Amy Richards: Opting In. Having a Child Without Losing Yourself

von Antonia

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(c) Antonia | umstandslos

Wie kriege ich das hin mit dem Schwanger- und Muttersein, ohne mich dabei selbst zu verlieren? Wird die Mutterrolle mich so vereinnahmen, dass ich eine ganz andere Persönlichkeit werde? Wie sieht feministisches Muttersein (für mich) aus?

Diese und ähnliche Fragen haben mich während meiner Schwangerschaft sehr beschäftigt und tun es teilweise heute noch. Ich hatte großen Austauschbedarf. In den Mainstream-Schwangerschafts- und Mutterschaftsbüchern (die ich in die Finger kriegte) ging es aber in erster Linie um die Frage, wie ich das Beste für mein Kind erreichen kann. Fragen, wie ich auch als Mutter auf meine Kosten komme und meine Bedürfnisse nicht ins Hintertreffen geraten, blieben dabei außen vor, bzw. wurden im Kontext verhandelt von: tun Sie sich selbst etwas Gutes, damit sie dann wieder für ihr Kind da sein können.

Amy Richards war mir als Autorin bekannt. Ihr Buch Grassroots. A Field Guide for Feminist Activism (2005) hatte ich verschlungen und auch ihr Ask Amy Projekt auf feministing.com teilweise mitverfolgt. Nur Opting In hatte ich offenbar ausgeblendet, bis es mir von einer Freundin empfohlen wurde.

Wie der vielversprechende Titel Opting In. Having a Child without Loosing yourself bereits andeutet, nähert sich Amy Richards dem Thema ohne in erster Linie die Auswirkungen des Verhaltens der Mutter auf das Kind zu thematisieren und sie setzt sich kritisch mit der Verhandlung von Mutterschaft in der feministischen Bewegung auseinander. Persönliche Erfahrungen werden mit Referenzen feministischer Theoretikerinnen unterlegt und Richards zitiert eine umfassende Menge an Studien und Ressourcen zum Thema Mutterschaft. Einige Aspekte des Buches sind mir besonders in Erinnerung geblieben auf die ich kurz eingehen möchte.

Im Kapitel To Work or not to Work is not the Question analysiert Richards unter anderem wie Feminismus und Mutterschaft in den Medien und in der Öffentlichkeit üblicherweise auf die Vereinbarkeitsfrage von Beruf und Kind/Familie reduziert werden. Indem etwa in der medialen Öffentlichkeit in periodischen Abständen Studien zitiert werden, die herausgefunden haben wollen, dass eine Mehrheit gut ausgebildeter junge Frauen plant später nicht erwerbstätig, sondern Hausfrauen und Mütter zu sein, wird regelmäßig der sogenannte backlash propagiert. Es sei eben besonders aufmerksamkeitserregend zu zeigen, dass junge Frauen angeblich Feminismus ablehnen.

Focusing on this one issue misleads people about the range of feminism’s accomplishments and furthers the mistaken idea that certain choices are more feminist than others. Women who take the less canonically feminist route are left feeling disenfranchised (Otping In, 18).

Mit der Forderung To Work or not to Work is not The Question tritt Richards für einen Perspektivenwechsel hinsichtlich der Auseinandersetzung mit Erwerbsarbeit und Mutterschaft ein. Denn wie sie schreibt:

In my observation, the rare woman who actually chooses parenting over her professional life beyond her child`s early years usually does so both because she didn`t have the professional life she wanted and because she`s among the minority that doesn`t need the money. (20)

Das Kapitel Real Birth: Dispelling the Myth of the “Right” Birth Experience gehört ebenfalls zu jenen, die noch mehrmals in meinem Kopf nachhallten. Auch ich hatte in der Schwangerschaft sehr stark das Gefühl, dass es soetwas wie die “richtige” Geburt gebe und in meiner Vorstellung war ich diejenige, die durch Leistung (richtige Vorbereitungen treffen, richtige Entscheidungen treffen,….) für diese “richtige” Geburt zu sorgen hatte.

Für Richards gibt es hinsichtlich feministischer Geburt und Schwangerschaft keine falschen oder richtigen Entscheidungen, sondern es ginge darum, dass Frauen Entscheidungen in der Hand haben und ihre jeweiligen Möglichkeiten kennen:

But owning our choices, which each of us has selected from a full range of options, is exactly what distinguishes a pregnancy and birth as being feminist. It`s not wether you have sonograms or no imaging tests, or choose no drugs over an epidural. The feminist mother does not hide behind the veil of expectation or cave to other people`s version of a perfect birth. She researches and then trusts her own ability to dicide. (99)

Schön fand ich in diesem Kapitel auch den Hinweis auf eine Studie mit dem Titel “Listening to Mothers”.

Part of the problem ist that rarely have women been asked what they want. Listening to Mothers was the first national study to actually survey women about their experience with birth, and that was only in 2002. (98)

Abschließend möchte ich auf das Kapitel Friends forever: How and why parenting changes our friendships hinweisen. Richards Verbindung zwischen Freundinnenschaft, Feminismus und Elternsein brachte für mich neue Denkanstöße.

In past generations, women`s friendships tended to fade with each new milestone in their lives. Before feminism, friendships between women were more likely to be a result of their children or the men in their lives. (203)

Neben den besprochenen Inhalten widmen sich weitere Kapiteln den Themen Un/Fruchtbarkeit (The Drive to Procreate: Reexamining the Biological Clock), Gendersensible Erziehung (Willian Doesn`t Want a Doll: Raising Kids Today), Verteilung von Reproduktionsarbeit in heterosexuellen (Eltern)Paarbeziehungen (The Diaper Divide: Can Men Do More? Ca Women Do Less?) und Mutter-Tochter-Beziehungen (Our Mothers, Ourselves).

Amy Richards wendet sich in Opting In als weiße, heterosexuelle, nicht von Armut betroffene Feministin mit akademischem Hintergrund an ebensolche. Teilweise finde ich ihre Forderungen deshalb zu generalisierend (oder schlicht für eine große Gruppe von Frauen unrelevant) und sie legt nicht immer den Standpunkt dar, von dem aus sie spricht (weist aber immer wieder darauf hin).

Und dennoch oder mit dem Hinweise das zu bedenken: würde mich eine Schwangere fragen, ob ich ihr ein Buch zum Thema Schwangerschaft und Mutterschaft empfehlen kann, dann wäre das auf jeden Fall dabei.

Leider liegt das Buch nicht in deutscher Übersetzung vor.

Amy Richards: Opting In. Having a Child Without Losing Yourself. New York. Farrar, Straus and Giroux 2008.

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Ein Kommentar

  1. Weil du die Studie „Listening to mothers“ erwähnst, fällt mir dieser Bericht zum Projekt Wahlhebamme in der Semmelweis-Klinik ein, verfasst vom Arzt, der mit der Evaluierung dort betraut war und seine Enttäuschung darüber formuliert, dass das Ergebnis offenbar egal ist (Krankenhausleitung, Politik) bzw. nun unter Verschluss gehalten wird: http://www.adamblog.at/evaluation-des-projektes-wahlhebammen-selbstbestimmt-gebaren-in-der-semmelweis-frauenklinik-oder-wiener-erfahrungen/

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