Im Laufschritt für das Ideal

von Elisa-Marlene

Das weibliche Rollenbild in der Gesellschaft hat sich seit den 50-er-Jahren stark gewandelt. Der Gehorsam seiner Mitläuferinnen und die pflichtgetreue Rollenerfüllung allerdings nicht.

Das traditionelle Geschlechter-Rollenbild mit seinen Erwartungen an die Frau hat sich seit den 50-Jahren stark verändert. Während die Aufgabenteilung damals klarere Verhaltensnormen vorgab, scheint es heute mehr Freiheit in der eigenen Lebensgestaltung zu geben.

Tatsächlich existiert auch heute ein definiertes weibliches Rollenbild, das nicht nur von den meisten akzeptiert wird, sondern vielen so wichtig ist, dass sie bereit sind große Opfer zu bringen, um den gesellschaftlichen Anforderungen durch das Rollenbild Genüge zu tun. Was an der Oberfläche noch nach einer positive Wandlung für die Stellung der Frau in der Gesellschaft aussieht, ist in Wahrheit eine unfertige Baustelle, auf der längst noch nicht so viel geschafft wurde.

Die Autorin Jutta Röser beschrieb in den 90er-Jahren das, in Printmedien suggerierte, weibliche Rollenbild, treffend mit dem Titel „Kinder, Küche und Konsum“ den man heute noch um den Begriff Schönheit ergänzen. Weil ich es genau wissen wollte, wählte ich aus der Zeitschriftenreihe „Haushalt und Heim“ stichprobenartig jeweils eine Ausgabe aus den Jahren 1950 bis 1957, sowie 4 auflagenstarke, in Österreich erhältliche Frauenzeitschriften für meine genaue empirische Analyse. Gemessen wurde, wie viel Platz in den jeweiligen Zeitschriften für themenbezogene Kategorien aufgewandt wurden.

Hypothese 1: Frauen werden in den Zeitschriften aus den 50-er-Jahren stärker mit dem Thema Haushalt und Erziehung konfrontiert.

Schwerpunkte aus der Haushalt-und-Heim, die mit dem traditionellen Rollenbild der Frau als Mutter und Hausfrau in Zusammenhang stehen, machen in den heutigen Frauenzeitschriften rund ein Zehntel aus. Das meiste davon wiederum bezieht sich auf Kochrezepte und Dekorationsideen. Das Thema Kindererziehung kommt in den neuen Frauenzeitschriften fast gar nicht vor. Hierfür gibt es eigene Zeitschriften.

 

Hypothese 2: Die Zielgruppe der Zeitschriften aus den 50-er-Jahren bekommt, aufgrund der hauptsächlichen Verantwortung im Haushalt, weniger bildungsrelevante Themen präsentiert.

Die eingangs angestellte Vermutung von bildungsferneren Inhalten für die Zielgruppe der Hausfrauen der 50-Jahre, wurde empirisch klar widerlegt. Die einzige Ausnahme stellt die feministische Zeitschrift „Emma“ dar, die der Bildung mit 56% bedeutend mehr Platz einräumt.

Auch wenn im traditionellen Frauenbild die Schwerpunktsetzung auf den zu erledigenden Aufgaben bei Haushalt und Erziehung liegen mag, kann man nicht behaupten, dass in den alten Haushalt-und-Heim-Magazinen Bildung eine geringe Rolle spielt. Das Gegenteil ist der Fall. „Brigitte“, „Wienerin“ und „Miss“ enthalten rund 20% Bildung. In der Haushalt und Heim gibt es im Schnitt gut doppelt so viel Bildung. (42,06%). Aktuellere Zeitschriften präsentieren lieber Fakten mit entsprechendem Sensationswert. In der „Haushalt und Heim“ gilt die Bildung als wichtiges Motiv. Fast wie in einem Schulbuch steht in jeder Ausgabe wissenswertes aus Politik und Geschichte oder über den Ablauf von Vorgängen und Richtlinien bei Gewerkschaften. Es werden Fremdwörter erklärt, Wissensfragen sensibel in Leserbriefen beantworte. Auffallend ist der freundlichere Umgang mit der Leserin, der in den Antworten auf die Leserbriefe deutlich wird. Die Lust auf Bildung und die Lust Fragen zu stellen wird gefördert und in den Antworten auf Leserbriefe wird zu weiteren Fragen ermutigt. Ganz verschwunden ist die Literatur und Poesie aus den Frauenmagazinen. In der „Haushalt und Heim“ gab sowohl aktuelle Literatur als auch klassische Literatur. Insgesamt sind in den Frauenzeitschriften von heute im Vergleich zu denen aus den 50er-Jahren kaum noch bildungsrelevante Inhalte vorhanden.

Grafik

Grafik (c) Elisa-Marlene

Hypothese 3:Der Anteil der Werbung ist in den heutigen Frauenzeitschriften höher als in der Haushalt und Heim.

Das Frauenbild definiert sich stark durch den Konsum. Frei nach dem Motto „Du bist was du kaufst“ sollen Frauen vor allem konsumieren um eine richtige Frau zu sein. Zur Argumentation werden auch sehr gerne „Negativbeispiele“ herangezogen. Berühmtheiten werden, wenn sie als Konsument_innen nachlässig sind und sich weniger um Mode und Aussehen kümmern, gerne als stillos und geschmacklos kritisiert. Als großzügige soziale Geste werden auch gerne Umstylings mit Vorher-Nachher-Bildern an Bedürftige in Form eines Gewinnes gespendet. Frauenzeitschriften verdienen an den Werbeeinnahmen gut und haben daher ein natürliches Interesse an einem konsumbegeisterten Frauenbild. Die Tatsache, dass das traditionelle Rollenbild der Hausfrau und Mutter nicht mehr so stark vorausgesetzt wird, scheint den Frauen nicht allzu viel Druck abgenommen zu haben. Das Modewort „Multitasking“, das Frauen eine bessere Fähigkeit zu mehr Arbeit zur selben Zeit zuschreibt, deutet eine höhere Belastbarkeit der Frauen. Sie soll nicht mehr wählen, sondern am besten alles können und machen. Karriere, Bildung, Mutterschaft, Haushalt, Kosmetik, Fitness, Idealgewicht, Freizeitstress … Und dabei soll sie vor allem konsumieren. Auch für das kleinere Budget wird die Werbung nicht müde annehmbare Lösungen zu präsentieren mit der Masse besser mithalten zu können.

In der heutigen Leistungsgesellschaft ist es für alle, nicht nur für die Frauen, schwieriger geworden, den Balanceakt zwischen den vielen Herausforderungen zu meistern. Zum Teil aber ist der Stress hausgemacht. Es stellt sich weniger die Frage, welches Frauenbild nun am besten ist und wie viel eine Frau leisten, arbeiten und kaufen kann. Seltsam, wie sich ein Idealbild, dem niemand zu entsprechen scheint, sich so hartnäckig und stabil hält.

Tatsächlich frage ich mich, ob die freie Wahl und das Treffen eigener Entscheidungen tatsächlich besser geworden sind in den letzten Jahrzehnten.

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3 Kommentare

  1. „Ganz verschwunden ist die Literatur und Poesie aus den Frauenmagazinen.“ Das ist mir auch aufgefallen, und ich finds absolut ärgerlich. Es ist für die Leserinnen schade, und für Autorinnen in gesteigertem Maße – einfach, weil eine ganz gute Veröffentlichungsmöglichkeit wegfällt. Warum ist das passiert?

  2. Zitat: „Tatsächlich frage ich mich, ob die freie Wahl und das Treffen eigener Entscheidungen tatsächlich besser geworden sind in den letzten Jahrzehnten.“

    Ich denke es hat nichts mit „besser“ oder „schlechter“ zu tun, vielmehr denke ich, dass es schwieriger geworden ist diese Entscheidungen zu treffen.

  3. Zu jeder Zeit ist es schwer gegen den Strom zu schwimmen.

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