Über ein Wort

von Anna Lisa

Kurz nach dem Start von „umstandslos“ wurde auf Twitter Kritik an einem Ausdruck laut, den ich in einer kurzen Beschreibung meiner Familiensituation benutzt habe. Es handelt sich dabei um den Begriff „halbasiatisch“.

Im ersten Moment war ich perplex, hatte ich mit der Verwendung dieses Wortes doch nichts Abwertendes gemeint. Im zweiten Moment begann es mir zu dämmern, dass man vermutlich nicht sein ganzes Leben lang auf etwas Halbes reduziert werden möchte.

Um ehrlich zu sein, habe ich mich bisher noch nicht allzu intensiv mit der Thematik auseinander gesetzt. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Kinder noch so klein sind und sich die Situationen, in denen sie eventuellem Rassismus ausgesetzt sein könnten, in Grenzen halten.

Ich bin froh über die Kritik, denn ich möchte heute kein Wort verwenden, durch das sich meine eigenen Kinder morgen gekränkt fühlen. Aber wie mache ich es besser? Welcher Ausdruck reduziert und stigmatisiert nicht? Im Grunde ist es ja völlig egal, woher der Vater meiner Kinder kommt, aber manchmal findet man sich doch in der Situation wieder, darüber zu sprechen.

„Der Papa stammt aus Taiwan.“

„Die Kinder haben ostasiatische Wurzeln.“

Das sind Sätze, die mir auf die Schnelle einfallen und die ich im Alltag auch benutze.

Ich bin dankbar für die Kritik an meiner Wortwahl und würde mich über eure Meinungen, Denkanstöße und Vorschläge sehr freuen. Gleichzeitig entschuldige ich mich bei all jenen, die sich dadurch gekränkt fühlen und versichere, dass sich dahinter gewiss keine böse Absicht verborgen hat.

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33 Kommentare

  1. Wenn ich mir gegenwertige Diskussionen zum Thema „Diskriminierung durch Sprache“ so anschaue, dann habe ich mehr und mehr das Gefühl, unsere Sprache reicht nicht aus, um verletzungsfrei zu kommunizieren. Das, was inzwischen an sprachlicher Sensibilität in allen zu thematisierenden Bereichen verlangt wird, ist immens.
    Das soll nicht heißen, dass ich es als zu viel erachte. Aber als sehr sehr viel und als Ausschlusskriterium für diejenigen, denen es zu viel ist, was uns irgendwie isoliert.
    Als ich 2007 meine Diplomarbeit in der weiblichen Form verfasst habe, habe ich mir förmlich selbst in den Arsch getreten für all die Korrekturschleifen, die das bedeutet hat. Und ich schaffe es bis heute nicht, das kleine Wörtchen „man“ aus meinem Sprachschatz zu streichen. Schriftlich werde ich langsam besser, weil mir andere Formulierungen schneller einfallen, aber in der gesprochenen Sprache hinke ich dem noch hinterher. Mit Binnen-I sprechen ist nunmal unmöglich.

    Ich will damit sagen: Wir suchen alle noch und es gibt kein Richtig und kein Falsch. Es gibt eine bestimmte Menge an betroffenen Menschen, die sich verletzt von einem Begriff fühlen und es gibt eine bestimmte Menge an betroffenen Menschen, die sich von einem Ersatz für den Begriff verletzt fühlen. Und es gibt eine sicherlich auch bestimmte Menge an Menschen, die sich von diesen Debatten genervt fühlen…

    Es ist also wie beim Eltern-werden: Wir müssen uns für eine Glaubensrichtung entscheiden und an ihr festhalten, sonst schiebt uns jede Woge aus der Bahn. Sind Deine Kinder Mischlinge, gemischt, halbeuropäisch, halbasiatisch, halb und halb, Deutsche, gesund, albern, vorwiegend laut, mit Papa aus Taiwan, mit Papa aus dem Ausland, mit hier sozialisiertem Papa, mit hier sozialisierter Mama, die aber gern mal in Taiwan Urlaub machen mag, mit Mama, deren Urururururoma tatsächlich mal zum Tee in Russland war, mit Nachbarn, die in ihrer Freizeit Trompete üben…

    Wenn ich Kinder mit einem asiatisch-stämmigen Mann hätte, würde ich wahrscheinlich gar nicht erwähnen wollen, dass er von einem anderen Kontinent kommt, weil es unsere Sache ist. Und würde ich gefragt werden, woher der Papa kommt, würde ich sagen: „Aus Wanne-Eickel. Warum?“ Und ich denke, ich würde mich über jedes Gesicht, jeden Kommentar danach einfach nur freuen. Sind ja nicht alle Menschen, die danach fragen doof. Nur zu neugierig.

  2. ich hab leider die kritik auf twitter nicht gelesen, aber die frage ist doch, was du ausdrücken möchtest. möchtest du sagen, dass deine kinder nicht weiß sind/als anders markiert werden/rassismus erfahren? dass sie in zwei (oder mehr) kulturen aufwachsen? ist das im moment für deine texte wichtig? bezeichnen sie sich schon selbst? wenn ja wie? warum „halb“ nicht so cool ist hast du ja selbst geschrieben. ich glaube es ist immer text/situationsabhängig welche begriffe gerade passen. und häufig ist es eben auch okay die hautfarbe/kulturellen einflüsse unbenannt zu lassen. mit coolen oder zumindest weniger problematischen begriffen kann ich aber leider auch nicht dienen.

  3. Ich finde es toll, wie offen und konstruktiv Du mit Kritik umgehen kannst – und das auch noch im öffentlichen Raum! Das kann nicht jede!

  4. Ortrud

    Ich denke schon, dass es möglich ist mit Sprache so achtsam umzugehen, dass wir mit unseren Worten möglichst wenig Diskriminierung reproduzieren und dass das auch meine Verantwortung ist, wenn mein Wunsch ist, dass ich möglichst vorurteilsbewusst und machtsensibel mit mir und anderen Menschen umgehen.
    Manchmal bedeutet das,
    etwas nicht zu sagen (weil ich merke, dass diese verbale Markierung gar nicht nötig ist, z.B. das eine*r einen Elternteil hat, di*er aus Peru ist),
    manchmal heißt das etwas zu benennen, was meist unbenannt bleibt, weil es der herrschenden Norm(vorstellung) entspricht (z.B. Cis-Frau zu sein),
    manchmal andere Begriffe (z.B. Selbstbezeichnungen statt Fremdbezeichnungen) zu verwenden als die mit denen ich sozialisiert wurde (z.B. Schwarz statt das N-Wort),
    manchmal etwas genau zu benennen statt eine „übliche“ Redewendung zu verwenden (z.B. statt „ich habe da einen blinden Fleck“ „ich nehme das noch nicht wahr“).

    Minulinu, wenn Du alle naselang gefragt würdest woher Du, der Mensch mit dem Du l(i)ebst, Dein Kind kommt, dann wärst Du vermutlich nicht so locker-flockig. Klar kann das eine Strategie sein dieser othernden Frage zu begegnen, aber auch so kostet sie Kraft.

    • Ich lebe einfacherweise total gesellschaftsakzeptiert und kann nur aus Berichten anderer lernen. Und klar kostet es Kraft, sich mit der rücksichtslosen Neugier Dritter auseinander zu setzen. Immer. Ich hab nur meine optimistischste Strategie vorgestellt, weil ich denke, dass Humor da sicher der einfachste Weg ist, wohlwissend, dass es mehr als eine Situation geben kann, in der Betroffenen der Humor im Halse stecken bleibt.

  5. Ortrud

    Unsichtbar, mir gefällt Deine Nachfrage, warum Anna Lisa überhaupt auf Twitter erwähnt hat, dass ihr Kind einen Vater hat, der in Taiwan geboren wurde.

    Ich denke, es ist wichtig darüber nachzudenken, warum wer wen benennt.
    Wenn es mal relevant sein sollte: eine Selbstbezeichnung ist People of Color, eine andere taiwanesisch-österreichisch, eine andere vielleicht asiatisch-europäisch.
    Wie benennt der Vater sich selbst und sein Kind?
    Benennt sich das Kind (bereits) selbst?

  6. Katrin

    Erstmal: Danke, dass du hier diese Diskusisonen beginnst, das „halbasiatisch“ ist mir aus genau dem Grund, den du nennst, auch aufgefallen. V.a., da ich selbst (bi-queere, weiß, in Wien lebend) ein Kind habe, dessen Vater aus Indonesien ist (und dort auch lebt). Mein Kind ist sicher vieles, aber nicht „halb“.
    Die Frage, wie ich auf „Das ist ja ein süßes Kind, was ist es denn und woher kommt denn der Vater“ reagieren soll treibt mich seid J.s Geburt um. Viele Denkanstöße hat mir dieser Artikel hier gegeben, vielleicht findest du dort auch welche: http://muthamagazine.com/2013/08/rhea-st-julien-on-that-hair/

    Schwierig finde ich besonders, dass ich auf keine der beiden Fragen wirklich eine Antwort geben kann. Weder auf die Frage nach dem Geschlecht, noch auf die Frage „woher“ J. den käme. J. kann ja noch nicht sprechen. Und solange das so ist, versuche ich immer, keine eindeutigen Antworten zu geben. Oder eben zu sagen, „Fragen sie J. doch selbst!“ und dann die Irritation bis Wut der anderen auszuhalten. Von mir aus spreche ich es nie an, es gab noch keine Situation, in der ich es relevant gefunden hätte.Und oft bin ich überrascht, wieviele Menschen tatsächlich glauben, das Aussehen meines Kindes sei einen Kommentar wert (von offen diskriminierend bis hin zu fast schon wieder witzig, wenn z.B. im Sommer mir Vorträge über die Schädlichkeit der direkten Sonnenbestrahlung von Babies gehalten werden).

    Ich glaube, mein Kind wird soviel fremdbestimmt/-benannt (werden), da ist es nicht meine Aufgabe, das auch noch aktiv zu tun, wenn es nicht zwingend notwendig ist. Vorbereiten muss ich J. sicher auf das, was noch diesbezüglich kommen wird. Und dafür finde ich Diskussionen wie diese hier wahnsinnig hilfreich! Mir selbst fehlen nämlich viel zu oft die Worte und ich hoffe, dass J. das mit meiner Unterstützung nicht so oft passieren muss.

  7. frauC

    Auch ich bin schon mein ganzes 40jaehriges Leben lang Halbasiatin, und kann nur sagen, es ist vollkommen wurscht fuer einen selber, wie man sich bezeichnet – denn verstehen tun’s die meisten sowieso nicht – halbasiatin, halbvietnamesin, mein vater kommt aus vietnam .. – sie werden ohnehin mindestens einmal nachfragen – und kraenken tut einen sowas ueberhaupt nicht. ich lasse mich auch von meinen freunden schlitzaug nennen, wenn ich sie im gegenzug schnitzlgsicht schimpfen darf. Bitte nicht soviel nachdenken!
    Dazu Slavoj Zizek: „Aber es gibt noch eine weitere Sache, die mich am Multikulturalismus stört. Wenn Leute mich fragen, wie kann ich sicher sein, dass ich kein Rassist bin, antworte ich: Es gibt nur einen Weg – wenn ich mit Angehörigen anderer Gruppen Beleidigungen und schmutzige oder brutale Witze austauschen kann und wir dabei beide wissen, dass es nicht rassistisch gemeint ist. Dieses politisch korrekte Spiel hingegen – Oh, ich respektiere dich, wie interessant sind deine Gebräuche -, das ist invertierter Rassismus und ekelhaft.“

  8. eva

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Ausdruck „halbasiatisch“ u.ä. problematisch finden kann. Der Grund ist, dass ich es total schön finde, dass sich mittlerweile auch in Deutschland Menschen aus der ganzen Welt zusammentun und Kinder kriegen. Und ich finde es, ganz naiv, erstmal spannend, was dadurch für unterschiedliche Traditionen und Sichtweisen in unsere deutsche Provinz getragen werden. Mein Mann ist Amerikaner, und unsere Kinder – klar – Halbamerikaner. Noch besser, er ist 1/8 (glaub ich) Cherokee, also sind meine Kinder 1/16 Cherokee. Ich find das cool und binde es gerne Leuten auf die Nase.

    Ich finde, bei einem Blog, in dem es auch um Familienleben in seiner ganzen Vielfalt geht, ist die Herkunft von Eltern oder Kindern nicht unbedingt irrelevant. Eine internationale Familie hat mit Sicherheit andere Themen, andere Probleme und andere schöne Seiten als eine mono-nationale. Und ich hoffe, dass diese auf dem Blog thematisiert werden dürfen!

  9. ich denke, problematisch ist immer auch: wer markiert wen. und: was wird markiert (also extra gesagt und betont) und was ist die norm. und, ja, sicher: genau das möchten wir hier auf diesem blog thematisiert wissen! aber eben nicht nur die schönen seiten einer „internationalen familie“, wie du schreibst, eva, sondern eben auch die weniger schönen.
    und nicht alle menschen wollen sich über nation und herkunftsnation ihrer eltern und eltern der eltern definiert wissen. ich bin keine „betroffene“, aber ich stelle mir die ständige einordnung von identität störend bis diskriminierend vor. Lesenswert dazu fand ich: „Am I a human Rorschach test?“ http://mediadiversified.org/2013/09/03/being-mixed-race-am-i-a-human-rorschach-test/

  10. eva

    Du hast natürlich völlig Recht, dass es viele Umstände gibt, unter denen es unangemessen, respektlos, doof ist, eine Person auf ihre Herkunft festzunageln. Und diese Umstände bestehen natürlich besonders in einer Gesellschaft wie der unseren, in der Rassismus existiert. Ich glaube, in meinem vorigen Post kam (ohne dass ich es merkte) mein Frust darüber zum Vorschein, dass eine an sich schöne Sache – Vielfalt, Mobilität, Internationalität – de facto Probleme nach sich zieht wie das, das diesen Blogpost ins Rollen brachte.

  11. Ortrud

    Es geht nicht darum, ob in einem Blog, der sich „Magazin für femistische Mutterschaft“ nennt, nicht thematisiert werden „darf“, dass eine der Autorinnen* Mutter eines Kindes ist, dessen Vater in Taiwan geboren wurde.

    Der Punkt ist warum wird es thematisiert, gibt es einen Kontext oder ist es lediglich kontextlose Markierung aus unklarer Motivation.
    In diesem Text hat Anna Lisa das Thema „Wortwahl“ / „Benennen“ in einer rassistischen Gesellschaft thematisiert und offen gemacht, welche Erfahrung und Fragen sie damit hat, da ihr Kind einen Vater hat, der in Taiwan geboren wurde.

    Es ist auch möglich, dass ein Mensch sagt ich bin, z.B. österreichisch und kanadisch (und zwar ohne automatisch zwei Staatsangehörigkeiten zu besitzen).

    Dort halb-….. das basiert auf einer rassifizierenden Sicht auf Menschen, bei der von Genen ausgegangen wird, die eine Zugehörigkeit zu eine „Rasse“ oder auch einer Nation ausmachen.
    Auch der Umgang in USA mit der Zurechnung von Menschen zu einer oder mehreren der ersten Nationen Amerikas basiert, auf dieser Art zu denken.

    Für mich schmeckt das Menschen auf die Nase binde, das „mein“ Kind zu xy-Prozent zu einer ersten Nationen der USA gehört nach exotifizierenden „Stolz“ einer vermutlich weißen deutsch-sprachigen Frau.

    Eva, welche Rolle spielt im Leben „Deines“ Mannes*, dass er einen Urgroßelternteil hat, di*er zur Cherokee-Nation gehörte? Fühlt er sich selbst den Cherokee zugehörig?
    Was bedeutet es für „Dein“ Kind, dass es ein Ur-Ur-Gruoßelternteil hat, di*er zur Cherokee-Nation gehört?

    Warum ist es Dir wichtig das irgendwem zu erzählen?

  12. eva

    Ortrud, ich geb’s zu, ich hab ein bisschen übertrieben. Ich fange mit der Cherokee-Geschichte eher in den seltenen Situationen an, wo sie zum Gesprächsthema mit Freunden passt. Z.B. wenn ich über das (realitätsferne) Indianerbild in deutschen Kinderbüchern lästere.

    Meine Motivation darüber zu reden, dass meine Kinder halb-amerikanisch sind, ergibt sich oft daraus, dass sehr viele Kinder in unserem Freundeskreis ebenfalls aus internationalen Familien kommen. Und dass es oft interessant ist und hilfreich sein kann, sich über Erfahrungen auszutauschen, die man damit macht. Und dann kommt dazu, dass ich (wie oben schon angesprochen) Internationalität mag, und dass ich es mag, dass man sie auch in einer ganz normalen deutschen Stadt leben kann.

  13. Ortrud

    Eva, Danke für Deine Offenheit. Über Deinen ersten Beitrag war ich sehr irritiert.

  14. Neeva

    Wenn die Sprache darauf kommt, sage ich über meinen Sohn „Der Großvater stammt aus der Türkei“. Das war z.B. in den ersten Tagen im Krankenhaus interessant, als manche von den Kinderschwestern sich Gedanken über Neugeborenengelbsucht gemacht haben, weil sein Hautton deutlich dunkler und „gelber“ ist als meiner.

    Jetzt mal ganz ahnungslos zum eigentlichen Thema: Was ist mit der Bezeichnung eurasisch bzw. EurasierIn? Ist vielleicht nicht ganz so historisch belastet wie halb-was-auch-immer. Bitte verbessert mich falls ich mich irren sollte.

    • Katrin

      Puh.. das erinnert mich an die Kinderkrankenpflegerin im Krankenhaus, die original meinte, ich hätte mein Kind geschlagen, weil er diesen blauen Fleck am Steißbein hatte, den viele Kinder von Eltern haben, die nen unterschiedlichen Hautton haben.

      Und eurasisch? Kenn ich jetzt nur als Bezeichnung aus dem Erdkundeunterricht. Meint da halt den riesigen zusammenhängenden Kontintent von Europa bis Asien. Innerhalb dessen es so viele unterschiedliche Menschen gibt, dass es auch wieder genau gar nichts aussagt, oder?

  15. Katrin

    http://www.deutschland-schwarzweiss.de/nachhilfe_im_weisssein.html
    Auf dieses Buch von Noah Sow bin ich in dem Zusammenhang auch gespannt. Hab’s leider noch nicht gelesen, aber auf der „Nachhilfe im Weißsein“ wird einigen angesprochen, was hier auch schon thematisiert wurde.

    Und frauC: Ist es nicht ein Unterschied, ob du als Erwachsene über dich selbst sprichst, oder ob Erwachsene über Kinder sprechen, die oft noch gar nicht die Möglichkeit haben, über sich selbst zu sprechen?

    Irgendwie vermischen sich in dieser Diskussion jetzt für mich die Sachen.
    Jemand als „halb-wasauchimmer“ zu bezeichnen finde ich geht gar nicht. Die Menschen, um die es hier geht sind ja, wie du, Anna, bereits geschrieben hast, nicht halb, sondern ganz.

    Auf einer anderen Ebene ist die Frage dessen, was einen Mensch ausmacht. Und da kann die Herkunft eine mehr oder weniger wichtige Rolle für die eigene Identität spielen. Das kann aber, finde ich, nur die Person selber entscheiden inwieweit sie da drauf eingehen möchte. Wenn sie auch leider in unserer Gesellschaft nicht selbst entscheiden kann, ob sie es zum Thema macht. Viel zu oft ist das eine der ersten Fragen, die gestellt wird, wenn mensch nicht nach Schema F des jeweiligen Ortes aussieht. Siehe der Sow-Link. Nachdem deine Kinder noch so klein sind Anna, und (ich weiß jetzt nicht, schätze einfach mal) wahrscheinlich noch nicht selber von sich als „asiatisch“, „österreichisch“, wasauchimmer reden, warum überhaupt was dazu schreiben? Warum nicht die Klassifizierung deiner Kinder vermeiden (das werden leider eh andere schon machen) und über dich und den Vater sprechen (der kann dir ja sagen, als was er sich bezeichnet sehen möchte).

    Und wenn es dann darum gehen soll in Blogeinträgen, was das Leben in einer internationalen (Fern-)Beziehung mit Kindern so mit sich bringt an Schönem und Hässlichen, dann freu ich mich schon! Das ist nämlich echt was, wie schon in meinem ersten Post beschrieben, was mich umtreibt und wo ich in der deutschsprachigen Blogszene viel zu wenig bisher gefunden hab. Ich kenn z.B. außer mir keine Eltern, die schonmal gefragt wurden, ob es eigentlich schwierig sei, Kinder aus dem Ausland zu adoptieren…

  16. Zu allererst möchte ich sagen, dass ich mich sehr über die interessante Diskussion hier freue.
    Und dann vielleicht noch eine kurze Erklärung zu dem Vorfall auf Twitter: Leider habe ich ihn auch nicht verfolgen und daher nicht sofort auf sie Kritik reagieren können. Frauke hat vermutlich die Beschreibung der Autorinnen getwittert, woraufhin die Reaktionen kamen. Connie hat mir am Tag darauf davon berichtet und ich wollte das einfach nicht so stehen lassen – daher der Text hier.

    Meine Kinder sind tatsächlich noch zu klein, um sich selbst zu bezeichnen oder zu beschreiben, aber gerade in diesem Fall erscheint es mir noch wichtiger, meine Worte mit Bedacht zu wählen. Vor allem dann, wenn sie zuhören. Katrin hat das ja schon sehr schön geschrieben.
    Der Vater der Kinder spricht übrigens in diesem Kontext meist von einer österreichischen Mutter, wobei ich sagen muss, dass er viel weniger in die Situation kommt darüber zu reden. Gestern habe ich ihn am Telefon gefragt, ob er wisse, dass man den Ausdruck „halbasiatisch“ nicht verwendet. Seine Antwort war: „Of course! That sounds horrible.“
    Er ist mir in dieser Problematik aber weit voraus, immerhin hat er gut zwei Jahrzehnte in den USA verbracht. Übrigens ist er auch Amerikaner. Nunja, er hat die amerikanische Staatsbürgerschaft, ob er sich selbst auch als Amerikaner sieht, bezweifle ich ein wenig. Das heißt, meine Kinder sind…und genau das sollen sie selbst entscheiden. Sie sollen entscheiden, worüber sie sich wie definieren und ich will sie dahingehend so wenig wie möglich beeinflussen.
    Ich bin wirklich froh über diese Diskussion, die mir das erst so richtig bewusst gemacht hat.

  17. Und dann würde ich bitte gern im Nachhinein „meine Kinder“ durch „unsere Kinder“ ersetzen…

  18. mili tanzt

    sörry aber du hast eine solche biologistische und nationalistische einstellung, dass es mir schwer fällt zu glauben, dass deine kinder von dir lernen können, über ihre identität frei wählen zu können! sonst würdest du den unterschied kennen zwischen „meine(!) kinder sind….“ und etwa: „stammen ab von… (mutter und vater, die wiederum….)und was soll denn bitte bedeuten, dass dein offensichtlich von rassismus betroffener mann, in der problematik voraus ist, weil er in USA gelebt hat? (der sinn des satzes ist durch logisches denken nicht erkennbar! ich interpretier da jetzt also die absurdesten kausalketten rein…) du reproduzierst – und das wahrscheinlich nicht nur aus versehen in deiner sprache, das zeigt deine argumentation – hier nur rassistische stereotype! ich habe den eindruck du findest dich sehr interessant mit deinem offensichtlich nicht-weißen mann! (andernfalls hättest du es ja für nötig empfundenauch deine abstammungsverhältnisse zu klären) und wenn du schon in solch globalen räumen denkst wie „asiatisch“ (das kann doch nicht dein ernst sein!) dann kannste ja auch gleich sagen: mensch dieser welt. was sollte eigentlich der informationsgehalt deiner getroffenen aussage sein? deshalb sag ich immer: erst denken, dann reden! und falls du tatsächlich so verwirrt bist über die identifikationspotentiale deiner kinder, hier mein ernstgemeinter rat: sag dir einfach immer: „in erster linie mensch“! (hoffentlich werde ich dafür jetzt nicht von diesen human-animal-studies-mitdenker_innen angefeindet)
    aber HAUPTSACHE EGAL!

  19. Ortrud

    Was mich erstaunt, Anna Lisa, ist, dass Du offensichtlich noch nicht mit dem Vater Deiner Kinder über Fremd- und Selbstbezeichnung und wie er sich und Eure Kinder selbst bezeichnet gesprochen hast.
    Glaubst Du bevor in den USA lebte, hat er keine Erfahrung mit Rassismus gemacht, denkst Du er erlebt in Österreich keinen Rassismus?
    Ihr seid Eltern zwei Kinder, richtig? Also besteht Eure Beziehung nicht erst seit gestern, gab es nicht schon länger Anlass für Dich Dich mit Deinem Weiß-Sein und mit Rassismus zu beschäftigen? Auch nicht vor und jenseits Eurer Beziehung?
    Wenn ich mich richtig erinnere, arbeitest Du als Fotografin. Gab es z.B. nie im Kontext Deiner Arbeit Anlässe Dich mit Rassismus, Weiß-Sein und Repräsentanz / Darstellung von Menschen (z.B. in der Fotografie) zu beschäftigen?

    Doch was ich bei allen Fragen, die mir den Sinn kommen, gut finde, ist, dass mein Eindruck ist, das Du bereit bist damit anzufangen, Dich mit Deinem Weiß-Sein und Rassismus auseinander zu setzen und damit, was es für Deine Kinder heißt in einer rassistischen / rassifizierenden Gesellschaft aufzuwachsen.

  20. Zu dem Kommentar von mili tanzt kann ich jetzt gar nicht viel sagen, weil ich nicht weiß, was ich sagen soll. Ich könnte ja jetzt anfangen zu beteuern, wie tolerant und offen ich doch für alles bin und dass ich dieses und jenes ja gar nicht so gemeint habe. Es wird wohl falsch rüber gekommen sein, schon wieder meine Wortwahl…und so weiter und so fort. Aber das würde nichts bringen, verzweifelt aussehen und so als müsste ich mich verteidigen. Zum Nachdenken hat er mich allemal angeregt und vielleicht fällt mir noch eine passende Antwort ein.

    Ortrud kurz zu deinen Fragen: bevor er in die USA kam, hat er schon so etwas erlebt. Aber wie nennen wir das? Gezielte Diskriminierung oder Rassismus oder? Ich glaube, dafür müsste man vorher definieren, was die LeserInnenschaft hier unter den Begriffen „Rasse“, „Volk“, „Bevölkerung“ und „Volksgruppe“ versteht und ich müsste meinen Mann fragen, wie er selbst es erlebt hat. Es ging aber vermutlich über das hinaus und war systematischer, aber eben auch ganz anders als das, was er in den USA erlebt hat. Mit meinem Bezug auf sein Leben dort habe ich übrigens bloß gemeint, dass er sich durch sein Fremdsein dort viel mehr mit gewissen Ausdrücken und Rassismus beschäftigt hat als ich bisher. Rassismus in Österreich haben wir einmal gemeinsam erlebt – das kommt in einem zukünftigen Text von mir kurz vor.
    Ob mir jetzt noch geglaubt wird, dass ich mich mit meinem Weiß-Sein und Rassismus auseinandersetze, dass ich mich selbst in einem anderen Land lebend auch schon diskriminiert und an den Rand gedrängt gefühlt habe, weiß ich nicht.

    Ich habe jetzt in meiner Beschreibung ein paar Dinge gelöscht. Nicht, weil ich mich vor der Diskussion drücken will, sondern weil ich noch einmal gern darüber nachdenken würde.

    Übrigens sind die Fragen, die mir in den letzten 19 Monaten am häufigsten gestellt wurden: woher kommt der Name? Also ist der Papa aus China? Dann wächst sie also zweisprachig auf?
    Das wurde mir erst heute auf dem Spielplatz bewusst.

  21. Anna Lisa, halte ruhig den Kopf hoch. Deine Fragen sind wunderbar und wichtig und führen weiter. Und die meisten Antworten kommen nicht mitten im Diskurs sondern danach, wenn Du aus dem Bauch heraus antwortest und Dich fragst, warum Dir das nicht schon vor zwei Jahren eingefallen ist.

    …ich rede übrigens auf Spielplätzen verstärkt nur mit den Eltern, die ich kenne, weil mir der ganze oberflächliche Kinder-Bla einfach zu anstrengend ist. Ich muss nicht wissen, ob die Annie-Lotte wirklich seit dem Zahnen gar nicht mehr durchschläft und dass der Julius-Lukas nach der Krabbelstube immernochmal auf den Spieli muss, weil er sonst nicht ruhig zu kriegen ist…uargh

  22. Katrin

    Mili tanzt: Was meinst du mit „Hauptsache egal“?
    Es ist nämlich – leider! – eben ganz und gar nicht egal weißer Elternteil eines PoC-Kindes zu sein.
    Da gibt es taglich x Dinge, mit denen sich weiße Eltern eines als weiß gelesenen Kindes nicht mal ansatzweise auseinandersetzen müssen.

    Und für das eigene erziehen ist es meiner Meinung nach immens wichtig, Kinder nicht (nur) über die Herkunft ihrer Eltern zu definieren (abgesehen davon, dass diese „Herkunft“ ja auch nicht wahnsinnig aussagekräftig ist, mensch kann ja bekanntermaßen z.B. die deutsche Staatsangehörigkeit haben aber aufgrund von Äußerlichkeiten permanent als „fremd“ betrachtet werden). Aber Kinder bekommen es ja (leider oder zum Glück, wie mensch das sehen mag) auch mit anderen zu tun. Die anders denken. Und sie selbst und die Eltern dann permanent darauf ansprechen. Sich zu überlegen, wie damit umgehen und mit anderen darüber zu sprechen finde ich immens wichtig. Und dafür muss mensch halt auch erstmal sagen, „ich bin weißer Elternteil eines PoC-Kindes“. Persönlich hat es mich gefreut, als ich das in den Autorinnen*beschreibungen gelesen habe.

    Klar, wenn menschen so schreiben/reden, als ob „Afrika“ oder „Asien“ ein Land wäre, möchte ich auch immer gerne mit Atlanten um mich werfen. Wenn jetzt aber die Tatsache, dass ihr eine internationale Beziehung führt (was viel mit eurem gemeinsamen Beziehungsleben zu viert macht) und die Tatsache, dass deine Kinder, Anna Lisa, nicht den 08/15-Erwartungen der Menschen hier entsprechen (was auch viel mit eurem Leben macht) unter den Tisch fällt, dann fände ich das schade.

    Ich kann jetzt nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, aber Fragen, mit denen ich bereits konfrontiert war (und den meisten anderen mir bekannten Eltern wurden diese Fragen noch nie! gestellt) sind vor allem:
    – Ist das ihr Kind? (und ich bin jetzt nicht gerade begeistert davon, dass immer davon ausgegangen wird, dass die Frauen*, die Kinder begleiten, automatisch auch die Mütter* sind, aber das ist nochmal eine spezieller gemeinte Frage)
    – Ist es schwierig, Kinder aus dem Ausland zu adoptieren?
    – Woher kommt denn der Vater?
    – Glauben sie nicht, dass sie ohne den Vater ihrem Kind gar nicht gerecht werden können? (Erklärung: Ich bin alleinerziehend)
    Dann noch die Standardfrage „Was ist es denn?“. Und das war es dann auch schon so ziemlich, was die Leute wissen wollen. Abgesehen davon, was das mit mir macht, aber wie soll es denn J. mal gehen damit, wenn er das alles versteht??? Wie soll ich darauf reagieren, ohne wiederum J. zu verletzen, in dem ich ihn auf die Herkunft des Vaters in der Antwort reduziere.
    Und dann sind da noch so bürokratische Fragen wie die der doppelten Staatsbürger_innenschaft etc. Zollbeamt_innen, die bei der Ausreise am Flughafen den Pass doppelt und dreifach checken.
    Immer und immer wieder die Infragestellung dass die Person, zu der J. „Mama“ sagt, auch „wirklich“ J.s „Mama“ ist. Und die Infragestellung von J.s „rechtmäßigem“ Aufenthalt hier. Als doppelt nicht österreichisch Staatsbürger_in, nicht weiß.

    Da würd ich echt gerne drüber diskutieren. Und über die Worte, die wir dafür verwenden, auch.

  23. Katrin, wir hatten auch den fall, dass am Tag nach der Geburt unserer Tochter der Kinderarzt meinte, ich hätte sie fallen gelassen. Und ob ich das denn beim Wickeln nicht gesehen hätte? Es sei auch viel zu großflächig und hell für einen „Mongolenfleck“.
    Dass ich knapp 24 Stunden nach dem Kaiserschnitt noch nicht in der Lage gewesen war, mein Kind selbst zu wickeln, hat er natürlich nicht bedacht und dass sein aggressives Auftreten kurz nach der Geburt ziemlich beängstigend war auch nicht.
    Als das vermeintliche Hämatom nach wenigen Tagen immer noch gleich aussah, meinte er mit einem Grinsen zu meinem Mann: „Oh, there must be an Asian in the family.“

  24. Liebe alle, für mich liest sich das hier leider sehr als würden sich vor allem weiße ÜBER PoC und Begriffe unterhalten ohne sich mal die Mühe gemacht zu haben sich zu informieren (mal abgesehen von dem Noah Sow link). Das finde ich sehr schade, weil viele eurer Fragen ja schon von eben diesen PoC beantwortet wurden.

    Hier mal eine klitzekleine Auswahl an Leseempfehlungen:

    Das Dangerbananas Blog http://dangerbananas.blogspot.de/ und insbesondere wohl dieser text:
    http://dangerbananas.blogspot.de/2014/01/der-default-und-das-nicht-normale-ein.html

    Susan Arndt, Nadja Ofuatey-Alazard (Hg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht – (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. http://www.unrast-verlag.de/gesamtprogramm/allgemeines-programm/antirassismus/wie-rassismus-aus-woertern-spricht-340-detail

    Arndt, Susan: Die 101 wichtigsten Fragen – Rassismus http://www.chbeck.de/Arndt-101-wichtigsten-Fragen-Rassismus/productview.aspx?product=10271080

    und natürlich auch Noah Sow: Deutschland Schwarz Weiss

    • Katrin

      Danke für die Lesetipps. Dangerbananas lese ich oft und gerne.
      Nur, und deswegen „heul“ ich hier auch grad ein bißchen rum, meine Erfahrung in den letzten Monaten hat mich gelehrt, ich kann mich mit dem Thema auseinandersetzen wie und so oft ich will, er erwischt mich immer wieder kalt. Jedes einzelne Mal. Und diese Sprach- und Hilflosigkeit macht mich rasend.

      Noch dazu ist „mein“ Kind jetzt noch zu klein, um mit ihm darüber zu sprechen. Und wer weiß, was für ihn gut und richtig ist? Müßige Frage, klar. Aber ich will meine critical whiteness-Arbeit an mir selbst auch auf gar keinen Fall auf seinem Rücken austragen. Vielleicht will er damit einfach in Ruhe gelassen werden später mal? Da erwisch ich mich dann immer wieder dabei, dass ich Sätze unkommentiert stehen lasse oder, im Gegenteil, anfange ihn gegen die Ignoranz der anderen zu verteidigen ohne den Hauch einer Ahnung zu haben, ob J. überhaupt verteidigt werden will. Und dann bin ich wieder an dem Punkt: Wann mache ich mein Problem zu seinem und verletze damit seine Grenzen.

      Und ja, insofern spreche ich nicht mit, sondern über eine Person. Weil ich mit der betreffenden Person nicht sprechen kann. Und auch das ist eine neue Erfahrung für mich, da habe ich – aufgewachsen und lebend in einem Umfeld so gut wie ohne Kleinkinder – keine Übung drin.

  25. Ortrud

    Unter „Rasse“ verstehe ich eine rassistische, ideologisch konstruierte und unterfütterte (auch mit angeblicher neutraler Wissenschaft) Kategorie, die eine wesentliche Basis zur Einteilung und Hierarchisierung von Menschen in sog. „Rassen“ und damit für Rassismus und Rassifizierung ist. Dieser Begriff ist in keiner Weise neutral verwendbar.
    „Volk“ hat einen teilweise ähnlichen Hintergrund wie „Rasse“ (Stichwort „völkisch“, „Volksgemeinschaft“ etc., wird aber auch in anderer Weise verwendet, z.B. Menschen einer Staatsbürger*innenschaft/ einer Nation (was ja auch beides Konstrukte sind) oder Menschen einer Gruppe, die sich durch gemeinsame Sprache, Geschichte, Gegenwart, Traditionen, Umgangsformen, Musik etc. einander zu gehörig fühlen oder auch im Sinne einer Abgrenzung von Elite / Adel / Oberschicht. Ich finde es teilweise schwierig mit diesem Begriff umzugehen und die Vielschichtigkeit der Geschichte und lesbarkeit zu berücksichtigen. Definitiv lehne ich den völkisch Volksbegriff ab.
    „Volksgruppe“ hat einen hierachisierenden Hintergrund ähnlich wie „Stamm“ oder „Ethnie“ und wird ähnlich wie „Rasse“ verwendet, deshalb lehne ich all diese Begriffe ab.

    Wenn ich lese, dass eine weiße Österreicherin schreibt, dass sich in einem anderen Land diskriminiert gefühlt hat, frage ich mich, wo das gewesen sein soll, dass die Machtverhältnisse so gewesen sind, dass es Diskriminierung war (außer Deutschland) und nicht das Ausgesetzt-sein von Vorurteilen, was durch die Nicht-Wahrnehmung der eigenen Person auch sehr schmerzhaft sein kann.

    Anna Lisa, die Frage, die Dir auf dem Spielplatz gestellt werden sind typisch für Othering und Rassismus, in „neugieriges Interesse“ verkleidet. Anstrengend für Dich, aber auch mit Wirkung auf Deine Kinder, die diese Fragen und auch Deine Reaktionen mitbekommen. Auch wenn sie vielleicht noch nicht alles inhaltlich verstehen, bekommen sie doch die Stimmung und letztlich die Botschaft mit.

    Katrin, ich muss sagen ich verstehe manches nicht, was Du schreibst.
    Du schreibst von dem Kind, dessen Mutter Du bist und Dir.
    Ihr lebt beide in Österreich und habt beide nicht die österreichische Staatsangehörigkeit und seit beide PoC? Ich habe das nicht verstanden und habe deswegen Schwierigkeiten die Situation am Flughafen zu verstehen.

    Die Fragen, die Dir gestellt werden sind massiv grenzverletzend, privat und unverschämt. Ich weiß, dass es oft schwer fällt, aber ich würde versuchen sie gar nicht zu beantworten oder mit Konter(fragen) überlegen, die das Gespräch beenden oder den Spies umdrehen. Als Inspriration vielleicht das hier schauen:

  26. Ortrud

    Eva, ich habe Deinen letzten Beitrag jetzt noch mal gelesen und merke, dass ich immer noch über das stolpere, was Du schreibst.
    Warum müssen Deine Kinder herhalten, wenn es um stereotype Darstellung von Angehörigen der ersten Nationen Amerikas geht? Sind sie der lebende Beweis für irgendwas? Ich denke, das klingt vorführend, othernd und exotifizierend und ich denke nicht, dass es Deinen Kinder gut tust, wenn sie hören, wie Du in diesem Kontext auf sie oder ihren Vater „verweist“.

    Ähnlich geht es mir auch, wenn ich lesen, dass Du „Internationalität magst“ (was auch nach Exotifizierung riecht / schmeckt) und im Kontakt mit Familien, die Du als „international“ bezeichnest, sagst, dass Deine Kinder „halb-amerikanisch“ sind.
    Sind sie Deine Eintrittskarte, Deine Legitimation für irgendwas, für den Zugang zu ….?

    • Eva

      Ich sehe gerade erst deine weitere Rückfrage, Ortrud.

      Auf mich wirken deine Fragen so, als wolltest du mir verschiedene Dinge unterstellen, was ich unfair finde. Ich habe trotzdem das Bedürfnis, zu erläutern, woher meine Aussagen kamen.

      In meinen Freundeskreisen gibt es Leute unterschiedlicher nicht-deutscher Herkunft. Das ist anders als in meiner Kindheit und Jugend, und ich empfinde das als Bereicherung. Warum? Es rückt manche scheinbaren Selbstverständlichkeiten ins rechte Licht und es ist einfach an sich spannend, etwas über unterschiedliche Lebensweisen und Traditionen zu erfahren.

      Mein Eindruck ist, dass man, wenn man nur mit einer Lebensweise konfrontiert ist, sagen wir mal nur mit weißen deutschen Heteros rumhängt, es schwer vermeiden kann, gegenüber Menschen, die in den Standard, den man kennt, nicht passen, Vorurteile zu entwickeln. Und das auch, wenn man weiß, dass Vorurteile Quatsch sind. Umgekehrt ist mein Eindruck, dass ich durch meine mittlerweile eher internationalen Freundeskreise einiges (sicher nicht alles!) an unterschwelligem Vorurteils-Ballast losgeworden bin. Und das kann ich für meinen Teil nur erfreulich finden. Ob sich aus dem allem ableiten lässt, dass ich unter Exotismus leide, wage ich nicht zu beurteilen. Wenn ja, bin ich bereit, damit zu leben (und es mit Humor zu nehmen – irgendwelche Schwächen hat ja jede/r).

      Zu der ganzen Debatte, die unter diesem Post geführt wurde, scheint es mir darüber hinaus sinnvoll, zwei Fragen zu unterscheiden, 1. die, ob man überhaupt über die Herkunft einer Person sprechen sollte, und 2. wenn ja, wie man das tun sollte.
      Zu Frage 1 scheint mir relevant zu sein, wie gut man die Person kennt, um die es geht. Wenn es, wie im hier diskutierten Fall um die Herkunft der eigenen Familienmitglieder geht, scheint es mir viele Situationen zu geben, in denen es gut und richtig ist, darüber zu sprechen (und falsch, darüber zu schweigen). Selbst wenn es um etwas so Banales wie Anekdoten zu lustigen kulturell bedingten Missverständnissen zwischen mir und meinem Partner geht.
      Zur 2. Frage gibt es offensichtlich Grenzen, aber ich finde es nicht offensichtlich, wo hier die Übergänge zwischen „moralisch verboten“, „schlechter Geschmack“, „leicht irritierend, aber noch ok“, „einwandfrei“ liegen. Und ich bin mir nicht sicher, ob man das einfach kontextfrei sagen kann. Während ich mich moralischen Geboten gerne beuge, macht es mir Spaß, den guten Geschmack zu verletzen. Und, wiederum abhängig vom Kontext, scheinen mir starke Sprachverbote eher schädlich zu sein für einen offenen und freien Umgang unterschiedlicher Menschen miteinander. Wenn jemand mein/e Freund/in ist, will ich mich doch mit ihm/ihr über Dinge austauschen, und möglichst wenig kognitive Energie darauf verschwenden zu überlegen, wie ich das, was ich inhaltlich sagen möchte, jetzt formulieren muss. (Dass diese Freiheit durch Wünsche meines/er Freund/in eingeschränkt wird, ist klar.)

  27. Anna

    Dieser Blog http://www.blackgirldangerous.org/ ist vielleicht ein guter Ausgangspunkt zum weiterlesen wenn du möchtest Anna Lisa?
    Insbesondere das hier http://i2.wp.com/www.blackgirldangerous.org/wp-content/uploads/2013/08/8-ways-poster-smaller.jpg, da findet sich einiges auch in der Diskussion wieder.

    Ansonsten fällt mir leider auch keine konkrete Antwort ein außer vieles von dem, was du selbst bereits angesprochen hast. „Halb“ ist kein Mensch und Asien ist ein Kontinent mit über 4 Milliarden Einwohner_innen, was soll also „asiatisch“ aussagen?

    Was willst du denn sagen bzw. warum hast du es ursprünglich hingeschrieben? Vielleicht findest du dann eine bessere Beschreibung deiner Familie(nsituation) wenn du den beiden Fragen nachgehst?
    Und muss das in einer (immer verkürzenden) Selbstdarstellung so überhaupt drinnen stehen? Warum nicht dann ansprechen, wenn es in einem deiner Artikel Thema ist. Und dann in Bezug auf das, was du beschreibst. Also z.B. sollten aufenthaltrechtliche Sachen eure Familie betreffen, dann wäre die Staatsbürgerschaft deines Lebensgefährten und deiner Kinder sicher ein Thema, oder?

    Und solange deine Kinder noch nicht selbst sich soweit (für dich verstehbar) ausdrücken können, wirst du eh nicht drauf kommen, wie sie sich selbst bezeichnen würden. In der Situation „über Menschen, die selbst nicht sprechen können“ kann mensch sich doch nur gut vorbereiten darauf, es hoffentlich so wenig wie möglich zu verbocken. Was du eh machst wie mir scheint.

  28. Anna Lisa

    Danke für eure Lesetips. Die Bücher werde ich mir besorgen und hoffentlich in naher Zukunft auch mal die Ruhe finden, sie zu lesen.
    Ich will ehrlich gesagt an dieser Stelle nicht mehr allzu viel zu dem Thema sagen, auch weil manche Fragen jetzt so ins Detail gehen und persönlich werden, dass ich nicht mehr antworten mag.

  29. Berit

    Ich finde es witzi, das ihr euch gegenseitig selbst zerfleischt und die einzige Person, die es wirklich betrifft und die darüber kommentiert hat, einfach ignoriert.

    Davon mal ganz abgesehen, finde ich den Umgangston teilweise sehr rau, gerade von dir Ortrud. Jemanden gleich einen verbal über den Deckel zu ziehen, nur weil er ein Wort / einen Ausdruck benutzt hat, den du nicht korrekt findest, ist nicht die feine Art. Es wirkt einfach nur belehrend und rechthaberisch. Wir sind alle an unterschiedlichen Punkten der Reise und alle bemüht eine Ausdrucksart zu finden, die niemanden diskriminiert. Dies sollte man in seinen Antworten berücksichtigen. Anstatt „Wie kannst du nur, das ist X, Y und vor allem Z was du hier machst“, wäre ein Hinweis auf entsprechende Artikel mit der Einleitung „Mir ist aufgefallen, das du X, Y und Z erwähnt hast, ich denke dadurch könnte sich Person A diskriminiert fühlen. Wenn du magst, ist hier ein weiterführender Artikel zu dem Thema“.

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