Nicht-Mütter als böse Frauen

von Katja

Mythosmütter

Quer durch die Kultur- und Religionsgeschichte begleiten uns böse Frauen. Böse Frauen in Form von Dämoninnen, die armen Männern die Lebenskräfte (oder Säfte) entziehen und auf Wöchnerinnen, Schwangere und kleine Kinder losgehen; böse Frauen in Form von biblischen Sünderinnen wie Eva, Lilith und Maria Magdalena; vom Teufel angeleitete Hexen, die ihr böses Werk an allem was den Fortbestand unserer Art betrifft (Agrarwirtschaft und menschliche Reproduktion) vollziehen; und böse Frauen in Gestalt der Vampirinnen, Vamps und der Femmes fatales. Seit ca. 20 Jahren gibt es sogar böse Mädchen. Diese sind ebenso wie ihre erwachsenen Ahninnen verführerisch in ihrer Gestalt, leben ihre sexuellen Fantasien aus und sind ebenfalls eines nicht: Mütter. Und wenn, dann keine guten.

Bloß keine schlechte Mutter sein

Mutterschaft scheint per se die Essenz des Weiblichen zu sein, zumindest wenn mensch der westlichen Kultur- und Religionsgeschichte Glauben schenkt. Mutter und fügsam, Mutter und dienend, Mutter und sexuell zurückhaltend. All das sind die bösen Frauen der Historie nicht. Als negatives Spiegelbild dienen sie seit jeher, um die realen Frauen der Gesellschaft auf ihren Platz zu weisen, ihnen klar zu machen, was denn passiert, wenn eine plötzlich sexuelle Wünsche auslebe oder sich ganz und gar der Mutterschaft verweigere beziehungsweise gar daraufhin wirke, diese bei anderen Frauen zu verhindern. Wahnsinn, Verbannung, Tod, Selbstmord sind kurz zusammengefasst die Konsequenzen. Sowohl in den Mythen rund um die Kindbettdämoninnen (allen voran Lilith), als auch in der Literatur finden böse Frauen niemals ein gutes Ende und zahlen ihren symbolischen (die Hexen auch ihren realen) Preis für die Störung der patriarchalen und heteronormativen Lebenswelt. (vgl. Berlis 2006, Höpflinger 2008, Heimerl).

“The threat of being perceived as a bad woman works very effectively to keep us as women in our place, or at least looking like we are in our place. The threat is effective because it is all-pervasive, from media coverage of women’s violence to our own successful internalization of guilt and fear of failure, tied directly to nurture, as mothers, daughters, sisters, sexual partners, and workers in the public arena.” (Cooey 1997, S. 149)

Dabei geht es in den realen Entsprechungen nicht ausschließlich um biologische Mutterschaft. Grundsätzlich entkomme eine Frau nach Cooey den Zuschreibungen mütterlicher Fähigkeiten und Verantwortlichkeiten ohnehin nicht. Auch Formen von Bemutterung, die Pflege anderer Menschen oder die Übernahme von Verantwortung würden insbesondere bei Frauen unter dem Stichwort Mütterlichkeit als Essenz von Weiblichkeit subsumiert – und dienen dabei als qualitativer Gradmesser. Selbst die grundsätzliche Entscheidung gegen eine biologische Mutterschaft liesse Schlüsse darauf zu, ob es sich hier um eine gute oder schlechte Mutter/Frau handle; da sie sich mit ihrem Verhalten gegen die Natur stelle. Abtreibung ist damit ein absolutes No-Go. (vgl. Cooey 1997).
Mutterschaft/Weiblichkeit wird besonders in der Tradition des Christentums als rein verkauft. Zudem scheint die echte (=gute) Frau bar jeden Verdachts auf Schlechtigkeit oder Boshaftigkeit – zumindest um die Entstehungszeit der Bibel. Selbständig handelnde Frauen werden unter dem Motto Denn sie wissen nicht was sie tun stilisiert und im Zweifelsfall ist es immer der böse (männliche) Teufel, der Schuld an allem trägt. Sowohl bei Eva, als auch später bei den Hexen. Bloß ein bisschen unterbelichtet wirken diese Frauenfiguren, denn verführen lassen sie sich nur all zu leicht. Allein die Widerständigkeit Liliths scheint für den christlichen Glauben allerdings so schwer zu vertuschen gewesen zu sein, dass mensch beschloss, sie vollkommen als Adams erste Frau zu streichen. Nur im babylonischen Talmud taucht sie noch auf. Und als Ikone der feministischen Theologie. Aber die Kombination von Sexualität und Weiblichkeit wird erstmal unter Generalverdacht gestellt. So sehr, dass mit der Gottesmutter Maria ein wahrer Geniestreich vollbracht wird: Unbefleckte Empfängnis. Während in den polytheistischen Religionen Göttinnen wegen ihrer Fruchtbarkeit verehrt werden, erreichen in den monotheistischen Religionen Frauen weder den Status der Göttin noch dürfen sie sich auf natürlichem Wege vermehren. Der Topos Heilige vs. Hure ist damit perfekt, die Stilisierung eines asexuellen Muttergeschöpfs ebenfalls. Und die deine MutterWitze machen auf eine perfide Art und Weise Sinn (vgl. Leibnitz 2007).

Dämonische Mutterschaft

Zurück zum Anfang. Woher kommt all dieses Aufsehen rund um die Mutterschaft?
Sowohl in vorchristlichen Zeiten als auch in der europäischen Philosophie rückt mensch Frauen aufgrund ihrer Gebärfähigkeit in die Nähe der Natur, die lange als von Dämonen beherrscht gedacht wird. So soll das Dämonenhafte während der Vorgänge rund um Schwangerschaft und Geburt direkt auf die Frauen übergehen (bevor diese Prozesse rational nachvollzogen werden können). Die einwirkenden Dämonen würden schließlich von den Frauen aufgrund ihrer natürlichen Zauberkräfte wieder nach getaner Arbeit vertrieben. – Im Volksglauben bleibt auch nach der Christianisierung der magische Glaube an diese Verbindung eine Weile erhalten. So erhalten Schwangerschaft und Geburt einen wichtigen Stellenwert in der Beschreibung dämonischer Frauengestalten. Als Teil der religiösen Welt des Mittelmeerraums und des Vorderen Orients kommen Dämoninnen in den kanonischen Texten des Judentums und Christentums ganz selbstverständlich vor. Sie sind die ersten bösen Frauen, die aufzeigen, was in patriarchalen Gesellschaften als bedrohlich oder unfassbar gilt und bilden somit die Negativfolie für das vorherrschende Frauenideal (vgl. (vgl. Trumann 2002/ Heimerl 2008).
In einer Studie von Pielow sind gar 45 Lilith-artige Dämoninnen versammelt, die in irgendeiner Form Kindern gefährlich werden und teilweise auch als Männer-Verführerinnen auftreten. Dazu gehören z.B. die orientalische Umm al-layl, die malayische Langsuir, die armenische Elk, die Black Annis in englischen Volksmärchen, die portugiesischen Bruxea, die schottischen Baobham und die albanische Kulschedra (vgl. Pielow 2001).
Schließlich finden sich die Motive der Dämoninnen bzw. der ersten bösen Frauen in der Verfolgung der Hexen im Mittelalter leicht abgeändert wieder. Egal ob Ernteausfälle oder Schlechtwetter, ob den Kühen oder den Wöchnerinnen der Milchfluss stock oder es den Männern an Potenz fehlt: Die Hexen sind schuld. Außerdem wird ihnen nachgesagt, dass der Teufel sie anleite, Kinder im Mutterleib zu töten. So stören Hexen nicht nur den natürlichen Kreislauf der Landwirtschaft, sondern auch den der menschlichen Reproduktion – und damit die Fortpflanzung auf allen Ebenen (vgl. Ahrendt-Schulte 1994/ Pielow 2001/ Heimerl 2008).
Als logisch grausame Konsequenz werden auch Frauen, die besonders über Heilkunde und Geburt Bescheid wissen, speziell verdächtig: Hebammen. Der Hexenhammer, der Malleus Maleficarum, verlautbart gar, dass diese ungetaufte Neugeborene dem Teufel übergeben, oder sie aus den Neugeborenen Salbe zubereiten oder sie verspeisen würden (vgl. Ahrendt-Schulte 1994, S. 55/ Trumann 2002, S. 96ff).

„[Die Hexe] verkörperte die Umkehr weiblicher Rollennormen: statt zu schützen und zu nähren, vergiftete und tötete sie. Sie war die Kinderfresserin, die selbst nicht gebären konnte.“ (Ahrendt-Schulte 1994, S. 19).

Damit schließt das Motiv der Hexe ebenfalls an das Motiv der verweigerten und verkehrten Mutterschaft an. Als Kindsmörderin hält sie sich zudem im Märchen (Hänsel und Gretel), sowie als Sinnbild öffentlicher Diffamierung für Frauen, die sich besonders dem weiblichen Ideal entziehen (Courtney Love, Yoko Ono, Margaret Thatcher) . Vermutlich nicht zuletzt deshalb wählen italienische Abtreibungs-Befürworterinnen in den 70ern bei einer Demonstration in Rom den Slogan Zittert, zittert, die Hexen sind zurückgekehrt (vgl. Ahrendt-Schulte 1994/ Cooey 1997).

Liebe oder Holocaust

Als weitere böse Frauen und ergo schlechte Mütter der Kulturgeschichte tauchen die Amazonen, Vampirinnen und die Femmes fatales auf. Die Amazonen würden sich beispielsweise ihrer Mütterlichkeit verweigern, indem sie sich die sogenannte nährende Seite (sprich: die Brust) nehmen. (vgl. Preußer 2010). – Die Vampirinnen agieren im 19. Jahrhundert wiederum ganz in der dämonischen Tradition: Zügellose Sexualität, männliche Potenz und Kinderleben haben sie im Visier (vgl. Kirsner 2006).

„Selbstbewusst, dominant, kaltblütig und darüber hinaus von einer bestechenden psychischen Attraktivität präsentieren diese Frauenfiguren einen Gegenentwurf zu institutionalisierten Frauenrollen, welche in Ehefrau- oder Mutterfiguren die friedliche, ‚gutartige‘  Frau inszenieren – die jedoch im Gegenzug auf eine ‚entfesselte Leidenschaft‘ verzichten muss“ (Catani 2004, S.197)

Die Femme fatale und ihr Bezug zur Mutterschaft lassen sich einfach am Beispiel der Hollywood-Filme Eine verhängnisvolle Affäre und Basic Instinct aufzeigen. In Eine verhängnisvolle Affäre bekommt die schöne Verführerin Alex Forrester zunehmend dämonische Züge und steht der perfekten Mutter und Ehefrau gegenüber. Die Verantwortung für den Seitensprungs wird eindeutig ihr zugeschrieben (der angeblich Verführte bleibt ein unschuldiges Opfer), dem Kind des Angebeteten scheint sie ebenfalls gefährlich werden zu wollen (das berüchtigte Kaninchen im Topf), bis sie schließlich immer hysterischer wird und für ihre Störaktionen mit dem Leben bezahlen muss (vgl. Heimerl).
Cathrine Tramell in Basic Instinct kommt da leichter davon. Als Mörderin entpuppt sich nicht nur eine andere (vermutlich), auch die Rolle des gefährlichen Vamps gibt sie in der Schlusssequenz trotz Eispickel unterm Bett auf, wenn sie sich in die starken Arme des Polizisten Nick kuschelt und eine Zukunftsvision als Familie mit Kindern ausspricht. Tod oder Liebe – in jedem Fall werden die bösen Frauen wieder ins System eingepasst. Übrigens deckt sich dies auch mit dem Schicksal der Amazonen. Entweder sterben sie oder werden verführt. Und dann ist alles wieder gut…

Der gegenwärtige Streich in der Diskussion um Mutterschaft und böse Frauen dreht sich im Übrigen um das im us-amerikanischen Umfeld verbreitete Wort Feminazi. Rush Limbaugh und Pat Robertson machen den Begriff in einer breiten Öffentlichkeit Anfang der 90er bekannt, und verweisen damit auf Abtreibungsbefürworterinnen, indem sie Abtreibung mit Holocaust gleichsetzten.

„ By calling feminists child killers, he [Pat Robertson] reinforces the theme of the destruction of the family and casts feminists as demonic destroyers, the polar opposites of the angelic Christian mothers who love their husbands and cherish their children.” (Moi 2006, S.1736)

Pat Robertson vertritt grundsätzlich die Meinung, dass eine in allen Punkten gleichberechtigte Gesellschaft existiere, weshalb weiterkämpfende Feministinnen zwangsweise militante und irrationale Extremistinnen sein müssten. Gerade in ihrem Kampf für das Recht auf Abtreibung zeige sich, dass jene Feministinnen Familie als solches hassen würden, da sie versuchen sie aus zu rotten- ergo Feminazi (vgl. Moi 2006).
Die Frage bleibt zu diskutieren, wie sich feministische Mutterschaft in diese Kulturgeschichte einreiht. Unweigerlich muss ich an das Omen denken, und ob Pat Robertson und Konsorten die hier versammelten Bloggerinnen wohl als teuflisch-dämonischen Bund interpretieren würden, der versucht weitere kleine Dämon*innen ins System zu schmuggeln. In diesem Sinne Prosit 2014! Stoßen wir an auf eine (böse) umstandslose feministische Mutterschaft.

Verwendete Literatur

Auszüge aus der Masterarbeit „ ‚Böse Mädchen‘ als (post-)feministische Heldinnen?“ von Katja Grach (unveröffentlicht)
Ahrendt-Schulte (1994): Weise Frauen – böse Weiber. Die Geschichten der Hexen in der frühen Neuzeit. Herder, Freiburg
Berlis, Angela (2006): Historische Konstruktionen der Bösen. In: Kuhlmann, Helga/ Schäfer-Bossert, Stefanie (Hg.): Hat das Böse ein Geschlecht. Theologische und religionswissenschaftliche Verhältnisbestimmungen. Kohlhammer, Stuttgart S. 140 – 150
Catani, Stephanie (2004): Mythos „Femme fatale“ – Zur medialen Inszenierung weiblicher Leidenschaft im Film. In: Boekle, Bettina/ Ruf, Michael (Hg.): Eine Frage des Geschlechts. Ein Gender-Reader. Springer VS, Wiesbaden S. 195 -206
Cooey, Paula M. (1997): Bad Women. The Limits of Theory and Theology. In: Chopp, Rebecca S./ Davaney, Sheila Greeve (Hg.): Horizons in Feminist Theology. Identity, Tradition, and Norms. Fortress Press, Minneapolis
Feigenbaum, Anna (2007): Remapping the Resonances of Riot Grrrl: Feminisms, Postfeminisms, and “Processes” of Punk. In: Interrogating Postfeminism. Gender and the Politics of Popular Culture. Duke University Press, Durham S. 132 – 154
Gottlieb, Joanne/ Wald, Gayle (1995): Smells Like Teen Spirit. Riot Grrrls, Revolution und Frauen im Independent Rock. In: Eichhorn, Cornelia/ Grimm, Sabine (Hg.): Gender Killer. Edition ID-Archiv, Berlin S. 167 – 189
Heimerl, Theresia (2008): Dämoninnen und Vampirinnen, Religionsgeschichte und moderne Transformationen. In: Höpflinger, Anna-Katharina/ Jeffers, Ann/ Pezzoli-Olgiati, Daria (Hg.): Handbuch Gender und Religion. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen S. 167 – 181
Heimerl, Theresia: Mütter und dämonische Verführerinnen. Religiöse Stereotypen des Weiblichen im Hollywoodkino und ein (scheinbarer) Exkurs zu Lars von Friers Antichrist. (unveröffentlichter Artikel)
Höpflinger, Anna-Katharina (2008): „Mehr verschandelt als verwandelt“ Kleidung als Medium der Geschlechterkonstruktion in religiösen Symbolsystemen. In: Höpflinger, Anna-Katharina/ Jeffers, Ann/ Pezzoli-Olgiati, Daria (Hg.): Handbuch Gender und Religion. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen S. 243 – 255
Kirsner, Inge (2006): Der/die oder das Böse? Über geschlechtliche Rollenzuschreibungen des Bösen im Film. In: Kuhlmann, Helga/ Schäfer-Bossert, Stefanie (Hg.): Hat das Böse ein Geschlecht. Theologische und religionswissenschaftliche Verhältnisbestimmungen. Kohlhammer, Stuttgart S. 43 – 55
Leibnitz, Kimiko (2007): Die Bitch als ambivalentes Weiblichkeitskonzept im HipHop. In: Bock, Karin (Hg.): HipHop meets Academia: globale Spuren eines lokalen Kulturphänomens. transcript, Bielefeld S.157 – 170
Leonhard, Marion (2007): Gender in the Music Industry. Rock, Discourse and Girl Power. ashgate, Cornwall
Moi, Toril (2006): „I Am Not a Feminist, but…“: How Feminism Became the F-Word.In: PMLA, Bd. 121, Nr. 5 (2006), S. 1735-1741 http://www.torilmoi.com/wp-content/uploads/2009/09/Moi_PMLA_2006.pdf
Pielow, Dorothee (2001): Lilith und ihre Schwestern: Zur Dämonie des Weiblichen. 2. Aufl. Grupello, Düsseldorf
Preußer, Heinz-Peter (2010): Die überdeterminierte Amazone – Frauen als mordende Racheengel. Edition Minerva, München S. 267 – 275
Trumann, Andrea (2002): Feministische Theorie. Frauenbewegung und weibliche Subjektbildung im Spätkapitalismus. Schmetterling Verlag, Stuttgart

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6 Kommentare

  1. eva

    Interessanter Beitrag. Meine Lieblings-böse Frau wurde glaube ich nicht erwähnt, die böse Stiefmutter im Märchen.

    Was meinst du, wie man zu deinen Überlegungen das Phänomen in Bezug setzen könnte, dass in Deutschland immer weniger Frauen und insbesondere immer weniger Akademikerinnen Kinder kriegen? (Ich meine mich zu erinnern, vor kurzem was von 1/3, die endgültig kinderlos bleiben, gelesen zu haben.) Würdest du sagen, dass sind Frauen, die das Böse, was dem kinderlos-Image anhaftet, über den Haufen werfen? Dafür müssen sie sich nicht mit den von dir aufgezählten Rollen-Erwartungen an Mütter rumschlagen?

  2. Stimmt. Die böse Stiefmutter fehlt, passt aber gut rein durch ihre „schlechten“ Mutterqualitäten. Bei Göttner-Abendroth wäre da sicherlich einiges dazu zu finden. Die hat sich ja unter anderem mit der Geschichte und der Verschiebung innerhalb der heute bekannten Märchenversionen beschäftigt. Die „guten“ Mütter sind ja da ziemlich verloren gegangen – alle tot. Nur böse Stiefmütter soweit das Auge reicht.

    Meiner Meinung nach werfen die kinderlosen Frauen – auch wenn sie mehr werden – den böse-Frau-Topos nicht über den Haufen, da die meisten (so nehme ich mal an) oft genug die Frage gestellt bekommen werden, ob und wann sie denn (endlich) Kinder bekommen wollen und wenn nicht (meine Annahme) oft genug zu hören bekommen werden „du wirst schon sehen, wenn der richtige kommt“…- zumindest von Menschen, die nicht aus demselben Milieu stammen (Eltern, Verwandtschaft). Die Option kinderlos zu sein ist, glaub ich, zwar stärker vorhanden, aber die Rollenerwartung noch nicht ganz vom Tisch.

    Allerdings schreib ich in meiner Masterarbeit über „böse Mädchen“. Und da hat sich für mich eine deutliche Verschiebung gezeigt: weg von der Mutterschaft als der Essenz des Weiblichen, hin zur Sexyness als neues Muss. Durch die Verknüpfung von Neoliberalismus und dem Hype um „Girl Power“ ist eine selbstbestimmt verkörperte Sexualität (optisch sichtbar durch aufreizende Kleidung und Körper, die so geformt sind, dass sie in diese Kleidung passen) das neue Idealbild geworden (ganz verkürzt gesagt). Ständige Optimierung und Disziplinierung um ja „fuckable“ zu sein legt den Fokus auf eine andere „Stelle“ des Körpers. Kann mensch zB an den Diskussionen um baby tummies ablesen (http://aufzehenspitzen.wordpress.com/2013/07/24/its-a-tummy/), oder auch an den Müttern als Porno-Kategorie (milf und teils auch cougar).

  3. anna

    Jungfrauengeburt != unbefleckte Empfängnis

    Ich hoffe mal, der Rest ist besser recherchiert.

  4. statt „unbefleckte Empfängnis“ hätte Katja deiner Meinung nach „Jungfrauengeburt“ schreiben sollen, ist der Kommentar so zu verstehen? Und wenn ja, mit welcher Begründung? Ich fände es gut, wenn du deinen Kommentar präzisieren könntest, damit die Autorin auch dazu Stellung beziehen kann. [Antonia]

  5. anna

    Das Dogma der unbefleckten Empfängnis wurde von der römisch-katholischen Kirche im 19. Jahrhundert verkündet und besagt, dass bei Marias Zeugung (durch Sex ihrer Eltern) die Erbsünde nicht übertragen wurde; sie also ein reines Wesen war, wodurch sie sich als „Gottesmutter“ qualifizierte. Demgegenüber findet sich die Jungfrauengeburt (Jesus betreffend) in der Bibel. Sie ist allerdings nicht spezifisch christlich — eine jungfräuliche Mutter war in der Antike ein beliebtes Topos, das Göttern und Herrschern zugesprochen wurde.

    Ich finde den Artikel insgesamt sehr interessant und er wirkt mit der langen Quellenliste auch gut belegt, daher hoffe ich, dass dieser Fehler nicht represäntativ für den Text ist. Und immerhin wissen sogar viele Katholiken nicht, was an „Mariä Empfängnis“ jetzt genau gefeiert wird.

  6. Liebe Anna, das find ich total interessant, davon hab ich noch nie gelesen. Ich hab mich bei besagtem Absatz an Leibnitz orientiert und sonst vor allem an Theologinnen. Die Unterscheidung zwischen Marias Zeugung und der von Jesus ist mir bislang noch nicht so begegnet. Hast du bezüglich der jungfräulichen Mutter in der Antike ein paar Quellen.
    Leibnitz und Co. gings bei den polytheistischen Religionen noch mehr um die Überbleibsel der post-matriarchalen Weltsicht, wo die Fruchtbarkeit ja durchaus hoch im Kurs stand. Die Antike allerdings ist ja schon sehr patriachal geprägt. Wie siehst du das?

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