Wenn die Großen streiten

von Catherine 

Wir streiten.

Manchmal monatelang nicht, dann aber geballt und umso heftiger. Da gibt es Vieles, das wir an Streitkultur ändern sollten, aber das ist nicht immer leicht und geht nicht von jetzt auf gleich. Das Problem ist nicht das Streiten – Auseinandersetzungen in Beziehungen sind eben Teil derselben – und nur in zweiter Linie unser Art und Weise zu streiten  – das wir daran arbeiten, ist klar.

Das Problem ist, dass das Kind (29 Monate) viele unserer eben auch heftigen Auseinandersetzungen mitbekommt. Zum einen, weil es quasi ausschließlich von uns betreut wird und eigentlich immer da ist (und oft auch mit uns ins Bett geht, weil es ein Kind mit wenig Schlafbedarf ist). Zum anderen, weil wir recht beengt wohnen und es weder für das Kind noch für uns einen Ort gibt, an den man sich zurückziehen kann. Und auch deshalb, weil der andere Mensch und ich Spannung schlecht aushalten können – wir können Dinge nicht unangesprochen lassen, bis sich ein kinderfreier Moment bietet, wir können nicht warten bis später, um alles durchzugehen. Wir wollen es regeln. JETZT. Und nicht den ganzen Tag mit mulmigem Gefühl im Bauch umhergehen und abends im Bett die Versäumnisse des Tages besprechen. Daran finde ich auch Dinge gut: Das Aus- und Ansprechenkönnen von allem, das das Kind ja auch mitbekommt, und das Versöhnen, wovon es ebenso Zeuge wird wie vom Streiten, sowie die Möglichkeit zur Auseinandersetzung an sich, die ihm vor Augen geführt wird.

800px-Thunderstorm_-_NOAA

(Foto: public domain | Credit: NOAA Photo Library, NOAA Central Library; OAR/ERL/National Severe Storms Laboratory/NSSL)

Wie diese Auseinandersetzungen aber oft ablaufen, stundenlange Wortgefechte, irgendwann Drohungen, dass eine_r geht oder der_die andere bitte alleine bleiben soll, das Treiben hin zu einem Höhepunkt (unsere Streits folgen einer Choreographie, so scheint es) und erst dann die Möglichkeit zur Versöhnung. Das ist scheiße. Das soll das Kind nicht mitkriegen (und wir sollten es so nicht machen). Ich selbst bin groß geworden in einer Familie, in der stets mit dem Weggang von irgendwem gedroht wurde und das war kacke.

Wie kann ich es schaffen, doch einen geeigneteren Raum zu finden für die Streits zwischen den Großen und lernen, Spannungen besser zu ertragen, zu warten bis ich sie auflöse? Oder muss ich das gar nicht. Reicht es, richtig, also korrekt, zu streiten, um das Kind mit Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen der Eltern nicht zu bedrohen? Und wenn das so ist: Wie können wir aus diesem Kreislauf ausbrechen, konstruktiver streiten und lösungsorientiert – und dann wiederum das Kind ohne Probleme Zeuge werden lassen, wenn es einmal zwischen uns hakt?

Wer eine Erfahrung zum Teilen oder einen Ratschlag hat, ein Buch oder einen Trick kennt, um mit dem beschriebenen Problem umzugehen, der_die melde sich bitte in den Kommentaren. In 14 Tagen findet sich hier der Ratschlag einer so genannten Expertin. 

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11 Kommentare

  1. Berit

    Du hast anscheinend ja schon selbst erkannt, dass du deine Streitkultur bei deinen Eltern übernommen hast, diese suboptimal ist, und mit deinem Partner beschlossen, dies zu ändern. Das ist erst einmal ein Schritt in die richtige Richtung, was mir jetzt noch fehlt, wäre eine Info darüber, wie ihr das ändern wolltet und an was es eurer Meinung nach scheitert.

  2. Eva

    Während ich Streiten vor den Kindern prinzipiell ok finde, finde ich es ziemlich krass, Verlassens-Drohungen aufs Tapet zu bringen. Der pädagogische Effekt, den du ja selbst erwähnst, scheint mir tatsächlich zu sein, dass Kinder lernen, dass man sich streiten und wieder vertragen kann, oder dass Streit nicht unbedingt bedeutet, dass man einander nicht mehr lieb hat. Ich finde es ganz sinnvoll, hinterher mit dem Kind darüber zu reden, um ihm zu helfen, den Streit einzuordnen. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass ein kleines Kind es richtig einordnen kann, wenn es in einem Streit hört, dass ein Elternteil die Familie verlassen will (oder so). Was sagt frau dann zur Einordnung: „Papa und ich streiten halt so, dass wir uns das an den Kopf werfen, aber es ist gar nicht so gemeint.“ – hört sich wenig überzeugend an, finde ich.
    In meiner Teenager-Zeit hat meine Mutter öfter mal im Streit mit meinem Vater gemeint, dass sie am liebsten gehen würde. Die Konsequenz war, dass ich das Gefühl hatte, Partei ergreifen zu müssen, und ihr dazu geraten habe zu gehen, wenn sie es denn so schlimm findet. War nicht so prickelnd. (Ich habe das bei ihr immer als leere Drohung empfunden und habe ehrlich gesagt dafür auf sie herabgeblickt, dass sie so etwas angedroht hat, ohne es jemals durchzuziehen.)
    So wie du eure Situation schilderst, hört es sich so an, dass ihr beide es nicht ernst meint mit dem Verlassen, sondern dass ihr das bloß im Affekt sagt. Wenn das so sein sollte, könntet ihr euch folgende Dinge überlegen: Muss es wirklich zu dieser krassen Drohung kommen? Könnt ihr das Gefühl, das dahinter steht, nicht auch mit einem „so will ich nicht weiter zusammenleben, also müssen wir/musst du diesen Punkt ändern“ (Betonung auf dem, was geändert werden muss) zum Ausdruck bringen? Wenn das nicht geht: Könntet ihr vielleicht doch versuchen, eure Aussprachen in die Abendstunden zu verlegen? Ein Elternteil geht statt Streit für den Rest des Tages mit Kind raus, wäre doch vielleicht eine Option. Es macht zwar wenig Spaß, den Tag mit Wut im Bauch rumzurennen, aber vielleicht wäre es ja mal einen Versuch wert – dafür könntet ihr am Abend alles ungehemmt rauslassen.

  3. pitz

    Mir hilft der Gedanke, dass ich prinzipiell mit meinem Gegenüber einverstanden bin, sonst wären wir nicht dort, wo wir sind. Höchstwahrscheinlich liegt dem Streit also ein Missverständnis oder Unverständnis zugrunde, und dann ist es für mich eine Kniffelfrage, wo der Punkt liegt, um den es sich dreht. Was ist das eine Wort, das den Streit auf den Nenner bringt und, sobald es ausgesprochen ist, zur Auflösung führen kann? Und wenn ich derart sachorientiert denke (sehr deutsch, nicht?), kann ich Gefühle ein Stück beiseite schieben. – Das ganze spielt vor dem Hintergrund des grundsätzlichen Einverständnisses und ist nicht tauglich für Situationen, in denen eine nicht mehr weiß, ob die Beziehung noch gewünscht ist oder schon sicher ist, dass sie lieber alleine weitermachen will.

  4. Berit

    Ist es eigentlich gewollt, dass die Autorin dieses Artikels sich gar nicht mehr zu den Kommentaren hier äußert? Das fände ich sehr schade…

    • nun. Ich war ziemlich vor den Kopf gestossen von Evas Kommentar. Ohne mich darauf ausruhen zu wollen, halte ich es einfach für schwierig, Sachen, die man 18 Jahre lang vorgelebt bekommen hat, von heute auf morgen komplett umzukrempeln. Und da hilft es nicht, zu hören, wie kacke das ist, was man tut.
      Wir scheitern nicht. Wir ändern, aber eben langsam, einen Schritt nach dem anderen tuend. Die Streits sind seltener geworden, wir vergeben uns im Alltag viel und tun das da so, wie Pitz es beschrieben hat: Mit dem Wissen, dass wir zusammen was tun und gerne beieinander sind. Aber in manchen Situationen wird eben was getriggert, da sagt der eine irgendwas, was einen wirklich wunden Punkt beim Anderen trifft, und da ist es mit der Vernunft einfach nicht weit her. Da hilft alles Atmen nicht und alles Rationalisieren. Und das zu ändern, den Trigger irgendwie auszuschalten, das finde ich schwer. Auch wenn ich ihn (manchmal erst im Nachhinein) identifizieren kann. Das ist der Punkt, an dem wir in den Streitstrudel geraten. Und der Punkt, an dem ich nicht rationalisieren kann. Vielleicht weisst du, wie man die Trigger aus dem Weg räumt. Das wäre super.

  5. Eva

    Tut mir sehr Leid, wenn ich dich vor den Kopf gestossen habe. Ich wollte das gar nicht so stark rueberbringen, wie es wohl rueberkam. Ich bin vielleicht auch nicht emotional genug im Streiten, um deine/eure Situation gut genug nachfuehlen zu koennen.

    • Passt schon, hat mich in einem ohnehin ungünstigen Moment getroffen und vielleicht ist es auch: Man will nicht unbedingt auch noch von anderen hören, dass man irgendwas nicht so gut macht. Aber das heisst ja lange nicht, dass es nicht voll ok ist, wenn andere eben sagen, wies ist. Seid ihr komplett rationale Auseinandersetzungsmenschen ohne Weinen und Drama? Das ist was, was ich manchmal glaube ich, idealisiere und mir supergut vorstelle. Aber vielleicht ist das (noch) nicht ganz meine Art…

      • Eva

        Wir sind tatsaechlich geradezu uebertrieben rational. Da werden Argumente ausgetauscht und wohlbegruendete Appelle formuliert. Die Fetzen fliegen bei uns nur im absoluten Ausnahmefall. Dafuer hat unsere Tochter es raus, mich auf 180 zu bringen und ich komme gar nicht damit zurecht. Ich denke mir also manchmal, es waere eigentlich gut, mehr Uebung im emotional Streiten zu haben.

  6. Berit

    Hallo Catzenkind, ich wusste ehrlich gesagt auch einfach nicht, ob du vielleicht zu beschäftigt bist um hier noch einmal reinzugucken, wir wissen ja alle wie das Leben manchmal spielt.

    So wie du es beschreibst seid ihr doch schon auf dem besten Weg, der Rest bringt die Zeit. Mir hilft es zB ab einem bestimmten Punkt zu sagen „Stop, ich muss jetzt hier raus und eine Runde spazieren gehen sonst endet das im Chaos“, obwohl das auch nur funktioniert wenn der Trigger noch nicht geschalten wurden.

    Wie gesagt, ich finde ihr macht das super, Erkenntnis ist immer der erste Schritt und den Rest meistert ihr auch noch 🙂

    • Danke für deine freundlichen Worte! Und: Auch für den Tipp. Die Erfahrung zeigt auch bei uns, dass es gut ist, wenn man sich kurz rausnehmen kann. Wenn beide es aushalten, die Gewitterwolken für einen Moment regnen zu lassen, durchzuatmen und dann zu merken, dass alles (meist) nicht so wild ist. Aber wie du sagst: Wenn das Programm erstmal läuft, ist es ganz schwer, auf „Pause“ zu drücken und sich rauszunehmen. Aber es hat ja auch kein Mensch gesagt, dass Beziehung nicht auch Arbeit ist…
      Schönes Wochenende!

  7. Pingback: Expertinnenrat zu “Wenn die Großen streiten” | umstandslos.

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