Winnie, Bob und Moritz Moppelpo. Sexismus in Kinderbüchern

von Cornelia

Die Mama kocht, der Papa liest Zeitung. Die Mama schiebt den Kinderwagen, der Papa mäht den Rasen – nicht immer liegen Geschlechterrollen und sexistische Stereotype in der Kleinkind-Literatur so klar erkennbar auf der Hand wie in diesen Beispielen. Ganz im Gegenteil. Gerade in neueren Kinderbüchern sind die Rollen oft oberflächlich vertauscht und zumindest was Nebendarsteller_innen anbelangt spielen die Handlungen in einem auf den ersten Blick emanzipierten Umfeld. Doch die Vielfalt der Lebens- und Familienformen ist höchst eingeschränkt: Es regiert die heteronormative Kleinfamilie.

Die beständig kochende-putzende-aufräumende Mama ist das eine. Die Besetzung der Protagonist_innen das andere. Zwei Drittel dieser sind männlich. Gibt es zwei Hauptfiguren, sind diese fast nie beide weiblich, aber in zwei Drittel der Fälle männlich. Dabei nicht zu vergessen: Auch vermeintlich neutrale Tierprotagonist_innen sind keineswegs geschlechtslos. Die Standardtierfigur ist per Norm männlich. Weibliche Tiere sind meist an speziellen „Accessoires“ wie Haarspangen, langen Wimpern oder Kleidern erkennbar – oder an ihrer „Bestimmung“, der Mutterschaft. Ein Beispiel dafür sind die Tiere in Winnie Pu. Gezählt werden können sieben männlich und ein weiblich ausgewiesenes Tier (die Kängurumutter Kanga).

Die Folgen in der Entwicklung sind weitreichend. So zeigen zum Beispiel Kinder, die Kontakt zu gleichgeschlechtlichen Held_innen haben, mehr Selbstvertrauen. Kinderbücher, die gänzlich ohne männliche Charaktere auskommen, sind rar. In 50 Prozent der Fällen ist der Held männlich, ausgewiesene Heldinnen hat nur etwa jedes vierte Kinderbuch. Außerdem haben Studien gezeigt, dass weibliche Charaktere generell weniger aktiv sind als männlich, diese im Gegenzug weniger Emotionen zeigen.

Mädchen lernen von jüngsten Jahren an, sich mit männlichen Protagonisten zu identifizieren, sehen sich selbst, ihr eigenes Geschlecht, durch den „male gaze“, den männlichen, aktiven und kontrollierenden Blick – einer Begrifflichkeit aus der Filmtheorie (Laura Mulvey), der das Publikum das Geschehen durch die (nicht immer nur metaphorischen) Augen eines heterosexuellen (meist weißen) Mannes erleben lässt.

Gesellschaftliche Normen und Geschlechterzuweisungen/-rollen sowie (erwünschte) Verhaltensweisen werden in vielen Kinderbüchern mit herzigen Bildern und süßen Handlungen seitenweise mittransportiert. Gute Kinderbücher abseits der Gendernormen fallen selten vom Himmel – wer solche kennt und besitzt: unbedingt weiterempfehlen (das tut z. B. die Seite buuu.ch (Kinderbuchkritiken)!

Literatur/Texte

Tipp am Rande

Coloring books/Queerbook Committee (Englisch)

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3 Kommentare

  1. So ist es. Ich komme via Katharina Bleuer vom Mamakeinezeit-Blog hierher, die hat euch auf FB empfohlen, was ich auch gleich tun werde. Und möchte mich gerne mit euch vernetzen.

    Hier auch ein vielleicht als „Tipp am Rande“ geeigneter Text von mir zum Thema Trennungsliteratur für Kinder und Gender: http://mama-arbeitet.de/standpunkt/kinderbucher-und-trennung

    Falls Ihr mögt, verlinken, und ansonsten einfach hallo, und schön, dass Ihr da seid!

    Viele Grüsse, Christine

    • Sehr schön! Du bist herzlich eingeladen, dich einzubringen, mitzumachen und beizutragen. Wenn du Interesse hast, schick ich dir einen Kontakt und wenn das Banner fertig ist und du Lust hast, es auf deine Seite zu hieven, dann schicken wir dir auch das.
      Gute Nacht!

  2. Ortrud

    Danke für all die interessanten links!

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