annahme, dass man als Frau zwangsläufig für alles verantwortlich ist (Gesamtorganisation, alles am Laufen halten, Kind und Haushalt). Das meinen gerade oft die weiblichen Kolleginnen nicht böse, wenn sie einem mitfühlend erzählen, dass sie ja Verständnis haben weil sie auch immer alleine einkaufen und kochen müssen/mussten oder sich um alle Termine gekümmert haben. Gerade heute wieder „Ach Montag ist immer blöd. Da muss man, wenn man nach Hause kommt das Chaos vom Wochenende bereinigen.“ Wenn man dann eine gleichberechtigte Partnerschaft zu leben versucht kommt man ständig (und wenn nur vor sich selbst) in Rechtfertigungsdruck. Weil eben nicht angenommen wird, dass es GEMEINSAME Aufgaben sind.

    • Das mit Konferenzen usw. kenn ich in umgekehrter Weise ein bisschen, was daran liegen mag, dass die Organisation in der ich arbeite eine starke Gleichstellungsorientierung hat. Da war’s für mich am Anfang, als ich während der Karenz geringfügig zu arbeiten begonnen hab oft mal schwer zu erklären, warum dieses und jenes nicht mehr ganz so selbstverständlich läuft bzw. zwar organisierbar ist, aber das noch lange nicht heißt, dass das Kind so mitspielt 😉
      Bei der Sache mit der angenommenen Gesamtorganisation merk ich immer öfter, in welch einer anderen Welt ich leb‘ und wie irritiert ich selber bin, wenn andere sich diese Last sich allein aufbürden. Da weiß ich dann auch nicht recht, was ich dazu sagen soll. Überhaupt kommt mir oft vor, dass ich das Gefühl hab, nicht mehr zu wissen, was die sozial erwünschte Antwort/Reaktion ist, weil ich mich scheinbar so davon entfernt hab.

  2. Ein schöner Beitrag! Ich finde auch, dass Kinder EIN Teil des Lebens sind, aber sicher nicht der Einzige, der das Leben lebenswert macht. Für mich ist Arbeit extrem wichtig – nicht nur, weil ich getrennt vom Papa meines Kindes lebe und mir gar nicht ausdenken mag, was finanziell passiert wäre, wenn ich mich „für die Familie entschieden“ hätte, sondern auch wegen der Selbstbestätigung, der netten Klamotten im Büro ohne Flecken auf der Bluse, die in Ruhe verbrachte Kaffeepause, die Gespräche ohne Kinderthemen… einfach auch ein Ausgleich.
    Ich gehe aber auch recht offensiv damit um, nach einem halben Jahr wieder im Büro gesessen zu haben. Interessanterweise gab es kaum negative Reaktionen, im Büro ist das fast gängig (Politikbetrieb mit vielen energischen Frauen, deren Männer offensichtlich mehr Elternzeit nehmen als der Durchschnitt), und privat habe ich das nie diskutiert, nur erzählt. Vielleicht ist das ein wichtiger Punkt, du beschreibst das ja auch: wenn man sich nicht rechtfertigt, rutscht man automatisch nicht so sehr in die Defensive und wird mit seinen Entscheidungen nicht in Frage gestellt.

  3. Auf die Frage „Wie, du arbeitest schon wieder X Stunden?“ könntest du ja vielleicht antworten: „Ja. Es sei denn, du möchtest mir jeden Monat X Euro überweisen. Ach ja, und natürlich schon mal meine Rente zusammensparen. Und die Ausbildungskosten fürs Kind.“
    Mich befremdet es, dass Mütter sich offenbar rechtfertigen müssen, wenn sie arbeiten und Interessen haben, die sich nicht um die Kinder drehen. Dabei bin ich nicht einmal in derselben Situation, ich habe keine Kinder!
    Deine Argumente gefallen mir besonders deshalb, weil du diese seltsame Diskussion auf die Faktenebene holst und zum Beispiel zeigst, dass die Wahl zwischen Beruf und Familie ein Luxus ist (und viele Mütter schlicht arbeiten müssen, um ihre Familie zu ernähren) oder dass Frauen nach einer Geburt nicht automatisch tolle Kinderbetreuerinnen sind.
    Und, falls es hilft: Ich gehören zu den Menschen, die richtig Spaß an ihrer Arbeit haben. Damit sind wir also jetzt in der Tat schon (mindestens!) 2. 🙂

  4. pia

    Vielen Dank dafür, ich glaube ich werde mir den Artikel ausdrucken und in die künftige Wickeltasche stecken. In zwei Wochen beginnt meine Mutterschutzzeit und ich freu mich auf diese spannende Lebensphase, die in wenigen Wochen mit einem hoffentlich gesunden und glücklichen Kind beginnt.

    Ich mag meine Arbeit und kann mir noch kaum vorstellen, dass sie in den kommenden Monaten nicht den Löwenanteil meiner Zeit ausmachen wird. Und ich freue mich schon, nach 7 Monaten wieder anzufangen, mit 30 Stunden erstmal, oder so. Dann startet mein Mann seine Elternzeit von 6 Monaten. 50/50 in Sachen Arbeitszeit, Kinderzeit und Haushalt, das ist unser Plan und den halte ich für völlig realistisch.
    Während das zum Beispiel für meine Eltern völlig normal ist und insgesamt in meiner und seiner Familie als gut und richtig wahrgenommen wird, sind es eher gleichaltrige (um die 30) Damen, die selbst eins-zwei Kleinstkinder haben, die unsere Pläne infrage stellen, einem Mann die Kinderpflege nicht zutrauen, mir prophezeien, dass ich nach 6 Monaten nicht loslassen kann, dass das alles sooo anstrengend wird und und und…
    Dabei ist mein Mann viel versierter im Umgang mit kleinen Kindern während ich null Erfahrung habe. Und ich freue mich, dass unser Kind rasch eine enge Bindung zu seinem sicherlich großartigen Vater aufbauen kann, während wir beide auch noch andere Themen in unser beider Leben haben.

    Der Punkt, dass Arbeit und Familie nicht nebeneinander als Entweder-Oder stehen, trifft es sehr gut.
    Das mit dem Nicht-Abwägen-Wollen zwischen beidem, das liegt mir auch am Herzen. Es ist doch wichtig, dass alles gut ins Leben integriert ist und man sich nicht ständig entscheiden und rechtfertigen muss: Das Kind und der Mann, die Arbeit und das Faulenzen, das Geld verdienen und ausgeben (letzteres sowohl weil es muss als auch, weil es in beide Richtungen Spaß machen kann). Anders kann ich mir das nicht vorstellen, ich freu mich schon.

    • Berit

      Das mein Mann viel besser mit Kindern umgehen kann als ich, ist bei uns auch der Fall 🙂

      Egal wie man es im Endeffekt macht, irgendwer hat doch immer was zu mosern.
      Bleibst du als Frau länger als ein Jahr in Elternzeit drückst du dich vor der Arbeit und bist doch selbst Schuld wenn deine Karriere zusammenbricht.
      Gehst du vorher arbeiten bist du die geldgeile Karriereschlampe.

      Das man Männern dabei jegliche Erziehungsqualitäten abspricht, empfinde ich persönlich immer als Beleidigung gegen meinen Partner. Da das mein erstes Kind wird, haben wir beide die gleichen Vorraussetzungen…. ich kann doch noch nichtmal Windeln wechseln…

      • 🙂 Ich habe auch noch nie eine Windel gewechselt und glaube sogar, dass es viel mit meinem Partner und seinem Umgang mit Kleinkindern zu tun hat, dass ich überhaupt selbst Kinder will.
        Als ich unlängst Freunden berichtete, dass ich „nur“ sechs Monate zuhause bleibe und dann der Mann ran soll, und ich darüberhinaus auch „nur“ so ungefähr vier Monate stillen möchte, wurde mir unterstellt, dass ich wohl keine so enge Bindung zu meinem Kind aufbauen will. Aus der Nummer muss man dann leider auch erst mal wieder rauskommen. Schwierig, ohne sich in Rechtfertigungen zu verlieren…

    • Berit

      hehe, ich sag dann immer meine Eltern, beide Seefahrer) haben mich mit drei nochmal für nen halbes Jahr zu meiner Kindergärtnerin gegeben (Tante Elfie!) damit sie einen letzten gemeinsamen Seeturn machen können und aus mir ist auch was geworden. Und das ganz ohne Therapie!!! 😀

  5. Richtig: nicht alle Mütter haben die Wahl! Wir haben alle eine bestimmte Umgebung in der gewisse Möglichkeiten bestehen und andere schlicht und ergreifend nicht. Und ich denke auch nicht, dass es eine Schande ist, als Mama zu arbeiten. Was wäre denn das nächste an sozialer Kontrolle? Alle Mütter müssen Cupcakes backen können, weil die Parties sonst nicht so bunt sind? Oder Basteln? Stricken? Wurst selber machen?

    Irgendwie nervt mich gewaltig, dass wir uns damit überhaupt auseinandersetzen müssen. So wenig, wie es irgendwen was angeht, mit wem ich wann wieviele Kinder zeuge, so wenig geht es die Leute an, wie ich mein Leben lebe. Ich erwarte auch keine Geschenke dafür oder Schulterklopfer oder einen Orden. Ich will nur Optionen die möglichst nah an meinen Bedürfnissen liegen. Das würde schon reichen.

    Ich habe meinen letzten Job geliebt. Ich werde auch meinen nächsten Job lieben, denn ich kann als berufstätige Frau eine wunderbare und sehr wichtige Arbeit machen! Und gleichzeitig habe ich ein Zuhause und kann in der restlichen Zeit meinen Kindern eine super Mama sein.

    Danke für Deine Gedanken und viel Erfolg weiterhin bei Deiner Arbeit!

    Minusch

  6. @picivi: Das ist ja schrecklich… Ich hatte nur eine solche Reaktion, von meiner Tante, die entsetzt rief: „Du wirst dem Kind großen, großen Schaden zufügen!“ und eine halbe Stunde lamentierte. Ich war sprachlos. Hätte ich angekündigt, das Kind jeden Tag eine halbe Stunde zu schlagen, hätte ich die Reaktion verstanden, aber weil nach einem halben Jahr der Papa die Betreuung übernimmt…? Ich habe gelernt, auf solche Reaktionen wahlweise zu lächeln und zu sagen: „Hat wunderbar geklappt, mache ich beim nächsten Mal wieder so“ (ist aber auch leicht, wenn das Kind schon 15 Monate alt ist und offenbar prächtig gedeiht), oder „Ich will das nicht diskutieren.“ Wenn die Leute sich dann vor den Kopf gestossen fühlen, ist das halt so – darum haben sie sich mit ihren Kommentaren ja auch nicht gekümmert. Wahrscheinlich wird sich dein Freundeskreis eh anpassen; entweder deine Freunde sehen, dass es klappt, ohne dass dein Kind ein therapiebedürftiges Häufchen Elend wird, oder du wirst dich auf die Leute konzentrieren, die deine ENtscheidungen akzeptieren.

  7. st.b

    Mir gefällt meine Arbeit auch – Nr. 3 also! Klasse Artikel! Der Satz „Was du arbeitest schon wieder?“ verfolgt mich. @picivi: ich habe auch wieder zu arbeiten begonnen als meine Kleine 6 Monate alt war, mittlerweile ist sie 9 Monate alt und ich stille immer noch – alles ist möglich!

  8. Afra

    Ich finde diesen Blogbeitrag eher schlecht denn enrmutigend, rückt Elternschaft schon wieder in ein zwielichtiges Licht. Mütter die zu Hause bleiben zusammen zu nennen mit Kindswohlgefährdung finde ich einen gefährlichen Trend. Warum Mütter nicht alle aufschneiden, das Baby raus und in die bessere, optimale staatliche Fürsorge und man sieht sich dann an den Feiertagen? Jetzt mal überspitzt ausgedrückt um beim Ton der Autorin zu sein. Aber im Ernst:
    Frei Wahl? Unbedingt und sehr unterstützendswert. Wer arbeiten möchte bitte, gerne! Wer zu Hause mit weniger Arbeit und mehr Kinderzeit sein Glück findet, aber dann bitte auch! Aber anders als in diesem Blogbeitrag gezeichnet, ist heutzutage, in unserer Gesellschaft (und ja solche bloggerein tragen dazu noch mehr bei) eine Mutter die länger als ein Jahr „nur“ zu Hause bei den Kindern bleibt suspekt und im günstigsten Fall faul.
    Die Autorin gibt doch selbst an gerne viel arbeit zu haben, das ist aber nicht bei jedem so, jeder hat eine andere Fließgeschwindigkeit
    Ich muss arbeiten gehen, ich leide darunter jetzt schon von meinen Kindern getrennt zu sein (2 Jahre und 3 Monate). Es sind die wichtigen und schönen Momente die sich über andere erheben, weil ich Kinder habe und durch die arbeit verpasse und ich sage das für mich. Kinderlosigkeit ist deswegen doch keine minderwertigere Art des Lebens. Wieso sollten deswegen andere degradiert werden, wenn für mich die Zeit mit den Kindern die schönste ist? Die Zeit ändert sich, andere Höhepunkte werden in mein Leben treten. Auch für Leute die für ihre Arbeit leben, wird es diverse Schwerpunkte im Leben geben und nicht nur DEN einen.

    Achso und ich mag meine arbeit, meinen Werdegang und freue mich schon auf die Zeit wenn ich langsam ergraue und meine beruflichen Ziele erreicht habe und mich der Arbeit völlig hingeben kann. Ja aber im Moment ist mein sehnlichster Wunsch das ganze noch zu verschieben für ein paar Jahre und das mit der Unterstützung der Gesellschaft tun zu können…

    • Hi Afra, ich würd hierzu gern antworten:
      Vor allem zu diesem Zitat:“ Aber anders als in diesem Blogbeitrag gezeichnet, ist heutzutage, in unserer Gesellschaft (und ja solche bloggerein tragen dazu noch mehr bei) eine Mutter die länger als ein Jahr “nur” zu Hause bei den Kindern bleibt suspekt und im günstigsten Fall faul.“

      Das erlebe ich im akuten Vorfeld von Muttersein irgendwie völlig anders. Mir wird immerzu suggeriert, dass Kind ja NICHTS anderes als seine Mutter braucht und die Mutterbrust im ersten Lebensjahr die einzige Möglichkeit ist, ein Kind zu ernähren und gleichzeitig unverzichtbares Tool, um eine Beziehung aufzubauen.

      Und zum Beispiel, dass es eine Katastrophe für die Kinder ist, wenn eine Kita beschliesst, die Öffnungszeiten um eine Stunde auf 17.30 Uhr auszuweiten, weil man dann ja eigentlich besser gar keine Kinder bekommt, wenn man sie eh nur abgeben will.

      An der Stelle soll wirklich jeder nach seinem eigenen Verständnis handeln, ist meine Meinung. Dabei macht die Mama, die 3 Jahre zuhause bleibt genauso viel falsch und richtig wie die Mutti, die nach drei Monaten wieder halbtags und nach sechs Monaten voll arbeitet.

      Aber: Es ist ein ziemlich blödes Totschlagargument, einer anderen zu sagen, dass sie sich, wenn sie sich eben für eine frühe Rückkehr in den Job entscheideit, gegen eine enge Bindung zum Kind entscheidet, gegen liebevoll ausgestreckte Ärmchen verschließt oder dass sie einfach eine schlechte Mutter ist und ihrem Kind nicht die notwendige Liebe entgegenbringt, etc. etc. und vor allem, dass sie sich für so etwas Kaltes wie Karriere und gegen so etwas Herziges wie ein Kleinkind entscheidet.

      Nicht, dass du das hier tust, das will ich auf keinen Fall behaupten. Aber sowas schlägt werdenden/frischen Müttern oft entgegen und deswegen finde ich den Blogeintrag oben sehr gut. Es ist – und deswegen finde ich Katjas Eintrag so wichtig – absolut notwendig, dass Frauen endlich anfangen, sich gegenseitig zu bestärken, und zwar bei der Findung des eigenen, individuell glücklich machenden Weges. Katja zeigt dabei auf, dass es sich nicht um ein Entweder/Oder handeln muss, ganz einfach weil Familie/Kind und Karriere sich nicht ausschließen, sondern ergänzen.

  9. hach das freut mich, wenn ich solche diskussionen anrege 🙂 Im Moment fällt mir ganz besonders auf, wie eng die Bindung von J. zu seinem Papa geworden ist. J. verhält sich zu mir und ihm auf ganz spezifische Weise, er kuschelt anders und macht das ganz bewusst. Das find ich total schön. Und ich glaub schon, dass da was ganz anderes entstehen kann, wenn mensch die Kids schon ab nem relativ frühen Zeitpunkt mehr Zeit mit dem andren Elternteil verbringen lässt als erst mit 1,5 Jahren, oder wenn dann beide gleichzeitig daheim sind. Es macht halt jede/r anders und das find ich auch gut so.

  10. B.you

    Super toller Beitrag! Wir machen auch halbe/halbe und ich habe gerade wieder begonnen Vollzeit zu arbeiten. Allen werdenden Eltern, die dieses Modell leben WOLLEN, nur Mut! Ich kann mir bislang nichts besseres für unsere Tochter, meinen Freund UND mich vorstellen, fühle mich mit meiner Meinung und unserer Entscheidung allerdings auch sehr oft alleine…

  11. Pingback: Mama, Kollegin, Kulturmanagerin – wie das Arbeiten mit Kind so ist |

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: